List und Schlauheit

Tobias Koch

Weltmärchen für Kinder

Die fünfzehn außergewöhnlichen Märchen erzählen auf amüsante Art und Weise, was List und Schlauheit in den unterschiedlichen Kulturen der Welt bedeuten.

Impressum

List und Schlauheit – Weltmärchen für Kinder

Copyright © 2016 Tobias Koch

1. Auflage 2016

Verlag: Bookwire www.bookwire.com

ISBN: 978-3-9375-4553-0

 

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Tobias Koch
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Vorwort

Im richtigen Moment den passenden Einfall zu haben: Das macht die listigen Helden dieser Märchen aus aller Welt aus. Ob sie sich dabei vor Räubern retten, vor Königen Eindruck schinden wollen oder einfach nur einen besonders guten Einfall haben, um an Geld zu kommen – die klugen Köpfe wissen sich einfach immer zu helfen. Fünfzehn außergewöhnliche Legenden erzählen auf amüsante Art und Weise, was List und Schlauheit in den unterschiedlichen Kulturen der Welt bedeuten. Mal führt Einfallsreichtum zum Ziel, mal eine flinke Zunge; manchmal muss man auch einfach ganz frech etwas riskieren.

So unterhält dieses wunderbar vorgetragene Kaleidoskop uralter Märchen voller Lebensweisheit auf kluge Art und Weise – und zeigt, dass man im Leben meist dann weiterkommt, wenn man statt den Fäusten den Kopf einsetzt.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Großmeister des Geizes (Korea)
Der kluge Bauer (Thailand)
Der betrogene Räuber (Korea)
Der geprellte Brahmane (Indien)
Der Schneider Li Peng (China)
Indianischer Winter (Wabanakee)
Der Meisterschüler (China)
Kaufmannsglück (Finnland)
Der Koh-I-Nor (Indien)
Der Steinhauer (Japan)
Arm und Reich (Deutschland)
Die Fotografie (Malta)
Voreilig (Nepal)
Zwiefache Vergeltung (Tirol)
Der Bischof und die Eier (Mexiko)
Anhang: Hörprobe
Anhang: Booklet
Weitere EBooks aus der Weltmärchen-Serie

Großmeister des Geizes (Korea)

Heiratet ein Mann eine Frau aus Mae-Song, sagt man gemeinhin: In diesem Hause kann nichts schiefgehen. Denn die Frauen von dort verstehen es, im Haushalt sehr sparsam umzugehen und nichts verderben oder umkommen zu lassen. Alles wurde von ihnen zu seiner Zeit mit äußerster Sorgfalt genutzt.

Auch die Männer aus Mae-Song waren bereits in ältester Zeit berüchtigt für ihren Geiz. Sie wurden so meist schnell sehr reich, zusätzlich unterstützt von ihren Frauen, natürlich nur, wenn diese ebenfalls aus Mae-Song oder Ton-Wong stammten. Denn diese Frauen konnten das Glück in Haushalt und Familie mehren, dort wo der Mann für Geschäfte und Geld verantwortlich war. Man sagte dann auch: Das Glück ist eingekehrt.

Die Menschen in Ton-Wong hatten vergleichbare Talente, und Ehrgeiz. Ihr Reichtum beruhte meist auf akribischer Genauigkeit. Darin ließen sie sich nicht übertreffen. Genauigkeit war die größte Ehre eines jeden Bewohners aus Ton-Wong. Fleißig und genau wie die Bienen waren sie. Leute aus anderen Gegenden schimpften sie pingelig, in Ohren aus Ton-Wong klang dies wie großes Lob und spornte noch weiter an. Mochten die Speicher auch noch so voll sein, jedes heruntergefallene Reiskorn wurde gesucht, solange, bis es gefunden wurde und wieder in den Topf kam. Und wenn es den ganzen freien Abend kostete. So sagte man auch in Ton-Wong, wenn man jemand auf dem Boden herumkriechen sah: Hoffentlich waren es nicht zwei Reiskörner.

Auch die Durchreisenden mussten feststellen, dass die Sparsamkeit – und wirklich alles musste in Ton-Wong immer ganz genau gehen – den Menschen im Ort meist zu großen Reichtümern verhalf und Ihnen so zu auch zu hohem Ansehen gereichte. Und das verschaffte ihnen, bei allem Schimpfen, großen Respekt, nicht nur bei den Durchreisenden, sondern im ganzen Land des Morgens.

Eines Tages nun trafen sich auf einer Reise einer aus Mae-Song und einer aus Ton-Wong – zufällig. Sie plauderten, tauschten gute Ratschläge zum Thema Sparen aus, wünschten gegenseitig gutes Gelingen, hofften aber jeweils insgeheim, noch sparsamer, noch reicher als ihr Gegenüber zu sein. Deshalb behielten sie die wirklich guten und wirksamen Ratschläge selbstverständlich jeder für sich.

Ihre Strohsandalen hatten beide an ihren Gürteln festgemacht. Sie liefen auf der Reise barfuß. Beide hatten sie Angst, sie könnten die Sohlen ihrer Sandalen schneller durchlaufen als unbedingt nötig.