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Inhaltsverzeichnis
















































Danksagung

Es ist nicht leicht, beim Dankesagen keinen der Menschen, die an diesem Buch mitgewirkt haben, zu vergessen. Denn ein so breit angelegtes Buch wie dieses baut auf der Anregung und Inspiration vieler Menschen auf, die alle in irgendeiner Weise zu meinen Ansichten über Kindererziehung beigetragen haben.

Lassen Sie mich zu Beginn meinen Eltern Dorothy und Henry Winget danken, für ihr gelebtes Vorbild und die Werte, die sie mich gelehrt haben.

Dann möchte ich all meinen Lehrern danken, die ich in meiner Kindheit und Jugendzeit in Muskogee, Oklahoma, hatte, für den Einfluss, den jede und jeder Einzelne von ihnen auf mein Leben gehabt hat.

Danke all den Eltern, aus deren Beobachtung ich lernen durfte, wie man es richtig macht – und wie man es falsch macht. So lernte ich, was ich selbst als Vater tun sollte und was nicht. Ich bin beiden Gruppen von Eltern sehr dankbar dafür.

Danke an meine Freunde und Fans für ihren Beitrag zu diesem Buch.

Danke an die guten Leute vom Verlag Gotham Books: An meinen Verleger Bill Shinker, meine Lektorin Jessica Sindler, sowie an Beth Parker und Lisa Johnson. Sie haben unverdrossen an mich und meine Botschaft geglaubt und haben mir genügend Spielraum gegeben, über alles zu schreiben, woran ich so fest glaube.

Herzlichen Dank auch an meine Lebenspartnerin Rose Mary für ihren großen Beitrag zur Erziehung meiner beiden Söhne, die inzwischen zu Männern herangereift sind, auf die wir beide stolz sein können.

Und ein herzliches Dankeschön nicht zuletzt an meine beiden Jungs für die guten, die weniger guten und die schlimmen Zeiten, die wir miteinander erleben durften. Die Erfahrungen, die ich als Vater dieser zwei Menschen machen durfte, würde ich für nichts auf der Welt eintauschen.

Über den Autor

Larry Winget, Vater zweier Söhne, ist einer der führenden Vortragsredner der USA in Sachen beruflicher und privater Erfolg und regelmäßig im US-Nachrichtensender Fox News zu Gast. Er ist Autor der Ratgeber-Bestseller Immer frei Schnauze, Menschen sind Idioten und ich kann’s beweisen, Goodbye Pleite, hello Luxus, Mach Deinen Job! und Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich!. Er wohnt in Paradise Valley, Arizona.

Larry Winget

Larry Winget, der „Pitbull of Personal Development“, führt die Liga amerikanischer Erfolgstrainer an. Diverse Bestseller gehen inzwischen auf sein Konto: „Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich!“ bietet ungewöhnliche und effektive Lebenstipps. Mit „Mach Deinen Job!“ korrigiert der Autor schlechte Angewohnheiten im Berufsleben. In „Goodbye Pleite, hello Luxus“ wird Schuldenberatung zum lehrreichen Lesevergnügen. „Menschen sind Idioten und ich kann’s beweisen“ schafft Abhilfe bei Selbstsabotage. Larry Winget konzentriert gibt es in „Immer frei Schnauze“, einem Jahreskalender mit den besten Winget-Sprüchen für jeden Tag. Eine tägliche Prise Weisheit aus Larry Wingets beachtlichem Repertoire.

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Larry Winget:
Immer frei Schnauze
17,90 € / 400 Seiten / gebunden
ISBN: 978-3-941493-15-5


Larry Winget:
Menschen sind Idioten …
22,90 € / 288 Seiten / geb. mit SU
ISBN: 978-3-941493-08-7


Larry Winget:
Goodbye Pleite …
22,90 € / 192 Seiten / geb. mit SU
ISBN: 978-3-938350-72-0


Larry Winget:
Mach Deinen Job!
22,90 € / 264 Seiten / geb. mit SU
ISBN: 978-3-938350-44-7


Larry Winget:
Halt den Mund …
22,90 € / 328 Seiten / geb. mit SU
ISBN: 978-3-938350-16-4

KAPITEL 1

Wie sind wir in diesen Schlamassel geraten?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt, egal welches Problem ich gerade anspreche – sei es die Frage, warum Angestellte nicht härter arbeiten, warum unsere Wirtschaft so chaotisch ist oder warum viele Leute so dumme Entscheidungen treffen. Die Leute wollen immer wissen, warum. Die Frage stelle ich mir auch oft. Also lassen Sie uns innerlich ein paar Schritte zurücktreten und uns fragen, warum wir in diesen Schlamassel geraten sind.

In meinem Alter bin ich immer ein bisschen verwundert, wenn die Leute fragen, warum es dieser Gesellschaft so schlecht geht. Denn egal über welchen Bereich wir sprechen, die Antwort fällt immer gleich aus. Das Chaos kam deshalb zustande, weil wir nicht genügend aufgepasst haben, um es zu verhindern oder weil wir nicht gründlich genug hingesehen haben, um mitzubekommen, dass es zustande kam. In beiden Fällen ließen wir es geschehen. Wir sind auf unseren fetten Hintern sitzen geblieben und haben es zugelassen, ohne einzugreifen; wir haben uns allenfalls im Stillen darüber geärgert, darüber gejammert oder uns beklagt.

Zuerst haben wir zugesehen, wie das Chaos in unserem eigenen privaten Umfeld passierte. Dann ging es auf unsere Familie über, und wir sahen nur zu, wie es langsam, aber stetig wuchs. Dann griff es auf unsere Arbeitswelt und unsere Wirtschaft über. Wir sahen weiterhin tatenlos zu, und das Chaos wurde immer größer und größer, bis unsere ganze Gesellschaft damit zu tun bekam. Anschließend ergriff das Chaos als Thema viele Fernsehsender, und wir konnten darüber in den Zeitungen lesen. Danach sahen wir in You-Tube Videos von Menschen, die damit zu tun hatten, ja sogar sich darüber lustig machten. Das Chaos wurde zum Thema von Blogs und von einigen Internetseiten. Wohin wir auch blickten, es war schon da. Inzwischen wurden wir alle so abgebrüht, so an das Chaos gewöhnt, dass es uns gar nicht mehr so störte. Schließlich wurden wir dermaßen immun dagegen, dass wir das Chaos gar nicht mehr als solches wahrnahmen, sondern annahmen, es sei eben so. Wir erkannten es nicht mehr als Chaos, sondern akzeptierten es klaglos als eine bestimmte Lebensart. Schließlich, als es so weit gekommen war, stach uns das Chaos in den Rücken. Ja, in den Rücken, nicht etwa in die Brust. Warum? Weil wir ihm ja längst den Rücken zugewandt hatten und weggegangen waren. Wir gingen ins Einkaufszentrum oder an den Kühlschrank, aber egal wohin wir uns wandten, es holte uns ein.

Wir alle haben so etwas schon oft erlebt. Das Chaos kommt in vielerlei Gestalt. Wir sehen es daran, dass wir alle so dick werden. Wir waren nicht immer die dickste Nation auf dieser Erde. Aber jetzt sind wir es. Auch was unsere Erziehung und Bildung angeht, sticht uns das Chaos hinterrücks. Wir US-Amerikaner waren mal ganz oben in der Hitparade der gebildetsten Völker. Das ist lange vorbei. Auch im Geschäftsleben hat sich das Chaos breit gemacht. Wir waren mal weltweit die Nummer 1 beim Herstellen von Produkten. Vorbei. Oder sehen Sie sich unsere Wirtschaft an. Das Virus hat inzwischen fast jeden unserer Lebensbereiche angekränkelt, vom Gesundheitssystem über die Wirtschaft bis hin zur Regierung selbst. Und bis hin zu unseren Kindern.

Das ist der Grund dafür, dass unsere Kinder heute so ein chaotischer Haufen sind. Wir haben es einfach geschehen lassen. Es ist nicht einfach über Nacht passiert. Die Krise hat sich an uns herangeschlichen, weil wir sie nicht sehen wollten, weil wir sie lieber ignoriert haben und so taten, als sei es gar nicht wahr. Denn hätten wir zugegeben, dass sie Wirklichkeit ist, hätte das bedeutet, dass wir etwas dagegen tun müssen. Es ist eine traurige Binsenweisheit, dass die meisten Menschen an ihren Problemen nichts ändern wollen. Zumindest so lange nicht, bis es fast zu spät ist.

Wann sehen die Dicken endlich ein, dass sie abnehmen müssen? Wenn bei ihnen Zuckerkrankheit festgestellt wird oder sie einen Herzinfarkt haben. Wann sagen die Leute sich, jetzt ist es Zeit, mit dem Rauchen aufzuhören? Wenn der Arzt bei ihnen ein Lungenemphysem oder Lungenkrebs diagnostiziert hat. Wann sehen sie endlich ein, dass sie zur Arbeit gehen und den Job machen müssen, für den sie bezahlt werden? Wenn sie kurz davor stehen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Mit anderen Worten: Wir sehen immer erst dann ein, dass wir etwas tun müssen, wenn es schon fünf vor zwölf ist.

Genauso verhalten wir uns, wenn es um unsere Kinder geht. Es ist sogar ganz besonders so, wenn es darum geht, etwas gegen die Probleme unserer Kinder zu unternehmen. Warum? Weil es uns allen unglaublich schwer fällt zuzugeben, dass etwas mit unseren Kindern nicht stimmt. Oh, wir tun uns leicht damit zu sagen, Deine Kinder sind verzogen oder deren Kinder sind verzogen, aber unsere eigenen? Gott bewahre! Das kann doch gar nicht sein! Schließlich sind es doch unsere eigenen Kinder, über die wir hier reden!

Aber ich habe Neuigkeiten für Sie: Ihre Kinder sind verzogen! Und wenn sie es bis jetzt noch nicht sind, stehen die Chancen gut, dass sie zukünftig in diese Richtung tendieren. Ich will mich nicht mit Ihnen darüber streiten. Ich sage es lediglich und überlasse es Ihnen, festzustellen, ob ich recht habe oder nicht, während Sie dieses Buch lesen und die Übungen dazu ausfüllen.

Kehren wir zu unserer Ursprungsfrage zurück: Wie sind wir nur in diesen Schlamassel geraten? Ich möchte nicht, dass wir es uns leicht machen und sagen, „weil wir nicht aufgepasst haben“. Ich möchte Ihnen lieber ein paar vernünftige Antworten auf die Frage geben, damit Sie selbst bewerten können, wie gut Sie als Elternteil sind und in welche Richtung Sie mit Ihrem Kind tendieren.

Warum tun Kinder, was sie tun?

Diese Frage drängt sich auf, wenn Leute darüber reden, warum ihre Kinder sich falsch benehmen … WARUM? Ich nenne Ihnen acht Gründe, warum Kinder das tun, was sie tun.

1. Weil Sie sie lassen

Kinder handeln so, wie sie wollen, weil ihre Eltern es zulassen. Kinder werden so, wie sie werden, weil ihre Eltern es zulassen. So einfach ist es.

Wenn Sie ein Kind haben, das mit seinem Leben nicht zurechtkommt, wird Ihnen diese Antwort nicht gefallen. Sie werden tausend Ausreden haben, warum es so gekommen ist. Sie werden über Filme reden, über Musik, Sex und Gewalt im Fernsehen, die Sie als schlechte Einflüsse zur Erklärung heranziehen, warum Ihr Kind so ist, wie es ist. Sie werden das Bildungssystem anklagen. Sie werden über den Druck durch Gleichaltrige reden und darüber, dass wir in einer Gesellschaft leben, die verantwortungsloses Verhalten toleriert und fördert. Glauben Sie mir, das kenne ich alles schon. Ich habe schon unzählige Male Eltern gesehen, die im Fernsehen darüber klagen, jammern, schreien und weinen, dass ihre Kinder so geworden sind. Das süße kleine Baby, und jetzt das! Ich habe sogar selbst manchmal die eine oder andere Ausrede für mich in Anspruch genommen. Aber keine Ausrede hält der näheren Betrachtung stand. Schütteln Sie Ihre Wut ab und nehmen Sie diese Wahrheit zur Kenntnis: Ihre Kinder sind ein Produkt Ihrer Erziehung. Punkt. Finden Sie sich damit ab. Je eher Sie das einsehen, desto schnellere Fortschritte können Sie machen.


Erlauben Sie Ihrem Kind manchmal, auf eine Art und Weise zu handeln, die mit Ihrem Ziel, ihm gutes Benehmen beizubringen, nicht zusammenpasst? Inwiefern? Erklären Sie es sich selbst und nennen Sie Beispiele.

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2. Weil schlechtes Verhalten für sie keine Konsequenzen hat

Viele Eltern lassen ihre Kinder gewähren, ohne ihnen klare Anweisungen zu geben, mit ihnen einzuüben oder ihnen auch nur richtig mitzuteilen, was für sie akzeptables, beziehungsweise inakzeptables Verhalten darstellt. Wenn dann etwas schiefläuft, nehmen sie es hin, ohne dass das schlechte Verhalten irgendwelche Folgen für die Kinder hat. Ein Grundprinzip menschlichen Verhaltens ist jedoch, dass Menschen immer all das tun, was man ihnen erlaubt.

Ich werde später in diesem Buch noch oft über Konsequenzen, über Disziplin und Bestrafung sprechen. Ich möchte, dass Sie Folgendes wissen: Einer der Gründe, warum wir in diesen Schlamassel geraten sind, ist, weil wir nicht hinnehmbares Verhalten unserer Kinder nicht sofort mit Konsequenzen belegen. Wir sagen gern zu unseren Kindern: „Wenn du dies nicht tust, dann bekommst du das.“ Dann tun sie dies nicht, bekommen das aber auch nicht. Oder sie machen nicht, was wir von ihnen erwarten und worum wir sie gebeten haben und kommen ohne Sanktionen davon. Wir setzen die Folgen, die wir ihnen in Aussicht gestellt haben, oft nicht um. Wissen Sie, was die Mutter oder der Vater, der Konsequenzen angedroht hat, sie aber nicht eintreten lässt, in den Augen des Kindes ist? Ein Lügner. So ist es – wir bringen unseren Kindern bei, sich schlecht zu benehmen, weil wir im Grunde selbst Lügner sind. Wir sind einfach nur zu faul, Wort zu halten und schlechtes Verhalten prompt zu ahnden – mit Konsequenzen, die wir fest versprochen hatten.

Bekennen Sie sich schuldig, Ihrem Kind nicht klar mitgeteilt zu haben, wie es sich verhalten soll und wie nicht? Haben Sie ihm schon mal Konsequenzen angedroht, sie dann aber nicht umgesetzt? Inwiefern? Erklären Sie es sich selbst.

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3. Weil Sie Ihren Kindern gesagt haben, sie seien etwas Besonderes

Das stimmt nicht – Ihre Kinder sind nichts Besonderes. Jetzt sind ein paar von Ihnen, die sich als liebevolle Eltern betrachten, schwer gekränkt, was? Für diejenigen von Ihnen, die tatsächlich der Meinung sind, ihr Kind sei etwas Besonderes, hier ist ein für alle Mal die Wahrheit über Ihren kleinen Schatz: Ihr Kind ist nichts Besonderes. Wenn Sie ihm sagen, es sei etwas Besonderes, erweisen Sie ihm damit einen schlechten Dienst. Natürlich ist Ihr Kind etwas Besonderes – aber nur für Sie, nicht für irgendjemand anderen.

Ihr Kind musste nichts dafür tun, um sich Ihre Liebe zu verdienen, und das muss es auch nicht. Ihr Kind wurde schon mit all Ihrer Liebe zu ihm geboren; das ist etwas Wundervolles, etwas, das es wissen sollte. Aber sobald es aus Ihrer Haustür geht und sich auf den Weg in die Schule macht, ist es ein Kind wie jedes andere, ein Kind, das in der dritten Reihe sitzt, und es ist nichts Besonderes an ihm. In der Schule ist Ihre Tochter keine kleine Prinzessin, in niemandes Augen. In der realen Welt ist Ihr Kind niemandes Augapfel. Es ist nur ein ganz normales Kind. Ihr Kind sollte das verstehen und lernen, sich damit abzufinden. Später, wenn es im Berufsleben steht, ist es ganz bestimmt nichts Besonderes – für niemanden. Ihr Kind muss wissen, dass es, sobald es Ihre liebevollen Arme verlässt und in die reale Welt hinausgeht, nicht einfach so geliebt wird, nur weil es existiert. Draußen in der wirklichen Welt sind Erfolg, Liebe und Glück keine Rechte, die man von Geburt an automatisch hat. Was draußen zählt, ist Leistung.


Bekennen Sie sich schuldig, Ihren Kindern gesagt zu haben, sie seien etwas Besonderes, anstatt ihnen klar zu machen, dass sie von anderen Menschen nur nach ihren Leistungen beurteilt und belohnt werden? Inwiefern? Erklären Sie es sich selbst.

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So, jetzt kommt gleich ein neuer Schock für Sie.

4. Weil Sie Ihre Kinder zum Wichtigsten auf der Welt gemacht haben

Das sind sie aber nicht.

„Was? So eine Unverschämtheit!“

Ich weiß, dass Sie denken, Ihr Kind ist das Wichtigste auf der Welt, aber auch hier liegen Sie falsch. Wenn Sie Ihre Kinder in der Überzeugung großziehen, sie seien das Wichtigste in Ihrem Leben, werden sie schnell lernen, Ihre Gefühle für sie für ihre Zwecke auszunutzen und das Ergebnis wird sein, dass Sie von ihnen beherrscht werden. Und, was noch wichtiger ist: Kinder, die glauben, sie seien für ihren Dad oder ihre Mama das Wichtigste, lernen, ihre Eltern gegeneinander auszuspielen – und gegen jeden Dritten, der sie zeitweise beaufsichtigt, denn der kleine Jimmy weiß ja, dass er in Ihren Augen die Nummer 1 ist.

Natürlich sind Ihre Kinder wichtig – verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Sie sollten Ihre Kinder bedingungslos lieben. Aber Eltern, die das Glück ihrer Kinder über alles andere stellen, opfern ihnen ihr eigenes Leben, ihre Gesundheit und manchmal sogar ihre Ehe.

Wenn Sie Ihre Aufgabe als Elternteil erledigt haben, sind Ihre Kinder alt genug, um Sie zu verlassen und sich ihr eigenes, gesundes und glückliches Leben aufzubauen. Wenn dieser Tag kommt, sitzen Sie mit Ihrer Ehefrau, beziehungsweise Ihrem Ehemann allein da. Wenn Sie aber bis dahin all Ihre Zeit und Energie nur auf die Aufzucht Ihrer Kinder verwendet haben, kennen Sie den Menschen, mit dem Sie plötzlich allein zurückbleiben, nicht einmal mehr richtig. Das ist der Grund, warum so viele Ehen auseinandergehen, sobald die gemeinsamen Kinder aus dem Haus sind. Deswegen sagen manche Leute 25 Jahre lang, es gehe ihnen gut und lassen sich dann ‚plötzlich‘ scheiden. Warum? Weil der einzige Grund, zusammenzubleiben, ihre Kinder waren. Dann war dieser ‚gemeinsame Grund‘ weg und das Paar musste feststellen, dass es nicht genug gemeinsam hatte.

Es passiert sogar Alleinerziehenden. Der einzig vorhandene Elternteil verbraucht so viel Zeit und Energie für die Erziehung seiner Kinder, dass er dabei sein Eigenleben opfert. Er denkt, er tut seinen Kindern einen guten Dienst, wenn er sich selbst „zurückstellt“, solange sie ihn brauchen. Dann sind die Kinder aus dem Haus und er steht plötzlich mit leeren Händen da – mit ein paar Freunden, aber ohne einen Menschen, mit dem er alt werden möchte. Dann wird er – oder sie – zu einem verschrobenen Menschen, der immer noch in sein fünfzigjähriges ‚Baby‘ vernarrt ist, als wäre es vier Jahre alt.

Sie tun Ihren Kindern nichts Gutes, wenn Sie sie zum Mittelpunkt Ihres Lebens machen. Auch sich selbst, Ihrem Ehegatten oder Partner und Ihren übrigen Beziehungen leisten Sie keinen guten Dienst damit.

„EINE MUTTER KANN IHREN KINDERN NUR
SCHADEN, INDEM SIE SIE ZUM EINZIGEN
THEMA IHRES LEBENS MACHT.“

WILLIAM SOMERSET MAUGHAM, „AUF MESSERS SCHNEIDE“

Bekennen Sie sich schuldig, Ihre Kinder zum Mittelpunkt Ihres Lebens zu machen und Ihr eigenes Leben dabei zu vernachlässigen? Inwiefern? Erklären Sie es sich selbst.

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5. Weil es ein Anspruchsdenken gibt, das sich quer durch unsere ganze Kultur zieht

Menschen jeden Alters meinen, Erfolg, Reichtum und Glück stünden ihnen einfach zu. Wir alle kennen erwachsene Männer und Frauen, die nach der Regierung rufen und fragen: „Wo ist meine Unterstützung?“, obwohl niemand anderer als sie selbst an ihrem Problem schuld ist. Sie wollen einen Scheck haben und für ihre eigene Dummheit noch Geld kassieren. Wir kennen Wohlfahrtsempfänger, die schon in der fünften Generation von staatlicher Unterstützung leben und in deren Familien man nur eine Arbeit kennt – nämlich zu ihrem Briefkasten zu laufen und den Scheck herauszuholen. Da gibt es ledige Mütter mit acht Kindern, die von der Sozialhilfe gelebt haben und auf einmal Millionen für Buchverträge kassieren. Da gibt es Geschäftsführer großer Unternehmen, die Millionen an Boni einstreichen – und wofür? Dafür, dass sie die Aktionäre ihrer Unternehmen ausnehmen und die amerikanische Öffentlichkeit betrügen.

Unsere Kinder haben dabei zugesehen, wie Mama und Papa ihren Hypothekenkredit bewusst falsch ausgefüllt haben, um ein Haus kaufen zu können, das größer war, als sie es brauchten und teurer, als sie es sich leisten konnten – und wie das schöne Haus dann zwangsversteigert werden musste. Sie haben zugehört, als ihre Eltern sich bitter über „diese Kredithaie“ beklagten. Sie standen daneben, als ihre Eltern ins Einkaufszentrum gingen, ihre Kreditkarten aufluden, sich in jedem Laden eine Kreditkarte besorgten und alle diese Kredite bis zum Limit ausreizten, weil ihre Familie diese schönen Dinge doch „verdient hat“.

Kürzlich erhielt ich eine E-Mail von einer Frau, die mir gestand, sie und ihr Mann seien vor acht Jahren pleite gewesen. Jetzt, acht Jahre später, hatten sie wieder so viele Schulden wie damals. Im Klartext: Sie hatten eine zweite Chance bekommen und diese auch nicht genützt!

Anschließend schrieb sie, ihr Mann und sie gönnten sich nichts, aber ihren drei Töchtern solle es „an nichts fehlen“. Ihre Frage an mich war, wie sie ihren Töchtern erklären solle, dass sie in Geldschwierigkeiten steckten und „den Gürtel enger schnallen“ müssten, ohne ihnen weh tun zu wollen? Sie können sich vorstellen, wie nett ich ihr geantwortet habe. Ich schrieb, zum einen sei es eine Lüge, dass es ihren Töchtern „an nichts fehle“. Ihnen fehle es an verantwortungsbewussten Eltern, die klug genug seien, um aus ihren Fehlern zu lernen; an Eltern, die für die Zukunft ihrer Familie und für die Ausbildung ihrer drei Kinder vorsorgen könnten, die die richtigen Prioritäten setzen, ihren Kindern den richtigen Umgang mit Geld beibringen und so leben könnten, wie sie es sich leisten können – kurz an Eltern, die keine Idioten sind! Und was ihre Sorge betrifft, wie sie ihre Kosten senken könnten, ohne ihren Töchtern „wehzutun“? Dazu sei schon es zu spät, denn sie und ihr Ehemann hätten ihren Töchtern längst wehgetan. Sie schrieb mir, allein die Handy-Rechnungen ihrer drei Töchter betrügen mehr als 200 Dollar im Monat, aber die Familie komme finanziell gerade so über die Runden. Sie schrieb, sie halte es nicht für „fair“, dass ihre Töchter ihrer Fehler wegen leiden müssten. So ein Quatsch! Seit wann muss ein Teenager leiden, weil man ihm sein Handy wegnimmt?

Ist es denn ein Wunder, dass unsere Kinder meinen, wir „schulden“ ihnen ein neues Auto, wenn sie 16 Jahre alt werden? Natürlich sind da einschlägige Fernsehshows nicht gerade hilfreich. Warum wundern wir uns, wenn unsere Kinder der Ansicht sind, sie hätten sich ein eigenes Handy „verdient“? Wir haben es versäumt, ihnen ordentliche Vorbilder zu sein. Wir haben es versäumt, ihnen den Unterschied zwischen einem Recht und einem Privileg zu erklären.

Neulich sah ich ein Interview mit dem Psychiater Dr. Keith Ablow, Gastgeber einer nach ihm benannten US-Fernsehshow. Er sagte, manche Kinder seien schon an dem Punkt, dass sie erwarten, eine Eins zu bekommen, bloß weil sie in der Schule auftauchen. Er sagte: „Kinder verbinden gute Noten nicht mehr mit Leistung, sondern sie finden, sie haben ein Recht darauf, nur weil sie am Unterricht teilnehmen. “


Bekennen Sie sich schuldig, Ihre Kinder mit Anspruchsdenken hochgepäppelt zu haben? Inwiefern? Erklären Sie es sich selbst.

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6. Weil Sie so hart daran gearbeitet haben, Ihren Kindern ein gesundes Selbstwertgefühl mit auf den Weg zu geben

Sie können Ihrem Kind kein Selbstwertgefühl vermitteln, also versuchen Sie’s lieber gar nicht erst. „Wie bitte? Mein Job ist es, das Selbstwertgefühl meines Kindes aufzubauen“, entgegnen Sie jetzt vielleicht. Wer hat Ihnen denn das erzählt? Sehen Sie sich bloß einmal das Wort an: Selbst-Wert-Gefühl. In dem Wort „Wert“ steckt die Bedeutung „Wertvoll sein, hoch angesehen sein“. Können Sie bei sich selbst hoch angesehen sein? Nein. Ein Selbstwertgefühl kann einem niemand geben, das kommt von innen – oder eben nicht. Dasselbe gilt für „Selbstwert“ und „Selbstvertrauen“. Weil sie mit dem Wort „selbst“ beginnen, müssen Sie es auch selbst machen, andere können es nicht für Sie tun. Leider verstehen auch viele selbst ernannte Selbsthilfegurus das nicht. Bei ihnen liegt der Akzent nur allzu oft auf „Hilfe“, nicht auf „selbst“!

Leider wollen wir unseren Kindern ein gesundes Selbstbewusstsein mitgeben, weil wir glauben, ein gesundes Selbstbewusstsein sei der Schlüssel zum Erfolg. Es ist genau anders herum. Wer ein großes Selbstwertgefühl oder Selbstbewusstsein hat, leistet deswegen noch lange nichts Großes. Erst wenn man Großes (oder überhaupt etwas) geleistet hat, kann man ein Selbstwertgefühl entwickeln. Dann erst kann man sich gut fühlen, vorher noch nicht. Nicht wer sich gut findet, leistet etwas, sondern umgekehrt wird ein Schuh daraus!

Selbstwertgefühl ist ein verdienter Zustand, der daher kommt, dass man etwas zuwege gebracht hat. Da dieser Gedanke von der Gesellschaft leider nicht gefördert wird, muss er von zu Hause gefördert werden. Die Gesellschaft belohnt Sie mit Status – weil Sie reich sind oder hübsch oder weil Ihre Eltern Stars sind. Oder weil Sie reich und hübsch sind, von berühmten Eltern abstammen und vergessen haben, Ihre Unterwäsche anzuziehen. Aber in der realen Welt müssen sich die meisten ihren Status erst verdienen – jeden Status. Status, egal ob gut oder schlecht, verdient man sich erst. Man kann ihn auch Anerkennung nennen. Wie anerkannt Sie sind, hängt von dem ab, was Sie geleistet haben.

Ist es an Ihrem Arbeitsplatz nicht auch so? Sie werden anerkannt, weil Sie einen gewissen Beitrag zum Gesamtergebnis leisten. Ich verdiene Geld – wie viel ich verdiene und wie oft, richtet sich danach, wie gut ich in meinem Job bin. Das ist auch bei Ihnen so. Ihre Leistungen tragen zu Ihrem Selbstwertgefühl bei. Selbst wenn ich versuche, etwas zu tun, es mir aber nicht gut gelingt, fühle ich mich besser, weil ich es zumindest probiert habe.

Als Eltern machen wir oft den schweren Fehler, dass wir versuchen, unseren Kindern Selbstwertgefühl einzuimpfen, anstatt dass wir ihnen beibringen, wie sie lernen können, sich selbst zu mögen. Aufgabe der Eltern ist nicht, ihren Kindern viel Selbstbewusstsein mitzugeben, sondern ihnen dabei zu helfen, unterschiedliche Dinge auszuprobieren und sich gut zu fühlen, wenn sie die Initiative übernehmen und handeln. Erst das Handeln selbst – der Versuch, der Erfolg, ja sogar das Scheitern – bringt das Gefühl mit sich, etwas erreicht zu haben. Loben, wenn das Lob verdient ist, Mut machen, es besser zu machen, nötigenfalls miteinander üben, ja sogar kritisieren, wenn sie etwas schlecht gemacht haben – das ist unsere Aufgabe als Eltern. Wenn man so will, können wir unserem Kind dabei helfen, durch eigene Leistung ein Selbstwertgefühl zu entwickeln.


Bekennen Sie sich schuldig, versucht zu haben, Ihren Kindern ein hohes Selbstbewusstsein einzuimpfen, anstatt ihnen beizubringen, wie sie lernen, sich selbst zu schätzen? Inwiefern? Erklären Sie es sich selbst.

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7. Weil Sie mit Medikamenten bewirken wollen, was Sie zu bequem sind, selbst zu ändern

Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Hyperaktivität und so weiter – ich weiß, gleich hagelt es wieder scharfe Kritik von allen Seiten, aber ich finde das nicht so schlimm. Als ich ein Kind war, gab es diese ganzen blöden Bezeichnungen noch nicht. Wir achteten einfach nicht darauf.

Es gab auch nicht so viele Menschen mit Depressionen. Und wenn einer wirklich depressiv war, sagte er es niemandem und verwendete es auch nicht als Ausrede für irgendetwas. Man hatte eben mal gute Tage, mal schlechte Tage und musste lernen, damit zurechtzukommen. Mir selbst geht es bis heute so. Ja, stellen Sie sich vor, auch ein Larry Winget ist mal niedergeschlagen. Was ich tue, um darüber hinweg zu kommen? Ich beschäftige mich. Ich lenke mich ab, um nicht all meine Energie an schlechte Gefühle zu verschwenden. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen Menschen kennengelernt, der nicht auch schlechte Tage und schlechte Gefühle kannte. Aber ich nehme deswegen noch lange keine Drogen und die meisten Leute, die ich kenne, auch nicht. Stattdessen lernen wir, anders damit zurechtzukommen.

„Aber Larry, Du verstehst nicht! Manche Menschen können sich eben nicht einfach so ablenken und darüber hinwegkommen!“ Aha, verstehe. Manche Menschen – darunter auch Kinder – „müssen“ Medikamente nehmen. Aber Medikamente können meiner Ansicht nach immer nur das letzte Mittel sein, nicht das erstbeste Mittel. Unsere Gesellschaft ist faul geworden, und da ist es eben einfacher, eine Tablette „einzuwerfen“, als sich die Zeit zu nehmen, aktiv an der Lösung eines Problems zu arbeiten.

Sie sollten Ihren Kindern beibringen, dass es ganz normal ist, dass man mal gute, mal schlechte Tage hat. Bringen Sie ihnen Bewältigungsstrategien bei. Bringen Sie ihnen bei, dass schlechte Launen kommen und wieder vergehen. Sie sollten auch nicht wegen jeder Kleinigkeit, die im Leben Ihres Kindes schiefläuft, gleich mit ihm zum Arzt gehen. Bedenken Sie bitte, Ärzte verdienen ihr Geld mit Praxisbesuchen und mit dem Verschreiben von Medikamenten. Sie wollen, dass Sie abhängig von ihnen und ihrem Expertenrat werden. (Okay, liebe Ärzte, Sie haben gerade eine Verallgemeinerung von mir gelesen. Damit müssen Sie nun halt leben. Nicht alle Ärzte sind so, nicht allen geht es nur ums Geld. Manche sind hervorragende Menschen, denen es wirklich um das Wohl und die Gesundheit ihrer Mitmenschen geht. Diesen Kollegen möchte ich danken. Die anderen sollten sich schämen.)

Wenn es um die Gesundheit Ihres Kindes geht, versuchen Sie es zuerst einmal mit einer guten alten Prise gesundem Menschenverstand. Geben Sie dem Problem eine Chance, nachzulassen und sich von selbst zu erledigen, und wenn es das nicht tut, können Sie immer noch mit Ihrem Kind zum Arzt gehen. Ich wette mit Ihnen, in den meisten Fällen funktioniert das mit dem gesunden Menschenverstand ganz gut. Es ist erstaunlich, wie effektiv gesunder Menschenverstand, Zeit und Arbeit wirken und wie viele Probleme sich dann in Luft auflösen.

Als kleiner Junge war ich sehr launisch und konnte mich nicht lange konzentrieren. (Übrigens, wenn Ihr Kind sich lange gut konzentrieren kann, würde ich es an Ihrer Stelle von einem Arzt untersuchen lassen. Denn welches Kind kann sich schon über längere Zeit konzentrieren?)

Als ich in die vierte Klasse kam, trennte meine Lehrerin Mrs. Bowman mich von meinen drei Kameraden und stellte jeden von uns vieren in eine Ecke, wo wir ruhig stehen und auf die Wand starren mussten. So machte sie uns schon am ersten Tag klar, dass wir zu unaufmerksam wären und zu viel schwatzten und wollte diese Neigung im Keim ersticken. Hatte sie Unrecht damit? Natürlich nicht. Hasste ich sie damals deswegen? Und ob! Aber unser Ruf ging uns eben voraus und sie wollte von Anfang dafür sorgen, dass sie vernünftig Unterricht halten konnte. Meine Mutter war von diesen Methoden nicht begeistert, denn ich war doch ihr kleiner Engel, aber mein Dad hatte dafür Verständnis und teilte die Einschätzung meiner Lehrerin.

Die Lehre, die Sie aus dieser Anekdote ziehen können, ist, dass Kinder launisch, impulsiv und oft unaufmerksam sind und dass das ganz normal ist. Mit ein bisschen Übung und Disziplin kriegt man das normalerweise leicht in den Griff. Aber leichter ist es natürlich, mit dem Kind zum Onkel Doktor zu trotten und sich etwas von ihm verschreiben zu lassen, damit man nicht den Stress hat, selbst für Disziplin zu sorgen. Es ist leichter zu behaupten, Tommy sei nicht gut in der Schule und habe ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, als Tommys Hintern auf einen Stuhl zu drücken und ihm zu befehlen, so lange auf demselben sitzen zu bleiben, bis er seine Hausaufgaben gemacht hat. Es ist leichter, ihn durch Drogen gefügig zu machen, als Ihre eigene kostbare Fernsehzeit zu opfern, um Ihrem Kind etwas Disziplin beizubringen. Manche Eltern betäuben ihre Kids mit Drogen, weil sie zu faul sind, sie zu bestrafen oder weil sie behaupten, sie hätten nicht die nötige Zeit, um sich als Eltern voll zu engagieren.

Mit den Lehrern ist es nicht besser – oft sogar noch schlimmer! Lehrer haben 25 kleine Monster vor sich, die nicht aufpassen wollen, die aus dem Fenster schauen, in der Nase bohren und lieber ihre Popel aufessen als ihre Lektion zu lernen. Wenn einer oder zwei in der Klasse mehr Zuwendung brauchen, damit sie sich gut benehmen, gibt es Lehrer, die lieber die Eltern dieser Kinder anrufen und sie überreden, ihnen Ritalin zu geben, als die Kinder mal in die Ecke zu stellen, wie Mrs. Bowman es mit mir gemacht hat.

Mit der Regierung steht es noch schlimmer. Eines Tages berichtete das Massachusetts Behavioral Health Partnership, fast zwei Drittel aller Schulkinder unter staatlicher Aufsicht würden wegen Verhaltensauffälligkeiten medikamentös behandelt. Carole Keeton Strayhorn, Rechnungsprüferin des Staates Texas, deckte 2004 in ihrem Bericht Vergessene Kinder auf, dass 60 Prozent aller Kinder in staatlich geförderten Einrichtungen mit starken Psychopharmaka behandelt würden. Eine Befragung im Staat Ohio ergab, dass 40.000 Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren, die von Medicaid untersucht worden waren, schon einmal Psychopharmaka verschrieben bekommen hatten. Ich habe Dutzende von solchen Statistiken herausgefunden, die ich hier nicht alle zitieren will; ich glaube, Sie verstehen, was ich damit sagen will: Wenn die Zeit knapp ist, sind Medikamente der bequemste Weg, um Kinder zu bekommen, die tun, was man ihnen sagt.

Während ich über das Thema recherchierte, stieß ich immer wieder auf diese Frage: Greifen wir zu Arzneimitteln, weil es billiger und leichter ist, als uns die Zeit zu nehmen, eine andere, nicht auf Drogen basierende Therapieform zu verabreichen oder auszuwerten? Ich nehme an, die Antwort lautet: Ja. Eine weitere Frage, die ebenfalls nachdenkenswert ist, wäre: Was sind die längerfristigen Nebenwirkungen von Psychopharmaka auf Kinder? Die Antwort auf diese Frage kenne ich noch nicht. Aber eines weiß ich sicher – dass Liebe und Disziplin auf die Dauer noch keinem Kind geschadet haben.

Ich kann mir schon denken, dass jetzt einige von Ihnen aufheulen und mein Buch in die Ecke schmeißen werden. Sie werden argumentieren, Ihr Kind brauche das Medikament, um die Schule heil zu überstehen und ganz normal zu funktionieren. Okay, wie Sie meinen, es ist Ihr Kind und nicht meines. Ich sage hier nur meine Meinung. Aber erzählen Sie mir doch bitte, warum die geburtenstärksten Jahrgänge, die fleißigste Generation in der Geschichte unseres Volkes, als Kinder ohne Medikamente so viel leisten konnten? Wie haben wir alle es geschafft, trotz unserer Hyperaktivität ohne Medikament zurechtzukommen? Hier ist die Antwort: Unsere Eltern und Lehrer haben uns einen Klaps auf den Hintern gegeben und uns befohlen, ruhig zu sein, sitzen zu bleiben und aufzupassen! Das war’s.


Weitere Beweise

16 Prozent aller US-Amerikaner nehmen drei Medikamente gleichzeitig ein, weitere 14 Prozent fünf und mehr. Wir Erwachsenen lassen uns mit Arzneimitteln vollstopfen, und jetzt machen wir das Gleiche mit unseren Kindern. Das heißt, wir leben unseren Kindern vor, dass man Medikamente braucht, um normal und bequem leben zu können. Inzwischen ist das für uns schon zur Glaubensfrage geworden. Mein Dad glaubte noch daran, dass man eine Erkältung nach einer Woche von selbst übersteht; daher nahm er gar kein Mittel dagegen, denn er wusste, nach etwa einer Woche geht die Erkältung von selbst wieder weg. Fragen Sie mal einen Arzt, wie lange Sie mit einem Medikament brauchen, um Ihre Erkältung weg zu kriegen. Er wird Ihnen sagen, zirka eine Woche. Es macht also keinen großen Unterschied, ob Sie ein Mittel nehmen oder nicht. Zu viele Menschen in der heutigen Gesellschaft sehen Medikamente als ihre besten Freunde an. Sie stehen mit ihnen auf, verlassen sich auf sie, damit sich ihre Stimmung wieder aufhellt und sie niemals Schmerzen, gleich welcher Art, zu erleiden brauchen und gehen nachts mit einem Schlafmittel zu Bett. Ich habe schon den Eindruck, die Pharma-Firmen erfinden ganz bewusst Krankheiten, nur um Arzneimittel dagegen erfinden und teuer verkaufen zu können, zum Beispiel das Restless-Legs-Syndrom.

Wir sollten aufhören, uns ständig auf irgendwelche Drogen zu verlassen und uns wieder auf unsere eigenen Fähigkeiten besinnen, unsere Gefühle unter Kontrolle zu bekommen.


Bekennen Sie sich schuldig, gleich zu Medikamenten zu greifen, anstatt zu versuchen, Ihr Kind mit anderen Mitteln zu disziplinieren und unter Kontrolle zu bringen? Inwiefern? Erklären Sie es sich selbst.

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8. Weil Sie Ihrem Kind ein schlechtes Vorbild gegeben haben, dem es gefolgt ist

Wundern Sie sich manchmal, warum Kinder ihren Toast in ihre Eier tunken, wenn sie frühstücken? Nun, sie haben ganz einfach ihre Eltern beobachtet. Sie haben noch nie etwas davon gehört, dass man seinen Toast ins Frühstücksei tunkt? Wissen Sie, warum? Weil Ihre Eltern das nie getan haben. Offensichtlich haben Sie sie sich nicht zum Vorbild genommen.

Warum mögen manche Kinder Fußball, andere lieber Basketball? Oft deswegen, weil ihre Eltern das eine lieber mochten als das andere. Warum lieben manche Kids Videospiele, während andere lieber draußen im Freien spielen gehen? Aus demselben Grund – weil ihre Eltern es schon so gemacht haben. Kinder folgen gern dem Vorbild, das man ihnen vorlebt.

Neulich sah ich eine Diskussion mit Grundschullehrern, die darüber sprachen, dass teilweise schon junge Kinder Szenen aus Pornofilmen nachspielten. Wie kann das sein? Weil zu Hause im Fernsehen Pornofilme laufen und die Kinder das als akzeptables Verhalten ansehen. Bei Kindern gibt es kein Richtig oder Falsch, sie richten ihr Verhalten einfach nach dem aus, was sie regelmäßig sehen und erleben.

Viele Erwachsene tricksen bei der Steuererklärung und geben auch noch laut damit an. Manche Kinder tricksen beim Diktat und geben auch noch laut damit an. Wenn ein Verkäufer einem Kunden um einen Dollar zu viel Wechselgeld zurückgibt, freut sich der Kunde, dass er das Geschäft um einen Dollar betrogen hat. Dann sieht sein Kind das Geld eines anderen Kindes auf einem Tisch herumliegen, nimmt es heimlich an sich und lacht sich ins Fäustchen.

Vor Jahren gab es einmal einen Werbespot, in dem ein Jugendlicher von seinem Vater mit Marijuana erwischt wurde. Der Vater stellte seinen Sohn zur Rede und schrie ihn an: „Von wem hast Du das?“ Das Kind sah ihn seelenruhig an und erwiderte: „Von Dir, Dad.“ Der Vater sah drein, als habe ihn eben jemand mit voller Wucht in den Bauch getreten. Aber so funktioniert es nun einmal – Kinder ahmen das nach, was ihnen ihre Eltern vormachen.

Kennen Sie den Song „Cat’s in the Cradle“ von Harry Chapin? Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der einen Sohn hat, sich aber nicht die nötige Zeit für den Jungen nimmt, obwohl der ihn inständig darum bittet. Die Zeit vergeht, beide werden älter und die Rollen sind vertauscht. Nun würde der Vater gern mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen – aber der Sohn verwendet dieselben Ausreden wie früher sein Vater ihm gegenüber. Diese Zeile bringt es auf den Punkt:

„Als ich den Hörer auflegte, wurde mir schlagartig klar – der Junge ist genau wie ich; mein Junge ist genau wie ich.“


Bekennen Sie sich schuldig, Ihr Kind nach dem Prinzip: „Tu, was ich sage, nicht was ich tue“ zu erziehen? Inwiefern? Erklären Sie es sich selbst.

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Hier sind acht Gründe, warum Kinder das tun, was sie tun:

  1. Weil ihre Eltern es zulassen.
  2. Weil schlechtes Benehmen keine Konsequenzen für sie hat.
  3. Weil ihre Eltern ihnen weismachen, sie seien etwas Besonderes.
  4. Weil ihre Eltern sie zum Mittelpunkt ihres Lebens machen.
  5. Weil Kinder ein gewisses Anspruchsdenken haben.
  6. Weil die Kinder kein Selbstwertgefühl durch eigene Leistung erworben haben.
  7. Weil die Kinder mit Medikamenten ruhig gestellt werden.
  8. Weil ihre Eltern ihnen ein schlechtes Vorbild sind.

Wer ist daran schuld?

Sie. Ich. Wir alle.

Sie haben es kommen sehen, nicht wahr? Ich hoffe, ich habe eines inzwischen ganz klar zeigen können: Ihre Kinder sind Ihre eigene Schuld! Aber Sie kennen mich – lassen Sie uns den Ball noch ein bisschen weiterspielen, bevor wir zum nächsten Aspekt kommen.

Als Grundschulkinder aus dem Staat Idaho im Schulbus „Tötet Obama!“ sangen, wo hatten sie das zuvor gehört? Von ihren Eltern natürlich. Sie hatten den Spruch von ihren Eltern gehört und dachten deshalb, er sei in Ordnung.

Wenn Sie drei Jahre alte Kinder sehen, die kreuz und quer durch ein Restaurant laufen und dabei schreien und die anderen Gäste beim Essen stören, haben Sie da nicht auch Lust wie ich, sich so ein Kind zu schnappen und ihm gehörig die Meinung zu sagen? Aber ist wirklich das Kind schuld? Nein! Die Schuld liegt bei den Eltern. Das Kind ist noch klein und man kann es zurechtweisen, und es liegt in der Verantwortung der Eltern, dies zu tun.

Wenn Sie im Fernsehen gesehen haben, wie sich Britney Spears mit ihren albernen, unreifen, gefährlichen und verantwortungslosen Mätzchen aufführte, konnten Sie sich leicht über sie ärgern. Auch ich dachte nur: „Was für eine Idiotin!“ Aber wenn man sich Britney und ihre Mätzchen ein bisschen genauer ansieht, wessen Schuld ist es dann? Die Schuld ihrer Eltern.

Da rennt Paris Hilton herum und lässt sich ohne Slip fotografieren. Sie muss wegen Trunkenheit am Steuer sogar ins Gefängnis, und als man sie daraufhin in einem Radiosender interviewt, sagt sie, es sei nur eine Lappalie. Es ist leicht, ihr kindisches und ungehöriges Verhalten zu kritisieren, aber offensichtlich haben ihr Mama und Papa nicht beigebracht, dass Trunkenheit am Steuer eben keine „Lappalie“ ist, kein Kavaliersdelikt, sondern schon etwas Größeres. Als sie sich das erste Mal so aufführte, hätte man es ja noch als rebellisches Teenager-Gehabe und als Selbstfindungstrip durchgehen lassen können. Das ist eine häufige Ausrede für inakzeptables Benehmen, für einen einmaligen Ausrutscher. Aber nur einmal. Wäre ich ihr Vater, hätte es mit Sicherheit kein zweites Mal gegeben. Paris nahm sogar ein Sex-Video auf, das überall im Internet kursierte. Haben ihre Eltern ihr nicht gesagt, dass es keine so gute Idee ist, wenn ihr Freund plötzlich beim Sex eine Videokamera zückt und sie dabei aufnimmt? Und warum hat sich ihr Vater diesen Schuft nicht gepackt und ihm ordentlich eins übergebraten? Ich weiß, ich weiß, keinen Aufruf zur Gewalt, bitte! Sorry, aber sie ist doch seine Tochter! Anscheinend hat hier ein junger Mann geradezu nach einer Tracht Prügel gelechzt. Manche Leute behaupten sogar, das ganze Sex-Video sei nichts als Publicity, um ihren Ruhm zu mehren. Nun, diese Wirkung wurde wohl tatsächlich erreicht, aber das ist doch völlig krank.

Die Eltern von Kim Kardashian haben ihr auch nicht gesagt, sie solle nach einem Jungen mit einer Videokamera Ausschau halten. Ich nehme an, der gute alte Olympionike Bruce Jenner und seine, mit sich selbst schon genug beschäftigte Frau hatten zu viel damit zu tun, krampfhaft die flackernde Flamme ihres Ruhmes in Gang zu halten, um ihren Töchtern derlei Dinge zu erklären. Vielleicht waren sie damit ausgelastet, zu versuchen, eine eigene Reality-TV-Show zu bekommen, damit wir uns alle über sie und ihr lächerliches Leben totlachen können …

Was haben alle diese Glamour Girls gemeinsam? Sie alle durften ihre Regeln selbst bestimmen und ihre Grenzen selbst festlegen. Wenn man sich das Ergebnis ansieht, muss man doch sagen, dass sie dabei nicht sehr geschickt zu Werke gegangen sind. Ich bin sicher, ihre Eltern sind nicht glücklich über die Filme, die Fotos und Gefängnisaufenthalte, sondern sie sind traurig, dass so etwas passiert ist und schämen sich in Grund und Boden. Aber ich nehme an, die Eltern sehen das, was da passiert ist, lediglich als negative Folge des Prominentenstatus’ ihrer Töchter an und geben alle Schuld den Paparazzi, anstatt sich selbst und ihrem schlechten Erziehungsstil. Das ist ein Beweis mehr dafür, dass es leichter ist, jemand anderem die Schuld in die Schuhe zu schieben, als selbst für seine Fehler Verantwortung zu übernehmen.

Nun sagt der eine oder andere vielleicht: „Das sind doch keine Kinder mehr, sondern erwachsene Frauen, Larry.“ Das sind sie jetzt. Aber als die Saat für ihr schlechtes Benehmen gesät wurde, waren sie noch Kinder.

Wenn man sich all die Kinder berühmter Leute ansieht, die sich so entsetzlich aufführen, vergisst man leicht, dass diese Kinder Eltern haben, die ihr Verhalten kontrollieren sollten. Sie sollten es tun, tun es aber nicht. Sie haben sie, als sie noch Kinder waren, nicht in die Schranken gewiesen und ihnen nicht beigebracht, wie man mit der eigenen Berühmtheit umgeht. Ich schätze, das ist schwer, wenn man dank seinem Kind Millionen Dollar verdient.

Mir ist es egal, wie berühmt Ihr Kind ist. Sie sind seine Mutter oder sein Vater. Sie haben die Aufsicht über das, was es tut und wie. Auch Präsident Obama verlangt von seinen Töchtern, dass sie ihr Bett selbst machen. Ich wette, das verlangen Sie nicht von Ihren Kindern, oder?

Dasselbe gilt für Ihre Kinder, deren Freunde und für die Kinder, die Sie im Einkaufszentrum sehen: Kinder sind AUSSER Kontrolle, weil ihre Eltern die Kontrolle über sie nicht ausüben.

KINDER SIND AUSSER KONTROLLE,
WEIL IHRE ELTERN DIE KONTROLLE ÜBER SIE
NICHT AUSÜBEN.