Sind ETF gut für die Altersvorsorge?

Unbedingt! Wenn Sie auf weltweit anlegende ETF setzen, haben Sie die Chance, zu sehr vertretbaren Kosten langfristig auskömmliche Renditen zu erzielen – und das bei langfristig überschaubarem Risiko. Näheres dazu erfahren Sie im Abschnitt „Meinen ETF-Plan umsetzen“ ab S. 69. Wichtig ist, dass Sie Ihre private Altersvorsorge frühzeitig angehen. Wenn Sie dabei auch auf Aktien-ETF setzen, sollten Sie Ihr Geld mindestens 10 Jahre, besser 15 Jahre lang anlegen – und nicht unbedingt zu einem fixen Zeitpunkt das gesamte Geld benötigen. Denn sollte es an der Börse wieder einmal krachen, müssen Sie in der Lage sein, auf höhere Kurse warten zu können.

Wie finde ich gute ETF?

Es gibt weit mehr als 1 000 ETF in Deutschland, auf den ersten Blick macht das die Suche nach einem oder zwei guten Papieren erst einmal schwer. Doch keine Sorge, wir haben das riesige Angebot für Sie gesichtet und stellen in diesem Buch eine Reihe solider ETF vor. Darunter finden Sie sicherlich welche, die Ihre Anforderungen erfüllen. Gut zu wissen: Finanztest stellt das komplette ETF-Angebot regelmäßig auf den Prüfstand. Dabei werden alle Fonds nach festen Kriterien gefiltert und beurteilt. Die geeignetsten jeder Fondsgruppe erhalten die Auszeichnung „1. Wahl“. Eine Auswahl empfehlenswerter ETF haben wir in der Tabelle „Diese ETF sind 1. Wahl“, ab S. 166 zusammengestellt. Weitere Erläuterungen zur Auswahl von passenden ETF finden Sie im ganzen Buch und insbesondere im Abschnitt „Wie finde ich gute ETF?“ ab S. 101.

Wo kann ich ETF kaufen?

Der Name deutet es schon an: Exchange Traded Fund steht für börsengehandelter Fonds. ETF werden also wie Aktien an der Börse gehandelt. Sie müssen sich aber nicht selbst aufs Börsenparkett begeben. Als Allererstes benötigen Sie dazu ein Wertpapierdepot bei einer Filial- oder Direktbank – egal, ob Sie auf einmal eine größere Summe anlegen oder regelmäßig mithilfe eines Sparplans in ETF investieren möchten. Das Depot ist der Dreh- und Angelpunkt für all Ihre Geschäfte mit Wertpapieren. Sie sollten jedoch nicht das erstbeste wählen, denn es gibt beträchtliche Kostenunterschiede, die die Rendite Ihrer Anlage in ETF nachhaltig beeinflussen können. Wie Sie ein passendes und preiswertes Depot finden, erfahren Sie im Kapitel „Meinen ETF-Plan umsetzen“, ab S. 95.

Kann ein ETF eigentlich pleitegehen?

Nein, ein ETF kann genauso wenig wie ein aktiv gemanagter Fonds pleitegehen. Das liegt daran, dass beide als „Sondervermögen“ konstruiert sind. Das Sondervermögen gehört stets den Käufern der Fondsanteile. Die rechtlichen Vorgaben schreiben vor, dass dieses Sondervermögen immer getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft oder des ETF-Anbieters bei einer Depotbank treuhänderisch verwaltet wird. Sollte die Fondsgesellschaft oder der ETF-Anbieter selbst Insolvenz anmelden müssen, bleibt daher das Vermögen der Anleger unberührt. Es ist und bleibt Eigentum der Kunden.

ETF verstehen

Indexfonds sind ideal für alle, die langfristig Vermögen aufbauen möchten – egal ob mit kleinen oder großen Beträgen. Denn ETF sind kostengünstig, flexibel, chancenreich und für Privatanleger einfach zu handhaben.

Große Enttäuschungen, das lehrt uns die Geschichte, waren oft Auslöser für bedeutende Veränderungen. Die „Erfindung“ von Indexfonds für Privatanleger im Jahr 1976 ist ein Paradebeispiel dafür. Wie kam es dazu? John C. Bogle, der Chef einer amerikanischen Investmentgesellschaft, war frustriert, weil er und seine hoch bezahlten Fondsmanager es nicht geschafft hatten, mit ihren Fonds dauerhaft besser zu sein als das wichtigste US-Börsenbarometer, der Aktienindex Standard & Poor´s 500. Für Bogle war klar: Es ist Zeit, neue Wege einzuschlagen.

So ähnlich mag es Ihnen auch gehen. Sie haben dieses Buch vermutlich gekauft, weil auch Sie Ihr Erspartes solide anlegen und mehren wollen. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen ist dies wichtiger denn je. Und vielleicht haben Sie mit Ihren bisherigen Geldanlagen ähnliche Erfahrungen wie Bogle mit seinen Fondsmanagern gesammelt. Glückwunsch! Denn mit diesem Buch erfahren Sie alles Wesentliche zum Thema Exchange Traded Funds, kurz ETF – von den wichtigsten Grundregeln, über die geeignete Strategie bis hin zum Kauf und der Verwaltung der passenden Produkte. Ganz unabhängig davon, ob Sie Anfänger in Sachen Geldanlage oder ETF sind oder bereits erste Erfahrungen gesammelt haben: In diesem Buch finden Sie viele praktische Tipps zum Thema. So stellen wir auch passende ETF vor, damit Sie sich aufwendiges Suchen sparen können.

Doch bevor wir uns all diesen Aspekten widmen, gilt es zwei Fragen zu klären: Was ist ein ETF und was unterscheidet ihn von einem „normalen“ Fonds? Rein formal betrachtet sind beide Sondervermögen, die von einer Investmentgesellschaft verwaltet werden. Ein Sondervermögen stellt man sich am besten wie eine große Geldsammelbox vor – und jedem Fondsinhaber gehört ein Stückchen davon. Während sich bei einem herkömmlichen Fonds ein Team von Managern überlegt, wie es das Geld in der Box investiert, kommen in die ETF-Kiste sozusagen einfach nur die Papiere, die einem Index zugehörig sind.

Hätten Sie’s gewusst?

Es klappt leider viel zu selten, dass Fondsmanager dauerhaft ein glückliches Händchen beweisen und stets überwiegend die Aktien kaufen, die sich besonders gut entwickeln.

Der US-Indexanbieter S & P Dow Jones Indices kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass in den 15 Jahren bis Mitte 2017 nur 15,4 Prozent der aktiv gemanagten US-Aktienfonds das Kunststück gelungen ist, ihren Vergleichsindex zu schlagen.

In Europa haben dies in den zehn Jahren bis zum 30. Juni 2017 sogar nur 12,6 Prozent geschafft.

Ein Index bildet die Entwicklung eines Wertpapiermarktes ab. Am bekanntesten sind Aktienindizes, aber es gibt auch Anleihen- oder Rohstoffindizes. Der Anbieter eines Index legt fest, welche Werte in einem Index vertreten sind. Im Deutschen Aktienindex Dax sind beispielsweise die 30 größten deutschen Firmen enthalten. Da sich für die Indexvariante keine hoch bezahlten Manager den Kopf zerbrechen müssen, welche Papiere gekauft werden sollen, sondern dies durch den Index vorgegeben ist, sind die Kosten weitaus niedriger. Und da trotz umfangreicher Analysen die Profis meist nicht schlauer sind als der Markt und daher häufig keine bessere Auswahl treffen, bleibt am Ende bei ETF-Investments nun mal für die Fondskäufer mehr übrig.

Genau das hatte Bogle Mitte der 70er-Jahre erkannt. Er gründete eine neue Fondsgesellschaft, nannte sie „Vanguard“ und wies seine Mitarbeiter an, künftig auf eine aktive Aktienauswahl völlig zu verzichten und nur noch den S&P 500-Index „passiv“ nachzubilden. Alle 500 dort gelisteten Aktien sollten exakt nach ihrem Gewicht im Index gekauft und die Aufteilung beibehalten werden, egal ob es mit den Kursen auf- oder abwärts ging. Mit seinem neuen Indexfonds gab er privaten Anlegern erstmals die Möglichkeit, äußerst kostengünstig in den Aktienmarkt einzusteigen. Denn sein Indexfonds auf den amerikanischen Leitindex, der „Vanguard 500 Index Fund“ entwickelte sich genau wie der Standard & Poor´s 500-Index. Der Vanguard-Chef war überzeugt davon, dass sein neuer Fonds langfristig klar besser laufen würde als die Mehrzahl der aktiv gemanagten Konkurrenzprodukte. Anleger mussten also nicht mehr auf die relativ geringe Chance wetten, einen der wenigen Fonds zu erwischen, die dauerhaft bessere Ergebnisse als ihr Vergleichsmaßstab erzielen. Bogle beschrieb das Prinzip später so: „Suche nicht die Nadel im Heuhaufen, kaufe einfach den Heuhaufen.“

Was sind ETF? Der schnelle Überblick

Mit ETF können Sie einfach einen kompletten Börsenindex kaufen – das bringt oft weit bessere Erträge als die meisten Fonds, die aktiv von Experten gemanagt werden.

Anders als herkömmliche Fonds verzichten Indexfonds darauf, vermeintliche Gewinneraktien auszuwählen. Sie suchen nicht nach günstigen Kauf- und Verkaufszeitpunkten, betreiben also kein „Timing“. Ob es raufgeht mit den Kursen oder runter, ist einem Indexfonds egal, er bleibt mit seinem gesamten Anlagevermögen investiert. Klettert der Index um 3 Prozent, legt auch ein Indexfonds um 3 Prozent zu, fällt er um 3 Prozent, gibt er entsprechend um 3 Prozent nach. Mit dieser sturen Nachbildung schnitt der Vanguard 500 schon bald besser ab als die meisten seiner aktiven Konkurrenten – übrigens auch als die meisten Privatanleger, die ihr Depot mit Einzelaktien bestücken. Das bessere Abschneiden ist aber nur einer von mehreren Vorteilen von ETF („5 wichtige Vorteile“ links): Ein weiterer Vorzug ist, dass ein Indexfonds auf den S&P 500 breit gestreut ist. Er vereint 500 Aktien aller wichtigen Branchen, während aktiv gemanagte Fonds selten mehr als 50 bis 100 Einzeltitel halten, private Anleger in der Regel noch viel weniger. Das senkt potenziell das Risiko. Denn Diversifikation, wie Streuung in der Fachsprache heißt, hat sich als beste Methode erwiesen, um allzu heftige Kursausschläge eines Aktiendepots zu dämpfen.

Die Hoffnung Bogles, mit seinem Indexfonds schnell Erfolg bei Anlegern zu haben, wurde allerdings bitter enttäuscht. Von einigen Kritikern wurde er für verrückt erklärt. Manche warfen ihm sogar „unamerikanisches Verhalten“ vor, weil er sich mit Durchschnittserträgen zufriedengab und nicht den Ehrgeiz entwickelte, den Aktienindex zu übertrumpfen. Unterstützung erhielt Bogle von Wissenschaftlern, die aufgrund ihrer Forschungsergebnisse Indexfonds als überlegene Anlageinstrumente ansehen. Sie ermunterten ihn daher weiterzu­machen.

Erst nach und nach wurde Bogle ernst genommen, und sein Indexfonds wurde tatsächlich zur Vorhut – wie die deutsche Übersetzung von „Vanguard“ lautet – einer weltweiten Entwicklung hin zum passiven Investieren, dem „Indexing“.

5 wichtige Vorteile von ETF

1 Breite Streuung. Sie reduziert das Risiko und erhöht langfristig den Ertrag, da Anleger mit einem einzigen Produkt komplette Aktien- und Anleihenmärkte nachbilden können.

2 Geringe Kosten. Sie lassen vom Ertrag der Kapitalanlagen netto mehr übrig als normale Fonds, da die Gebühren bei Kauf und Verkauf sowie auch die laufenden Kosten günstiger ausfallen.

3 Bessere Performance. Sie bringen langfristig mehr Ertrag als vergleichbare Investments, wie zahlreiche Studien belegen.

4 Laufender Börsenhandel. Er sorgt für hohe Liquidität und Flexibilität, da Käufe und Verkäufe jederzeit getätigt werden können.

5 Index-Nachbildung. Sie bringt Transparenz und Berechenbarkeit, da die Bestandteile eines Börsenbarometers stets einsehbar sind und der Kurs sich immer nahezu parallel zum Indexverlauf bewegt.

Einen entscheidenden Zusatzschub erhielt seine Idee 1993, als die US-Gesellschaft State Street erstmals einen Indexfonds an die Börse brachte. Er wird genauso gehandelt wie Aktien, deshalb erhielt er den Namen Exchange Traded Fund, übersetzt börsengehandelter Fonds und abgekürzt ETF. Dieser ETF bildete den US-Aktienindex S&P 500 nach. Der SPDR S&P 500 ETF, ausgesprochen „Spider“ (Spinne), ist seit Jahren der größte ETF der Welt. Ende Januar 2018 verwaltete er gut 280 Milliarden Dollar.

 Gut zu        wissen  

ETF sind börsengehandelte Indexfonds. Sie bilden einen vorher festgelegten Börsenindex – wie den Dax – nach. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds „wetten“ sie nicht, dass bestimmte Aktien oder Anleihen besser laufen als der Durchschnitt, und sie investieren das Geld der Anleger immer komplett, egal ob die Börsenkurse steigen oder fallen.

Ein zusätzlicher Schub für Indexfonds kam nach der Finanzkrise 2008. Großanleger wie Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen erkannten zunehmend die Vorzüge des Indexing, und auch Privatanleger entdeckten ETF. Der Börsencrash und der anschließende Wiederaufschwung der Kurse hatten den Anlegern vor Augen geführt, dass es nur wenigen Profis gelungen war, sowohl im Abschwung als auch im folgenden Aufschwung per Saldo besser abzuschneiden als der Markt. Diejenigen, die frühzeitig Aktien verkauft und damit einen Teil der Crash-Verluste vermieden hatten, stiegen meistens zu spät wieder ein, als die Kurse ab März 2009 steil nach oben schossen.

Bogles Vision hat sich zwar spät, aber dafür umso beeindruckender erfüllt. Anfang 2018 umfasste der weltweite Markt für ETF und ETF-ähnliche Papiere ein Volumen von knapp 4,8 Billionen US-Dollar. Sogar der Milliardär Warren Buffett, der als erfolgreichster aktiver Investor der vergangenen Jahrzehnte gilt, adelte ihn mit dem Rat an seine Erben: „Investiere 10 Prozent in kurzfristige Staatsanleihen und 90 Prozent in einen günstigen S&P 500-Indexfonds. (...) Ich bin überzeugt, dass diese Investmentstrategie langfristig zu Ergebnissen führen wird, die die Mehrheit der anderen Investoren in den Schatten stellen werden, die hoch dotierte Vermögensverwalter beschäftigen.“

In Deutschland sind für Privatanleger Indexfonds fast nur in der börsengehandelten Form als ETF erhältlich. Die Premiere ist noch nicht so lang her. Erstmals zugelassen wurden sie im April 2000 – bis Anfang 2018 kletterte die Zahl der an der Frankfurter Börse gehandelten ETF auf mehr als 1 200. Anders als klassische Fonds, für die es von der Fondsgesellschaft täglich nur einen offiziellen Preis gibt, werden ETF an der Börse wie Einzelaktien fortlaufend gehandelt.

Wie aber funktionieren ETF überhaupt? Und was sollten Sie als Anleger wissen, wenn Sie sich dafür interessieren? Der sperrige Begriff ETF steht ja für „Exchange Traded Funds“, also börsengehandelte Indexfonds. Sie weisen drei Hauptmerkmale auf: Sie folgen einem Index, sind Fonds und börsengehandelt. Was hat es damit auf sich? Fangen wir mit dem Index an, denn um ihn dreht sich alles.

Hätten Sie’s gewusst?

Ende 2016 betrug der Wert aller Anlagen in ETF weltweit 3,42 Billionen Dollar, zwölf Monate später waren es bereits 4,76 Billionen – ein Plus von rund 40 Prozent binnen Jahresfrist.

Rund 70 Prozent der 4,76 Billionen Dollar verwalteten die drei größten ETF-Anbieter der Welt, die US-Investmentfirmen BlackRock (in Deutschland iShares), Vanguard und State Street.

In Europa betrug Ende 2017 der Wert aller Anlagen in ETF 783 Milliarden Dollar. Das entspricht lediglich einem Viertel des amerikanischen ETF-Marktes.

Ende 2016 lag die Zahl aller ETF-Produkte weltweit bei 4 808, Ende 2017 waren es knapp 6 000. In Deutschland konnten Anleger Anfang 2018 aus rund 1 200 Aktien- und Anleihen-ETF wählen.

Quellen: BlackRock, Deutsche Börse AG

Nur wenige Indizes eignen sich als Basis fürs Depot

ETF kopieren eine große Zahl an Börsenbarometern aus aller Welt. Wie aber funktioniert die Nachbildung? Und warum weisen weltweite Indizes für viele Privatanleger große Vorteile auf?

Wenn Sie sich darüber informieren wollen, wie sich die Aktienkurse in Deutschland entwickeln, schauen Sie vermutlich, wo der Deutsche Aktienindex, kurz Dax, steht. Der deutsche Leitindex spiegelt die durchschnittliche Kursentwicklung der 30 wichtigsten deutschen börsennotierten Unternehmen wider, von A wie Adidas bis V wie Volkswagen. Am Dax lässt sich auf einen Blick der Börsentrend erkennen. Die Wertentwicklung eines bestimmten Zeitabschnitts – zum Beispiel eines Jahres – kann man dann ganz einfach durch den Vergleich von zwei Zahlen errechnen. Ausgangspunkt des Dax ist der 31. Dezember 1987, für diesen Tag wurde sein Niveau mit 1 000 Punkten festgelegt. Bis Ende 2017 kletterte er auf rund 13 000 Zähler, sein Wert hat in diesen fast 30 Jahren also rund das Dreizehnfache erreicht.

Da jeder ETF einen Börsenindex nachbildet, ist die Wahl des geeigneten Index ganz besonders wichtig, denn der Anlageerfolg hängt überwiegend davon ab. Das Börsenbarometer bestimmt die Chancen und Risiken des ETF. Erst später geht es darum, welche ETF-Anbieter die besten Produkte offerieren.

Woraus ein Index genau besteht, können Sie leicht nachvollziehen, da die Regeln transparent sind und Sie die Zusammensetzung im Internet und in anderen Medien jederzeit verfolgen können. Wir haben die wichtigsten Informationen sinnvoller Indizes für Sie zusammengestellt. Die Übersicht finden Sie im Kapitel „Alle ETF im Überblick“, ab S. 47.

Für die Börsentendenz in Deutschland ist der Dax zwar das wichtigste Barometer, – aber als Basis für einen ETF weist er erhebliche Mängel auf – zumindest mit Blick auf die Bedürfnisse langfristig orientierter Privatanleger: Er ist auf ein Land beschränkt und mit nur 30 enthaltenen Aktien nicht breit gestreut.

Mit einem ETF über 1 600 Aktien aus 23 Ländern kaufen

Indizes, die eine Vielzahl an Aktien oder Anleihen aus verschiedenen Ländern und Branchen enthalten, eignen sich deshalb besser als ETF-Basisinvestments. Finanztest versteht darunter Indizes, die in ihrem Anlagesegment keiner Ergänzung bedürfen.

Das beste Beispiel dafür ist der MSCI World, der mehr als 1 600 Aktien großer und mittlerer Unternehmen aus 23 Industrieländern umfasst und Wertpapiere aus allen wichtigen Branchen enthält (siehe die Grafik „Die Branchengewichtung im MSCI World“ auf S. 20). Er erfüllt damit alle Bedingungen für ein Basisinvestment. Noch besser geeignet ist der MSCI All Country World (ACWI), der zusätzlich noch die wichtigsten Aktien des Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets umfasst und insgesamt mehr als 2 400 Aktien aufweist.

Die meisten ETF-Anbieter in Deutschland verwenden die Indizes des Indexanbieters MSCI, wenn sie einen Weltindex nachbilden. Aber es gibt auch einen großen Konkurrenten: FTSE Russell. Zu diesem Indexanbieter, der zur Gruppe der Londoner Börse gehört, ist 2012 der ETF-Pionier Vanguard gewechselt. Ihm waren die Gebühren, die MSCI verlangt hat, zu hoch. Das Pendant zum MSCI World ist der FTSE Developed World, zum MSCI Emerging Markets der FTSE Emerging Markets und zum MSCI ACWI der FTSE All World. Diese drei FTSE-­Indizes beinhalten sogar noch einige Hundert Aktien mehr als die entsprechenden MSCI-Indizes. Die Renditeentwicklung verlief in den vergangenen Jahren nahezu parallel zu derjenigen der MSCI-Indizes. Da Vanguard einen Teil seiner ETF Ende Oktober 2017 an der Frankfurter Börse eingeführt hat, spielen die FTSE-Indizes in Zukunft auch in Deutschland eine größere Rolle.

Gute ETF auf die Welt-Indizes von MSCI und FTSE finden Sie im Kapitel „Alle ETF im Überblick“ ab S. 47. Neben ETF auf diese globalen Börsenbarometer gibt es zahlreiche ETF auf Aktienindizes von Ländern, Regionen, Branchen und zunehmend auch auf Themen und Strategien. Mehr dazu erfahren Sie im Kapitel „ETF für Fortgeschrittene“ ab S. 127.

Das Geld der Anleger ist gut geschützt

In „Indexfonds“ steckt auch das Wort „Fonds“. Es deutet darauf hin, dass ETF enge Verwandte von aktiven Investmentfonds sind. Die wichtigste Gemeinsamkeit ist die gleiche Konstruktion als Sondervermögen, denn sie bürgt für Sicherheit. Warum? Beim Sondervermögen gehören die Vermögenswerte den Käufern der Anteile an Fonds oder ETF. Es muss „abgesondert“ vom Vermögen der Fondsgesellschaft bei einer Depotbank verwaltet werden, im Fachjargon heißt das treuhänderische Verwaltung. Die Depotbank wacht darüber, dass die Fondsgesellschaft das Vermögen der Kunden nicht für eigene Zwecke verwenden kann.

Damit ist sichergestellt, dass das Sondervermögen im Falle von Verlusten oder gar einer Insolvenz der Investmentgesellschaft vor dem Zugriff der Fondsgesellschaft und deren Gläubigern geschützt ist. Das Sondervermögen ist und bleibt immer im Eigentum der Kunden, egal was passiert. Da ETF rechtlich Investmentfonds sind, werden auch bei ihnen die Anteile der Anleger als Sondervermögen strikt vom Vermögen der ETF-Anbieter getrennt aufbewahrt.

Ein ETF-Anleger trägt also nur das Risiko der Anlagen, die im Fonds stecken, aber nicht das Risiko, dass der ETF-Anbieter pleitegehen könnte.

Die Branchengewichtung im MSCI World

Der MSCI World enthält Aktien aus allen wichtigen Branchen.

Quelle: Thomson Reuters. Stand 31.12.2017

ETF entwickeln sich meist besser als aktiv gemanagte Fonds

Wie herkömmliche Fonds eignen sich ETF besonders gut für Sparpläne, also fürs regelmäßige Anlegen. Das wird vor allem für die Altersvorsorge immer wichtiger. Aber auch bei anderen langfristigen Sparzielen, etwa beim Sparen für die Ausbildungskosten der Kinder oder Enkel, sind sie eine gute Wahl. Bei langfristigen Sparplänen wirken sich Renditeunterschiede aufgrund des Zinseszinseffekts gravierend aus – je länger die Anlagedauer ist, umso mehr.

  1. Der Zinseszinseffekt ist einer der wichtigsten „Verbündeten“ von Sparern. Erhält ein Anleger auf sein investiertes Geld eine Zinszahlung, die der Sparsumme hinzugefügt wirkt, wird die Zinszahlung beim nächsten Zahlungstermin mitverzinst. Auf diese Weise mehrt sich das Geld schneller als ohne Zinseszinseffekt. Je länger man spart, desto stärker kommt der Effekt zum Tragen.

Eine für jeden Sparer leicht nachvollziehbare Möglichkeit, mit ETF langfristig Vermögen aufzubauen, stellt das Pantoffel-Portfolio der Stiftung Warentest dar, das im Kapitel „Mein ETF-Plan“ ab Seite 72 ausführlich beleuchtet wird.

Wenn Sie in einen ETF-Sparplan investieren, bleiben Sie, anders als beispielsweise bei einer Kapitallebensversicherung, jederzeit flexibel. Sie können die Sparrate monatlich oder in einem anderen Intervall überweisen und die Höhe beliebig anpassen. Wenn sich die Lebens- oder Einkommens­situation ändert, kann man auch einmal eine Weile ganz pausieren. Neben diesen Gemeinsamkeiten von ETF mit klassischen Investmentfonds gibt es aber wichtige Unterschiede.

Wie lässt sich der Index nachbilden?

Wie werden ein Index und ein Fonds zum Indexfonds? Ganz einfach, könnte man meinen, indem alle Bestandteile eines Börsenindex eins zu eins gekauft werden und in das Sondervermögen übergehen. So hat es John Bogle 1976 vorgehabt, als er den ersten Indexfonds aus der Taufe hob. Seine Methode nennt sich daher „physische Nachbildung“: Aber es gibt auch andere Möglichkeiten der Indexnachbildung, die ihre eigenen Vorzüge und Nachteile aufweisen. Details dazu erfahren Sie im Abschnitt „Weitere Auswahlkriterien“ ab S. 106.

Dividenden – auszahlen lassen oder ansammeln?

Einen erheblichen Teil der Erträge von Aktien steuern Dividenden, die regelmäßigen Ausschüttungen der Unternehmen, bei. Nach verschiedenen Untersuchungen machen sie je nach Land und Zeitraum langfristig zwischen einem Drittel und der Hälfte der Gesamterträge aus. Auf Dividenden haben ETF-Besitzer den vollen Anspruch. Denn ETF sind ja, wie wir gehört haben, Sondervermögen, die hundertprozentig den Käufern gehören.

Aber was passiert mit den Dividenden? Es gibt, wie bei aktiven Fonds, zwei Möglichkeiten: sie werden regelmäßig an die Anleger ausgezahlt – von jährlich bis zu viermal pro Jahr –, oder sie werden automatisch wieder im ETF angelegt und erhöhen entsprechend den Wert des ETF. Der erste Weg wird als „ausschüttend“ bezeichnet, der zweite als „thesaurierend“.

Wer auf laufende Zahlungen Wert legt, kann ausschüttende ETF wählen, wer dagegen einen langfristigen Vermögensaufbau im Sinn hat – etwa für die Altersvorsorge –, fährt mit der thesaurierenden Variante besser. Denn die Erträge werden ohne Transaktionskosten umgehend wieder angelegt und erhöhen damit den Anlagebetrag. Der Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass sich das Wachstum des Kapitals durch die Thesaurierung beschleunigt, je länger die Erträge wieder angelegt werden, umso mehr.

 Gut zu     wissen  

Wo können sich Anleger am besten über einzelne ETF schlau machen und sie miteinander ver­gleichen? Gesetzlich vorgeschrieben sind die „Wesentlichen Anlegerinformationen“, die im Internet auf der Homepage der Anbieter abrufbar oder bei Banken erhältlich sind. Sie müssen auf zwei Seiten die wich­tigs­ten Fakten des ETF detailliert dar­legen. Daten zur Fondszusammensetzung, den Kosten, der Anlagewährung, der Wertentwicklung in Fondswährung und der Behandlung von Dividenden stehen in den Fact­sheets, die meistens einmal monatlich aktualisiert werden und ebenfalls im Internet einsehbar sind. Noch einfacher: Die Stiftung Warentest veröffentlicht die wichtigsten Daten für viele Fonds und ETF unter test.de/fonds.

ETF werden wie Aktien an der Börse laufend gehandelt

Was ist beim Börsenhandel, dem dritten Bestandteil des Namens „börsengehandelter Indexfonds“, zu beachten? ETF werden wie Aktien an der Börse gehandelt, in Deutschland am häufigsten auf der vollelektronischen Handelsplattform Xetra, die der Deutschen Börse gehört.

Das geht so einfach und schnell wie beim Kauf einer Aktie oder Anleihe. Keine Sorge, Sie als Privatanleger müssen nicht selbst an der Börse handeln. Sie brauchen dafür einen Vermittler, zum Beispiel eine Bank. Viele praktische Tipps zum Handel oder warum Sie jeden Auftrag limitieren sollten, finden Sie im Abschnitt „ETF richtig kaufen“ ab S. 111.

  1. Angenommen, ein aktiv verwalteter Fonds schneidet im reinen Anlage­ergebnis exakt gleich gut ab wie ein ETF und erzielt im Schnitt 7,5 Prozent Rendite pro Jahr. Setzt man bei einem ETF relativ hohe Kosten von 0,5 Prozent an, werden daraus 7,0 Prozent, bei einem aktiven Fonds mit relativ günstigen 1,5 Prozent Kosten dagegen nur 6,0 Prozent. Mit dem ETF kommen Anleger bei einer Anlagesumme von 10 000 Euro nach zehn Jahren auf 19 671,51 Euro, mit dem aktiven Fonds nur auf 17 908,48 Euro. Das heißt, der Kostenvorteil des ETF von einem Prozentpunkt bewirkt, dass der ETF-Anleger 1 763,03 Euro mehr im Depot hat. Da gilt das Sprichwort: „Kleine Ursache, große Wirkung“. Der Zinseszinseffekt macht sich hier stark bemerkbar.

Die Kosten Ihres Investments gehören zu den Einflussfaktoren, die Sie weitgehend selbst bestimmen können, denn sie sind im Voraus bekannt und beeinflussen das Anlageergebnis – die Performance – ganz entscheidend. Es macht eben einen Unterschied, ob die Kosten 20 Prozent der Durchschnittsrendite aufzehren, wie in unserem Beispiel für den aktiven Aktienfonds, oder 6,7 Prozent für einen ETF. Bei Anleihen-ETF spielen die Kosten eine noch größere Rolle für das Gesamtergebnis, weil die Zinsen derzeit so niedrig sind, dass ein oder zwei Zehntelprozentpunkte Mehrkosten einen erheblichen Teil der Rendite vernichten.

ETF vertrauen auf wissenschaftliche Erkenntnisse

Namhafte Wirtschaftsforscher haben die Grundlagen für die „Erfindung“ der Indexfonds geschaffen. Und sie haben wesentlich zur Weiterentwicklung des ETF-Angebots beigetragen.

John C. Bogle ist zwar so etwas wie der „leibliche Vater“ von Indexfonds für Privatanleger. Aber es gibt auch einen „geistigen Vater“: Professor Paul A. Samuelson, der 1970 als erster US-Amerikaner mit dem Nobelpreis für Wirtschaft (genauer: Alfred-Nobel-Gedächtnispreis) ausgezeichnet worden ist. Er hatte 1974 in einem wissenschaftlichen Beitrag gefordert, jemand solle doch einen Investmentfonds auflegen, der einfach nur passiv den breiten US-Aktienindex S&P 500 nachbildet. Er war sich sicher: Nach Abzug der Kosten werde es kein aktiver Anleger auf Dauer schaffen, den Index zu schlagen.

Bogle schilderte viele Jahre später, dass ihm diese Herausforderung keine Ruhe gelassen habe, bis er mit dem Vanguard 500 Index Fund dann 1976 Samuelsons Wunsch erfüllen konnte. Der Nobelpreisträger lobte Bogle kurz danach in einer Kolumne im Wirtschaftsmagazin „Businessweek“ überschwänglich: „Meine Gebete wurden früher als erwartet erhört.“ Fast 30 Jahre später legte Samuelson augenzwinkernd noch eine Schippe drauf: „Ich stufe Bogles Erfindung von Indexfonds gleichrangig ein mit der Erfindung des Rads, des Alphabets, Gutenbergs Buchdruck sowie gutem Wein und Käse“, pries er ihn in einem Vortrag.

Der Wirtschaftsprofessor hatte seine Forderung nach einem Indexfonds mit den Ergebnissen seiner eigenen wissenschaftlichen Forschungen und denen anderer Ökonomen zur „Modernen Portfoliotheorie (MPT)“ begründet. Samuelson, der von der „New York Times“ in einem Nachruf nach seinem Tod 2009 als „führender Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts“ gewürdigt wurde, hat die Moderne Portfoliotheorie maßgeblich weitergedacht.

Entwickelt hatte sie aber bereits 1952 Harry Max Markowitz, der dafür 1990 den Nobelpreis erhielt. Sie bildet die Grundlage für zahlreiche Forschungsarbeiten über die Grundregeln der Kapitalanlage und die Wirkungsweise der Finanzmärkte – und ist zur Basis des passiven Investierens geworden. Markowitz hatte erstmals den wissenschaftlichen Nachweis erbracht, dass Diversifikation, also Streuung der Investments auf verschiedene Anlagen, einen positiven Effekt auf das Risiko und die Rendite eines Portfolios ausübt. Wenn Anleger ihr Vermögen auf verschiedene Anlagen verteilen, bewirkt das auf der Ertragsseite einfach nur, dass die Renditen der Anlagen gemittelt werden. Die Risiken hingegen werden dadurch tatsächlich sogar überproportional reduziert. Diversifikation verbessert also das Rendite-Risiko-Verhältnis.

Die einzelnen Vermögenswerte sollten, wie es in der Fachsprache heißt, möglichst wenig miteinander korreliert sein: Ihre Wertentwicklung sollte sich also nicht gleichgerichtet entwickeln, sondern unterschiedlich auf wirtschaftliche, finanzielle und politische Einflüsse reagieren. Salopp gesagt: Ein Hersteller von Sonnencreme profitiert von einer lang anhaltenden Schönwetterperiode, ein Regenschirmhersteller dagegen von schlechtem Wetter. Wer als Anleger auf beide Produzenten setzt, macht sich von Wettereinflüssen weitgehend unabhängig.

Es macht daher laut Markowitz wenig Sinn, ein Depot aufzubauen, das vorwiegend aus Autoaktien oder Bankwerten verschiedener Länder besteht. Viel besser ist es, das Geld auf viele Branchen und Länder aufzuteilen.

Hier sind ETF ideal, da es kostengünstige Indexfonds für eine große Zahl von Anlageklassen gibt, also für verschiedene Märkte (Aktien, Anleihen, Rohstoffe), Regionen, Branchen, Strategien und Anlageformen. Mehr dazu erfahren Sie im Kapitel „ETF für Fortgeschrittene“ ab S. 127. „Diversifikation ist das Einzige, was es an der Börse umsonst gibt“, brachte Markowitz seine Erkenntnisse auf einen griffigen Nenner.

Was meinte er damit? Ein gut diversifiziertes Portfolio hat immer ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis als einzelne Bausteine daraus – seien es einzelne Aktien, Länder oder Branchen. Und das Rendite-­Risiko-Verhältnis ist die Größe, auf die es am Ende ankommt, wenn man Geldanlagen bewerten und vergleichen möchte. Nur dank Diversifikation kommt man also leicht zu einem besseren Portfolio.