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Friedrich Arbter

Geraubte Kindheit


Dieses Buch widme ich meinen Enkelkindern. Ich möchte auch danke sagen an meinen Opa, Tante und Onkel. Sie haben mich unterstützt und mir geholfen meinen Weg zu finden .


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Vorwot

Alles beginnt mit einem Besuch in einer Klinik 2010 durch einen Bediensteten Deutschlands bei Werner Meier. Dieser klärt Werner über seine familiäre Situation auf, welche das Leben des Werner Meier auf den Kopf stellt. Er muss erkennen, dass er seit über fünfzig Jahren nur belogen wurde und er nicht mehr weiß, wer er ist. Doch diese Informationen erklären viele Begebenheiten aus seinem vergangenen Leben eindeutig. Ihm wird bei diesem Gespräch klargemacht, dass er in seiner eigenen Familie von der DDR-Staatssicherheit überwacht wurde. Diese Familie nahm auch seine Tötung in Kauf, nur um Geheimnisse zu waren. Diese Informationen an Werner sollten niemals frei gegeben werden, es ist nur einem bürokratischen Fehler zu verdanken, dass es passiert ist. Nachforschungen durch Werner ergaben folgende Bestätigungen:

 

1.) das Krankenhaus, in dem er geboren wurde, existierte nie.

 

2.) Durch eine Aussage eines heute noch lebenden Zeitzeugen ist bestätigt, dass seine „Mutter“ in der fraglichen Zeit nie schwanger war.

 

3.) Als weiteres müssen hier persönliche Merkmale in Betracht gezogen werden. Werner unterscheidet sich von allen in der „Familie“, durch seine Größe sowie sein Wesen.

 

Nur die Seite seines Vaters ist bei Werners Aussehen und Wesen da, das hat ein naher Freund der Familie Meier bestätigt. Werners Wesen und seine Art gleichen einem Vorfahren (Karl Meier) sehr stark. Der Zeitzeuge kannte diesen Vorfahren persönlich, bis zu dessen tödlichen Badeunfall vor dem zweiten Weltkrieg. Hier ist auch zu sagen, dass der Vater von Werner sehr bemüht war um dessen intellektuelle Ausbildung. Seine „Mutter“ sorgte dafür, dass Werners sprachliche Ausbildung nicht gefördert wurde, und sein Vater war in dieser Frage passiv. Heute, nach sechzig Jahren, kann Werner mehrere Sprachen verstehen und einige brockenweise auch sprechen. Dies verdankt er seiner beruflichen Tätigkeit.

 

Die hier dargestellte Geschichte ist nach Aussagen und Informationen des Gespräches mit dem Staatsbediensteten sowie Zeitzeugen und nach schriftlichen Aufzeichnungen des Vaters Franz Meier, aufgeschrieben worden. Leider können viele Familienangehörige nicht mehr befragt werden, da sie verstorben sind. Zu den noch lebenden Angehörigen hat Werner jeden Kontakt abgebrochen, weil sie ihn nur ausgenutzt und belogen haben. In seinem späteren Leben ist er durch einen Zufall mit einem Zeitzeugen (heute sechsundneunzig Jahre alt) zusammengekommen, welcher mit seinem Großvater persönlich bekannt war. Dieser Zeitzeuge hat seine berufliche Ausbildung im Betrieb von Werners Großvater gemacht. Dieser kannte die gesamte Familie Meier schon aus der Vorkriegszeit. Dieser Zeitzeuge hat Werners Informationen zu seiner Herkunft und Geburt untermauert. 

Vorspann

Die Geschichte des kleinen Werner beginnt im Land der drei Meere, wie es der Volksmund nennt. Es heißt, Wald Meer, Sandmeer – nichts mehr. Es ist Mecklenburg-Vorpommern, wo die aufregenden Erlebnisse des Kleinen anfangen.

 

Der Volksaufstand in Ungarn 1956 war voll in Gange. Da treffen sich im Oktober, drei Freunde an einem geheimen Ort in der Nähe von Anklam. Zwei sind Brüder und der dritte Freund ist ein alter Kamerad. Alle drei eint die Zugehörigkeit zur Staatpartei SED. Einer hat den Dienstgrad eines Hauptmannes, und einer ist zu dieser Zeit Generalmajor. Der dritte ist Landwirt auf einem geerbten Gut im Westen von Mecklenburg-Vorpommern. Zwei haben eine verantwortungsvolle Dienststellung innerhalb der NVA.

 

Die Geschichte beginnt damit, dass Jakob die Brüder Friedrich und Franz um dieses Treffen ersuchte. Denn Jakob und seine Schwester Emilie waren für die Freiheit der ungarischen Patrioten, durch das Verteilen von Flugblättern, eingetreten. Die Beiden hatten heimlich Flugblätter gegen den Einsatz der Streitkräfte aus der Sowjet Union in Ungarn gedruckt und verteilt. Leider sind die beiden dabei von den Sicherheitsbehörden der DDR möglicherweise beobachtet wurden. Daher waren sie sehr in Sorge über die Zukunft, Emilie erwartete ihr erstes Kind und der heimliche Vater war Franz.

 

Nur Emilie, Jakob und Franz wussten dieses. Daher war auch die Sorge um das Kind sehr groß, denn die Ehefrau von Franz war ein Offizier der Staatsicherheit. Somit war ihnen bewusst, dass das Kind in Lebensgefahr ist. Dieses sollte Anfang November geboren werden, und der Termin war sehr nahe. Die zukünftige Mutter hatte Angst vor der Staatsmacht der DDR, sowie vor der Verfolgung durch den KGB der Sowjet Union. Die größte Angst bestand darin, dass ihr das Kind entzogen werden könnte. Daher haben sie einen Plan entwickelt. Diesen Plan wollte Jakob mit Friedrich sowie Franz besprechen.

 

Jakob erzählte den Beiden was geschehen war. Franz und auch Friedrich waren bei dieser Nachricht wie vom Donner gerührt, und sie konnten nicht gleich reden. Als erster sprach Friedrich. Seine Sorge galt dem Ungeborenen: „Meine Maria und ich wünschen uns schon immer ein Kind. Doch Maria kann keines bekommen. Daher wäre das Auftauchen eines Kindes bei uns beiden gefährlich. Im Gegenteil es würde zu unangenehmen Fragen führen. Wenn jemand das Kind nehmen kann, dann nur Franz. Er ist in seiner Stellung sicher und souverän. Franz wie denkst du darüber?“ Franz machte eine finstere Mine: „Wisst ihr beiden denn, nicht wie gefährlich ihr lebt? Habt Ihr die Verfolgungen durch die Stalinära vergessen? Mann Jakob, dafür könntet ihr sofort deportiert werden, ohne Wiederkehr! Ach was mach ich nur? Meine Frau ist doch, wie ihr wisst, im Sicherheitsdienst als Zuträger tätig. Wie soll ich es ihr beibringen, dass jetzt ein Kind mehr da ist? Habt ihr einen brauchbaren Vorschlag für mich? Denn sie kann uns alle drei an das Messer liefern damit!“

 

Jakob und Friedrich wurden leise, doch dann hatte Jakob die Idee: „Franz, wir wollen nicht schwarzsehen. Denn nur wenn wir festgenommen werden, kommt es dazu. Doch dies wissen wir noch nicht. Auf jeden Fall sollte deine Frau Gertrud Emilie bei der Geburt als Helferin zur Seite stehen. Ich denke dies ist unsere einzige Möglichkeit, ihr Mutterherz zu rühren. Was denkt ihr?“ Friedrich nickte nur. Dies machte er immer, wenn was gut war. Franz runzelte die Stirn: „Hm, eine gute Idee! Könnte aufgehen.

 

Nur Jakob, es müsste dann gleich so vereinbart sein, dass das Kind zu uns kommt. Als Grund sagt ihr Gertrud, dass ihr eine längere Reise machen müsst nach Übersee, um deine überlebende Familie zu suchen. Dann haben wir eine Chance, das Kind vor dem Zugriff des Staates zu schützen. Gertrud kann auch gleich die Geburtsurkunde entsprechend ausstellen lassen. Also kommt Ihr am nächsten Samstag zum Kaffee zu uns nach Hause. Friedrich, ihr kommt bitte auch dazu. Alles klar, ich muss wieder zurück zu meiner Familie.“

 

Familie Franz Meier

„Danke für euer Kommen und eure Hilfe, ihr seid meine einzigen Freunde! Danke!“ sagte Jakob tief bewegt und verabschiedete sich von ihnen. Die Brüder setzten sich in den Jeep und fuhren zurück zur Kaserne nach Lübz. Bevor sie dort angekommen waren, stieg Friedrich aus und fuhr mit seinem Fahrzeug weiter. Franz machte sich auf den Weg zur Kaserne. Als er dort ankam, stand seine Gertrud mit den drei Kinder Tanja, Leni und Rudolf da. Sie wollten ihren Papa von der Arbeit abholen. Franz lachte als er sie sah und freute sich. Gertrud gab ihm einen Kuss: „Franz, wo bist du gewesen? Keiner konnte uns was sagen.“ Franz lächelte nur: „Später Gertrud, jetzt möchte ich meine drei begrüßen.

 

Hallo Familie, wie geht es euch denn heute so?“ Die Kinder redeten alle auf einmal los und jeder wollte zum Papa auf den Arm. So gelangten sie zu ihrem Wohnhaus in der Militärsiedlung. Gertrud hatte bereits den Tisch für das Abendbrot gedeckt in der Küche. Als sie im Haus waren, sagte Franz: „Kinder, Hände waschen und zu Tisch kommen!“ Er kontrollierte die Hände, ob diese sauber und trocken sind. War jetzt alles in Ordnung wurde mit dem Abendessen begonnen. Wenn nicht, dann alles nochmals von vorne. Der Abend neigte sich dem Ende zu und die Zeit für den Sandmann war gekommen. Die Kinder schauten in einem Fernseher mit der Bildgröße dreizehn Zoll. Gertrud bereitete für alle die Betten vor und Franz zog sich andere Sachen an, denn daheim wollte er keine Uniform tragen. Nach dem Sandmann brachten die Eltern ihre Kinder zu Bett.

Das Gespräch

Jetzt hatten sie Zeit, eine zu rauchen, Gertrud ihre Zigarette und Franz seine Zigarre. Dies war immer auch die Zeit, um Dinge zu besprechen. Franz schaute seine Gertrud an und sagte: „Schatz, am Samstag habe ich Besuch eingeladen zum Kaffee, ist das OK für dich?“ Gertrud staunte: „So, wer kommt denn alles zu uns und warum?“ „Es kommen Maria, Emilie, Friedrich und Jakob zu uns. Emilie steht doch vor der Entbindung und darum möchte sie mit dir und Maria sprechen“ sagte Franz zu seiner Frau kurz. Sie wusste, es gibt keine Widerrede, so sagte sie: „Franz, du überrascht mich jetzt aber. Ich will sagen, dass Emilie mich um Hilfe bitten will, freut mich ungemein. Denn ich dachte immer, sie mochte mich nicht so Recht.“ „Ach Frauen, ihr seid ein Buch mit sieben Siegeln! Emilie hat diesen Vorschlag gemacht, verstehe einer euch nur!“ bemerkte Franz kurz.

 

Danach wechselte Gertrud das Thema: „Sage mal, hast du schon was wegen den verbotenen Flugblättern gehört? Ich würde gerne wissen wer dahinter steckt. Denn die Stasi ist am Suchen, die drehen jeden Stein herum, um was zu finden!“ Franz blieb ruhig: „Nur gut, dass ich bei der Armee bin. Wir haben andere Sorgen, als die Flugblätter zu suchen. Doch wurden auch Flugblätter, wie du weißt, auf dem Paradeplatz in der Kaserne gefunden. Ich hatte es sofort gemeldet, die Genossen vom MfS sind gleichgekommen. Wir haben eine Durchsuchung aller Spinde durchgeführt, jedoch ohne Erfolg. Mehr kann ich nicht sagen, Schatz.“ Gertrud schaute ihm direkt in die Augen: „Was machen eigentlich Emilie und Jakob so? Ich habe lange nichts mehr gehört von ihnen persönlich.

 

Nur gut, dass du immer Mal was erfährst.“ „Mensch Gertrud, sie bekommt ihr erstes Kind. Kannst du dich noch daran erinnern, was wir beide alles vorbereitet und gemacht haben. So ist es jetzt bei Emilie. Daher treffen wir uns am Samstag mal wieder. Soll ich Kuchen aus der Kaserne mitbringen?“ Gertrud schaute ihren Franz an: „Schatz, wenn wir schon einmal Besuch bekommen, dann backe ich mit den Kindern den Kuchen für alle. Was denkst du wie die Kinder sich darauf freuen.“ Damit war alles zu diesem Thema besprochen, dachte Gertrud.

 

Doch im Inneren von Franz arbeitete es. Wieso fragt Gertrud jetzt nach den Flugblättern? Was geht da vor? Wie weit sind die Ermittlungen der Stasi vorangekommen? In den Gedanken versunken starrte Franz vor sich hin. Gertrud beobachtete ihn und sagte: „Franz, du träumst ja. Das am frühen Abend, also weißt du! Ein wenig mehr Aufmerksamkeit hätte ich schon erwartet von dir.“ Franz schaute auf: „Du weißt, mir geht durch den Kopf, was muss geschehen sein, dass wieder Flugblätter gedruckt und verteilt werden. Ich finde es sehr schlimm. Wenn die Stasi diese Leute erwischt, dann wird es ihnen nicht gut ergehen denke ich.“ Das Gesicht von Gertrud verfärbte sich rot: „Franz, das sind doch Konterrevolutionäre! Sie machen Stimmung gegen unsere Freunde aus der Sowjet Union und ergreifen Partei für Menschen, die den Sozialismus in Ungarn abschaffen wollen! Dafür gibt es keine Entschuldigung.

 

Sie wird die Härte des Gesetzes treffen. Sie werden mit Sicherheit der Sowjetkommandantur übergeben. Was darauf folgt, muss ich dir sicherlich nicht erklären. Die haben dann eine sehr lange Reise vor sich und werden nicht mehr zurückkommen von dem Ziel.“ „Nun denn Schatz, ich werde jetzt mal Zeitung lesen und dann muss ich noch einen Bericht verfassen. Gib mir einen Kuss Schatz, danke!“ „Franz arbeite nicht zulange, die Nacht ist kurz und um fünf Uhr morgens klingelt dein Wecker! Rauche bitte nicht zu viel, sonst riecht die ganze Etage nach deinen Zigarren. Ich gehe jetzt ins Bett und werde wie immer warten auf dich Schatz, gute Nacht!“ Gertrud ging in das Schlafzimmer zog sich ihr Nachthemd an und legte sich hin.

Vergangenheit

Franz aber ging in den Keller, wo sein Arbeitszimmer war. Er schloss die Tür hinter sich, nachdem er im Zimmer war und öffnete das Fenster. So konnte er rauchen und der Qualm zog nach draußen. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und begann seinen Bericht zum Stand der Technik in der Kaserne zu schreiben. Jedoch ging ihm die Sache mit Emile und Jakob nicht aus dem Kopf. Warum nur mussten es die Beiden sein. Emilie war eine gute Buchautorin und Jakob war ein ausgezeichneter Landwirt in der Region. Jakobs Vergangenheit kannte Franz gut. Sie hatten sich in der Wehrmacht kennen gelernt. Jakob war Unteroffizier und Franz Oberleutnant, sie dienten in der gleichen Kompanie und Franz war der Zugführer von Jakob.

 

Sie verstanden sich von Anfang an gut und dies rettete beiden das Leben in Stalingrad. Dort gingen sie in Gefangenschaft zu den Russen. Sie mussten einen langen Marsch bis Moskau mitmachen, mitten im russischen Winter und ihre Bekleidung war alles andere als warm. Doch diesen Marsch überstanden beide ohne Schäden. Vor Moskau angekommen, wurden alle deutschen Kriegsgefangenen in ein Lager eingesperrt. Dort waren Baracken als Unterkünfte und welche dienten für die Verwaltung. So wurden alle gefangenen Wehrmachtsangehörigen persönlich nach ihrem Stand, Ausbildung und Dienstgrad befragt.

 

Als Franz dran war, sagte er: „Mein Vater hat einen Sattler- Polstere- und Stuckatur-Betrieb. Ich habe diesen Beruf auch erlernt und anschließend noch die Ausbildung zum Kaufmann gemacht. Mein Dienstgrad ist Oberleutnant.“ Diesen Satz übersetzte der Dolmetscher, der anwesende Offizier machte ein erstauntes Gesicht. Er fragte den Dolmetscher was, dieser schaute Franz an: „Können sie auch Gipsstatuen restaurieren?“ Franz sah ihn ruhig in die Augen, sagte kurz nur: „ja, wenn mir mein Geselle helfen kann.“ Der russische Offizier wollte die Antwort wissen, dann fragte er: „Wer ist dieser Geselle, ist er auch hier dabei?“ Franz nickte nur und zeigte auf Jakob. Dieser war sehr überrascht, aber er hatte begriffen, dass ist unsere Chance zum Überleben. So trat Jakob hinzu: „Meister hier bin ich, was ist?“

 

Der russische Offizier rief zwei Soldaten, sagte was zu ihnen und wendete sich dann an Franz und Jakob und sprach in einem sehr guten Deutsch: „Meine Herren sie werden jetzt in die Werkstätten, im Kreml, gebracht. Dort wartet viel Arbeit auf sie. Denn unser Restaurator ist leider verstorben vor einem Monat. Ich freue mich, ein Ersatz gefunden zu haben mit ihnen. Sie bekommen dort eine Unterkunft zugewiesen und was Warmes zu essen. Ich werde regelmäßig nach ihnen sehen.“ Das Begleitkommando verstand jedoch kein Wort Deutsch, daher konnte Jakob fragen: „Welcher Teufel hat dich geritten, ich habe doch keine Ahnung. Ich kann die nur zureichen und mehr nicht.“ Franz lächelte nur: „Jakob, so könnten wir überleben und keiner von uns beiden muss nach Sibirien. Ist doch gut so und wegen der Arbeit, mach dir mal keine Sorgen. Ich werde dir alles beibringen, was mein Vater mir gelehrt hat. Ich habe nur Vertrauen.“ Doch Beiden ahnten nicht, dass dort noch eine angenehme Überraschung auf Franz wartete.

Die Überraschung

Die Soldaten brachten sie zu der Werkstatt. Dort war ein Sergeant, welcher Sascha hieß. Dieser sprach auch Deutsch und begrüßte beide freundlich: „Guten Tag, schön, dass wie jetzt genügend Arbeitskräfte zum Restaurieren haben. Kommen sie mit, ich möchte ihnen den Dritten im Bunde zeigen.“ Sie stiegen in den Keller hinab, dort war es sehr hell erleuchtet und ein deutscher Soldat schabte an einer Figur von Lenin herum. So betraten sie die Werkstatt, der Sergeant rief: „Friedrich, höre auf für heute. Ab morgen seid ihr zu dritt bei dieser Arbeit!“

 

Da drehte sich Friedrich herum und konnte nicht glauben, was seine Augen sahen. Genau so erging es Franz, der rief: „Ja, Bruder du lebst! Wir haben uns solche Sorgen gemacht. Mutter hat so geweint, als sie die Nachricht erhielt, Du wirst vermisst. Es freut mich, dich zu sehen!“ Die beiden Brüder umarmten sich herzlich und die Freude stand beiden im Gesicht. „Franz, mein Bruder, mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich bin froh, dass wir leben. Mutter und Vater werden über das „Rote Kreuz“ erfahren, dass wir am Leben sind, hat mir Sascha versprochen. Wer ist der Kamerad neben dir?“ Der Sergeant staunte: „Was sie sind Brüder? Daher auch diese besondere Ausbildung bei ihnen. Na, dass klingt doch gut für unsere Aufgaben.

 

Kommt lasst uns essen gehen und dann können wir ja noch reden.“ Auf dem Weg zum Essen stellte Franz den Kamerad Jakob vor. Erst als sie allein waren, erklärte er Friedrich seinen Plan und dieser war sofort einverstanden. So wurden aus dieser Gemeinschaft, Freunde fürs Leben. Dadurch wurde Leben gerettet. Der russische Offizier schaute regelmäßig nach der Arbeit, der drei Gefangenen. Er brachte für sie zu Essen, Zigaretten und Wodka mit. Die Sowjetämter bedankten sich so für die Restauration ihrer Statuen. Der Offizier stand auch gut da, denn er hatte diese drei Fachleute gefunden. Kein Wunder, dass hier eine gute Freundschaft zwischen Bewachern und Bewachten wuchs. So konnten sie abends unter Begleitung innerhalb des Kremls spazieren gehen und frische Luft schnappen. Dies blieb bis zum Ende Ihrer Gefangenschaft so.

Der zwanzigste Juli vierundvierzig

Am Abend, des zwanzigsten Juli vierundvierzig, kam ein Jeep mit vier Offizieren angerast. Die Offiziere sprangen aus dem Jeep und liefen sehr schnell zu den Werkstätten der drei deutschen Gefangenen. Sie sprachen den Sergeanten an und fragten nach Gefangenen Jakob von Muck. Sie zeigten einen Ausweis vor, sie gehörten zum NKWD (Vorläufer des KGB). Sascha rief Jakob, dieser eilte sofort zu den Offizieren. Stellte sich ordentlich vor und wartete ab was geschehen wird. Ein Offizier im Range eines Oberstleutnants, sprach Jakob an. Er sagte zu ihm: „Wenn sie nicht bei uns in Gefangenschaft wären, so würden sie heute in Deutschland hingerichtet werden.“ Jakob machte große Augen, wurde ganz blass im Gesicht und musste sich hinsetzten. Jakob konnte nicht wissen, dass es ein Attentat auf Hitler in der Wolfsschanze gegeben hatte.

 

Doch für Jakob war dies ein großer Schock, ich hingerichtet? Was ist mit meinen Brüdern und Cousins passiert, hingerichtet? Soll es wahr sein? Der Offizier machte ein trauriges Gesicht: „Sie werden alle vor dem Volksgerichtshof angeklagt und das heißt, sie werden hingerichtet. Denn der Scharfrichter an diesem Gericht ist ein Erznazi.“ Warum, sie waren doch im Recht, Deutschland zu retten? Jakob hatte doch gewusst, dass seine Brüder und Verwandten im Widerstand gegen Hitler aktiv waren. Er musste in einen separaten Raum mit den Offizieren, diese verhörten Jakob zum Thema Attentat auf Hitler. Sie wollten alles wissen von ihm und seiner Familie. Dieses Verhör dauerte drei lange Stunden. Zum Schluss sagte der Oberstleutnant zu Jakob: „Sie bleiben bei dieser Arbeit weiterhin tätig. Denken sie doch mal nach, ob es sich nicht lohnt, für ein besseres Deutschland zu kämpfen.“ Dann verschwanden Sie so schnell wie sie gekommen waren.

 

Er brauchte lange, um diesen Verlust zu verarbeiten. Aber, dies war auch der Grund für ihre Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft am 30.September 1948. Weil Jakobs Familie im antifaschistischen Widerstand aktiv gewesen war, machte die russische Militärverwaltung ihnen folgendes Angebot: „Wenn Sie zurückkehren nach Deutschland und Ihren Wohnsitz in der sowjetischen Besatzungszone wählen und bei dem Wideraufbau in der sowjetischen Besatzungszone helfen, könnten Sie sofort nach Hause entlassen werden!“ Die Freunde schauten sich an und jeder nickte nur. Also war es beschlossen. Franz wurde sofort mit dem Dienstgrad eines Majors berufen und Friedrich wurde Unterleutnant. Jakob aber wurde auf dem Familiengut als Besitzer wieder berufen. Der letzte Abend der Gefangenschaft wurde gefeiert mit ihren Bewachern und am nächsten Morgen ging es los in die Heimat nach Ostdeutschland. Plötzlich schlug das Fenster im Keller zu und Franz war wieder wach. Er schaute auf die Uhr, es war bereits null Uhr. So ging er ins Schlafzimmer zu seiner Gertrud und legte sich zu ihr.