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Helmut Langer

Buddy Holly – The Day The Music Died

(Biografie)

 

 

 

Copyright © 2014 Der Drehbuchverlag, Wien 

2. Auflage, 11. Februar 2016 

Alle Rechte vorbehalten 

eBook: Buddy Holly – The Day The Music Died (Biografie) 

ISBN: 978-3-99042-949-5 

The Day The Music Died

 

Der 3. Februar 1959 war der Tag, an dem die viersitzige Chartermaschine abstürzte, die neben Buddy Holly auch Ritchie Valens und J .P. Richardson das Leben kostete – der Tag, den Don McLean in seinem Song „American Pie“ als den Tag besingt, der in die Geschichte einging, als der Tag, an dem die Musik gestorben war – „The Day the Music died“.

 

Der Sänger und Musiker Buddy Holly personifizierte den Rock ’n’ Roll schon zu Lebzeiten wie kein anderer Künstler seiner Zeit – und auch keiner jemals wieder nach seinem Tod. Es ist zwar eine Tatsache, dass man von Buddy Holly solange er noch lebte und aktiv musizierte nicht als Rock ’n’ Roller im eigentlichen Sinn sprach, denn seine Musik ließ die Grenzen von Rockabilly, Country-Music, Rhythm ’n’ Blues und Rock ’n’ Roll verschwimmen. Doch seine Songs waren so einzigartig und Energie geladen, dass er mit ihnen noch Jahre nach seinem tragischen Tod Einfluss auf alle Musikrichtungen, vom Rock ’n’ Roll bis hin zur Country-Music, nahm. Trotz seiner kurzen beruflichen Karriere als Musiker veröffentlichte Buddy Holly über 100 Songs, unter ihnen eine große Anzahl an wahren Klassikern und Hits, die bis zum heutigen Tag in aller Munde sind. Seine Lieder waren so voller Leben, sie hatten von jeder Musikrichtung ein bisschen etwas – und das ist es letztendlich, was den Rock ’n’ Roll ausmacht.

 

Natürlich hatte Buddy allein äußerlich nicht die Ausstrahlung eines Elvis Presley, dennoch ist die Liste derer, die sich an Buddy Holly noch Jahre nach seinem Tod orientierten, viel länger als die derer, die jemals Einfluss auf ihn genommen hatten. So war er beispielsweise den „Beatles“ ein Vorbild gewesen, die ihren Namen nach den „Crickets“, Buddy Hollys Band, wählten und sich ebenfalls ein Insekt aussuchten, das ihrer Band den Namen geben sollte. Auch die „Hollies“, die ihren Namen von Buddys Namen ableiteten, oder Bobby Vee und noch zahlreiche andere Vertreter der Musikbranche nahmen sich Buddy Holly zum Vorbild. Selbst die „Rolling Stones“ landeten ihren ersten Hit in den britischen Charts mit einer Coverversion des Buddy-Holly-Songs „Not Fade Away“.

 

In den letzten Jahrzehnten lebten seine Hits, einerseits weil man sie bei Gelegenheit in einem Oldiesender hörte, oder weil ein moderner Interpret einen Buddy-Holly-Song coverte, immer weiter, und Buddy Holly war jedem ein Begriff. Jedes Schulkind hat schon einmal den Namen Buddy Holly gehört, und jedem Jugendlichen sind zumindest ein oder zwei seiner bekanntesten Songs ein Begriff. Würde man dieselbe Person jedoch nach einem Mitglied der Beatles fragen, würde sie wahrscheinlich nicht wissen, ob es nun Mick Jagger, Rod Stewart oder doch John Lennon gewesen war.

 

Buddy Holly ist eine Legende, dessen Name bis heute für den Rock ’n’ Roll steht. In seiner Zeit war er ein Pionier gewesen. Wenn man die anderen Künstler betrachtet, so gibt es kaum einen, der es mit Buddy Hollys Popularität aufnehmen kann. Elvis Presley zum Beispiel hat kaum einen einzigen Titel in seinem Leben selbst geschrieben und bei Jerry Lee Lewis war es ein einziger gewesen. Buddy jedoch hatte die meisten seiner Songs selbst geschrieben, selbst gesungen ohnehin, und meist auch noch selbst die Gitarrenparts gespielt. Erst eine Weile nach Buddys Tod begann es in Mode zu kommen, seine selbst geschriebenen Songs zu produzieren und zu veröffentlichen. So gesehen war Buddy seiner Zeit damals wirklich um einiges voraus gewesen und er hatte die Vorarbeit für all jene geleistet, die es ihm nach seinem Tod gleich taten.

 

Buddy Holly wurde am 7. September 1936 in Lubbock, Texas, geboren. Sein Taufname lautete eigentlich Charles Harding Holley, nach seinem Großvater, doch seine Eltern befanden diesen Namen für ein so kleines Kind viel zu förmlich und auch zu lang – und so nannten sie ihn kurzerhand Buddy. Der Name Buddy war zur damaligen Zeit ein üblicher Spitzname für den Jüngsten in der Familie gewesen, somit passte er auch für Charles, der das Jüngste von vier Geschwistern war. Die Schreibweise des Nachnamens von Holley zu Holly kam im Jahre 1956 durch einen Druckfehler auf einer seiner ersten Aufnahmen zustande; Buddy beließ es dabei und hat dies bis zu seinem Tode nicht mehr geändert.

 

Buddys Eltern, Lawrence und Ella Holley, hatten also insgesamt vier Kinder in die Welt gesetzt. Lawrence war ein richtiger Allroundmann gewesen. Er hatte in seinem Leben viele verschiedene Jobs ausprobiert, so war er unter anderem Koch, aber auch Schneider gewesen, ein Mann für alle Fälle also. Diese Anpassungsfähigkeit war es auch, die Lawrence nach Lubbock brachte. Nach dem ersten Weltkrieg begann in Lubbock eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, bedingt durch die wachsende Baumwollindustrie. Diese Tatsache hatte Lawrence angelockt. Da er an jeglicher Art von Tätigkeit interessiert war und es in der Natur der Sache liegt, dass ein Ort, an dem ein bestimmter Industriezweig im Wachsen war, unbedingt zusätzliche Arbeitskräfte benötigte, beschloss er kurzerhand, in Lubbock einen Job anzunehmen.

 

Lubbock, im westlichen Texas und an der Grenze zu New Mexico gelegen, war ein kleines, unscheinbares Städtchen, in dem damals nur eine Handvoll Leute wohnte. Es glich einer Insel, da es im Umkreis von etwa dreihundert Meilen keine Siedlung gab, die eine vergleichbare Größe wie Lubbock hatte. Es ist auch heutzutage immer noch kein besonders dicht besiedelter Ort, jedoch hat Lubbock derzeit doch eine ansehnliche Einwohneranzahl von 150.000.

 

Lubbock war und ist kein Zentrum des Vergnügens. Bis zum Jahre 1970 gab es in dem kleinen Örtchen zum Beispiel ein striktes Alkoholverbot und selbst heute ist es noch schwer, im Stadtzentrum einen alkoholischen Drink zu bekommen. Lubbock ist ein sehr christlicher Ort, in dem sich weit mehr Kirchen befinden als in jedem anderen Ort, den man in seiner Größe und Population mit Lubbock vergleichen kann.

 

In jener Zeit, in der der kleine Buddy aufwuchs, war es üblich, dass im privaten Rahmen oder auch im engeren Freundes- und Bekanntenkreis gemeinsam gesungen und musiziert wurde. In der Nachkriegszeit war dies eine beliebte Form der Zerstreuung, wenn nicht die einzige überhaupt. Auch in Buddys Familie war es üblich, die Abende der Musik zu widmen. Seine Brüder hatten sich im Laufe der Zeit die wichtigsten Grundregeln des Gitarrenspielens selbst beigebracht und seine Schwester und Mutter liebten es, zu ihrer Musik zu singen. Im frühen Kindesalter von fünf Jahren hatte Buddy die Gelegenheit, seine beiden Brüder bei einem kleinen Wettbewerb mit seinem Gesang zu begleiten. Danach sollte er für einige Jahre keinen direkten Kontakt mehr mit der Musik haben, es sei denn als Zuhörer bei gemeinsamen musikalischen Darbietungen seiner Familie oder der Nachbarn.

 

Buddy war also ein ganz normaler Junge gewesen. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen, obwohl die Familie sich dessen damals nicht bewusst gewesen war. Sie waren mit dem zufrieden, was sie hatten. Und da sie keinen Vergleich hatten, strebten sie auch nicht nach mehr. Buddy war ein eher introvertiertes Kind. Er war nicht besonders ehrgeizig und willensstark gewesen, obwohl er doch für sich selbst entschied, was ihm im Leben wichtig war. Er interessierte sich für Sport, hatte jedoch bei der Ausübung verschiedener Sportarten wegen seiner starken Kurzsichtigkeit immer wieder Probleme. Doch bis die erste Stelle in seinem Leben schließlich die Musik einnehmen sollte, lag sein Interesse in der Religion.

 

Wie bereits erwähnt gab es in Lubbock so viele Kirchen wie nirgendwo sonst auf der Welt in einem vergleichbaren Ort. Also kam Buddys Interesse an der Kirche natürlich auch nicht von irgendwo. Seine gesamte Familie war sehr religiös. Ella und Lawrence waren fundamentale Baptisten und in diesem Glauben wuchsen auch die Kinder und somit auch der junge Buddy heran.

 

Als Buddy elf Jahre alt war, entschied seine Mutter Ella, dass Buddy in die Fußstapfen seiner Brüder treten und ein Musikinstrument erlernen solle. Das Spielen eines Instruments gehörte damals sozusagen zu den Grundkenntnissen eines Jungen aus gutem Hause, da es natürlich auch bei den Nachbarn üblich war, die Freizeit musikalisch zu gestalten. Um sich vor den Freunden und Nachbarn nicht zu blamieren, musste man ein Instrument natürlich mindestens genauso gut beherrschen, wie es der Nachbarsjunge tat, wenn nicht besser. Buddys Mutter beschloss, dass ihr jüngster Sohn zunächst einmal das Klavierspielen erlernen sollte. Der Klavierlehrer lobte Buddy in höchsten Tönen und war von seinem musikalischen Talent sehr angetan. Er berichtete der Mutter, dass Buddy ein gutes musikalisches Gehör hatte und dass es ihm leicht fiele, Melodien vom Zuhören nachzuspielen. Also entschied die Mutter nach einem knappen Jahr, dass Buddy neben dem Klavier auch noch ein zweites Instrument erlernen dürfe. Dafür wählte sie die Steel-Gitarre aus. Buddy war damals dermaßen ruhig und zurückgezogen, dass er es vermied, seine eigene Meinung bezüglich der Instrumentenwahl zu äußern. Er hätte natürlich am liebsten gleich, noch vor dem Klavier, damit begonnen, das Gitarrenspielen zu lernen, doch er fügte sich dem Willen seiner Mutter. Die Steel-Gitarre jedoch lag ihm nicht besonders und so entschloss sich die Mutter nach Absprache mit dem Musiklehrer, dass es wohl vernünftiger wäre, die Akustikgitarre zu wählen. Damit war der Grundstein für Buddys musikalische Laufbahn gelegt. Sein älterer Bruder zeigte ihm ein paar Griffe auf der Gitarre und da Buddy wirklich ein ausgezeichnetes musikalisches Gehör hatte, ging alles andere wie von selbst. Innerhalb kürzester Zeit schaffte Buddy es, populäre Songs aus dem Radio ohne größere Probleme nachzuspielen.

 

Trotz seiner offensichtlich großen musikalischen Begabung hatte Buddy das Spielen auf der Gitarre zunächst als eine zwar angenehme, aber nicht unbedingt notwendige Freizeitbeschäftigung gesehen. Er hatte das Musizieren nicht besonders ernst genommen. Das sollte sich jedoch schlagartig ändern, als der Dreizehnjährige den jungen Bob Montgomery kennen lernte. Die Beiden besuchten gemeinsam die Hutchinson Junior High School, und es war Bob, der ebenfalls Gitarre spielte, der Buddy wirklich auf den Geschmack der Musik brachte.

 

Damals war Buddys Favorit Hank Williams gewesen, dessen Song „Lovesick Blues“ er besonders gerne spielte. Im Großen und Ganzen stand Lubbock damals noch im Zeichen der Country-Music. Man konnte zwei Arten von Radiosendern empfangen, der eine spielte vorwiegend moderate Country-Music aus der Gegend von Nashville, der andere etwas flottere und beschwingte Musik aus Shreveport. In Lubbock selbst hörte man noch wenig von den ersten Vertretern des frühen Rock ’n’ Rolls, die ihre ersten musikalischen Versuche auf diesem Terrain in Memphis unternahmen. Unter ihnen waren auch der später berühmte Elvis Presley sowie Jerry Lee Lewis. Doch im abgelegenen texanischen Lubbock war diese Art von Musik, zumal sie als afroamerikanisch inspirierte „Black Music“ angesehen wurde, kaum zu hören. Doch obwohl Buddy, wie eines der Mitglieder seiner Band später erzählte, nicht gerade unempfänglich für rassistische Ressentiments und ein erklärter Gegner der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gewesen war, so war er doch für diese Art der „Black Music“, die nach und nach Einfluss auf die gängigen Musikrichtungen nahm, offen gewesen.

 

Mit dreizehn also begann Buddy, die Musik dann etwas ernster zu nehmen, und wann immer sich die Gelegenheit bot, übte er mit seinem neuen Freund Bob Montgomery. Die Beiden spielten vor jeder noch so kleinen Menschenmenge, die bereit war, ihnen zuzuhören. Meistens musizierten sie im privaten Rahmen, doch wenn sich eine Gelegenheit ergab, zum Beispiel bei einer Geschäftseröffnung oder einer Veranstaltung, so packten sie diese beim Schopf, um sich hie und da auch ein paar Cent zu verdienen.

 

Eines Sonntagnachmittags startete der lokale Radiosender von Lubbock eine neue Sendung unter dem Titel „The Sunday Party“, in der örtliche Nachwuchsstars auftraten. Als Buddy und Bob sich beim Radio zum Vorspielen meldeten, bemerkte der veranstaltende DJ Duncan sofort, dass die beiden Talent hatten. Also wurde ihnen die Gelegenheit gegeben, in dieser Sendung am Sonntagnachmittag zu spielen. Dies war für Buddy und Bob eine Bestätigung ihres Könnens gewesen. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt für sich selbst bereits entschieden, ihr Hobby zum Beruf zu machen, und so engagierten sie einen Bassspieler, der ihr Duo musikalisch ergänzen sollte. Es handelte sich dabei um den jungen Larry Welborn, mit dem sie dann anhand verschiedenster Songs ihr musikalisches Können vertieften. Eine von Buddys Lieblingsnummern war damals der Song „Work With Me, Annie“ gewesen, bei dem Buddy den Leading Part sang. Es ist jedoch unklar, ob er sich der Tatsache bewusst gewesen war, dass dies eine Nummer der „Midnighters“ und somit einer schwarzen Band gewesen war…

 

Vom eher desinteressierten Gelegenheitsgitarristen war Buddy nun also zum aufsteigenden, ehrgeizigen Musiker geworden, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, sein Leben der Musik zu widmen. Nachdem er immer mehr Zeit mit dieser neuen Leidenschaft verbrachte, ließen seine schulischen Leistungen zu wünschen übrig. In der Zwischenzeit besuchte er die Lubbock High School, doch die meiste Zeit verbrachten Buddy und Bob mit dem Proben. Buddy war auch schon vorher kein besonders guter Schüler gewesen, er war nicht ehrgeizig, außer seit neuestem bei seiner Musik. Er fiel in der Schule eigentlich kaum auf, weder im positiven noch im negativen Sinn. Wie auch im privaten Leben, so war er in der Schule sehr introvertiert, ruhig und zurückhaltend gewesen. Sein Ziel war es, mit möglichst wenig Aufwand die Schule einfach nur zu bestehen, zumal er zu jener Zeit bereits sehr darauf bedacht war, keine Spannungen aufkommen zu lassen, die möglicherweise Konflikte mit seiner Familie im Bezug auf seine Musik hätten heraufbeschwören können. Er versuchte, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und möglichst mit jedem auszukommen, so gut es eben ging.