Wind erzählt

Tobias Koch

Magische Weltmärchen vom Wind

Impressum

Wind erzählt

Copyright © 2016 Tobias Koch

1. Auflage 2016

Verlag: Bookwire www.bookwire.com

ISBN: 978-3-9375-4562-2

 

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Tobias Koch
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Vorwort

Schon 3000 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung haben ägyptische Windmühlen die Kraft des Windes genutzt, um das kostbare Wasser für den Ackerbau zu fördern. Der Wind war es auch, der den Löwenköpfen am Palast der sagenhaften Königin von Saba ein so fürchterliches Brüllen verlieh - und damit Freund und Feind Respekt einflößte.

Es war der unsichtbare Wind, der die Kraft der Natur auf geheimnisvolle Weise spürbar machte – und so den Glauben an himmlische und unendlich kraftvolle Wesen mit begründete.

Als Atem des Lebens wurde der Wind schon in ältesten Schriften in einen direkten Zusammenhang mit den Befindlichkeiten der Seele gebracht. Der Wind war die ursprüngliche Kraft, mit der die Menschen die Welt entdeckten, per Schiff. In trockenen Regionen der Erde ist es schon immer der Wind gewesen, der den lebenswichtigen Regen ankündigt. Seit Urzeiten heißt ein nordafrikanischer Wind, der die nutzlose Spreu vom kostbaren Getreide zu trennen vermag ‚Lawaan’ - der Hilfreiche. In Polynesien war es Raka, der Windgott, der die Wasseroberfläche so aufraute, dass Fische die Netze nicht mehr sehen konnten. Erst seitdem gehen sie den Fischern ins Netz.

In sämtlichen Völkern, denen die Natur Vorbild und Inspiration ist, hat der Wind eine herausragende, eine elementare Bedeutung. Oft schon wurde deshalb gemutmaßt, dass es den Wind schon gegeben hätte, als die Welt selbst noch gar nicht erschaffen war. Dass er, der Wind, eine der Urkräfte war, die unser Leben auf der Welt erst möglich gemacht hat.

Im Rauschen der Baumkronen, im Rascheln der Blätter, im sanften Hauch der Sommerbrise, im leisen Säuseln des Windes durch das Schilf, in der Form der Wolken und in ihrer Schnelligkeit - in kraftvoller aber auch in romantischer Weise hat uns der Wind schon immer die Geheimnisse der Welt mitgeteilt - auf seine ganz eigene Weise. Er hat sie uns in vielfältigster Art geflüstert, er hat sie uns gehaucht und gebrüllt. Was immer der Wind zu berichten hatte, seit Menschengedenken ist es von ganz besonderer Bedeutung für uns.

Solange es Menschen gibt, hat der Wind sie beflügelt, bekräftigt, bereichert und beschäftigt. Von unserem großen Bruder, dem Wind, wollen wir deshalb hier erzählen.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Als der Wind sich verliebte (Kamerun)
Wind beendet die alte Zeit (Navaho)
Hermes – mit dem Wind im Bund (Griechenland)
Der Tanz der Rehe (Guatemala)
Die fliegende Glocke (Deutschland)
Fujin’s Sturmkinder (Japan)
Vayu – Gott des Windes (Indien)
Wie der Wind uns erzählt (Nordamerika)
Vier und der Wind (Mittelamerika)
Diamant und Nord-Wind (England)
Himmlische Jaguar-Frau (Mexiko)
Die Schwinge des Südwinds (Mesopotamien)
Kontiki (Norwegen, Peru)
Gegen Aiolos‘ Wind (Griechenland)
Anhang: Hörprobe
Anhang: Booklet
Weitere EBooks aus der Weltmärchen-Serie

Als der Wind sich verliebte (Kamerun)

Ein wilder Charakter war er schon immer, der Wind: Mal aufbrausend, mal mild und warm, und mal verkroch er sich auch plötzlich vollständig für wer weiß wie lange. Er wühlte wild in den Baumkronen, raste mit dem Gepard in der Steppe um die Wette und rauschte die Bergspitzen empor. Kein Weg war ihm zu weit. Die entlegensten Winkel dieser Welt erforschte er, in seiner unendlichen Neugier kroch er dabei in das kleinste Mauseloch.

Nachts, wenn die Menschen schliefen, dann strich er über die staubigen Wege ihrer Dörfer und schlich sich in ihre Träume hinein. Er hatte kein Zuhause, die Welt war gerade groß genug für seine wilde Seele. Am liebsten jagte er durch enge Täler und warf Menschen und Tieren Sand ins Gesicht. Und wenn er dann ein schlechtes Gewissen bekam, beschloss er stets, den Menschen auch wieder Gutes zu tun. Dann zerfetzte er mit großer Leidenschaft lange Wolkenbänder am Himmel und kündigte so an, dass er bald seinen lieben Freund, den Regen mitbringen würde. Schließlich wollte er Mensch und Tier auch ein guter Freund sein – manchmal zumindest. So war er, der Wind, und so wird er immer sein, von Allem etwas: wild, ruhig, stark, sprunghaft - aber auch romantisch. Und von seiner romantischen Seite wollen wir Euch nun erzählen: