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Haftungsausschluss

Autor und Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.

Impressum

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Covergestaltung: Gerlinde Gröll, www.cadmos.de

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Für die Richtigkeit der Angaben wird trotz sorgfältiger Recherche keine Haftung übernommen.

ISBN: 978-3-8404-7575-7

Engelbert Kötter

Kräuter-Pairing leicht gemacht

HAUPTSACHE

Kräuter

AUSSERGEWÖHNLICHES
KRÄUTERWISSEN

für mich, meinen Garten
und meinen Geschmack

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© NSphotostudio/Shutterstock.com

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Guten Appetit – mit Kräuter-Pairing!

„Für Braten, Suppen, Soßen und Salate“ - wer kennt sie nicht, diese unsinnigen Angabe zur Verwendung eines Garten- oder Küchenkrauts? Denn ein Kraut das dir die eine Rezeptur wertvoll bereichert, kann – weil falsch verwendet – eine andere völlig ruinieren.

So stehen Kräuterfans immer wieder vor einer Pflanze und zugleich der Frage: „Was mache ich denn damit?“ Dazu gibt dieses Buch dir jede Menge Anregungen. Und zwar zu insgesamt über 250 Kräuterarten.

Dieser Ratgeber zeigt dir auf, in welchem kulinarischen Küchenkontext du ein bestimmtes Kraut am besten verwendest. Und nicht nur das: für die wichtigsten Arten findest du auch aufgezeigt, mit welchen passenden Partnern gemeinsam du ein Kraut am sinnvollsten verwendest. So entstehen passende Paarungen von vielerlei Gartenkräutern, wie du sie so noch nicht erlebt hast – spannendes Kräuter-Pairing eben! Für mehr Kräutererlebnis und noch mehr Kräutergenuss.

Warnhinweis: Diese Buch hat das Zeug dazu, dich süchtig danach zu machen, der verlockenden Vielfalt all der Kräuter in deinem Garten, auf Balkon und Terrasse, vor allem aber in deiner Küche und überhaupt in deinem Leben künftig mehr Aufmerksamkeit zu schenken und Raum zu geben. Ausnahmsweise mal nicht dagegen, sondern genau dafür, ist Dir so manches Kraut gewachsen. Genieße es!

Was passt wie mit was und wozu zusammen? Antworten gibt Dir die neue Lust auf Kräuter-Pairing.

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© Kötter

ENGELBERT KÖTTER

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Inhaltsverzeichnis

Kräutergartenpraxis, querbeet …

Kräuter – im Garten ganz groß!

Gärten mit Kräutern hübscher gestalten

Kräuter in Töpfen und Kübeln

Was du über Kräuter, Boden und Dünger wissen musst

So machst du dir das Gießen leicht

Kräuter schneiden – So geht’s

Kräuterschäden durch klassische Pflegefehler

Kräuterschädlinge und -krankheiten

Kräuter im Winter schützen

Ab in die Kräuterküche!

… und ab in die Küche!

Küchenkräuter konservieren

Einladungen zu eigenen Erfahrungen

Praxis der Kräuterküche und -sinnlichkeit

Köstliche Kräuterkaltgetränke

Genusstees

Kräuter – im Mix noch mundender

Küchenkraut trifft Butter, Senf und Mayo

Lust auf essbare Blüten?

Wohltuende Kräuter bei Wehwehchen – Heiltees und andere Hausmittel

Wenn Düfte durch die Räume streichen …

Raumduft mal ganz anders

Kräuterkosmetik

Wonne in der Wanne – im Kräuterbad

Und jetzt wird gebacken…

+ 250 Kräuterporträts

Für deinen schnellen Überblick

Porträts „A“

Hohe Goldgarbe, Gelbe Schafgarbe

Kalmus, Magenwurz, Deutscher Ingwer

Weißbunter Geißfuß

Duftnessel

Lauch- und Zwiebelkräuter

Wüstenlilie

Zitronenverbene, Zitronenstrauch, Verveine

Mukunuwenna und Sissoo-Spinat

Echter Eibisch

Sellerie

Ausdauerndes Eiskraut

Dill

Kerbel

Raute

Gartenmelde

Porträts „B“

Barbarakraut, Echte Winterkresse

Malabar-Spinat

Schokoladenblume

Guter Heinrich

Kopfiger Erdbeerspinat

Echter Erdbeerspinat, Durchblätterter Gänsefuß

Indisches Verjüngungskraut (Punanarva)

Borretsch, Gurkenkraut

Ewiger Kohl

Katzenschwanzpflanze, Stelzen-Bulbine

Porträts „C“

Großblütige Bergminze

Ringelblume

Essbare Mittagsblume, Hottentottenfeige

Paprika und Chili

Kümmel

Gotu Kola, Sudoku-Pflanze

Römische Kamille, Gartenkamille

Quinoa, Reismelde

Koriander

Kreuzkümmel

Kurkuma

Zitronengras

Liebesduftgras, Nagarmotha

Porträts „E“

Afrikanischer Rosmarin

Wasabi-Rukola, Ölrauke

Mexikanischer Koriander, Culantro

Eukalyptus

Porträts „F“

Mädesüß

Fenchel

Walderdbeere

Porträts „G“

Waldmeister

Gundelrebe, Gundermann

Süssholz, Lakritz

Kugel-Amarant

Kraut des ewigen Lebens, Jiaogulan

Samtpflanze

Porträts „H“

Currystrauch

Vanilleblume

Kleine Taglilie

Roter Hibiskus

Houttunie

Tüpfel-Johanniskraut

Ysop

Porträts „I“

Iboza-Sträucher

Chinesischer Wasserspinat

Porträts „J“

Echter Chinesischer Tee-Jasmin

Indisches Wunderkraut

Porträts „L“

Großer Galganth, Thai-Ingwer

Lorbeer

Lavendel

Liebstöckel, Maggikraut

Aztekisches Süßkraut

Goji-Beere

Porträts „M“

Moschus-Malve und Wilde Malve

Echte Kamille

Melissen

Minzen

Felsenlippe, Arabisches Bergkraut

Winterportulak, Tellerkraut, Winterpostelein

Porträts „N“

Brunnenkresse

Katzenminze

Schwarzkümmel, Nigella

Porträts „O“

Basilikum

Oregano (einschließlich Majoran)

Peruanischer Sauerklee, Knolliger Sauerklee

Säuerling

Porträts „P“

Perilla, Schwarznessel

Wasserpfeffer-Knöterich

Vietnamesischer Koriander

Petersilie

Anis

Spitzwegerich

Harfenstrauch

Indisches Patschuli

Amerikanische Bergminze

Porträts „R“

Rhabarber

Pinienrosmarin

Rosmarin

Rucola, Wilde Rauke

Sauerampfer

Pilzkraut

Weinraute

Porträts „S“

Queller, Salzkraut

Salbei

Kleiner Wiesenknopf, „Pimpinelle“

Heiligenkraut

Bohnenkraut und seine Verwandten

Fetthenne

Echte Hauswurz

Wundsaftpflanze

Griechischer Bergtee

Parakresse, Andenchili

Süßblatt, Honigblatt

Porträts „T“

Tagetes

Erd-Ginseng und Blatt-Ginseng

Katzen-Gamander

Thymian

Schabzigerklee

Bockshornklee

Große und Kleine Kapuzinerkresse

Zimmerknoblauch, Knoblauch-Kaplilie

Porträts „V“

Echter Baldrian

Bachbungen-Ehrenpreis

Vetivergras

Märzveilchen, Duftveilchen

Porträts „W“

Japanischer Meerrettich, Wasabi

Porträts „Z“

Nachtphlox, Sternbalsam

Ingwer

Register

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© Anne Kramer/Shutterstock.com

Kräutergartenpraxis, querbeet …

Gartenvergnügen fängt dort an, wo du genüsslich durch die Kräutervielfalt beim Gärtner flanierst und dich durch sie inspirieren lässt. Nicht selten entwickelt sich daraus eine ausgesprochene Sammelleidenschaft. Denn mit der Zeit verändern sich die Kräutersortimente. Neuigkeiten kommen hinzu, das Alte wird durch das Neue womöglich ersetzt. Eines aber ist immer gleich: Kräuter als Pflanzenpersönlichkeiten zu verstehen, die ihre eigenen Bedürfnisse haben. Du musst sie ihnen im Garten nur erfüllen. Erfahre, wie das am besten geht. Und schon bald wirst du mit Kräutern auf Balkon und Terrasse, im Hochbeet und Garten erfolgreich sein. So erfolgreich, dass du erleben wirst, wie dein Daumen immer grüner wird.

Mit Kräutern lassen sich Gärten auch wunderbar gestalten, zum Beispiel mit zehn inspirierenden Ideen wie diesen:

Duftweg

Gemüse-Kräuter-Mixbeete

Kreatives vom Flohmarkt

Kräuter im Kleingewächshaus

Kräuterhecke

Kräuterhochbeete

Kräuterkübelgarten

Liegeplatz

Stauden-Kräuter-Mixbeete

Würzwiese

Wenn’s dir jetzt in den Fingern juckt, liegt das daran, dass dein Daumen gerade schon damit loslegt, grün einzufärben – wetten?

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Kräuter – im Garten ganz groß!

Kräuter sind buchstäblich bodenständig – und wenn nicht gerade im Kübel, sind sie am besten im Beet inklusive Hochbeet aufgehoben. Auch in deinem Kleingewächshaus kannst du mit viel Spaß daran Kräuter kultivieren – oder sie darin frostfest überwintern. Kräuter machen im ganzen Garten eine gute Figur!

Kräuter sind Kulturfolger. Sie folgten mit wachsendem Gartenwissen aus der Natur in die Klostergärten, von dort in die Bauerngärten und weiter in die Hausgärten unserer Tage. Hier haben sie aufgrund ihrer Vielfalt an verschiedensten Stellen ihren Platz – ganz nach Eigen-Art.

Zumeist verlangen Kräuter nach besonders hellen Standorten, um mit der Kraft der Sonne und der Kunst der Fotosynthese zunächst Zucker und aus diesem ihre wertvollen Inhaltsstoffe zu bauen, derentwillen wir sie in die Gärten pflanzen. Inhaltsstoffe bedeuten Aroma, Duft und Geschmack, aber auch die Kräuterkraft zu heilen. Viele von ihnen, z. B. alle mediterranen Kräuter, sind daher besonders für den sonnig warmen Steingarten geeignet. Andere auch für halbschattige Plätze, wie Liebstöckel oder Petersilie. Selbst für schattigere Standorte gibt es, wenngleich wenige, so doch Spezialisten. Dort gedeihen noch Waldmeister und Sauerklee; Vietnamesischer Koriander, Süßwurzel und Patchouli kommen im Halb- oder auch Wechselschatten zurecht. Und natürlich Bärlauch, jene heimische Zwiebelpflanze und Knoblauchsverwandte, die die wenigen Wochen des anfangs unbelaubten Frühlingswaldes an feuchten Stellen dazu nutzt, auszutreiben, zu blühen und Samen zu bilden. Bevor sie dann im Frühsommer ihre Blätter welken lässt – einziehen lässt, wie der Gärtner sagt, und so den Sommer in einer Ruhephase überdauert – bis zum erneuten Austrieb im kommenden April. Wer, wie in diesem Beispiel, um die Lebensweisen seiner Kräuter weiß, um ihre natürlichen, artgerechten Ansprüche an Bodenart, Feuchte, möglicherweise Nachbarpflanzen und Pflanzengemeinschaften, dem erleichtert all das, die ursprüngliche Wildpflanze, auch in ihrer „gezähmten“ Form, im Garten an immer der richtigen Stelle zu pflanzen und zu pflegen.

Für zahlreiche Gartenkräuter, speziell für Stauden, gibt es gewissermaßen eine „Gebrauchsanweisung“ für den Garten, um den jeweils besten Standort zu wählen. Das sind die sogenannten Lebensbereiche der Stauden.

Diese Zuordnung kategorisiert die jeweils arteigenen Lebensbedingungen einer Staude an ihrem Naturstandort und macht sie auf Gartenstandorte übertragbar. Sie berücksichtigt für jede Art, ob sie z. B. einen sandigen, lehmigen oder steinigen, einen trockenen oder feuchten, sonnigen oder schattigen Platz besiedelt.

Für Kräuter hauptsächlich relevant sind die Zonen:

1 = trocken, 2 = frisch, 3 = feucht (die Ziffern beziehen sich auf die jeweilige Bodenfeuchte)

Beet (humose, nährstoffreiche und tiefgründige Gartensituationen; B1–3)

Freifläche (zumeist trockene und durchlässige, freie, vollsonnige Lage; FR1–3)

Gehölz (Stauden unter Gehölzen; G1–3)

Gehölzrand (Stauden im sonnigen oder absonnigen Saumbereich von Gehölzen; GR1–3)

Steinanlagen (felsige bis schotterige sowie kiesige oder steinreiche Böden; St1–3)

Steppenheide (sommertrockene, basenreiche Freiflächen; SH)

Steinfugen (SF1–3) und Mauerkronen (MK1–3) sind spezielle Standorte in und auf Trockenmauern.

Wasserrand (Sumpfzone WR1 [+/– 10 cm um den Wasserstand] und Röhrichtzone WR2 [bis 20 cm unterhalb des Wasserstandes])

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BÄRLAUCH IST EINES DER WENIGEN KRÄUTER, DAS EIN SCHATTENDASEIN FÜHRT

Diese Unterscheidung nach Lebensbereichen, auch von Kräutern, findet nur allmählich Verbreitung. Besonders dort, wo man sich mit Stauden auskennt und deren nützliche Unterteilung auch auf Kräuter anzuwenden versteht. Ohnehin finden sich zahlreiche Gattungen aus Staudenkatalogen zwangsläufig auch in Kräuterlisten wieder, wie Calamintha, Agastache oder Monarda.

Momentan bleibt es weitestgehend bei den unmittelbar üblichen Platzzuweisungen für Kräuter: Lichtbedarf, Feuchtigkeitsbedarf, Bodenverhältnisse. Wie sich dabei z. B. die Lichtverhältnisse im geplanten Kräutergarten gestalten, ist für jedermann vor Ort noch vergleichsweise einfach an der Helligkeit im Tages- und Jahresverlauf abzulesen. Die Bodenart im eigenen Garten zu bestimmen ist demgegenüber die anspruchsvollere Aufgabe. Anhaltspunkte gibt eine sogenannte „Fingerprobe“. Nimm dazu etwas handfeuchten Gartenboden in die Hand und versuche ihn zu einer Rolle zu formen. Zerbröselt die sofort wieder, hast du tendenziell einen Sandboden, bleibt sie sehr stabil, hast du tendenziell einen Lehmboden vor dir. Dazwischen liegen die Abstufungen eines jeden (Garten-) Bodens, vom lehmigen Sand bis zum sandigen Lehm.

Es geben dir sogar Kräuter selbst Hinweise auf den Typus des von ihnen besiedelten Gartenbodens. Als sogenannte „Zeigerpflanzen“ bezeichnet man hierbei Wildkräuter, die typisch für bestimmte Bodentypen sind. So zeigt Beinwell am Naturstandort einen feuchten nährstoffreichen Boden an, Brennnessel einen stickstoffreichen, Bärlauch einen schattig-feuchten, Thymian einen trockenen, Sauerklee einen schattig-humosen, Spitzwegerich einen leichten, frischen und Vogelmiere einen garen, frischen, stickstoffreichen Boden.

Es sind vordringlich – wenngleich nicht allein – die Ansprüche der Kräuter an ihren Gartenstandort ausschlaggebend dafür, wo sie gepflanzt gehören. Aber auch die gestalterischen Anforderungen an das Gartengesamtbild sind mit entscheidend. Dazu noch weitere, handfeste, praktische Aspekte: Achte etwa darauf, dass die wichtigsten Kräuter des nahezu täglichen Bedarfs, wie die Klassiker Basilikum, Dill, Petersilie und Schnittlauch, in unmittelbarer Hausnähe wachsen. Ebenso, wie alle Duftkräuter ans Haus, an die Terrasse, zumindest an den Gartensitzplatz gehören. Nur gelegentlich benötigte Kräuter, wie essbare Blüten, gehören hausnäher gepflanzt als solche, die du gleich in größeren Mengen erntest und verarbeitest, wie z. B. Genussteekräuter.

Selbst in der Sumpfzone deines Gartenteichs kannst du Kräuter kultivieren, etwa Bachbunge, Kantigen Lauch, Kalifornische Bergminze, Vietnamesischen Koriander. Und nicht zuletzt im Wintergarten, wo speziell die tropischen und subtropischen Aromaträger ihren geschützten Platz finden, spätestens als Winterquartier (z. B. Duftveilchen, Ingwer und Knoblauchs-Kaplilie).

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DIE „PFLANZTASCHEN“ IN DIESEM URBANEN PALETTENGARTEN BIETEN DIE MÖGLICHKEIT, DIE WASSERVERSORGUNG DER PFLANZEN INDIVIDUELL ANZUPASSEN

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Gärten mit Kräutern hübscher gestalten

Kräuter sind nicht allein küchenrelevant. In erster Linie sind es attraktive Pflanzen. Und mit denen lässt sich ein Garten interessant gestalten.

Betrachtest du die Nutzkräuter entlang ihrer botanischen Zuordnungen, nämlich als Einjährige, Zweijährige, Stauden oder auch Sträucher, dann unterliegen diese Pflanzentypen den gleichen Gestaltungsgrundsätzen im Garten wie alle anderen Zierpflanzen auch. Dieser Ratgeber kann nicht alle Finessen der Gartengestaltung behandeln, wie ein Buch speziell zu diesem Thema es könnte. Bevor an dieser Stelle jedoch einige Anregungen zur direkten Umsetzung in deinem Garten genannt sind, doch in Kürze so viel Grundsätzliches:

Selbstverständlich die Kräuter immer so verwenden, dass der Standort ihrem natürlichen Lebensbereich jeweils nahekommt. Platziere also z. B. Kantigen Lauch, Vietnamesischen Koriander und Wasserminze am Teichrand oder Bachlauf, Agastachen und Monarden in der Rabatte, Bergbohnenkraut, Chinesischen Schnitt-Knoblauch, Essbare Mittagsblume, Fetthenne, Thymian, Tripmadam im Steingarten. Beachte die Wuchsstärke und Höhe bei der Auswahl der Nachbarpflanzen und ferner, ob das Kraut, das du pflanzt, horstartig wächst oder sich ausbreitet. Je nachdem musst du ihm passend Platz geben.

Kombiniere benachbarte Wuchshöhen im Beetverlauf von vorn nach hinten, aber auch von links nach rechts jeweils so, dass ein wellenförmiges, harmonisches Beetbild entsteht – ohne „Täler“ durch zu kleine Pflanzen oder „Berge“ durch unproportional hohe Pflanzen. Riesen wie Engelwurz, Liebstöckel oder Stockrose daher als Rahmen in den Hintergrund setzen oder langsam mit höher werdenden Stauden „ansteuern“, wenn sie als buchstäblicher Höhepunkt in die Beetmitte kommen. Beachte, wann im Gartenjahr die Pflanze am schönsten ist, dabei gilt: Frühes nach hinten, damit es danach vom Späteren kaschiert wird. Das erst spät im Jahr Schöne also ganz nach vorn pflanzen.

Was Blatt- und Blütenfarben betrifft, erreichst du beruhigende Pflanzbilder durch Farbdreiklänge (z. B. Gelb, Rot, Blau), durch alle Ton-in-Ton-Gestaltungen bis hin zum Potpourri der Pastellfarben (z. B. zarte Rosa- und Lilatöne von Blüten, kombiniert mit Silbriglaubigem). Lebhaft wirken Bepflanzungen, wenn du Kontraste harmonisch miteinander verknüpfst, z. B. Helles mit Dunklem, Aktives (Rotblühendes, Rotlaubiges) mit Passivem (Grünlaubiges), Kaltes (Blau) mit Warmem (Orange), Leichtes (Gelb, Hellblau) mit Schwerem (Orange, Dunkelblau). Interessant auch das Spiel von Nähe und Ferne: Rotes holt das Beet ans Auge heran, Blaues entfernt es vom Auge – gut zu wissen, um kleine Gärten mit Blau größer und weitläufig große Gärten mit Rot kompakter wirken zu lassen. Und letztlich: Verwende, wo immer möglich, auch im Kräuterbeet Immergrünes wie z. B. Bergbohnenkraut, Kaskadenthymian und Rosmarin. Dein Grün suchendes Auge wird im Winter dankbar dafür sein.

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Bei aller möglichen Vielfalt, die sich in solch kurzer Darstellung andeutet: Ein mit Kräutern außergewöhnlich gestalteter Garten muss nicht einmal groß sein. Wichtiger ist große Kräuterbegeisterung. Und ein Gefühl für das gestalterische Potenzial einer Pflanze. Dann findet sich auch die optische Einbindung des Krauts in das Gesamtensemble deines Gartens. Wem also Accessoires wie Namensschildchen im Kräuterbeet und eine Kräuterspirale im Garten als alleinige Gestaltungsvarianten nicht spannend genug sind, findet hier im Folgenden geeignete Anregungen zu eigenen Kräutergartenideen.

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Kräuterhecke

Hecken geben dem Garten Struktur, trennen Wegfläche von Beetfläche und weisen einzelnen Gartenpartien ihre Reviere zu. Sie sind nicht nur dekoratives Beiwerk, sondern selbst Schmuckstück, wenn ihr Wuchs, ihre Belaubung, ihre Farbe passend zu den benachbarten Pflanzen und Gartendekorationen gewählt wird. Hecken ziehen Grenzen, sind aber nicht nur etwas für den formalen Garten mit seinen strengen Linienführungen und Symmetrien.

In diesem formalen Gartentyp sind bei Gestaltung mit Harmonien geschnittene Kräuterhecken, bei Gestaltung mit Kontrasten frei wachsende Kräuterhecken angeraten. Ungeschnittene Hecken sind typisch im naturnäher gestalteten Garten und im Garten derjenigen, die nicht gern Hecken schneiden mögen. Ganz ohne Schnittpflege kommen aber auch „ungeschnittene“ Kräuterhecken nicht aus. Denn wenn schon nicht mit der Heckenschere, so werden diese Hecken doch mit der Gartenschere in der Hand überwacht und wo möglich nachformiert. Gerade so beliebte Hecken- und Beetrandpflanzen wie Lavendel oder buntblättriger Gartensalbei, praktisch alle Halbsträucher, benötigen den Korrekturschnitt nach der Blüte bzw. vor dem Frühjahrsaustrieb.

Grundsätzlich ergeben alle in einer Reihe gepflanzten Exemplare einer Pflanzenart oder -sorte eine Hecke. So kann schon eine einfache Umrandung mit Schnittlauch oder Winter-Heckenzwiebel eine Hecke ergeben, die in voller Blüte nicht nur Hecke, sondern auch Hingucker ist. Typische Heckenkräuterpflanzen sind Eberraute, Gamander, Gartensalbei, Heiligenkraut, Lavendel, Rosmarin, Thymian und Ysop.

Duftweg

Entschleunige deine Gartenwege – rahme sie mit Kräuterdufterlebnissen, die zum Verweilen einladen! Interessante Blütendufter sind (außer Lavendel & Co. als Klassiker) z. B. Lavendel-Agastache und Schokoladenblume. Blattdufter, wie Basilikum, Lakritztagetes oder Rosmarin, laden dazu ein, im Vorübergehen die Hand durch sie zu streifen und danach an ihr zu schnuppern. Faszinierende Dufterlebnisse en passant! Im Porträtteil (ab S. 116) findest du Duftpflanzen gesondert gekennzeichnet.

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AUF THYMIANDÜFTEN WANDELN …

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Liegeplatz

Wäre es nicht entspannend, sich in eine sonnige Gartenecke zu verkrümeln, um sich dort an einem duftbetörenden Liegeplatz auf und neben Kräutern wiederzufinden? Also los! Bette dich auf einem Beet mit Römischer Kamille (Chamaemelum nobilis) oder Thymian (gut geeignet: Kaskadenthymian, Thymus longicaulis), umrahmt von wohlduftender Eberraute (Artemisia), Basilikum (Ocimum basilicum), Kleiner Bergminze (Calamintha nepeta ssp. nepeta), Hadriansminze (Calamintha species ‘Hadrian’), Minzen (Mentha) und, vom Schatten herüberduftend, Duftveilchen (Viola odorata).

Balkonkasten, Kübel & Co.

In Pflanzkübeln von 20 Litern Größe gut geeignete Kräuterkombinationen sind möglich mit z. B. Ananassalbei, Fruchtsalbei, Süßkraut, Strauchbasilikum, Zimmerknoblauch, Zitronenstrauch und Zitronenverbene. Als besonders gut für die Dauerbepflanzung von Blumenkästen brauchbar, haben sich Arten- oder Kombibepflanzungen mit diesen Kräutern erwiesen: Hadriansminze, Kriechendes Bohnenkraut, Lavendel, Griechischer Oregano, Sizilianischer Majoran, Thymiane und Ysop, im Halbschatten auch Melisse, Griechische und Mentuccia-Minze sowie Ananas-Minze – wenn du sie vor dem Vernässen ebenso schützt wie vor dem Vertrocknen!

Willst du Balkonblumen mit Kräutern kombinieren, so müssen jeweils deren Laub und Blüte ins Ensemble passen. Buntlaubige Kräuter sind z. B. Ingwerminze, weißbunte Kapuzinerkresse, gelbbunte Zitronenmelisse; blaugraues Laub haben Lavendel und Weinraute, silbriglaubig ist das Currykraut; rote und rötliche Blattfarben findest du bei Sorten des Basilikums, des Gartensalbeis, der Parakresse und des Sauerampfers, Gelbgrün ziert das Wasserblatt (Talinum).

Kräuter im Staudenbeet

Setze attraktive Blütenpflanzen wie Anis-Ysop, Koreanische Minze, Lavendel, Lavendel-Agastache, Lemon-Ysop oder Orangeblütige Agastache dort in deine Staudenrabatte, wo sie in Blütenfarbe, Wuchshöhe und Blühzeitpunkt zu den anderen Pflanzen passen. Da wachsen sie dann als Stauden mit und können von dir aber wie Kräuter beerntet werden. Dazu ist es günstig, sie gut erreichbar zu pflanzen. Die Griffweite vom Beetrand aus beträgt maximal 60 cm. Wo hingegen du zum Schneiden der Kräuterstauden das Beet betreten musst, tun Trittsteine rund ums Jahr wertvolle Dienste. Sie sind praktisch und können der Auflockerung wie auch der Gliederung deiner Rabatte dienen. Ob nun Agastachen, Bergminzen oder Indianernesseln, Arnika oder Schwarze Stockrose – der Porträtteil dieses Ratgebers (ab S. 116) gibt dir eine Fülle von Anregungen, deine Staudenrabatte mit Kräutern zu bereichern. Nur Mut, experimentiere mal mutig! Selbst in absonnigen Gartenlagen kannst du mit Wilden Erdbeeren, weißbuntem Geißblatt oder auch mit Bärlauch staudenartige Unterpflanzungen vornehmen, die nicht nur hübsch aussehen, sondern von dir auch benascht werden können.

Gemüse, von Kräutern begleitet

Der Schlossgarten von Chateau Villandry nahe Tours führt eindrucksvoll vor Augen, welchen Zierwert Nutzpflanzen haben. Dort bestimmen Gemüse das Bild der Beete und geschickt spielen die Gärtner hier in neun quadratischen, von Hecken umrahmten Gemüserabatten mit Rotlaubigem neben Grünlaubigem, mit der optischen Schwere von Kohlköpfen neben der heiteren optischen Leichtigkeit von Salaten und vielem mehr.

So könnten in Anlehnung daran auch in deinem Garten spannende Szenerien entstehen. Pflanze z. B. ein Karree von Lollo- oder Eichblattsalaten und rahme deren helles Gelbgrün mit rotlaubigem Basilikum. Rotlaubiges Basilikum mit gewelltem Rand (‘Purple Ruffles’) verleiht der Strenge von roten Mangoldblättern plötzlich etwas Verspieltes. Eine Strenge, die du auch durch rotblättrigen Sauerampfer brechen kannst. Dieser wiederum sieht vorzüglich zusammen mit krauser Petersilie aus, die ihrerseits zu ‘Purple Ruffles’ passt. So findet in der Gemüse-Kräuter-Kombination bald eines zum anderen, wird zu einem Netzwerk des Nützlich-Schönen. Bronzefenchel passt zu Zuckerhut-Zichorie, wenn man den Fenchel spät kultiviert. Mit Bohnenkraut kannst du deine Stangenbohnen unterpflanzen, mit Basilikum deine Tomaten, blühender Ysop passt zu blaurotem oder weißgrünem Farbenspiel der Kohlrabi, Artischocken sehen hinreißend aus, wo sie von Lavendel dicht gerahmt sind. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind vielfältiger, als es hier über Anregungen hinaus darstellbar ist. Sie fordern deine Kreativität heraus. Ob du dich dabei für Mischkulturpflanzungen in Reih und Glied entscheidest oder dich doch eher an das Modell „französischer Schlossgarten“ heranwagst – wichtiger ist, dass deine persönliche Experimentierfreude geweckt ist und du dich auf die eigene Suche nach dem schmackhaft Schönen machst.

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Kräuter im Hochbeet

Interessieren dich spezielle Kräuterarten, z. B. die Vielfalt der Minzen oder Basilikums? Oder Kräutergruppen, z. B. all diejenigen mit einem Touch Zitrusgeschmack? Oder die Gruppe der buntlaubigen Gartenkräuter?

Wie wär’s, wenn du dir statt gerade einmal einer Petersilien- und einer Schnittlauchpflanze in deinem Hochbeet eine spezielle Kräutersammlung zulegst? Solange die frostfest ist, gelingt eine solche persönliche Kräuterexpertise entlang deiner Vorlieben besonders schmuck und vielfältig im Hochbeet. Dort hast du sie alle beisammen und kannst sie nebeneinandergepflanzt in all ihrer Ähnlichkeit oder Verschiedenheit nach Herzenslust miteinander vergleichen. Auf eine Hochbeetfläche von z. B. 80 cm x 100 cm bringst du schon 10 bis 15 Arten bzw. Sorten unter, je nach Wuchsstärke. Das große Erdvolumen eines Hochbeets sorgt für noch bessere Wüchsigkeit der Kräuter als im Pflanztopf. Auch kannst du auf deinem Hochbeet schnell und einfach eine automatische Bewässerung installieren. Und in der Frostperiode sicherst du deine Sammlung ebenso schnell und einfach mit einer doppellagigen Abdeckung aus Vlies. Im Hochbeet kommen Kräuter ganz groß raus!

Würzwiese

Es gibt Menschen, die denken darüber nach, ihre Rasenfläche zu verkleinern. Wäre da an einem geschützten sonnigen Plätzchen in deinem Garten nicht eine Würzwiese willkommen? Das ist ein Beet freier Größe, in dem du einen Teil wiederum beliebiger Größe mit einem lehmig-kiesig magereren Boden, den anderen Teil mit einem locker-humos nährstoffreicheren Boden ausstattest. Je nachdem kannst du in gewünschten Beetteilen auch eine Bewässerungsanlage installieren und kannst so verschiedene Beetbereiche trockener oder feuchter halten.

Dadurch schaffst du Beetstellen ganz unterschiedlicher Voraussetzungen, sodass in ihnen, jeweils passend, unterschiedlichste Kräuter artgerecht wachsen können.

Im mediterranen, mager-trockeneren Teil setzt du z. B. Bohnenkraut, Currykraut, Gewürztagetes, Lakritztagetes, Olivenkraut, Oregano inklusive Majoran, Rosmarin, Salbei und Thymian – und was auch immer dort passt und dir schmeckt.

Im humos-nahrhaften Segment hingegen platzierst du z. B. Basilikum, Dill, Estragon, Liebstöckel, Petersilie, Sauerampfer, Schnittlauch, Zitronenverbene – und was auch immer dort passt und dir schmeckt. Hüben wie drüben, Vielfalt pur!

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GEMÜSE UND KRÄUTER VEREINT IM HOCHBEET

Pro Quadratmeter Beetfläche bringst du bei einem Pflanzabstand von 30 cm etwa zehn Pflanzen unter, bei einem Pflanzabstand von 25 cm schon 16. Stelle dir ein Beet mit den Maßen von nur 2,5 m x 2,5 m = 6,25 m2 vor: Locker 60 Kräuter bringst du hier unter, ausgewählt und in Szene gesetzt nach deinen Vorlieben.

Zwischen den Kräutern kannst du den Beetboden mit Mulchmaterialien abdecken: im „mageren“ Beetteil Pinienrinde oder Kies, im „fetteren“ Beetteil Rindenmulch oder Rindenkompost. Vor dem Ausbringen von Mulch immer ca. 100 g/m2 Hornspäne ausbringen.

Zwischen den Kräutern dekoriere nach Lust und Laune z. B. mit Natursteinen, Holz, Gartenfiguren oder hübschen saisonalen Accessoires aus deinem Gartencenter. Allein schon die Namensschilder bei den Pflanzen sehen hier klasse aus.

Natürlich ist die Anregung zu einer solchen Würzwiese nicht nur dort interessant, wo du deine Rasenfläche verkleinern möchtest. Eine Würzwiese ist einfach nur chic – und ist viel einfacher anzulegen als eine Kräuterschnecke.

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Kräuter im Kleingewächshaus

Ein Kleingewächshaus bedeutet für deinen Kräutergarten eine deutliche Erleichterung. Sommertags wird das nicht so sehr spürbar, wenngleich du hier dann wärmebedürftiges Wildgemüse wie Malabarspinat & Co. prima kultivieren kannst. Im Winterhalbjahr von immerhin Oktober bis März/April und sogar Mitte Mai bringst du alle nicht winterharten Kräuter in ihren Töpfen hier unter. Hier stehen Pflanzen so hell wie eben möglich. Und die Temperatur bestimmst du mithilfe einer Gewächshausheizung. Im einfachsten Fall ist sie an einen Frostwächter angeschlossen, der sie automatisch einschaltet, wenn der Gefrierpunkt droht, erreicht zu werden. Nie wieder Pflanzenschätze an den Frost verlieren! Stattdessen auch frostempfindliche Kräuter aus aller Welt mehrjährig kultivieren und sie von Jahr zu Jahr noch üppiger werden lassen – das hat doch was!?! Die Kunst der Kräuterüberwinterung lautet übrigens: So spät wie möglich einräumen, so früh wie möglich rausräumen.

Kräuterkreativität vom Flohmarkt

Sowohl in ein Staudenbeet als auch in ein Gemüsebeet passt, je nach deiner Pflanzenauswahl, diese Idee, rund um Saucièren, Suppenschüsseln und andere Flohmarktschönheiten.

Die alte Suppenschüssel hat einen Sprung, die alte Kaffeekanne ihren Henkel verloren? Dann hebe sie nicht für den nächsten Polterabend auf – nimm sie mit in deinen Kräutergarten. Befülle solche Gefäße mit sandiger Pflanzerde und setze z. B. Tripmadam oder Thymiane hinein. Stelle die bepflanzte Suppenschüssel auf, lege die bepflanzte Kaffeekanne schräg aufgestellt daneben, vielleicht noch ein wenig weiteres altes bepflanztes Geschirr dazu? Mulche die Szenerie mit Kies (eventuell zuvor Vlies unterlegen), und schon hast du eine Beetszene geschaffen, die ein echter Hingucker ist. Alle „Sonderpflanzgefäße“, die du in dieser Hinsicht verwendest, müssen mit einem Wasserabzugsloch versehen sein. Porzellan und Keramik kannst du dazu mit einem fliesentauglichen Bohrer anbohren (klein vorbohren, groß nachbohren). Bei solcherlei Gefäßen kannst du wahlweise den ganzen Boden abbrechen. Bohre hierzu den Gefäßboden mehrfach mit einem Fliesenbohrer an und breche ihn dann stückweise mit der Zange heraus. Mit offenem Boden kannst du z. B. die Suppenschüssel auch mit Estragon, Zitronenmelisse oder dergleichen bepflanzen, weil diese Kräuter durch den geöffneten Gefäßboden hindurch ins Beet wachsen werden. Aus einer bodenoffenen Tasse kann dann z. B. Bergbohnenkraut oder Thymian wachsen. Nicht nur altes Küchengeschirr eignet sich zum Bepflanzen, alte Gießkannen, alte Schuhe und Stiefel und dergleichen ebenso. Diese bepflanzt und zusammen mit ein paar alten, verrosteten Gartengeräten aus Großvaters Gartenhaus chic arrangiert, ergeben einen ebensolchen Hingucker wie die zuvor genannte Küchenszene oder ins Beet gepflanzte Kaffeetafel.

Inzwischen gibt es spezielle Flohmärkte, die Pflanzen zusammen mit allen möglichen neuen und alten Gartenaccessoires anbieten – und damit jede Menge Gestaltungsanregungen, von klassisch bis kreativ, parat halten.

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Kräuter in Töpfen und Kübeln

Es muss nicht immer das Gartenbeet sein! Nutze deine Gestaltungsfreiheit, die dir eine fantastische Kräutervielfalt und clevere Pflanzgefäßtechnik ermöglicht!

In Kästen, Kübel und andere Gefäße gepflanzt, sehen Kräuter nicht nur nett aus, sie verbreiten auch ein ganz eigenes, je nach Pflanzenauswahl nahezu mediterranes oder auch tropisches Sommergartenflair. Außerdem lassen sich die Kräuter im mobilen Garten leicht bewegen und verräumen. Nicht zuletzt lassen sich mit ihnen, je nach Jahreszeit und Bepflanzung, schnell und einfach immer neue Gartenräume untergliedern, Sitznischen schaffen, Perspektiven verändern. Nicht alle Kräuter im Topf sind auf dem Boden gut aufgehoben. Auch Kräuteretageren oder Wandhalterungen sind dazu geeignet, sie aufzunehmen. Denn je nach Wuchs und Verwendung hat jedes Kraut die zu deiner persönlichen Kräuterlust passende Arbeits-, Ernte-, Betrachtungs- und Beschnupperungshöhe!

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Kurzum: Kübelgärten mit Kräutern sind etwas für Kreative. Wie übrigens auch für Sammler. Denn für einen Topf mehr findet sich meist eher noch ein Plätzchen als für ein weiteres ausgepflanztes Kraut im Beet.

Töpfe konkurrieren mit dem Beet auch in einem weiteren Punkt. Denn alle nicht frostfesten Kräuter (z. B. Zitronenverbene, Ananassalbei und viele andere mehr) sind im Pflanzgefäß besser aufgehoben, damit du sie im Herbst nicht aus dem gewachsenen Boden ausgraben musst, sondern sie einfach im Kübel in ihr Überwinterungsquartier verräumen kannst.

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Damit der Kräuterkübelgarten gelingt und Spaß macht, musst du im Wesentlichen zwei Punkte beachten: die Ansprüche der Pflanzen und die des Kräuterfans. Die Kräuter wollen, entsprechend ihrem Bedürfnis, mit der richtigen Erde, ausreichend Wasser, Licht und Nährstoffen versorgt sein. Du als Kräuterfan wiederum hättest es gern pflegeleicht. Es sei denn, du findest Erholung beim ständigen Hantieren an deinen getopften Pflanzenschätzen.

Zunächst die Pflanzenansprüche: Es reicht in der Regel nicht aus, die Pflanzen in dem Topf zu belassen, in dem du sie erstanden hast. Das in der Regel sehr kleine Erdvolumen des Verkaufstopfes ist vom Gärtner so gewählt, damit die Pflanze auf dem Weg in deinen Garten hinlänglich versorgt ist. Dort angekommen, muss sie aber in größere Gefäße oder gar das Beet gesetzt werden, um gesund weiterwachsen zu können. Der Verkaufs- bzw. Transporttopf ist ausdrücklich nicht dazu angetan, über lange Zeit ausreichend Wasser und Nährstoffe aufzunehmen bzw. den Wurzeln so viel Platz zu geben, damit sich die Pflanze arttypisch kräftig entwickeln kann. Das gilt nicht nur für den offensichtlichen Fall eines 9-cm-Topfes. Auch etwas größere Töpfe, z. B. 15-cm- oder 19-cm-Töpfe, haben ein nur kleines Erdvolumen von lediglich etwa 1,5 bzw. 2,5 Litern. Für kleinere Kräuter, wie eine einzelne Thymianpflanze, solltest du mindestens 3–5 Liter Erdvolumen (22-er Topf bzw. Container und größer) vorsehen, um sie darin etwa zwei, drei Jahre lang wachsen zu lassen. Für einen Salbei sollte es z. B. ein 5–7,5-Liter-Container sein, für Mischpflanzungen 10–15 Liter und mehr. Für die Kombination von z. B. Zitronenverbene, Stevia und Ananassalbei ist ein 25-Liter-Container angemessen. Diese Angaben von Topf- oder Containermaßen sind relativ, weil es unterschiedliche Bauarten von Töpfen und Containern gibt, die in Durchmesser und Höhe variieren. Meist ist aber eine Literangabe auf dem Außenboden des Gefäßes zu finden.

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Beachte generell: Kleine Töpfe, großes Kraut – das ist nicht windstabil! Spätestens wenn die Pflanzerde ausgetrocknet und leichter geworden ist, kann der Wind einen kleinen Kräutertopf mit großer Pflanze leicht umblasen.

Des Weiteren gilt, auch für hinlänglich großen Wurzelraum: Spätestens ein Jahr nachdem der Erdballen gut durchwurzelt ist, musst du die betreffende Pflanze in ein größeres Gefäß umtopfen. Lediglich größere Kübelpflanzen wie Lorbeerbäume kannst du, wenn sie in mineralreiche Qualitätserde getopft sind, bei guter Wasser- und Düngerversorgung auch mal zwei, drei Jahre länger darin belassen. Die Frage nach geeigneter Pflanzerde ist auf S. 20 beantwortet. Achte beim Topfen auf geöffnete Wasserabzugslöcher auf eine Drainschicht aus Kies, Tonscherben oder Blähton, die du mit Vlies oder Backpapier abdeckst, bevor du die Erde auffüllst. Wichtiger Hinweis: Beim Umtopfen musst du den Erdballen der Pflanze leicht aufreißen.

Zur Pflanzerde gehören Pflanzgefäße. Die Antwort auf die Frage nach den Unterschieden zwischen den verschiedenen Topftypen am Markt und danach, welche aus diesem Angebot denn die für Kräuter bestmöglichen Pflanzgefäße seien, zeigt auf, wie du deine Kräuter einfacher und arbeitssparender pflegen kannst.

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Terrakottagefäße sehen hübsch aus, passen vor allem zu mediterranen oder auch zu tropischen Kräutern. Einfache, unglasierte oder nicht silikonisierte Ware lässt aber das Wasser in der Erde nicht nur über die Bodenoberfläche, sondern zusätzlich rundum durch die Gefäßwand sehr leicht verdunsten. Zudem sind nur solche Gefäße weitestgehend frostfest, die vom Hersteller bei besonders hohen Temperaturen ausreichend lang gebrannt wurden, etwa Impruneta-Ware. Nur frostfeste Terrakotten kannst du ganzjährig im Freien lassen. Speziell im Winter musst du aber zwingend für ausreichend Wasserabzug sorgen, weil gefrierendes stehendes Wasser selbst einen als frostfest deklarierten Kübel sprengen kann.

Steinzeug: Dessen Stärke liegt meist darin, dass es durch darauf aufgetragene Glasuren zusätzliche Farbe in den Kübelgarten bringt. Hinsichtlich des Materials gilt im Grunde das Gleiche wie für die Terrakotten. Achte auf die Begrifflichkeiten – ähnlich klingende Namen bedeuten hier längst nicht dasselbe. Steingut ist die preisgünstigere, Steinzeug die höherwertige Ware (aus besserem Ton bei höheren Temperaturen länger gebrannt). Steingut kann Wasser aufsaugen, das unweigerlich zu Frostbruch des Gefäßes führt, wenn das Wasser gefriert. Steinzeug ist so gebrannt, dass es nahezu gar kein Wasser aufsaugt, also frostfest ist. Du musst es aber im Winter so aufstellen (z. B. auf keramische Füßchen oder auf untergelegte Holzlatten), dass Wasser stets leicht abfließen kann.

Frostfestes Steinzeug ist vom Hersteller explizit als solches gekennzeichnet und aufgrund seiner – bei richtiger Pflege – Langlebigkeit allemal sein Geld wert.

Kunststoffgefäße: Sie bestechen zunächst durch ihr leichtes Gewicht und ihren günstigen Preis. Zunehmend aber auch durch ihre besonderen Bauweisen. So gibt es inzwischen Gefäße mit im Boden eingebauten Rollen, die das Verräumen gerade größerer Kübel wesentlich leichter machen. Und es gibt spezielle Wasserspeichergefäße, die du seltener gießen musst. Zwar musst du auch bei diesen noch immer Kannen schleppen (schneller geht das Gießen mithilfe eines Schlauchs oder gleich mit automatischer Bewässerung, s. S. 22).

Je nach Wetter, Größe und Bepflanzung reichen hier aber ein, zwei Gießgänge pro Woche statt des täglichen Gießens. Auch den Pflanzen gefällt das besser: In diesen Gefäßen sind die Kräuter länger und gleichmäßiger mit Wasser versorgt. Das erzeugt ihnen weniger Stress (z. B. in Form von Trockenfallen, unterkühlten Wurzeln durch kaltes Gießwasser, Übergießen) und besseres Wachstum.

Nicht allein die Bauart der Pflanzgefäße hat jeweils ihre Folgen für die Kräuter und für dich – auch die Gefäßform solltest du beim Kauf im Auge behalten. Schönheit ist das eine – wenn sich nur nicht die Tücken in der Praktikabilität und Handhabung ergeben würden!

Hohe schlanke Gefäße wirken elegant, haben eine nur geringe Stellfläche und zugleich einen recht hohen Kipppunkt. Sie können, je nach Standort, empfindlicher gegen Windwurf oder Anrempeln sein. Indem du in solche Gefäße vor dem Bepflanzen zuunterst einige größere, schwere Steine auf den inneren Gefäßboden packst, erhöhst du die Standfestigkeit, nicht bis zur Sorglosigkeit, aber doch erheblich.

Bauchige Gefäße wirken klassisch und gartengemütlich, entpuppen sich aber als schwierig beim nötig werdenden Umpflanzen oder beim Herausnehmen einer abgestorbenen Pflanze: Ist z. B. ein Strauch dicht in einem solchen Gefäß verwurzelt, wirst du dich damit schwertun, ihn dort bei Bedarf wieder herauszubekommen – der dicke Bauch passt nicht durch den engen Hals des Gefäßes. Bei kleineren bauchigen Töpfen behilfst du dir dadurch, dass du mit einem Messer mit langer Klinge den Erdballen im Gefäß so auf das Format seines Öffnungsdurchmessers zurechtschneidest, dass du ihn freibekommst. Bei größeren Gefäßen gelingt das meist gar nicht mehr, sodass nur eines bleibt: das Gefäß zu zerstören. Und wer will das schon?

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Was du über Kräuter, Boden und Dünger wissen musst

Kräuter stammen von unterschiedlichen Standorten in der Natur – Thymian z. B. von nährstoffarmen, Liebstöckel von nährstoffreichen. Willst du Kräuter mit Erfolg im Garten ansiedeln, musst du sie artgerecht pflanzen und düngen.

Wie alle Pflanzen sind auch diejenigen, die wir als Kräuter nutzen, meist Standortspezialisten. Die sukkulente Aloe oder Bulbine könnten nicht an einem frisch-humosen, womöglich halbschattigen Platz gedeihen wie die hier florierenden, z. B. Engelwurz oder Liebstöckel, umgekehrt an einem kargen, trockenen Standort nicht lange bestehen könnten. Kurzum: Passt der Standort nicht, bildet die Pflanze nicht ihren arttypischen Wuchs aus, ebenso wenig wie in optimalem Maß ihre wertgebenden Inhaltsstoffe.

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Welchen Boden du in deinem Garten hast, ist zunächst einmal weniger wichtig. Zwar wäre damit grob eine Richtung vorgegeben, die bestimmen könnte, dass du mehr Kräuter für Sand- oder Lehmboden, trockenere oder feuchtere Standorte pflanzen könntest. Gartenboden kann aber durch zielgerichtete Eingriffe für bestimmte Kräuter jeweils passend gemacht werden. So werden Lehmböden geschmeidiger, wenn du sie vor Winterbeginn grobschollig umgräbst und vom Frost durchdringen lässt. Im Frühjahr danach kalke erforderlichenfalls auf (ca. 50–100 g Mergelkalk/m2), je nach vorhandenem und gewünschtem pH-Wert, den eine Bodenuntersuchung benennen kann. Arbeite pro 10 m2 zudem ein bis drei Karren Sand (je ca. 80 Liter) bis zu 30 cm tief mit ein und gib in den obersten Boden etwa ein bis zwei 10-Liter-Eimer Kompost als Humusgabe. Auch sehr steinige Böden lassen sich so verbessern. Sandigen Böden, die sich schneller erwärmen und die besser belüftet sind als lehmige, fehlt es ebenso oft an Kalk, aber auch an Humus, der den Nährstofffluss und die Wasserspeicherkapazität des Sandbodens verbessert. Die jährliche Frühjahrskalkgabe für Sandboden liegt bei etwa 50–100 g Mergelkalk/m2. Die Humusmenge variiert, je nach Kraut: Bulbine, Pinien-Rosmarin, Sandthymian & Co. z. B. benötigen davon wenig (10-Liter-Kompost/m2/Jahr und weniger), Koreanische Minze, Kretische Bergminze oder gar Zitronenverbene wachsen besser in humoserem Grund (10–15 Liter Kompost/m2/Jahr). In den Porträts dieses Ratgebers (ab S. 116) findest du bei den jeweiligen Arten, falls erforderlich, Angaben zu deren Bodenpräferenzen.

In Pflanzgefäßen sind Pflanzen einem komponierten Boden ausgesetzt, das Gärtner Substrat nennen. Verwende für deine Kräuter generell eine tonhaltige Pflanzerde, weil sie kleinere Pflegefehler in der Düngung (s. u.) und Bewässerung (s. S. 29–31) abpuffert. Kräutererde nimm nur, wenn du sie von Anfang an aufdüngst, sie ist nämlich nahezu nährstoffleer! Handelsübliche Kräutererden sind in der Regel ungedüngte Erden, weil noch immer der Unsinn in den Köpfen vieler Zeitgenossen herumgeistert, dass man Kräuter nur in mageren Erden ziehen solle. Richtig ist: Vertreter von Magerstandorten wie Aloe, Gartensalbei oder Thymian sind in magerer Erde richtig gepflegt – versuche das aber niemals mit wüchsigen Gartenriesen wie Engelwurz, Liebstöckel oder Zitronenverbene! Deswegen verwende zum Kräutertopfen mineralische Kübelpflanzenerde als „Breitbanderde – die Erde für viele Zwecke“. Für Pflanzen, die lieber auf kargen Böden wachsen, strecke die Erde aus dem Sack mit einem reichlichen Drittel Anteil grobem Sand. Für solche, die es humoser mögen, menge zusätzlich Lauberde oder Kompost unter. Je nach dem Bedarf einer jeden Kräuterart lässt sich eine hochwertige Standarderde also bedarfsgerecht „feintunen“.

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Ähnlich einfühlsam gehe am besten auch bei der Düngung vor. Auch hierzu findest du ggf. im Einzelnen Angaben bei den Arten im Porträtteil, sofern du Besonderheiten zu berücksichtigen hast. Generell gilt: Definitiv falsch ist die Behauptung, dass Kräuter nicht gedüngt werden müssen! Jede Pflanze benötigt Nahrung, ohne das geht es nicht! Es geht lediglich darum, angepasst zu düngen. Dazu gilt die Faustregel: Was viel Blattmasse bildet, braucht auch viel Futter.