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Moni Kaspers

Liebe im Feuer – Dangerous Love

Das Buch:

 

Er war ein Smoke Jumper. Kein Feuer machte ihm Angst, auch nicht, wenn es gefräßig wie ein Drache die Wälder Oregons verbrannte. Dieses Untier zu bekämpfen, bestimmte sein Leben. Doch wer war diese Frau, die er verletzt und zitternd in einer einsamen Hütte fand? Die dabei war, sein Herz zu rauben? Wer war sie, die seinen Verstand lähmte, ihn belog, so geheimnisumwittert war und womöglich morgen schon wieder verschwand? Wollte er all das wissen? Wollte er? Sollte er nicht die Notbremse ziehen, bevor er lichterloh in Flammen stand und sein Herz verglühte?

 

Die Autorin:

 

Moni Kaspers wurde 1966 in Dortmund geboren, wuchs jedoch in der schönen Stadt Köln am Rhein auf. Die Liebe fand sie nicht in ihrer Lieblingsstadt, sondern im Internet und heute lebt sie zurückgezogen mit ihrem Mann, vier Katzen und einem Hund im wunderbaren Rheinberg am Niederrhein. Sie liebt es, auf dem

Motorrad durch die Gegend zu fahren, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen oder einfach nur die Weite der Natur zu genießen.

Die Liebe war schon immer ihre Leidenschaft und weil es so schwierig ist, sie zu finden, vertreibt sie sich die Zeit damit, romantische Filme anzusehen oder Liebesromane zu verschlingen. Bis der Zeitpunkt kommt, an dem das nicht mehr genügt, sie einen eigenen Film im Kopf sieht und diesen dann zu Papier bringt.

Was im stillen Kämmerlein begann, möchte sie nun einer begeisterten Leserschaft anbieten.

 

Außerdem erschienen:

Der Cowboy – Dangerous Love (03/2016)

Ungestillte Sehnsucht – Dark Soul (09/2016)

 

 

Moni Kaspers

 

Roman

 

Liebe im Feuer – Dangerous Love

Moni Kaspers

 

Copyright © 2016 at Bookshouse Ltd.,

Villa Niki, 8722 Pano Akourdaleia, Cyprus

Umschlaggestaltung: © at Bookshouse Ltd.

Coverfotos: www.shutterstock.com

Satz: at Bookshouse Ltd.

Druck und Bindung: CPI books

Printed in Germany

 

ISBNs: 978-9963-53-557-6 (Paperback)

978-9963-53-558-3 (E-Book .pdf)

978-9963-53-559-0 (E-Book .epub)

978-9963-53-560-6 (E-Book Kindle)

 

 

www.bookshouse.de

 

 

 

Urheberrechtlich geschütztes Material

Inhaltsverzeichnis

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

Epilog

Prolog

 

 

 

Steven stand im Dunkel der Nacht und abseits im Schatten seines eigenen Lebens. Der Geruch, der aus den Mülltonnen waberte, die ihm Deckung verschafften, verursachte ihm tiefen Ekel. Er zog die Jacke enger um den Körper, als könnte er so den Gestank von sich fernhalten, und suchte die dunklen Nischen ab. Ratten konnte er jetzt überhaupt nicht gebrauchen. Er hasste Ratten und da war er sicherlich keine Ausnahme.

Gegenüber, in der hell erleuchteten Galerie, dort, wo das Leben pulsierte, machte seine Ehefrau wahrscheinlich gerade das Geschäft ihres Lebens, nicht ahnend, dass ihr tot geglaubter Mann an der Hauswand lehnte, um sie für ein paar gestohlene Minuten beobachten zu können. Verbotene Minuten. Genau genommen waren es selbstmörderische Minuten. Steven sah unter dem Schirm seiner tief ins Gesicht gezogenen Baseballkappe immer wieder prüfend zwischen der geladenen Gesellschaft, die Jessalyns kunstvolle Skulpturen betrachtete, und dem Parkplatz, ganz besonders dem Parkplatz, hin und her. Bisher war niemand Verdächtiges aufgetaucht.

Jessalyn hielt nun eine kleine Ansprache. Das dürfte ihr wenig gefallen, lächelte er in sich hinein, denn sie war im Grunde sehr schüchtern. Als plötzlich der Beifall ihrer betuchten Gäste aufbrandete, durchzuckte ihn bei dem Geräusch kurz der Schreck, doch er hatte sich schnell wieder im Griff. Sein Blick lag gebannt auf ihr. Wie wunderschön sie war. Ihr langes, seidiges Haar, das bronzefarben in weichen Locken bis zu ihren schmalen Hüften fiel. Ihre schlanke Figur, das geschmackvolle dunkelgrüne Kostüm, das so wunderbar zu ihren Katzenaugen passte. Sie trug hohe Schuhe, das hatte sie früher nie getan, doch sie hätte es tun sollen, denn sie war atemberaubend sexy. Zu seinem Bedauern gehörte sie nicht zu den Frauen, die schöne Schuhe sammelten. Sie trug lieber Turnschuhe oder Boots. Er hatte sie dann und wann gebeten, etwas Hochhackiges zu tragen, nur für ihn, doch sie hatte gelacht und sich nicht dafür erwärmen können. Nun stand sie in ihrer eigenen Ausstellung, mitten in Fair Oaks, hob ein Glas Champagner in die Höhe und strahlte, wie er sie lange nicht gesehen hatte.

Über die Ausstellung hatte er gelesen, rein zufällig war eines der Kunstmagazine in seine Hände gefallen. Jessy war für ihre Werke bereits bekannt und konnte mittlerweile sicher ganz gut davon leben. Wenn sie nur wüsste, wie stolz er auf sie war. Auf das, was sie geschafft hatte, auch ohne ihn. Wie abgöttisch er sie immer noch liebte und immer lieben würde. Ein paarmal hatte er nachts vor ihrer, nein, vor seiner Haustür gestanden. Es fühlte sich noch immer an, als gehörte dieses Haus ihm und das tat es ja auch. Sie trug noch seinen Namen und seinen Ring an ihrem Finger. Einen anderen Kerl hatte er nicht bei ihr entdecken können und das rechnete er ihr hoch an. Nach seinem vorgetäuschten Tod vor einem Jahr hätte er es ihr nicht einmal übel nehmen können, doch sie war allein geblieben. Dafür liebte er sie umso mehr. Sie war so rein. So edel. So unbeschmutzt. Warum er sich auf die dubiosen Geschäfte eingelassen hatte, wusste er nicht. Nein, im Grunde war das eine beschissene Lüge, die er sich immer wieder vorbetete. Er wusste es genau. Er hatte alles haben wollen. Alles! Eine Wahnsinnsfrau, ein hübsches Häuschen in einem gehobenen Vorstadtviertel mit einem Garten, in dem man mit guten Freunden Feste feierte und vielleicht irgendwann einmal seine ungeborenen Kinder spielen würden … Nun ja, das alles hatte er bereits besessen, doch er wollte mehr. Eine Villa am Meer, ein rasantes Auto, ach was, eins, mehrere und einen Swimmingpool mit beleuchtetem Wasserfall. Ein Boot natürlich und reisen, wohin man wollte.

Darum hatte er zugestimmt, als er heiße Ware von Mexiko über die Grenze bringen sollte. Kein Job für zarte Nerven, doch ständig hatte er vor Augen, wie seine schöne Jessalyn im knappen Nichts vor dem beleuchteten Wasserfall posierte und er sie in seinem riesigen Pool leidenschaftlich liebte. Er verdiente dabei sehr gut. Schmutziges Geld für eine Saubermann-Strand-Villa. Jessy log er vor, er hätte sich hochgearbeitet, wäre befördert worden, seine langen, einsamen Nächte an der Grenze, bis der Wachwechsel stattfand, schob er als Geschäftsreisen vor. Mit jedem Mal wurde es einfacher, mit jedem Mal wurden die Grenzpolizisten nachlässiger, grüßten ihn bereits von Weitem und mit jedem Mal wurden die Päckchen größer. Der Handlanger des Drogenbarons klopfte ihm anerkennend auf die Schulter, mit seinem Goldzahngrinsen und anderen Bodyguards im Hintergrund. Eine ganze Zeit lang scheffelte er viel Geld für Drogen, die womöglich an der Schule seiner Nachbarkinder wieder in Umlauf kamen, doch das schob er weit von sich. Nicht diese Schule, nicht diese Kinder. So etwas passierte nur woanders. Wenn er genug angehäuft hätte, brauchten seine Kinder nicht in Schulen gehen, wo Drogen verkauft wurden. Er könnte sie privat unterrichten lassen oder auf auserwählte Internate schicken, damit sie etwas aus ihrem Leben machen konnten.

So hatte er gedacht, bevor sein gottverdammter Karren kurz hinter der Mexikanischen Grenze den Geist aufgab und die Highway Police ihn aufgriff. Er war nervös geworden, sie hatten es bemerkt, und noch bevor er sich versah, lag er mit dem Gesicht im Dreck der Straße und der Officer drückte ihm sein Knie in den Nacken. Sie wussten genau, wonach sie suchen mussten und es dauerte nicht lange, bis sie einen Teil der Drogen fanden. Hektisch hatten sie ihn in den Polizeiwagen gepackt und Verstärkung angefordert. Die Drogenbosse ließen ihre Kuriere überwachen, damit sie die Polizisten notfalls beseitigen konnten. Je wertvoller die Fracht, desto wertloser war ein Leben. Die Cops hatten ihn mit Schweißperlen auf der Stirn angeschrien und einer drückte seine Waffe an Stevens Schläfe. Er gestand ihnen sofort, wo sie den Rest der Drogen fanden. Er war nun mal kein Held. Im Eiltempo durchforsteten sie seinen Wagen, dann fuhren sie mit durchdrehenden Rädern mit ihm davon. Stundenlang hatte er auf der Wache sitzen müssen, bis einer der Beamten ihn endlich in einen Verhörraum brachte.

»Mister Ryan, das ist ein ziemlicher Schlamassel, in dem Sie stecken«, hatte der Inspektor ihn empfangen. Der fette Kerl schwitzte stark und tupfte sich ständig mit einem Tuch die Schweißtropfen von der Stirn.

»Man hat mir die Drogen untergejubelt.«

»Sicher, darum wussten Sie ja auch sofort, wo sie versteckt waren. Reden wir nicht lange drum herum, Sie sind erledigt, das wissen Sie. Wenn wir Sie gehen lassen, werden Sie die andere Straßenseite nicht erreichen, ohne dass man aus irgendwelchen dunklen Ecken Blei in Ihre Brust jagt.«

»Warum sollte man? Von mir erfahren Sie nichts.«

»Mister Ryan, ich will Ihnen Ihre Illusionen nicht nehmen, aber Ihr Auftraggeber wird nicht an das Gute in Ihnen glauben. Ob Sie nun den Mund aufmachen oder nicht, Sie sind ein toter Mann. Ich kenne keinen Kurier, der einen Aufgriff durch die Polizei lange überlebt hat, nachdem man ihn freiließ.«

Während in ihm ein Sturm der Angst tobte, lehnte sich der Inspektor zurück, fummelte eine Zigarette aus der Packung und bot sie ihm an. Steven hatte vor Jahren aufgehört, doch jetzt war ein verdammt guter Zeitpunkt, wieder anzufangen.

»Sie können schweigen, das ist Ihr gutes Recht, aber Sie sind nur ein kleines Licht, ein Glühwürmchen. Wir aber wollen die Kronleuchter, verstehen Sie?«

Das Feuerzeug schnippte vor seinem Gesicht. Steven nickte, inhalierte den Rauch und es war besser, als er erwartet hatte. Langsam stieß er den Qualm wieder hinaus. Wie beruhigend. Warum nur hatte er aufgehört zu rauchen?

»Haben Sie mich verstanden, Ryan?«

»Ja, sicher.«

»Ich biete Ihnen einen Deal.«

»Ich weiß, wie das läuft. Am Ende haben Sie die Namen und ich bin entweder tot oder verrotte im Gefängnis. Vergessen Sie’s.«

Der Inspektor schüttelte den Kopf, zog an seiner Zigarette, ließ sie im Mundwinkel hängen und blätterte in seinen Unterlagen. »Ihre Frau Jessalyn hat soeben ihren dreißigsten Geburtstag gefeiert.« Er zog ein Bild von ihr aus den Papieren und ließ es über den Tisch gleiten.

Steven nahm es in die Hand und war geschockt. Es zeigte sie während ihrer Feier im Garten. Sie hatten ein Barbecue gemacht, Freunde eingeladen, ein wunderbarer Abend. Auf weiteren Bildern sah man Jessy in ihrer Galerie, vor ihrem Auto, sie zusammen beim Einkaufen.

»Sie ist wunderschön, Sie haben eine sehr schöne Frau. Ja, Mister Ryan, da werden Sie blass und wissen Sie was?«

Steven schluckte und schüttelte den Kopf.

»Wissen Sie nicht? Dann werde ich es Ihnen sagen. Genau diese Informationen besitzt mit Sicherheit auch Ihr Boss, das ist die bittere Wahrheit, Ryan.«

»Woher wollen Sie das wissen?«

»Ich mache diesen verfluchten Job nicht erst seit heute. In den letzten Jahren habe ich viele unschuldige Opfer sterben sehen. Kinder, die an Drogen krepieren, weil skrupellose Menschen wie Sie nur ihre Profitgier befriedigen wollen. Junge Frauen und Männer, die ihre Körper verkaufen, um an diesen Dreck zu kommen, der sie für ein paar Stunden ihr Elend ertragen lässt. Ein Teufelskreis. Und Familien der Kuriere, die überraschend bei Autounfällen oder Überfällen starben, obwohl sie nicht die geringste Ahnung vom Treiben ihrer Familienmitglieder hatten. Das alles, Ryan, das alles nur für diesen Stoff.«

Die Worte des Inspektors schnürten ihm die Kehle zu. Ein schreckliches Gefühl breitete sich in ihm aus. Sein Gewissen. Er hatte doch nur das Beste für sie und sich gewollt. Ein sorgenfreies Leben. Doch nun musste er um Jessys Leben fürchten. In seinem Kopf rotierte es.

»Sie fragen sich gerade, ‚Mensch, Steven, was machst du jetzt‘, habe ich recht?«

Steven zuckte mit den Schultern, sog tief an seiner Zigarette und vermied es, seinem Gegenüber in die Augen zu sehen.

»Ich verrate Ihnen noch etwas. Sie sind aufgeflogen, längst weiß Ihr Boss Bescheid. Er fürchtet um sein Geld. Bei der Menge an Stoff macht er gerade einen Riesenverlust und glauben Sie mir, er wird heute verdammt schlechte Laune haben. Doch er will sein Geld zurück und Sie haben eine schöne Frau. Er wird über kurz oder lang jemanden bei Jessalyn vorbeischicken.«

Der Schreck ließ Steven aufblicken, geradewegs in die wässrigen Augen des Inspektors. »Was soll das bedeuten? Sie hat nicht den blassesten Schimmer …«

»Das weiß ich. Er wird das auch wissen, doch er wird sie sich holen wollen, damit sie Ihre Schulden abarbeitet, Steven, so läuft das nun mal. Geben sie uns Namen, Ryan, damit wir diese Rattenplage ausrotten und Ihre Frau beschützen können.«

»Abarbeitet? Was meinen Sie damit? Verdammt, was zur Hölle …?« Ihm wurde die Tragweite seines Handelns mehr und mehr bewusst und die kalte Angst klammerte sich in seinen Nacken. Vor seinem inneren Auge sah er Jess nackt und gedemütigt vor diesem Schwein kniend und sämtliche Haare seines Körpers stellten sich auf. »Sie müssen sie beschützen, Inspektor!«

»Ja, wir sind verpflichtet, das zu tun, und das werden wir auch, aber dafür müssen Sie sterben, Ryan.«

Das hatte er dann auch getan. Aufgrund seiner Aussage konnten sie den größten Teil der Organisation einbuchten, bis auf den Drogenbaron natürlich. So war es leider immer, dass der Kopf der Bande unberührt blieb. Er selbst starb einen Unfalltod, damit er am Leben blieb, doch tatsächlich war er mehr scheintot als lebendig. Er hatte vorher nicht bedacht, wie grausam seine Schattenexistenz sein würde. Er schaffte es einfach nicht, mit seinem Leben, das er einst so stolz geführt hatte, abzuschließen. Sein Name war jetzt Benjamin Stark, er fand ihn furchtbar, und er lebte vierhundert Meilen von seinem alten Leben entfernt. Noch stand er unter Beobachtung, hätte theoretisch keinen Fuß vor die Tür setzen dürfen, aber er stahl sich immer wieder heimlich zu ihr, wie in diesem besonderen Moment ihrer neuesten Ausstellung. So konnte er bei ihr sein, teilhaben an ihrem Leben, das aufregend und bunt für sie weiterging. Sie hatte es verdient. Steven wollte gerade sein Versteck hinter den Mülltonnen verlassen, als eine dunkle Limousine mit getönten Scheiben vor der Galerie hielt. Steven wusste sofort, wer das war. Der Mann, der dem Luxuswagen entstieg, war Sebastián José de Zosa, genannt El Enano, der Zwerg. Der kleinste Mann Mexikos, dessen Geld in einem Aktenkoffer auf Stevens Rückbank lag und der jetzt, sein Seidentuch um den Hals zurechtzupfend, Jessalyns Galerie betrat.

Stevens Plan konnte beginnen.

Kapitel 1

 

 

 

Was für ein gelungener Abend. Jess ließ die Haustür hinter sich ins Schloss fallen, zog die hohen Schuhe aus und massierte ihre schmerzenden Zehen. Nie hätte sie gedacht, dass ihre Werke solch einen Anklang finden würden. Ein glückliches Gefühl durchströmte sie und Jessy konnte nicht verhindern, dass sich ihr Mund ständig zu einem glücklichen Lächeln verzog. Seit Stevens tragischem Tod hatte sie um ihre Existenz kämpfen müssen, doch mit dem heutigen Abend war das offensichtlich vorbei. Sie war glücklich. Ja, nach langer Zeit verspürte sie endlich wieder so etwas wie Glück.