Kleine Helden – Große Kerle

Tobias Koch

Weltmärchen für Kinder

Impressum

Kleine Helden – Große Kerle – Weltmärchen für Kinder

Copyright © 2016 Tobias Koch

1. Auflage 2016

Verlag: Bookwire www.bookwire.com

ISBN: 978-3-9375-4549-3

 

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Tobias Koch
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Vorwort

Etwas Außergewöhnliches zu vollbringen, schwierige Prüfungen zu bestehen: Davon träumen Jungs und Männer in den unterschiedlichsten Kulturen seit Jahrhunderten. Egal ob jung oder alt, für Heldenmut ist immer Zeit. Und Geschichten über ihre großen Taten faszinieren Menschen rund um die Welt. Vom schattengleichen Schwalbenmeister, der seine Schwertkunst in den Dienst der Liebenden stellt, oder den mutigen Cheyenne, die sich für Ruhm und Ehre auf den Kriegspfad begeben – zehn Märchen aus aller Welt erzählen über Kraft, Tugend, Mut und Gerechtigkeit – und den Männern, die im Zeichen dieser Ideale zu wahren Helden ihrer Völker geworden sind.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Der Schwalbenmeister (China)
Aufrechter Gang (Schweden)
Babalak (Kurdistan)
Gilgamesch (Mesopotamien)
Nicht mit ihr und nicht ohne sie (Indonesien)
Odins Raub (Nordische Mythologie)
Zeit zu kämpfen (Cheyenne)
Acht Krieger (Hawaii)
Was hängt, lass hängen (Böhmen)
Kirschblüte (Japan)
Anhang: Hörprobe
Anhang: Booklet
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Babalak (Kurdistan)

Ein großzügiger Scheich befahl seinem Koch, jedem Armen, der bei ihm speisen würde, nach der Mahlzeit noch ein Goldstück zu schenken. Ein Derwisch besuchte die Armenhalle dreimal am Tage zum Essen und bekam deshalb drei Goldstücke jeden Tag. Der Koch schalt ihn, ob er sich nicht schämen würde, soviel Geld anzunehmen.

Darauf erwiderte der Derwisch, Babalak sei weit großzügiger als der Scheich.

Als der Scheich davon hörte, ließ er den Derwisch in seinem Palast einsperren, bis er die Richtigkeit der Worte des Derwischs festgestellt hatte.

Nach langer Wanderung und anstrengender Suche fand der Scheich den Babalak und bat diesen um seine Frau.

Babalak bewirtete den Scheich freundlich und entließ ihn dann, mitsamt seiner Frau. Der Scheich brachte sie in sein Land, gab ihr ein eigenes Haus, und befahl seinen Dienern, sie so gut zu behandeln, als wäre sie seine eigene Mutter.

Babalak war unterdessen zuhause in Streit mit seinem Oheim geraten. Er verließ sein Land und kam mit seinen Söhnen und seinen Brüdern in das Land des Scheichs. Dieser ließ ihm ein Grundstück zum Wohnsitz schenken.

Dann kam es, dass der einzige Sohn des Scheichs im Hause Babalaks zu Besuch war und aus Versehen getötet wurde – von einem Bruder Babalaks. Der Scheich aber ward nicht erzürnt.

Er ließ den Leichnam seines Sohnes abholen und begrub ihn würdig.

Nach einiger Zeit schickte der Scheich dem Babalak Kunde, er solle ihm einen seiner Söhne schicken, damit er ihn töten könne. Er wolle seinen Rachedurst stillen.

Babalak tat es. Der Scheich aber tötete ihn nicht, sondern ließ den Sohn Babalaks mit einer seiner Töchter verheiraten.

Der Scheich forderte dann einen nach dem anderen der Söhne Babalaks, aus Rache, wie es hieß. In Wirklichkeit aber ließ er alle sieben Söhne Babalaks mit seinen eigenen sieben Töchtern verheiraten. Zuletzt hieß er Babalak selbst zu ihm zu kommen, damit er ihm den Kopf abhauen könne.

Babalak kam und erklärte ihm ruhig, er sei dazu bereit. Da ließ der Scheich dem Babalak seine Frau und seine Söhne mit deren Frauen vorführen und schenkte ihm das Leben.

Glücklich kehrte Babalak da mit seiner Familie in die Heimat zurück.

Der Derwisch wurde freigelassen – und bekam einen eigenen Platz in der Armenhalle des Scheichs, an dem nur der Derwisch persönlich speisen durfte.

Der Schwalbenmeister (China)

Zu Zeiten der Tang Dynastie gab es Meister in den höchsten Künsten. Die gewandteste Kunstform, von der diese Geschichte erzählen will, war die der Schwalbenmeister.

Wie Geckos konnten sie die Wände erklimmen und vogelgleich flogen sie über die Dächer hinweg. Keine noch so hohe Mauer war ihnen ein Hindernis. Sie kamen lautlos und sie gingen spurlos.

Den Bedrängten pflegten sie zu Hilfe zu kommen und die Ungerechten wurden von ihnen mit schärfster Klinge bestraft. Und obwohl sie mitten im Volke lebten, wurden sie von den meisten Menschen nicht erkannt.

Zu jener Zeit lebte ein junger Mann namens Taui. Jung und schön war er anzusehen und gewandt war, nicht nur mit dem Körper, sondern auch im Geist. Der Familie gegenüber war er ehrerbietig und so ging er auch immer wieder gewissenhaft zum Freund des Vaters, dem Fürsten des Landes, um diesem während einer langwierigen Krankheit dienstbar zu sein.