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EMMA und PRINZ

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Eine Haftung des Autors oder des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

1. Auflage 2014

Gute Ideen Verlag, Dornburg

© Petra Lahnstein 2014

www.gute-ideen-verlag.de

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie das Recht der Übersetzung, vorbehalten.

Autorin

Petra Lahnstein

ISBN

978-3-945067-09-3

INHALT

Emma ist anders

Sehnsucht und Heimweh

Emma trifft Prinz

Kuhfladen-Bingo

Ziel erreicht?

Außer Gefecht

Carlotta und Linus

Die Reise geht weiter

In der Schweiz

Gefährliches Missgeschick

Die Entscheidung

Zuhause

Emma ist anders

Weite Felder, grüne Wiesen, jede Menge Bauernhöfe und noch viel mehr Kühe. Dabei glich auf den großen Wiesen im flachen Münsterland eine Milchkuh der anderen.

Wenn es da nicht Emma gegeben hätte.

Emma gehörte zwar auch zu den schwarz-gefleckten Kühen, so wie man sie hier oft sah. Aber Emma war anders. Emma hatte zwei kleine Hörner und einen großen braunen Fleck inmitten der vielen schwarzen Flecken ihres Fells. Auch das Fell selbst war nicht so weiß wie das der anderen Kühe. Es sah so aus, als hätte es beige-braun werden sollen. War es aber nicht. Es war nur ein ganz helles Beige und es sah aus wie ein schmutziges Weiß. Auch eines ihrer Ohren war hellbeige, während das andere schwarz war.

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Als ob diese Äußerlichkeiten nicht schon genügt hätten, um sich anders zu fühlen, hatte Emma noch mehr Besonderheiten zu bieten: Wenn Emma Kuhmist roch, kippte sie um. Nicht immer ganz. Aber ihr wurde es immer schwindelig, wenn sie zu nah an einem Kuhfladen stand. Und dabei war es egal, ob es ihr eigener Mist war oder der einer anderen Kuh.

„Beim heiligen Misthaufen, wie oft soll ich Dir noch sagen, dass mir von Deinem Mist schwindelig wird?“ Emma wollte sich gerade bei Famka beschweren, als es schon wieder passierte. Ihre Knie wurden ganz weich und in ihrem Kopf drehte sich alles. Emma sah alles ganz verschwommen und das, wo sie als Kuh doch ohnehin schon so schlecht sah.

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„Tut mir leid, war nicht böse gemeint, aber das musste einfach raus jetzt“, sagte Famka, die sich mit dem ganzen Körper gegen Emma stützte, damit diese nicht umfiel.

„Du stehst doch selbst manchmal stundenlang herum und beobachtest, ob sich der Kuhfladen verändert. Was stört es Dich da, wenn ich einen neuen Haufen neben Dir fallen lasse?“

„Ich beobachte Ameisen im Kuhfladen, nicht den Kuhfladen selbst.“

„Ist doch egal.“

„Ist nicht egal.“

„Da es Dir offensichtlich besser geht, kann ich ja aufhören, Dich zu stützen“, sagte Famka und verzog das Gesicht.

„Habe Dich nicht drum gebeten.“

„Habe ich wie immer gerne gemacht.“

Famka lächelte. Sie blickte noch einmal kurz zu Emma, bevor sie zurück zur Herde marschierte. ‚Süß, wie sie so dasteht, mit ihrer Ohrmarke um den Hals. Irgendwie mag ich die Emma ja. Schade, dass sie immer versucht, sich von uns anderen abzugrenzen‘, dachte Famka.

Dong - Dong - Dong. Die Glocken der kleinen Dorfkirche läuteten drei Uhr am Nachmittag. Während die anderen Kühe das nicht einmal richtig bemerkten, blieb Emma wie angewurzelt stehen. Sie schloss die Augen und träumte vor sich hin.

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Ganz langsam verlagerte sie abwechselnd ihr Gewicht von den beiden rechten Beinen auf die beiden linken Beine, so dass sich ihr ganzer Körper hin und her bewegte.

Dann gab sie ein leises „Mmmmmmmmuuuuuh“ von sich. Und in Gedanken fügte sie hinzu: ‚Mama, Mama, wo bist Du?‘

Noch nie hatte Emma ihre Mama gesehen. Als kleines Kälbchen war sie mit der Milchflasche aufgezogen worden.

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‚Ob meine Mama wohl genauso aussieht wie ich? Woher sollte ich sonst den braunen Fleck und das hellbeige Fell haben?‘

Als Emma wieder die Augen öffnete, blickte sie geradewegs auf ein Kälbchen, das am Euter seiner Mutter saugte. Emma seufzte.

„Süßer die Glocken nie klingen… nur für die Emma allein!“

Zottel hatte Emma beobachtet, wie sie da stand und sich am Glockenklang der Kirche erfreute. Sie konnte sich ein kleines Liedchen nicht verkneifen.

„Ich habe in den letzten zehn Jahren schon viel Verrücktes hier auf der Wiese erlebt, aber so eine wie Du ist mir noch nie untergekommen“, sagte Zottel.

Aber Emma hörte nur mit einem Ohr zu. Mit dem hellbeigen Ohr, um genau zu sein. Dabei sah man fast gar nicht mehr, dass das Ohr eigentlich hellbeige war. Denn jede Menge schwarzer Fliegen hatten sich auf Emmas Ohren niedergelassen. Emma schüttelte ihren Kopf.

„Oh Mann, diese kleinen fliegenden Mistviecher nerven ganz schön. Kann doch nicht sein, dass ein Tier, das tausend mal kleiner ist als ich, mir so viel Ärger bereiten kann.“

Auch an Emmas Augen saßen einige Fliegen, die erschrocken wegflogen, als sie laut muhte.

Noch einmal schüttelte Emma heftig den Kopf und warf ihren Schwanz von rechts nach links, um auch die Mücken von ihrem Hinterteil zu verjagen.

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‚Jetzt reicht es.‘

Emma stapfte schnellen Schrittes zu den anderen Kühen.

„Ich habe eine Idee, wie wir die Fliegen los werden können.“

Die anderen Kühe schauten sie neugierig an.

„Sieh an, sieh an, Miss Emma beehrt uns mit ihrer Anwesenheit.“

Eine Kuh sprach aus, was viele dachten.

„Ich freue mich, Dich hier zu sehen. Also, erzähle uns von Deiner Idee“, sagte eine andere Kuh.

„Nerven sie Euch nicht auch, diese gefühlten tausend Fliegen auf Euch? Im Ohr, auf der Nase, an den Augen. Ja sogar vor dem Allerwertesten machen sie keinen Halt.“

Die meisten Kühe nickten zustimmend.

„Ich denke, das kommt davon, weil hier jeder auf der Wiese einfach seinen Kuhfladen da fallen lässt, wo er gerade steht. Fliegen mögen nun mal frischen Kuhmist und legen ihre Eier in den Haufen.“

Emma schaute zu Famka herüber. Wenn sie auf ihrer Seite war, konnte sie vielleicht die anderen überzeugen.