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Inhaltsverzeichnis

























































GOLD IST GELD

“Gold ist Geld und nichts anderes.“

JOHN PIERPONT MORGAN, Bankier, 1913



Als ich vor einigen Jahren mit einem Freund über Gold redete, da war der Preis noch tief im Keller. Es war 2006 und kaum jemand sprach über das Edelmetall. Doch dieser Freund riet mir: „Fang an, Gold zu kaufen.“ Er erzählte etwas übers Geldsystem und „Papierwährungen“, Inflation und Staatsverschuldung. Und ich dachte: Der Typ spinnt, ist wohl etwas depressiv geworden.


Damals schien das „Finanzsystem“ noch ganz gut zu funktionieren, doch Insider wussten natürlich schon, dass es Risse bekam und nicht mehr rund lief. Rein äußerlich war die Welt jedoch noch in Ordnung. Klar, wir an der Börse machten uns unsere Gedanken darüber, dass in den USA offenbar Kredite an klamme Hausbauer vergeben wurden. Der Begriff „Subprime“ tauchte auf, wurde diskutiert. Die ersten Warner prophezeiten, das Kartenhaus werde bald zusammenbrechen – ich hingegen schüttelte nur den Kopf. Warum denn gleich so pessimistisch werden? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Banken in so riesigem Ausmaß die Welt mit Kreditmüll verseuchen könnten. Immerhin gab es doch Aufsichtsbehörden, Zentralbanken, Wirtschaftsprüfer, Ratingagenturen, globale und nationale Aufpasser aller Art – wie also sollte ein globaler Kreditbetrug in solch wahnsinnigen Dimensionen überhaupt möglich sein?

Heute wissen wir: Es war möglich. Und warum war es möglich? Weil heutzutage Geld nicht mal mehr gedruckt werden muss. Es entsteht auf Knopfdruck. Es sind Zahlenreihen in Computern. Zahlenreihen, die auf wundersame Weise immer größer, immer breiter werden.

Im Sommer 2010 besuchte ich New York, um mit einigen einflussreichen Geldkennern zu diskutieren. Kurz zuvor wurde die Schuldenuhr am traditionsreichen Union Square „verbreitert“. Jetzt ist Platz für eine zweistellige Billionensumme. Ein Blick auf diese Uhr ließ mich erschaudern. In rasendem Tempo erhöhen sich sekündlich die Verbindlichkeiten der USA, doch niemanden scheint das aufzuregen. Am Union Square schlängelt sich der Broadway entlang, auch die vornehme Park Avenue beginnt an diesem Platz. Tausende Menschen gehen hier tagtäglich entlang, quellen aus den U-Bahn-Schächten. Millionen Autos fahren an der Schuldenuhr vorbei, oft genug gibt es Stau. Eigentlich eine gute Gelegenheit, einen Blick auf diese riesige, flimmernde Anzeige zu werfen.

Doch die Menschen ignorieren dieses „Wahrzeichen“ unserer Finanzwelt, das zugleich ein unübersehbares Warnzeichen ist. Sie gehen achtlos an der Schuldenuhr vorbei und würdigen den drohenden Untergang, der hier in leuchtend roten Ziffern angezeigt wird, keines Blickes. Kaum jemandem scheint aufgefallen zu sein, dass die Schulden weltweit immer nur steigen – und gerade in den vergangenen Jahren immer schneller. So hat US-Präsident George W. Bush in seiner Amtsperiode mehr Schulden gemacht als alle seine 42 Vorgänger zuvor. Auch das scheint niemanden zu beunruhigen.

Wie hoch sind die Schulden der USA? Offiziell liegen sie bei 15 Billionen Dollar, inoffiziell spricht man von 60 Billionen. Darin sind alle zukünftigen Entwicklungen eingerechnet, die derzeit noch nicht in den Statistiken auftauchen, wie zum Beispiel Pensionsverpflichtungen.

Ich stehe also am Union Square und starre auf die Schuldenuhr. Außer mir tut das sonst niemand hier. Mir läuft ein eiskalter Schauer über den Rücken: pro Minute fast eine Million Dollar Schulden zusätzlich. Anderen Berechnungen zufolge brauchen die USA allein fünf Milliarden Dollar, um überhaupt zu überleben. Stellt sich die Frage, wer ihnen dieses Geld gibt? Woher kommt all das Geld eigentlich? Aber dazu später mehr.

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Ich meine, wie selbstverständlich ich die Begriffe „Milliarden“ und „Billionen“ benutze? Sind diese Billionen wirklich so selbstverständlich? Werden wir mit genau derselben Selbstverständlichkeit in wenigen Jahren auch über Trillionen sprechen? Und dann über Quadrillionen? Um es vorwegzunehmen: Zu den Trillionen wird es nicht mehr kommen. Das Geldsystem wird zuvor zerbrechen. Dann sind die ganzen Scheinchen wertlos – auch wenn das bisher noch niemand für möglich hält. Aber dieser Zeitpunkt wird kommen, so sicher wie eins und eins zwei macht, denn das Ende dieser Schuldenorgie folgt auch mathematischen Regeln.

Für viele Menschen ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, dass Schulden steigen. Auch bei uns in Europa, in Deutschland. Diese Arglosigkeit wundert mich ein wenig, denn man muss nicht Volkswirtschaft studiert haben und braucht kein Mathematiker zu sein, um festzustellen, dass ein solches System dem Untergang geweiht ist. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann es kollabiert. Das System wird unter seiner Schuldenlast zerbrechen. Und dieser Zeitpunkt scheint nicht mehr allzu fern zu sein.

Das ist das Problem allen Geldes: Es ist beliebig vermehrbar. Früher musste man dazu noch die Druckerpressen anwerfen. Heute genügt ein Tastendruck am Computer. Alle Versprechungen der Politiker und der Notenbanker sind nur Makulatur. Fakt ist: Die Geldmenge vergrößert sich immer schneller. Dahinter steckt sogar ein Prinzip, das fest in unserem Geldsystem verankert ist. Wir haben es mit einem System zu tun, das immer mehr Schulden braucht und schon allein deshalb nicht ewig laufen kann – warum das so ist, dazu später mehr.

Wann zerbricht ein solches System? Wenn das Vertrauen verschwindet. Denn nichts anderes ist Geld: ein Kredit – dieser Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Glaube“, „Vertrauen“. Unser Geld basiert auf dem Vertrauen, dass andere Marktteilnehmer ebenfalls davon ausgehen, für das bunt bedruckte Papier, die Banknote, zu einem späteren Zeitpunkt eine Gegenleistung zu bekommen, also für die Scheine etwas kaufen zu können. Doch der „Schein“ könnte in Zukunft tatsächlich nur noch Schein sein. Dieses Schicksal erlitten übrigens alle bisherigen „Scheinsysteme“ der Menschheitsgeschichte. Sie alle sind früher oder später zerbrochen. Und das hatte immer denselben Grund: Die Menge der Papiere wuchs unaufhörlich und immer schneller, und am Ende waren sie wertlos.

Noch achten die Menschen am Union Square nicht auf die Schuldenuhr. Sie sehen nicht, wie stark die Schulden explodieren. Doch eines Tages werden sie es tun, und dann ist es zu spät. Je schneller diese Schuldenuhr läuft, desto stärker wird das Geld, das wir alle im Portemonnaie haben, entwertet. Normalerweise steht einer Geldmenge X ein Warenangebot Y gegenüber. Wenn es also mehr Geld gibt, aber nicht mehr Waren, müssen die Waren im Preis steigen. Vornehm ausgedrückt nennt man dieses Phänomen Inflation, doch eigentlich sollte es besser Geldentwertung heißen, damit jedem direkt die tatsächliche Bedeutung der Situation klar wird.

Mit jeder Million und jeder Milliarde, die diese Schuldenuhr anzeigt, wird umgekehrt das Geld der Menschen weniger wert. Wenn die Leute das wüssten, würden sie vielleicht der Anzeige am Union Square mehr Aufmerksamkeit schenken. Dass sie es jetzt nicht tun, werden sie später noch bereuen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Interesse die Menschen ihrem Geld widmen – Geld, für das sie schließlich hart gearbeitet haben, zum Teil ein Leben lang. Dieses Desinteresse ist von Politik und Zentralbanken gewollt. Niemand soll verstehen, was Geld wirklich ist, was dahinter steckt. Jeder soll nur daran glauben. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der „Geldillusion“, denn eigentlich ist Geld nichts! Bloß Papier oder Zahlenkolonnen im Rechner.

Seinen Wert erhält Geld erst, weil Menschen daran glauben. Doch von diesem Glauben könnten sie demnächst abfallen. Dann nämlich, wenn einer die Frage stellt: „Wer soll eigentlich diese Schulden jemals zurückzahlen?“

Fakt ist: Die Schulden können nie zurückgezahlt werden. Das weiß jeder Zentralbanker, von Anfang an. Er weiß, dass die Weltschuldenmenge aufgrund der Zinsen immer weiter ansteigen muss. Er weiß, dass die Geschwindigkeit, mit der die Schuldenmenge ansteigt, zunimmt. Und er weiß auch, dass solche Geldsysteme aus genau diesem Grund irgendwann zusammenbrechen werden.

Und damit sind wir bei der Kehrseite dieser gigantischen Schuldenmenge: Die Schulden des einen sind nämlich die Guthaben des anderen. Oder anders ausgedrückt: Schulden und Geld sind dasselbe. Wenn die Bank Ihnen 100 Euro leiht, dann haben Sie 100 Euro Schulden bei der Bank, und diese 100 Euro sind zugleich Geld, das Sie in der Hand haben. Und woher hat die Bank das Geld? Sie schöpft es aus dem Nichts. Das glauben Sie nicht? Es ist aber so. Die Bank ist keineswegs bloß ein Vermittler, der nur Geldguthaben eins zu eins wieder ausleihen kann. Nein, eine Bank kann einen Euro mindestens zehnmal verleihen – mit einigen Tricks sogar noch öfter. Die Bank darf das. Es ist gesetzlich so vorgesehen. Nur die wenigsten Menschen wissen das. Die Bank schöpft das Geld aus dem Nichts, verleiht es und nimmt obendrein noch Zinsen.

Das ist eigentlich nichts Tragisches. Das Problem ist nur, dass auf diese Weise ziemlich schnell viel neues Geld geschaffen wird, und zwar nicht nur durch Geschäftsbanken an private Schuldner. Genauso läuft das Spielchen auch bei Staatsschulden. Wenn ein Staat Geld braucht, dann geht er zur Bank und leiht es sich. Diese drückt auf eine Taste und erzeugt das Geld – so viel, wie verlangt wird. Damit hat der Staat frisches Geld, das er nun ausgeben kann. Auf diesem Weg ist aus Schulden Geld geworden. Die Bank kann nun nach Belieben die Schuldscheine des Bundes weiterverkaufen (zum Beispiel an Investoren) oder an die Zentralbank weiterreichen und bekommt dann für diese Staatsschulden ebenfalls Geld – wenn sie es braucht.

Auch die Notenbank zaubert es bei Bedarf aus dem Hut. Es ist tatsächlich nur ein Tastendruck, und schon existiert es, das Geld. Ein wunderbarer „Zaubertrick“, allerdings auch ein Vorgang mit dramatischen Folgen.

Immer, wenn der Staat Schulden macht, geht er zu den Banken und kriegt den Betrag, den er will – egal in welcher Höhe. Die Banken machen das gerne, weil sie ja Zinsen dafür bekommen. Und es ist für sie völlig risikolos, da sie zur Not diese Staatsschulden an die Notenbank – zum Beispiel an die Europäische Zentralbank (EZB) – weiterreichen können und dann von dort ihr Geld bekommen. Dieser Prozess der Geldentstehung ist den meisten Menschen völlig unbekannt.

Wäre er bekannter, würde auch die pikante Widersinnigkeit auffallen, dass sich der Staat von den Banken Geld leiht und mit dem gleichen Geld dann die Banken rettet. Dafür darf er dann auch noch Zinsen zahlen. Ein „kleiner“ Widerspruch, der in den Medien so noch kaum diskutiert wurde. Auch daran kann man erkennen, wie widersprüchlich unser Geldsystem an vielen Ecken und Enden ist. Und diese Widersprüche werden in Zukunft nicht kleiner, sondern größer.

Ich erzähle Ihnen das alles, damit Sie eine ungefähre Vorstellung davon bekommen, wie einfach es ist, „Geld“ zu erschaffen. Und in dieser Einfachheit liegt das Problem. Geld ist praktisch beliebig produzierbar und wird ganz von selbst immer mehr. Wenn sich aber die Geld- beziehungsweise die Schuldenmenge erhöht, muss umgekehrt die Kaufkraft abnehmen. Und das tut sie auch. Erst langsam, schließlich immer mehr – und am Ende gibt es den großen Knall, wenn auch der Letzte kapiert, dass einfach zu viel Geld im Umlauf ist.

DER STAATSBANKROTT

Neben der Geldentwertung durch Inflation lauert aber auch noch eine andere Gefahr in unserer Geldordnung: der Staatsbankrott. Man muss schon ein sehr unbekümmerter Zeitgenosse sein, um nicht mitzukriegen, dass die Staatsverschuldung in den vergangenen Jahren atemberaubend gestiegen ist – nicht nur in Amerika. Und auch hier stellt sich die Frage: Können diese Schulden eigentlich je zurückgezahlt werden? Die Antwort ist: Nein. Der „Point of no Return“ ist längst überschritten. Die Wahrheit ist: Kein Staat der Welt kann seine Schulden zurückzahlen. Wenn die Gläubiger darauf bestünden, ihr Geld zurückzubekommen, wären alle Staaten sofort bankrott. Das ist aber bei Insidern schon lange kein Geheimnis mehr. Nur die breite Masse darf es eben nicht wissen, weil sie sonst das Vertrauen ins Geld verlieren würde. Doch angesichts der gigantisch wachsenden Schuldenberge rund um den Globus und besonders in der westlichen Welt kommen auch bei Otto Normalbürger immer mehr Zweifel auf, ob es hier noch mit rechten Dingen zugeht.

Das Problem ist: Je höher die Schulden steigen, desto eher wird selbst dem Ahnungslosesten klar, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Dieser Vertrauensverlust ist ein schleichender Prozess, aber auch ein Prozess ohne Umkehr. Staatsschulden steigen zunehmend, und immer mehr Leute stellen sich die Frage: Wie soll das je beglichen werden? Um es vorwegzunehmen: Das ist gar nicht vorgesehen. Es mag zwar erstaunlich klingen, ist aber so. Eine Rückzahlung der Schulden würde Geld vernichten, denn das Geld der Welt kam ja erst durch Schulden in Umlauf. Würden diese Schulden nun zurückgezahlt, wäre das Geld wieder weg. Dieses „Gelddilemma“ ist ebenfalls nur wenigen Menschen bekannt.

Um es noch einmal im Klartext zu wiederholen: Geld entsteht erst, wenn die Bank es Ihnen leiht. Die Bank schafft es aus dem Nichts. Sie haben dann zwar Schulden, aber auch einen höheren Kontostand, sodass Sie sich etwas kaufen können, zum Beispiel ein Haus. Mit diesen Schulden kommt also neues Geld in die Welt, das nur existiert, weil die Bank es herbeigezaubert hat. Zahlen Sie die Schulden nun zurück, dann ist das Geld wieder weg – es sei denn, die Bank findet jemand anderen, dem sie es ausleihen kann. Das Gleiche gilt im großen Stil auch für Staaten. Wenn Sie verstehen, dass Geld nichts anderes ist als Schulden, dann begreifen Sie auch, warum ein Geldsystem auf lange Sicht kollabieren muss.

Die globale Schuldenhöhe muss also theoretisch zumindest gleich bleiben. Sinkt die Weltkreditmenge, dann wird irgendjemandem Geld weggenommen. Umgekehrt: Wenn der eine seine Schulden zurückzahlt, muss ein anderer Schulden machen, damit die Schuldenmenge gleich bleibt. Das fällt in den verschlungenen und verzweigten Pfaden des Geldsystems zunächst nicht weiter auf. Tatsache aber ist, dass die Welt immer mehr Schuldner braucht. Wenn zum Beispiel der Privatsektor wegfällt, weil die Banken keine Kredite mehr geben, dann müssen eben die Staaten einspringen, um die Schuldenmenge zu erhöhen. Genau das ist in den vergangenen Jahren geschehen: Die Schulden der Staaten wuchsen sprunghaft. Das Problem ist nur, dass es bekanntlich nicht ewig so weitergehen kann.

Wenn Staaten tatsächlich damit anfangen, Schulden zurückzuzahlen, dann haben wir ein ernsthaftes Problem im System. Damit die globale Schuldenhöhe gleich bleibt, muss dann jemand anderes Kredite aufnehmen. Zahlt der Staat zurück, muss also der Privatsektor neue Schulden machen. Das gelingt dadurch, dass man die Bonitätsanforderungen herunterschraubt und den Leuten billige Kredite anbietet. In diesem Zusammenhang machen Geldsystemkenner darauf aufmerksam, dass die Subprime-Krise (Hauskredite an Schuldner ohne Bonität) nur deshalb entstand, weil ab dem Jahr 2000 die USA unter Clinton begannen, ihre Schulden zurückzuzahlen. Da Schulden aber im Geldsystem ständig steigen müssen, haben die Banken unter Anleitung der US-Notenbank (Fed) versucht, die Schuldenmenge dadurch aufrechtzuerhalten, dass sie den Privatsektor mit billigen Hauskrediten bombardierten. Die Menschen nahmen die Kredite dankbar an, und so entstand ein kreditfinanzierter Immobilienboom in den USA, dessen Folgen wir ja bereits kennen. Das Ziel des Finanzsektors für dieses Tun bestand offenbar einzig darin, die Kreditmenge mithilfe des Privatsektors weiter zu steigern, weil der Staat zu Beginn des neuen Jahrtausends auf die Sparbremse getreten hatte. Anfangs schien die Rechnung aufzugehen, doch dann kam die Sintflut. Allerdings ist der Hauptschuldige dieser Aktion vor dem Zusammenbruch schnell zurückgetreten: US-Notenbankchef Alan Greenspan. Einige Geldsystemkenner sind jedoch der Meinung, dass Greenspan so handeln musste, weil das System sonst schon früher kollabiert wäre.

Jetzt werden Sie fragen: „Warum muss denn ich als Häuslebauer jetzt meine Schulden zurückzahlen?“ Antwort: Das ist deshalb so, weil Sie kein Staat und keine Bank sind.

Oder kennen Sie jemanden, dem Sie dauernd Geld leihen und der das, was er zurückzahlen soll, mit neuen Schulden begleicht? Nein? Gibt es auch nicht. Aber die Staaten handeln so. Sie dürfen das. Staaten zahlen Zinsen mit neuen Schulden. Diese Vorgehensweise ist bisher kaum in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt, doch das wird sich ändern. Jedem dürfte klar sein, dass ein solches System nicht nachhaltig ist. In Fachkreisen wird dieses Phänomen „Rückzahlungsillusion“ genannt. Platzt die Rückzahlungsillusion, ist der Staat bankrott (was er im Grunde jetzt schon ist – nur ist es noch niemandem aufgefallen).

Dass die Rückzahlungsillusion platzt, wird umso wahrscheinlicher, je höher die Staatsschulden steigen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Irgendwann ist beim Schuldenmachen immer Schluss, weil niemand mehr da ist, der Gläubiger sein will. Bei einigen Staaten kommt dieser Zeitpunkt früher (zum Beispiel Griechenland), bei anderen später. Die größten Industrienationen werden ihren Untergang deshalb durch Überschuldung erleben, wenn auch ein wenig zeitverzögert. Doch der Schuldenkollaps ist unvermeidlich. Zeit genug, um sich Gedanken über seine „Ersparnisse“ zu machen.

Der österreichische Ökonom Friedrich August von Hayek analysierte schon sehr früh die Überschuldung der Staaten und die daraus resultierenden Konsequenzen in seinem Werk Entnationalisierung des Geldes: Schriften zur Währungspolitik und Währungsordnung . Von ihm stammt dieses Zitat: „Die Geschichte staatlichen Umgangs mit Geld ist, mit Ausnahme einiger kurzer glücklicher Perioden, eine Geschichte von unablässigem Lug und Trug. In dieser Hinsicht haben sich Regierungen als weit unmoralischer erwiesen, als es je eine privatrechtliche Körperschaft hätte sein können, die im Wettbewerb mit anderen eigene Arten von Geld auf den Markt bringt.“ Von Hayek trat eindringlich für die Entstaatlichung des Geldes ein, weil Politiker ihre Macht missbrauchten und die Geldordnung deshalb dauernd gefährdet sei. Was der Nobelpreisträger damals forderte, war also die „Entschweizerung“ des Schweizer Frankens, die „Entdeutschung“ der Deutschen Mark und die „Entfranzosung“ des Französischen Francs. Von Hayek war der Ansicht, dass private Bankmanager, Konzernchefs, Aktionäre und Verwaltungsräte eine gerechtere und friedlichere Welt schaffen würden – große wirtschaftliche Einheiten sollten deshalb ihr privates Geld drucken können, so von Hayek. In seinem Buch Entnationalisierung des Geldes kommt der Ökonom zu dem Schluss, dass sämtliche Wirtschaftskrisen darauf zurückzuführen seien, dass Notenbanken Geld drucken. Er behauptet, dass eine richtige Weltwährung nur realisiert werden könne, wenn man das Recht zur Herausgabe von Geld privaten Banken überlassen würde. Private Banken würden dann aus Eigennutz dafür sorgen, dass das Geld gerecht unter der Bevölkerung verteilt werde und der Geldwert stabil bleibe. Dieses „private“ Geld würde in Konkurrenz zueinander stehen und so garantieren, dass kein Missbrauch damit getrieben wird. Dass dies der richtige Weg ist, wird natürlich von vielen Experten bezweifelt, doch die Idee des „konkurrierenden Privatgeldes“ wurde in den Siebzigern unter Ökonomen heftig diskutiert. 2010 beschäftigte sich auch der Goldexperte und Chefvolkswirt der Barclay Bank, Thorsten Polleit, in seinem Buch Geldreform. Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld mit den Konsequenzen der Überschuldungsorgie, wie sie derzeit in den „westlichen“ Nationen stattfindet.

Damit es nicht (mehr) zu einem Kollaps des Geld- und Finanzsystems kommt, plädiert Polleit für eine umfassende Geldreform. Ausgangspunkt ist, dass das staatlich beherrschte Kredit- und Geldsystem als „unheilbringend“ abgelehnt wird: „Das Staatsgeldsystem ist ein Fremd- und Störfaktor im Gefüge freier Märkte und verursacht zwangsläufig Finanz- und Wirtschaftskrisen.“ Die damit verbundenen Missstände (Rezession, Arbeitslosigkeit) würden aber regelmäßig dem freien Marktsystem angelastet, obwohl es doch das Staatsgeldsystem sei, das die Krisen bewirke. Die falsche Diagnose der Krisenursache befördere falsche Maßnahmen: Um den vom Staatsgeldsystem verursachten Übeln zu entkommen, weiteten die Zentralbanken laut Polleit die Geldmenge aus und sorgten für vorübergehende Scheinverbesserungen. Die aber führten zu umso schwereren Finanz- und Wirtschaftskrisen.

„Dem Versuch, das Staatsgeldsystem aufrechtzuerhalten, fallen immer mehr bürgerliche und unternehmerische Freiheiten zum Opfer. Die Gesellschaften verfangen sich im Gestrüpp des Interventionismus. Der Weg mündet in eine sozialistische Staats- und Befehlswirtschaft, die Unfreiheit, Gewalt und Elend bringt und durch die das Geld letztlich zerstört wird“, prognostiziert der Goldexperte – und genau das ist auch meine Meinung. Alle Staaten haben sich dem Staatsgeldsystem verschrieben, in dem Geld durch Bankkredite aus dem Nichts produziert wird. Ein solches System begünstigt auf Dauer Fehlinvestitionen und (Staats-) Überschuldung und schafft damit politische Anreize, das Geld durch Hyperinflation zu entwerten. Schon der wohl bedeutendsten Ökonom des 20. Jahrhunderts, Ludwig von Mises (1881 – 1973), hat deshalb einen Zusammenbruch als unabwendbar aufgezeigt. Die gegenwärtige, noch nicht ausgestandene Finanz- und Verschuldungskrise ist das sicht- und spürbare Symptom, der Vorbote des Kollapses.

ACHTUNG, ANLEIHEN!

Für viele Menschen gilt die Staatsanleihe immer noch als sichere Anlage. Wenn Staatsanleihen steigen und die Zinsen entsprechend fallen, dann liest man in den Medien oft, dass Anleger „in den sicheren Hafen geflohen“ seien. Das ist natürlich vollkommener Quatsch und bestenfalls auf die Unerfahrenheit einiger Journalisten zurückzuführen. Denn Staatsanleihen sind heutzutage alles andere als sicher. Sie sind sogar die beste Möglichkeit, ein Vermögen zu vernichten. Wie aber kommen die steigenden Kurse bei Staatsanleihen zustande? Sind es wirklich normale Käufer, die hier zugreifen und die Preise in die Höhe treiben? Natürlich nicht!

„Bei diesen Niveaus kann man langfristig nur verlieren“, sagte im Herbst 2010 Joachim Fels, Chefvolkswirt von Morgan Stanley, im Interview mit der Berliner Zeitung. Es sei zwar nicht auszuschließen, dass die Zehnjahresrendite der Bundesanleihen unter zwei Prozent abrutsche, weil „die Märkte ja gerne übertreiben“. Aber Fels warnte: „Wer jetzt noch kauft, setzt auf den falschen Teufel.“ Das niedrige Zinsniveau sei durch die massiven Käufe von Staatsanleihen durch die Notenbanken der USA und Großbritanniens „manipuliert“. Genau so ist es: Die hohen Kurse bei Staatsanleihen sind künstlich erzeugt durch den Kauf von Notenbanken. Baron von Münchhausen hätte seine helle Freude an den Lügenmärchen, die in diesem Zusammenhang in den Medien verbreitet werden.

Doch der Chefvolkswirt von Morgan Stanley nimmt die Zentralbanken sogar in Schutz: Aus seiner Sicht „tun die Notenbanken gut daran, die Deflation mit allen Mitteln zu verhindern“. Letztlich würden sie in dem Kampf erfolgreich sein, glaubt Fels. Der Preis für diesen Sieg über die Deflation sei eine höhere Inflation. Doch das sei das kleinere Übel, weil die Notenbanken im Gegensatz zur Deflation wüssten, wie sie den „Teufel Inflation“ bekämpfen können.

Als Chefvolkswirt scheint Joachim Fels außerordentlich wenig darüber zu wissen, was an den globalen Anleihenmärkten wirklich abläuft. Was versteht dieser Mann eigentlich unter dem Begriff „Märkte“? Was meint er, wenn er sagt, dass Märkte gern übertreiben? Die freie Marktwirtschaft ist doch schon seit Jahren abgeschafft! Dass US-Bonds steigen, wird einzig und allein durch geschickte Manipulation der Fed (US-Zentralbank) verursacht, wie er ja selbst zugibt – und nicht durch freie Märkte. Ähnlich funktioniert die Manipulation in Europa, wo die EZB sowieso jeden „Staatsschrott“ schon eins zu eins in Euro umtauscht.

Der Anstieg der Anleihen beziehungsweise US-Bonds hat keineswegs damit zu tun, dass irgendwelche „dummen“ Anleger diese Papiere kaufen. So viele Dumme kann es gar nicht geben, denn die von den Staaten emittierte Papierflut wird täglich größer. Wer kauft also? Es sind die Banken! Und denen ist es bekanntlich egal, ob sie später daran bankrottgehen, denn zahlen muss es am Schluss der Bürge (Bürger) selbst. Das ist das Perverse an dem Spiel, das derzeit niemand kapiert, offenbar noch nicht mal der Chefvolkswirt.

Der Anstieg der Bonds reflektiert somit nichts anderes als das finale Stadium des Geldsystems. Und das sieht so aus: Damit die Notenbanken den Anleihenschrott nicht selbst kaufen müssen (wäre ja viel zu auffällig), geben sie den Banken Anreize, damit diese es tun. Sie leihen den Banken unbegrenzt Geld zu einem Prozent. Dafür kaufen die Banken Staatsanleihen für drei Prozent. Bleibt in diesem vereinfachten Rechenbeispiel eine Differenz von zwei Prozent, welche sich die Banken selbst in die Tasche stecken. Bei den PIIGS-Staaten ist dieses kriminelle Gewinnerzielung sogar noch lukrativer: Für Griechenland-Anleihen gab es 2010 fast zwölf Prozent Zinsen. Irland bezahlte über acht Prozent für seine zehnjährigen Staatsbonds. Im Falle Griechenlands steckten sich die Banken also fast elf Prozent in die Tasche. Und wenn’s schiefgeht? Dann gehen sie halt pleite, und dann muss sie der Staat retten, was nichts anderes bedeutet, als dass am Ende der Steuerzahler dafür blutet. Als freie Marktwirtschaft oder Kapitalismus kann man diesen Vorgang nun wahrlich nicht mehr bezeichnen. Bankensozialismus oder Staatswirtschaft zum Zwecke der Bereicherung des Finanzsektors würden da schon eher passen. Denn das, was die Banken derzeit machen, mündet hundertprozentig in ein Desaster. Das hat schon das Beispiel Hypo Real Estate gezeigt. „Kurz“ finanziert „lang“ – das führte bereits bei den Kreditgiftmüllpaketen aus den USA zu einer Katastrophe. Als die Kurse fielen oder die Zinsen stiegen, war das Spiel aus. Das Gleiche droht nun auch bei den Staatsbonds.

Staatsanleihen – diese wertlosen Papiere kauft schon lange kein normaler Anleger mehr, das weiß sogar Lieschen Müller. Wer sie aber kauft, das sind die Banken und die Versicherungen, die Pensionsfonds und andere Altersvorsorgestellen. Wie es jedoch unter diesen Vorgaben tatsächlich um die Altersvorsorge bestellt ist, kann sich jeder leicht ausrechnen. Ich persönlich würde keinen Pfifferling dafür geben, dass unter solchen Umständen meine Rente noch sicher ist. Im Gegenteil: Sicher ist nur, dass sie praktisch wertlos ist.

Die Warnung des Chefvolkswirts ausgerechnet von Morgan Stanley zielt also völlig ins Leere. Vielleicht sollte er die Warnung mal im eigenen Bankhaus aussprechen und die Frage stellen, für wie viele Hundert Milliarden man diesen Papiermüll im eigenen Portfolio hat – und was denn eigentlich passieren würde, wenn die kurzen Zinsen wieder stiegen beziehungsweise die Anleihen fielen? Wen wundert es da, dass Notenbanken versichern, dass die kurzfristigen Zinsen auf absehbare Zeit erst mal unten bleiben? Die Chefs der Zentralbanken wissen ganz genau, dass ein Anstieg der kurzen Zinsen unmittelbar zum Systemkollaps führen würde, weil die Banken dann ihre Bonds verkaufen müssten. In diesem Fall müssten sie allerdings riesige Verluste in Kauf nehmen – falls es überhaupt noch möglich sein wird. Damit nähert sich das verlogene Pyramidenspiel unweigerlich dem Ende. Denn es wird niemand mehr da sein, der den Banken den staatlichen Kreditmüll abnimmt. So ist die Katastrophe – analog zur „Subprime-Krise“ – programmiert. Warum handeln die Notenbanken so? Um Zeit zu gewinnen. Würden sie anders handeln, käme der Kollaps früher. Staatsanleihen wären dann allein schon aufgrund des erheblichen Überangebots nur noch zu sehr viel höheren Zinsen verkäuflich. Höhere Zinsen aber würden die Staatshaushalte kollabieren lassen (siehe Griechenland).

Fazit: Die Anleihen-Manipulation durch die Zentralbanken ist der letzte dicke Sargnagel für das globale Geldsystem. Joachim Fels von Morgan Stanley hat Recht: Letztlich werden die Notenbanken Erfolg damit haben, Inflation herbeizuführen und die Menschen zu enteignen, indem sie die Kaufkraft ihres Ersparten und der Rente auf null setzen.

UNENDLICH VIELE SCHULDEN?

„Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum könne endlos weitergehen, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“ Diese Erkenntnis stammt von Kenneth E. Boulding, einem Wirtschaftstheoretiker aus den USA. Auch Boulding hat sich näher mit der Schuldenexplosion und deren Folgen beschäftigt. Dass exponentielles Wachstum zum Kollaps führt, ist für Naturwissenschaftler eine Selbstverständlichkeit. Nur die Ökonomen scheinen in diesem Punkt ziemlich uneinsichtig zu sein. Dabei steht am Ende eines Geldsystems immer die exponentielle Explosion. Das bedeutet nichts anderes, als dass sich die Geldmenge immer schneller, in immer kürzeren Zeitabständen verdoppelt – und zwar mit mathematischer Präzision. Bis zum Zusammenbruch.

Schulden erzeugen Zinsen. Zinsen erzeugen Zinseszinsen. Und so fort. Ein schuldbasiertes Geldsystem ist nichts anderes als eine Exponentialfunktion. Lange Zeit ist die Steigerung der Geldmenge kaum messbar. Irgendwann steigt sie ein wenig an, dann immer schneller, schließlich schießt sie senkrecht nach oben. So war es jedenfalls bisher bei allen Geldsystemen.

Diesen Effekt, dass die Zinseinnahmen anfangs nur langsam und dann immer schneller steigen, rechnet der Bankberater einem Sparwilligen gerne anschaulich vor. Auf schönen Schaubildern wird die Entwicklung der Altervorsorge dargestellt. Als Exponentialfunktion. Zunächst ist die Wertentwicklung eher gering. Erst nach 20 bis 30 Jahren kommt Schwung in den Ansparplan. Warum? Dank Zins und Zinseszins. Die Kehrseite dieser Medaille ist natürlich, dass auf der anderen Seite immer ein Schuldner stehen muss, der diese Zinsen zahlt. Und dem geht irgendwann die Luft aus. Bankrott.

Alles, was sich exponentiell entwickelt, endet zwangsläufig in der Katastrophe. In einer Welt mit begrenzten Ressourcen kann eine exponentielle Entwicklung niemals Bestand haben. Wie schnell der Kollaps am Ende eintritt, zeigt eindrucksvoll das „Teichbeispiel“. Dabei geht es um das Algenwachstum in einem Gewässer: Ein Teich braucht 25 Jahre, bis er zu einem Viertel veralgt ist. Und wie lange dauert es dann, bis der ganze Teich voller Algen ist? Was schätzen Sie? Es sind genau zwei Tage. Sicherlich ein schönes Beispiel für eine exponentielle Entwicklung: 25 Jahre bis zu einem Viertel und nur zwei Tage bis zur Totalveralgung. Leider trifft diese schreckliche Entwicklung auch auf unser zinsbasiertes Geldsystem zu.

Ein bekanntes Beispiel für das notwendige langfristige Versagen eines Zinssystems ist der sogenannte Josefspfennig: Wenn der heilige Josef im Jahr 0 für seinen Sohn Jesus ein Sparbuch mit nur einem Pfennig Einlage bei fünf Prozent Verzinsung bei einer Bank angelegt hätte, so hätte die Bank im Jahr 1466 einen Goldklumpen in Größe der Erdkugel als Zinsen auszahlen müssen. Ja, Sie haben richtig gelesen: Ein Pfennig, verzinst mit fünf Prozent über einen Zeitraum von 1.466 Jahren, würde am Ende eine Zinslast bedeuten, die einer Erdkugel aus Gold gleichkommt. Sie wäre sicherlich nicht zu begleichen. Wie aber ginge es in unserem theoretischen Beispiel weiter?

Exponentielles Wachstum bedeutet bekanntlich, dass sich ein Betrag X in immer kürzerer Zeit verdoppeln muss. In unserem Fall hat es 1.466 Jahre gedauert, bis der Zinsbetrag aus nur einem Pfennig eine ganze Erdkugel in Gold an Zinsen abgeworfen hat. Erdgeschichtlich nur kurze Zeit später, im Jahre 1990, wären es bereits 134 Milliarden (134.000.000.000) goldene Erdkugeln, die ein Pfennig aus dem Jahr 0 an Zinsen erzeugt hätte. Und noch weitere zehn Jahre später, im Jahr 2000, wären der Zinsertrag 200 Milliarden (200.000.000.000) goldene Erdkugeln.

Beachten Sie bitte das rasche Zinswachstum: Nach 1.466 Jahren schuldet die Bank dem einzelnen Anleger Josef an Zinsen eine goldene Weltkugel, aber bereits nach 500 weiteren Jahren – also nach einem Drittel der vorangegangenen Zeitspanne – wäre die Rückzahlungsverpflichtung der Bank dann 134 Milliarden Mal so hoch! Und nur zehn Jahre später hätte sie sich beinahe nochmals verdoppelt.

Das nennt man Exponentialfunktion: Erst steigt der Betrag ganz langsam, dann immer schneller und schließlich explodiert er regelrecht. Dieser grausame Mechanismus gilt für alle Schuldensysteme. Immer dann, wenn Zinsen im Spiel sind, wird es irgendwann dramatisch. Die westlichen Industrienationen (USA, EU, GB) stellten 2010 einen Neuverschuldungsrekord von rund fünf Billionen Dollar auf. Diese Summe war notwendig, um das Geldsystem nicht zusammenbrechen zu lassen. Denn im Verlauf der Krise drohte die Gesamtkreditmenge zu schrumpfen – und das ist tödlich fürs System.

Während 1995 rund eine Billion neue Kredite notwendig waren, um die Zinsen zu bedienen, waren es im Jahr 2000 schon zwei Billionen. Im Jahr 2005 waren drei Billionen vonnöten und im Jahr 2008 brauchte das System vier Billionen für neue Kredite. Auch wenn in den USA derzeit die Fed beim Ankauf der Staatsschulden aushilft und auch die EZB mittlerweile Ramschanleihen kauft, ist abzusehen, dass die Zeitabstände immer kürzer werden, innerhalb derer immer mehr Billionen erforderlich sind, um das System aufrechtzuerhalten. Dass dies im Grunde gar nicht möglich ist, liegt auf der Hand.

Das Dilemma: Schon ein geringfügiges Absinken der Kreditmenge führt in die Katastrophe, beispielsweise in Form von Bankenpleiten, wie in den vergangenen Jahren geschehen. Andererseits dürfte es in Zukunft praktisch unmöglich werden, die benötigten Kredite zur Verfügung zu stellen. 2010 haben die Staaten noch mal kräftig die Verschuldung erhöht – aber können sie sich in der gleichen Geschwindigkeit auch 2011 weiterverschulden? Das dürfte zumindest schwierig sein. Allein 2010 mussten die USA das Staatsdefizit um rund drei Billionen Dollar ausweiten. Da stellt sich die Frage, wer all die Bonds kauft? Die Ersparnisse der Amerikaner liegen derzeit bei rund 600 Milliarden pro Jahr. Nicht viel besser sieht es in der EU aus. Hier sind 2010 schätzungsweise 1,6 Billionen neue Schulden aufgenommen worden. Großbritannien braucht rund 230 Milliarden Pfund.

Auf all diese Billionen sind 2011 natürlich Zinsen fällig. Ebenso sind Zinsen auf die Altschulden zu entrichten. Damit wird sich die Situation dramatisch zuspitzen. Die offizielle US-Kreditsumme (Staat und Privatsektor) dürfte 2010 rund 60 Billionen Dollar betragen. Bei einer Durchschnittsverzinsung von fünf Prozent braucht das Geldsystem also in dieser theoretischen Rechnung allein für die USA im Jahr 2011 drei Billionen Dollar – nur für die Zinszahlung. Diese Rechnung zeigt, dass der Zug mit immer höherer Geschwindigkeit auf die Wand zu rast.

Alle „Sparbemühungen“ seitens der Politiker sind Lippenbekenntnisse, da das Geldsystem mit den fälligen Zinszahlungen eigene Zwangsmechanismen schafft, die sich immer mehr vom Machbaren entfernen. Kein Wirtschaftswachstum der Welt wird den Zinseszinseffekt einholen. Es dürfte nur noch ein Frage von kurzer Zeit sein, bis sich die Anleihenbesitzer ernsthafte Sorgen über die Werthaltigkeit ihrer Assetts machen, angesichts der Tatsache, dass Staatsanleihen in den nächsten Monaten und Jahren geradezu inflationär auf den Markt geworfen werden.

Sollte es hier zu einem „Käuferstreik “ kommen oder sich die großen Kapitalsammelstellen gar entscheiden, ihre Bonds zu verkaufen (zum Beispiel PIMCO, eine der weltweit größten Kapitalsammelstellen), dann bedeutet das den Infarkt des Geldsystems. Dieser kann jetzt schon täglich eintreten, wenn die großen Anleger nicht mehr kaufen. PIMCO (Pacific Investment Management Company, LLC, mit Sitz in Newport, USA), eine Tochter der Allianz, hat sich gegen Ende 2010 mehrfach äußerst kritisch zu den explodierenden Staatsschulden geäußert. Den Strategen ist offensichtlich aufgefallen, dass die Schulden in einem nie da gewesenen Ausmaß steigen, was den Vorstand zunächst einmal zu der Frage veranlasst hat, ob es denn hier noch mit rechten Dingen zugehe. Der Chef von PIMCO hat in diesem Zusammenhang öffentlich von einem betrügerischen Pyramidenspiel (Ponzi-Schema) gewarnt. Wörtlich sagte Bill Gross in einem Kommentar der Investmentgesellschaft, die Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) sei ein dreistes „Ponzi-System“. Anlass war der erneute Kauf von US-Staatsanleihen im Wert von bis zu 600 Milliarden Dollar durch die Fed („Quantitative easing 2“). Es komme ihm so vor, als gehe die US-Notenbank noch einen Schritt weiter als der Financier Charles Ponzi mit seinem betrügerischen Schneeballsystem im Jahr 1920, schrieb Gross. Schließlich mache die Zentralbank sogar selber bei der „Party“ mit.

Was Gross allerdings nicht erwähnte, ist die Tatsache, dass es unser Geldsystem ist, das solche Maßnahmen erzwingt. Wenn im Falle der USA niemand mehr Staatsanleihen kauft, weil er aufgrund der explodierenden Schulden nicht mehr an Rückzahlung glaubt, dann tut es eben die Notenbank. Täte sie es nicht, würde das System sofort kollabieren, weil die Zinsen dann in schwindelnde Höhen schnellten. Damit wären die USA pleite, weil sie dann die Schulden nicht mehr bedienen können. Und natürlich können bei einem Käuferstreik die Notenbanken einspringen – so, wie sie es ja auch jetzt schon tun. Doch wenn dereinst die Zentralbanken komplett alle Staatsschulden kaufen, dann kapiert auch der Letzte, dass das System am Ende ist. Dieser Zustand könnte schon bald eintreten, denn eines ist klar: Es werden nicht weniger, sondern mehr Billionen sein, die das System zum Überleben braucht.