Rund um die Sonne

Tobias Koch

Weltmärchen für Kinder

Impressum

Weltmärchen – Rund um die Sonne

Copyright © 2016 Tobias Koch

1. Auflage 2016

Verlag: Bookwire www.bookwire.com

ISBN: 978-3-9375-4552-3

 

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Tobias Koch
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Vorwort

Diese elf ausgewählten Märchen versammeln die schönsten Mythen, die sich in gänzlich unterschiedlichen Kulturen der Welt aus der gemeinsamen Faszination für die Sonne rund um die Sonne herausgebildet haben.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Die Farben des Kolibris (Brasilien)
Warum die Sonne und der Mond im Himmel leben (Westafrika)
Von der Sonnenmutter sanft geweckt (Australien)
Die Sonnenblume (Armenien)
Maui bezwingt den Sonnengott (Hawaii)
Die Sonnenfamilie (Estland)
Im Haus der Kele (Innuit)
Ein Kleiner fängt die Sonne (Hopi)
Kiaka Pokoma (Mojave Apachen)
Die Entführung von Sonne, Mond und Feuer (Nordische Mythologie)
Die vierte und die fünfte Sonne (Azteken)
Anhang: Hörprobe
Anhang: Booklet
Weitere EBooks aus der Weltmärchen-Serie

Warum die Sonne und der Mond im Himmel leben (Westafrika)

Es ist schon einige Zeit her, da lebten die Sonne und das Wasser gemeinsam auf der Erde. Sie waren das, was man unzertrennbare Freunde nennt.

Ihre Beziehung zueinander war aber nun so, dass die Sonne zwar oft das Wasser in dessen Haus besuchte, das Wasser jedoch nie die Sonne. Darauf angesprochen entgegnete das Wasser: „Dein Haus ist einfach zu klein. Das ist der einzige Grund. Wenn ich mit meiner ganzen Familie zu Dir nach Hause komme, ertränke ich Deinen Glanz, und Du musst verlöschen.“ Die Sonne sah diesen Grund natürlich ein, wurde aber sehr traurig. Als das Wasser dies bemerkte, wollte es die Sonne trösten. „Es gäbe da schon eine Möglichkeit. Du müsstest Dein Haus eben vergrößern, oder besser noch einen neuen großen Palast bauen. Dann komme ich selbstverständlich und sehr gerne zu Dir nach Hause!“ Da rief die Sonne fröhlich: „Ja genau, das machen wir! Ich mache mich sofort an die Arbeit.“ „Aber ich warne Dich“, sagte das Wasser, „der Palast muss wirklich groß sein. Meine Familie ist zahlreich und braucht eine Menge Platz.“

Die Sonne versprach einen riesigen Palast zu bauen und kehrte heim zu ihrem Bruder, dem Mond. Sie erzählte ihm von ihren Plänen und nachdem dieser einverstanden war, machten sie sich sofort ans Werk.

Als der Palast – ein wirklich großes und prächtiges Gebäude – fertig war, lud die Sonne sofort ihren besten Freund, das Wasser ein. „Natürlich komme ich! Sehr gerne!“ antwortete das Wasser und versprach seinen Besuch.

Am folgenden Tag erschien das Wasser zur verabredeten Stunde vor dem Palast, rief jedoch zunächst noch einmal nach der Sonne und bat sie, herauszukommen. „Du bist wirklich sicher, dass ich mit meiner ganzen Familie hereinkommen kann“ fragte das Wasser und deutete dabei auf die vielen Fische und all die anderen Tiere und Pflanzen, die in ihm lebten. „Natürlich“, sagte die Sonne. „Ich habe alles vorbereitet! Komm‘ ruhig herein. Ich freue mich schon auf Deinen ersten Besuch bei mir!“

Also begann das Wasser herein zu fließen. Es begann sehr langsam und sickerte nur ganz vorsichtig durch das ganz große Tor. Die ersten Fische, die in den Palast strömten, waren begeistert von dessen hohen Gewölben, den Treppen und den Erkern, und sie begannen sofort alles zu erforschen.

Obwohl das Wasser nur sehr vorsichtig hereinströmte, stand es trotzdem sehr bald sehr tief in dem Gebäude und das Wasser fragte noch einmal: „Bist Du sicher, dass es gut ist wenn ich weiter herein komme?“ „Aber selbstverständlich“, antwortete die Sonne. „Komm herein und mach’ Dir keine Sorgen!“

Das Wasser tat wie ihm geheißen. Es zerflossen seine Bedenken, und das Wasser kam nun schneller.

Als das Wasser menschenhoch in den Mauern stand, fragte es erneut und eindrücklicher als vorher: „Soll ich wirklich ganz hereinkommen?“

Und wieder antwortete die Sonne: „Ja, ich wüsste nichts Schöneres!“ Und auch ihr Bruder, der Mond, beteuerte: „Ja bitte! Wir wären ja beschämt, einen Gast zur Hälfte vor der Tür stehen zu lassen!“

Und so ließ das Wasser alle Vorsicht fahren und strömte jetzt immer schneller herein. Immer mehr Fische und Tiere schwammen in dem Palast der Sonne umher. Immer wieder fragte das Wasser bei seinem Freund der Sonne nach, bekam jedoch immer wieder die gleiche Antwort und so floss es weiter herein, stieg und stieg und überschwemmte Stockwerk um Stockwerk.

In der gleichen Geschwindigkeit wie das Wasser, stiegen aber auch die Sonne und der Mond immer weiter nach oben, bis ... ja bis das Wasser schließlich den Dachboden erreichte und drohte, bis zum Dach hinauf zu steigen.

Da verließen die Sonne und der Mond ohne ein Wort ihren Palast und ihre Heimat, die Erde, und suchten im Himmel Zuflucht. Und dort leben sie bis heute.

Maui bezwingt den Sonnengott (Hawaii)