Zauberhaft und Rebellisch

Tobias Koch

Weltmärchen über besondere HeldINNen aus aller Welt

Impressum

Zauberhaft und Rebellisch

Copyright © 2016 Tobias Koch

1. Auflage 2016

Verlag: Bookwire www.bookwire.com

ISBN: 978-3-9375-4555-4

 

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Tobias Koch
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Vorwort

Wieso haben Frauen eigentlich immer das letzte Wort? Und warum verstehen sich Männer und Frauen manchmal nicht, obwohl sie doch dieselbe Sprache sprechen? Die acht Weltmärchen gehen auch hierzu phantasievollen Antworten nach, die sich Menschen unterschiedlichster Kulturen dafür ausgedacht haben.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Geheimnisse von Mann und Frau (Pawnee, Nordamerika)
2. Glitzernde Miamei (Australien)
3. Nishan Shaman (Mongolei)
4. Hina ging zum Mond (Hawaii)
5. Die kluge Sklavin (China)
6. Der Schimmel (Schweden)
7. Die Stammsage der Adschani (Rumänien)
8. Die Flamme in ihren Augen (Kelten, nordische Mythologie)
Anhang: Hörprobe
Anhang: Booklet
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Vorwort

Selbst ist die Frau: Die Heldinnen dieser acht Märchen nehmen ihr Geschick selbst in die Hand - sie warten nicht darauf, von ihren Traumprinzen gerettet zu werden. Dabei verhandeln sie klug, wissen stets guten Rat und wagen sich an tapfer an Aufgaben, die vor ihnen noch kein anderer gemeistert hat. Von den wunderschönen australischen Miamei bis hin zur gefürchteten Amazonenkönigin Scaya sind die unterschiedlichsten Charaktere vertreten. Denn auf der ganzen Welt erzählt man sich die schönsten Legenden von starken Mädchen und Frauen. Mal zauberhaft und besonnen, mal kriegerisch und mutig - aber immer heldenhaft.

1. Geheimnisse von Mann und Frau (Pawnee, Nordamerika)

Vor langer Zeit war Spiro einer der großen Schöpfer. Als das Land noch unwirtlich, weich und schlammig war – Wälder und Felder waren bedeckt mit Sümpfen – da war Spiro es, der die Sümpfe trockenlegte. Er füllte sie mit Sand und Felsen auf, sodass man darauf mühelos jagen und wandern konnte. Auch teilte er die Menschen in verschiedene Stämme auf. Verschiedene Sprachen gab er ihnen mit auf den Weg, damit sie ihr Wissen teilen und ihre Geheimnisse für sich behalten konnten. Klug war er, der große Spiro.

Aber die Alten sagen, dass bei der Verteilung der Sprache auf Mann und Frau etwas schief gelaufen sei. Darum verstehen sich Mann und Frau oft nicht, auch wenn sie die gleiche Sprache sprechen. Und darum trennte Spiro Frauen und Männer in unterschiedliche Gruppen.

Einst kam Spiro mit der Anführerin der Frauen zusammen, um wichtige Dinge zu beraten und zu entscheiden. Sie einigten sich darauf, dass er immer die erste Entscheidung treffen sollte, wenn sie immer das letzte Wort haben konnte. Beide waren damit einverstanden und die Alten sagen, dass es seitdem und bis heute so geblieben ist zwischen Mann und Frau.

Spiros erste Entscheidung war die, dass alle Menschen von jetzt an am Körper vollständig mit Haaren bedeckt sein sollten, damit sie es wärmer hatten. Kali, die Anführerin der Frauen, sagte, dass dies nur auf dem Kopf so sein sollte, denn sonst seien die Menschen zu hässlich – und man könne sie von den Tieren kaum unterscheiden. Um sich warm zu halten, sollten sie sich Felle und Häute besorgen und diese um sich tragen. Spiro meinte dann, die Menschen müssten lernen, Werkzeuge herzustellen und diese zu gebrauchen, damit sie die Felle und Häute erjagen und anschließend abziehen und gerben können.

„Die Männer sollen in der Lage sein, schnell zu gerben, die Frauen sollen dafür etwas länger brauchen.“ Kali war einverstanden. Sie entschied aber, dass die schnell gegerbten Felle der Männer steif und armselig sein würden. Die Frauen sollten zum Gerben ruhig längere Zeit nehmen können, aber Ihre Felle und Häute würden schön und anschmiegsam sein.

Spiro beschloss dann, dass die Menschen lernen sollten, ihr Essen zu kochen. Nur rohes Fleisch und rohe Pflanzen ein Leben lang wären nicht gut. Er sagte, die Männer sollten die Fähigkeit haben, schnell zu kochen, über offenem Feuer. Die Frauen sollten dafür etwas länger brauchen und allerlei Töpfe und Gerät dazu benutzen. Sie war einverstanden.

„Das Essen der Männer wird aber fad’ schmecken“, meinte Kali, „und anbrennen, wenn sie schnell und über offenem Feuer gekocht haben. Das Essen der Frauen, das langsam gekocht wird, wird viel geschmackvoller sein.“

Noch viele bedeutende Dinge entschieden die beiden, Dinge, die bis heute ihre Gültigkeit haben. Einmal ging Kali zu Spiro, weil sie eine Entscheidung ändern wollte, aber das ging nicht mehr. Kali war sehr traurig darüber, denn es war ihr einziges Kind gestorben. Kurz vorher hatten sie gemeinsam beschlossen, dass die Menschen für immer von der Erde fortgehen sollten, wenn sie einmal gestorben waren. Es war sogar ihre eigene Entscheidung gewesen. Spiro hatte wieder einmal die erste Entscheidung getroffen. Er sagte:

„Die Menschen müssen sterben, sonst wird es zu viele von ihnen auf der Welt geben.“ Er nahm ein Stück Holz und warf es in den Fluss.