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Autor:

Evgeni Orkin ist 1977 in der Ukraine geboren. Nach dem Studium an den Musikhochschulen in Kiew, Utrecht und Mannheim in den Fächern Klarinette, Komposition und Dirigat unterrichtet er an der Musikhochschule in Mannheim. Seine Leidenschaft, Originalinstrumente zu entdecken, zu erhalten und deren Klang am Beispiel der damaligen zeitgenössischen Werken zu dokumentieren, ist auf mehreren CDs präsentiert.


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Korrektur:

Susanne Bosche hat in Heidelberg Klassische Archäologie und Geschichte studiert. Im Jahr 2015 hat sie ihr Studium mit einem Master-Abschluss in Klassischer Archäologie beendet und promoviert seitdem in diesem Fach an der Universität Heidelberg. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der theoretischen Gesellschafts- und Kulturforschung. Neben dem Studium und der Promotion ist sie mit ihrem Hauptinstrument Klarinette in verschiedenen Laienorchestern der Region aktiv.

IMPRESSUM


METHODISCHE EINFÜHRUNG

in das Erlernen und die Anwendung der historischen Klarinette in historisch informierter Aufführungspraxis.


von Evgeni Orkin


© 2017 Evgeni Orkin


Alle Rechte vorbehalten.


Autor: Evgeni Orkin


Kontaktdaten:


 orka77@gmx.de


www.evgeniorkin.de


ISBN: 978-3-96217-031-8 


Alle Rechte an dem Konzept, Musikstücken, Idee und Ausführung liegen bei dem Autor.

Kopieren oder Nachdruck durch Dritte ist ausdrücklich verboten.

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METHODISCHE EINFÜHRUNG

in das Erlernen und die Anwendung der historischen Klarinette in historisch informierter Aufführungspraxis.



Vorwort

Dieses Buch ist für die Spieler gedacht, die sich im Bereich historischen Klarinettenspiels ausprobieren möchten. Es beinhaltet die Grifftabellen für 5-6, 7-14 und hochromantische (Ottensteiner u.ä.) Instrumente.

Enthalten sind auch technische Übungen und Etüden - sie sind speziell auf die "Problezonen" der historischen Klarinetten gerichtet, da sie den Klarinettisten,  die es gewohnt sind, moderne Instrumente zu spielen, meistens die größten Schwierigkeiten bereiten.

Ferner finden sich Angaben zu Trillergriffen, Stimmgriffen und Alternativgriffen in diesem Heft, sowie kleine Material-Tipps und Informationen, die Neugierigen helfen können, viele Fragen zu beantworten.

Es sind also ausschließlich technischen Aspekte, die in diesem Heft angesprochen werden und keine interpretatorischen oder stilistischen.




Kapitel 1

Instrumente, deren Unterschied und Anwendung in der

historischen Aufführungspraxis.

Geschichte

Eine Erfassung der gesamten Geschichte des Klarinettenbaus bedarf eines eigenes Buchs. Diese Bücher sind bereits vielfach geschrieben und es lohnt sich sehr, sie zu lesen, um die Entwicklung der Klarinette nachvollziehen zu können. Ich möchte hier nur ganz kurz die wesentlichen Punkte erwähnen.




Das Chalumeau

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Zwar gilt das Chalumeau als Vorgänger der Klarinette, ist aber nicht bedeutend älter als sie selbst und wurde erst am Ende des 17. Jahrhunderts nachgewiesen.

Der Tonumfang lag bei einer None. Das Überblasen ohne dafür vorgesehener Klappe war grundsätzlich möglich, die obere Lage war aber instabil und unsauber. Die Halbtöne spielte man mit den Gabelgriffen wie bei einer Blockflöte.

Die Klarinetten mit 2-3 Klappen

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Um 1700 fügte Johann Christoph Denner eine Überblasklappe hinzu, was ermöglichte, das Instrument um ein zweites, hohes Register zu erweitern.

Man bedenke, dass die auf diese Weise erfundene "Klarinette" nun zwar beide Register beherrschte, aber unter Problemen litt, was das intonatorische Verhältnis zwischen den beiden Registern betraf - dem tiefen "Chalumeau"-Register und dem neuen höhen "Clarino"-Register. Dies führte dazu, dass noch etwa bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts die hohen Lagen von Klarinettisten und die tiefen weiterhin von Chalumeau Spielern bespielt wurden.

Die Halbtöne waren durch die Gabelgriffe erzeugbar. Zudem fehlte das h1-Klappe und Klarinette "sprang" vom b1 gleich auf das c2.

Die Klarinette war vierteilig:

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*das Mundstück und die Birne - sie waren zusammengebaut;

(bald wurde das Mundstück vom Fässchen getrennt)

*das Oberstück;

*das Unterstück - ein kurzes Teil mit drei Fingerlöchern;

*das Unterteil - "Zwiebel" mit dem Loch für den rechten kleinen Finger, zusammengebaut mit dem Trichter.

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Daumenstütze gab es nicht - die Klarinette war relativ leicht. Trotzdem verwendete man manchmal eine Schlaufe aus Leder oder Schnur, um das Instrument bequemer halten zu können. Das Blatt wurde am Mundstück mit einem Blattschnur befestigt.

Das Blatt war am Mundstück oben befestigt und man hielt es mit der Oberlippe fest, wobei es äußerst wichtig zu erwähnen ist, dass diese Methode nicht allgemein war - es gab viele Spieler, die das Blatt mit der Unterlippe kontrollierten und es war also unten befestigt. Beide Methoden hielten bis in das späte 19. Jahrhundert stand! Man konnte beide Handpositionen verwenden - sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand oben. Den "Zwiebelblock" konnte man mit dem c2-Loch rechts oder links herstellen.

Die Instrumente stellte man aus herkömmlichen Baumsorten her. Die härtesten und somit stabilsten waren Buchsbaum- und Fruchtbaumhölzer.

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5-(6)-Klappen-Klarinetten


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Die nächsten Verbesserungen beseitigten Intonationsunterschiede zwischen den Registern und führten dazu, dass am Ende des 18. Jahrhunderts eine typische "klassische" Klarinette mit 5 Klappen entstand. Die englischen Meister haben sogar eine sechste sehr praktische Klappe entwickelt - h1 Trillerklappe.

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Das Mundstück trennte sich vom Fässchen, und "Zwiebelteil" vom Trichter. Daumenstütze gab es weiterhin keine.

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