Weltmärchen – über die Liebe aus aller Welt

Tobias Koch

Elf wunderschöne alte Märchen aus aller Welt, von Südamerika bis Arabien erzählen von der Liebe - in all ihren turbulenten Facetten.

Impressum

Weltmärchen – über die Liebe aus aller Welt

Copyright © 2016 Tobias Koch

1. Auflage 2016

Verlag: Bookwire www.bookwire.com

ISBN: 978-3-9375-4560-8

 

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Tobias Koch
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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Vorwort

"Erdbeeren sind das Beste auf dieser Welt, was es für die Versöhnung zweier Liebenden gibt." Denn schließlich wurden sie auch von der Sonne geschickt, um der wahren Liebe noch eine zweite Chance zu geben.

Die Liebe vereint die Menschen auf der ganzen Welt, denn jeder spricht ihre Sprache. Als Urkraft kann sie Menschen zum Guten verändern, sie verbinden: „Wenn dein Herz aufblüht, dann blüht auch die schönste Blume." Sie zeigt sich in der Natur, im Gesang der Nachtigall und im lieblichen Duft der Rose. Doch wer im siebten Himmel ist, kann auch tief fallen. Diese Märchen aus aller Welt erzählen von der Liebe in all ihren Facetten, von Glück, Sehnsucht, Vertrauen, Eifersucht und Versöhnung: Geschichten, die uns seit jeher faszinieren und bis heute nicht loslassen.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Das Geheimnis der Glühwürmchen (Japan)
Die Trennung von Himmel und Erde (Maori)
Nachtigall und Rose (Jugoslawien)
‚Noch nie davon gehört’ (Thailand)
Die Glücksblume (Tschechien)
Die Schneekönigin (Rumänien)
Erdbeeren von der Sonne (Südamerika)
Der Lorbeerbaum (Griechenland)
Im siebten Himmel (Arabien)
Anschi, die Wassernymphe (Westafrika)
Parvatis goldene Haut (Indien)
Anhang: Hörprobe
Anhang: Booklet
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‚Noch nie davon gehört’ (Thailand)

Einst gab es einen König im Reiche Siam, der eine ganz besondere Tochter hatte – die Prinzessin Nanxiang. Sie war so schön und schlank wie ein Schwan. Ihre Augen waren wie zwei glänzende Wasserperlen. Ihre Stimme übertraf selbst die der Nachtigall an Schönheit. Ihr Name war bekannt bei Nah und Fern. Der König liebte seine Tochter über alles. Doch er hatte Angst vor dem Tag, an dem sie heiraten und ihn dann verlassen würde. Er dachte, dass sie eines Tages weit, weit weg gehen würde. Also versuchte der König, sie davon abzuhalten. Und er sperrte sie ständig im Palast ein. Die arme Prinzessin konnte es nicht ertragen, immerzu eingeschlossen zu sein. Sie sehnte sich danach, in den klaren, blauen Himmel zu fliegen, einen mutigen und liebevollen Mann zu finden und glücklich und frei leben zu können.

Immer wieder kamen Prinzen aus allen Ecken der Erde, die ihre Lieben gewinnen wollten. Aber der König wollte nicht, dass sie heiratet oder gar in einem anderen Land lebt. Also schmiedete er einen Plan. Egal wer kam, der König sagte immer:

„Ich erlaube dir nur dann meine Tochter zu heiraten, wenn du mir etwas erzählst, was ich noch nie zuvor gehört habe.“

Ein Prinz sagte:

„Ihre Hoheit, in unserem Land haben wir einen Kohl, so groß, das die Blätter sich über drei Dörfer erstrecken. Mit seinem Strunk kann man ein Haus bauen, das groß genug für die Bevölkerung von drei Königreichen ist. Davon können Sie noch nie gehört haben.“ Aber der König lachte nur und sagte:

„Oh doch, ja, ich habe bereits davon gehört.“

Ein weiterer Prinz kam.

„Hochwürdiger König, in unserem Land haben wir eine riesige Reisschüssel. Sie steht auf der Erde und hält den Himmel hoch. Wenn es stürmt, kann sich das gesamte Volk darunter tummeln. Auch Sie sind herzlich eingeladen, sich darunter zu schützen. Ich bin mir sicher, dass Ihre Majestät noch nie davon gehört hat.“ Der König zuckte achtlos mit der Schulter.

„Vielen Dank für das Angebot, aber ich habe schon oft davon gehört“. Und er zeigte dem Prinz die Tür.

Der König schickte alle Prinzen wieder fort, alle, die um die Hand seiner Tochter anhielten. Immer mit derselben Antwort:

„Davon habe ich bereits gehört“. Er bestand weiterhin darauf, die Prinzessin im Palast zu behalten. Obwohl sie die frische Luft und die Natur so sehr liebte. Die Prinzessin Nanxiang war traurig. Sie hasste ihren Vater, aber sie konnte nichts tun, um die schönen Prinzen davon abzuhalten, wieder fort zu reiten. Das ganze Land hatte Mitleid mit ihr, die alten und die jungen Leute, aber niemand konnte ihr helfen.

Nun lebte in einem Dorf ein hübscher junger Mann, der hieß Aiwang. Sein Heim war bescheiden, er webte Bambuskörbe und fällte Holz. Eines Tages fuhr er in die Stadt, um sein Holz zu verkaufen. Da erzählten ihm die Menschen in der Stadt von der Prinzessin. Es wäre sicher wunderbar, diese schöne und edle Prinzessin zu retten und sie zu heiraten, dachte er bei sich.

Aiwang dachte lange darüber nach und traf eine Entscheidung. Dann, am nächsten Morgen ging er große Mengen Bambus einholen. In sieben Tagen fertigte er sieben große Bambuskörbe. Er bat sieben Freunde, diese in den Königspalast zu tragen. Sie marschierten allesamt durch das Tor und stellten die sieben Körbe in den Hof des Palastes.