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Pia Conti

Giulias Geheimnis

Erotischer Roman

© 2015 Plaisir d’Amour Verlag, Lautertal

Plaisir d’Amour Verlag

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D-64684 Lautertal

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© Umschlaggestaltung: Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.weebly.com)

© Coverfoto: Fotolia - Wisky

ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-153-4

ISBN eBook: 978-3-86495-154-1

 

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses eBook darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Autorin

Kapitel 1

 

Giulia klopfte an Alessandros Schlafzimmertür. Sie wartete nicht wie sonst ab, bis er sie hereinbat, sondern stieß – wenn auch sehr leise – die Tür auf. Der Anblick, der sich ihr gleich darauf bot, ließ ihr den Mund trocken werden. Alex stand mit dem Rücken zu ihr vor seinem Bett und trug nichts weiter am  Leib als ein weißes Handtuch. Er hatte es sich um die schmalen Hüften geschlungen, und der Frotteestoff saß so tief, dass schon die geringste Erschütterung ausgereicht hätte, um es ins Rutschen zu bringen. Dieser Gedanke beherrschte sie, während sie gierig lechzend ihren eigenen Ehemann anstarrte, als wollte sie ihn verschlingen. Ihr Schoß zog sich in lüsterner Vorfreude zusammen und ihr dummes Herz schlug so schnell, dass sie befürchtete, er könnte das Hämmern selbst über die Entfernung hinweg hören.

Eine vertraute Reaktion, von seiner bloßen Anwesenheit ausgelöst, doch leider war sie nicht die einzige Frau in Rom, die auf seine männliche Schönheit ansprang. Eines Tages würde sie vor Eifersucht eine furchtbare Dummheit begehen, denn obwohl er sie nicht liebte – es nie getan hatte – verspürte sie dennoch den typischen Besitzanspruch einer Ehefrau. Leider gab er ihr allen Grund, ihm zu misstrauen, auch wenn sie ihm seine Untreue nicht nachweisen konnte. Sie konnte sich aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein so schöner Mann wie er sich mit den wenigen sexuellen Begegnungen, die sie hatten, zufriedengab. Bestimmt stillte er seinen Hunger bei anderen Frauen, und Gelegenheit hätte er weiß Gott genug dazu.

Alex’ optische Vorzüge stellten die anderer Männer bei Weitem in den Schatten. Ein Adonis mit einem perfekt proportionierten Körper und dem Gesicht eines Engels. Den Mittelpunkt bildeten seine vor Intelligenz sprühenden hellgrünen Augen, die sich perfekt in seine harmonischen Gesichtszüge einfügten. Sein dunkelbraunes, ungefähr schulterlanges Haar vervollständigte sein gutes Aussehen, das andere Männer neben ihm erblassen ließ. Jetzt bewegte er sich ein wenig und sie erhaschte einen kurzen Blick auf sein Profil. Auf seinen gebräunten Wangen spross noch der morgendliche Bartschatten. Also hatte er noch nicht geduscht, denn die Rasur erledigte er immer erst danach.

Komisch, dass sie über solche intimen Details Bescheid wusste, und andere Dinge blieben im Verborgenen. Alex war auch nach fast drei Jahren Ehe ein Fremder für sie. Jemand, der sie nicht in sein Inneres und schon gar nicht in sein Herz blicken ließ. Da er ihre Anwesenheit noch nicht bemerkt hatte, verhielt sie sich still. Er packte gerade seine Tasche für eine mehrtägige Geschäftsreise und so lag auf seinem Bett noch eine Menge Kleidung. Hemden, Krawatten und Socken. Immer wenn er danach griff, bewegten sich die Muskeln verführerisch unter seiner goldbraunen Haut.

Er beugte sich ein wenig weiter nach vorn und die Kontur seines herrlichen Hinterns zeichnete sich formgetreu unter dem Handtuch ab. Giulia musste sich am Türrahmen festhalten. Die Augen hielt sie wie paralysiert auf die harten Wölbungen gerichtet, und ihre Finger zuckten. Sie wollte diese stahlharten Muskeln umfassen, spüren, wie sie sich unter ihrer Berührung zusammenzogen und dann wieder entspannten.

Ihre Sehnsucht frustrierte sie. Wie viele Nächte hatte sie nun schon ohne ihn verbracht? Waren es drei Wochen oder lag ihr letzter Sex schon länger zurück? Giulia konnte es nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Die Tage glitten diffus ineinander, sodass Zeit an Bedeutung verlor. Auch die Erinnerungen an ihr Liebesspiel verblassten zusehends, so selten ging er mit ihr ins Bett.

Alex richtete sich wieder auf. Nun würde es sicher nicht mehr lange dauern, bis er sie entdeckte, und so nutzte sie die letzten verbleibenden Sekunden, ehe sie wieder die Augen senken musste. Wie eine brave und sittsame italienische Ehefrau das eben zu tun hatte, wenn sie einem nur unzureichend bekleideten Mann gegenüberstand. Dabei war sie nichts von alledem. Er nahm keine Notiz von ihrer Sinnlichkeit oder von ihrer Bereitschaft, sich ihm auf jede nur erdenkliche Weise hinzugeben, und es schmerzte mit jedem Tag aufs Neue, dass er blind für ihre Liebe blieb. Und vor allem für ihr wahres Ich.

Wahrscheinlich fickte er sie nur noch, um seinen Eltern irgendwann den ersehnten Enkel präsentieren zu können. Giulia vergötterte Kinder, doch der Gedanke, ihre Tochter oder ihr Sohn könnte in einem Elternhaus aufwachsen, in dem es ähnlich lieblos zuging wie einst in ihrem, jagte ihr eine Heidenangst ein. Glücklicherweise blieb ihr eine Schwangerschaft bisher erspart, denn sie hätte niemals ohne sein Wissen verhütet.

Alex liebte sie nun mal nicht, das war eine nicht zu leugnende Tatsache. Er hatte sie aus ihr unbekannten Gründen geheiratet, und naiv, wie sie mit Anfang zwanzig durchs Leben gegangen war, hatte sie an die große Liebe geglaubt. Alessandros und ihre Eltern waren bis zum Tode ihres Vaters sehr eng befreundet gewesen, erst danach brach der Kontakt ein, weil sich ihre Mutter in ihr selbst gewähltes Schneckenhaus zurückzog und kaum noch am gesellschaftlichen Leben teilnahm. Doch davor war Giulia mehr oder weniger mit Alessandro und seinem älteren Bruder Nicola aufgewachsen. Sie verehrte sie beide, doch es war schon immer Alex gewesen, bei dem ihr Herz schneller schlug, und als sein brüderliches Verhalten von einem Tag auf den anderen in männliches Interesse umschlug, kannte ihr Glück keine Grenzen.

Er schien sie wirklich zu begehren, doch diese Lust erwies sich als Strohfeuer, das schon kurz nach der Heirat abflaute. Voller Bitterkeit wurde ihr klar, dass er sie nur geheiratet hatte, um seinen Eltern ihren innigsten Wunsch zu erfüllen. Laura und Guiliano Bertani hatten nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr sie sich darüber freuen würden, wenn einer ihrer Söhne Giulia zur Frau nehmen würde. Doch Alex plötzlich erwachte Leidenschaft für sie überdauerte noch nicht mal die ersten drei Monate ihrer Ehe, und schon nach einem halben Jahr zog er ins Gästezimmer, mit der fadenscheinigen Begründung, er wolle ihr seinen unruhigen Schlaf nicht zumuten.

Nun lebten sie nebeneinander her. Gleichgültig, ohne echte Wärme, und das, was sie wirklich wollte, sich seiner Kontrolle zu unterwerfen und ihm zu dienen, als willige Sklavin seiner Lust, das blieb ihr verwehrt.

Ein Rascheln schreckte sie auf. Alex griff nach seinem Hemd, das akkurat zusammengefaltet neben dem Koffer lag. Bei dieser Bewegung erhaschte sie einen seitlichen Blick auf seine herrlichen Bauchmuskeln. Sie bewegten sich unter seiner straffen Haut, führten förmlich ein Eigenleben und betonten die raubtierhafte Schönheit seines Körpers. Breite Schultern, schmale Hüften und kräftige Beine. Geistig ergänzte sie das Bild und dachte an seinen Schwanz. Lang und massiv, eingerahmt von üppigen Hoden, die ihre Zunge lustvoll kribbeln ließen, weil sie gern von der zarten Haut gekostet hätte.

Giulia wollte sein Handtuch abstreifen, um ihn in den Mund zu nehmen, bis seine Männlichkeit zwischen ihren Lippen anschwoll und sich ihr lang und hart entgegenstreckte, damit sie an ihm lutschen konnte. Ihr ganzer Körper versteifte sich bei der Vorstellung. Sie wollte gefickt werden, hart und hemmungslos. Vor lauter Anspannung presste sie die Schenkel zusammen und ihr entfuhr ein erstickter Laut, den er natürlich hörte. Blitzartig fuhr er herum, seine türkisgrünen Augen funkelten aggressiv, als er sie im Türrahmen stehen sah.

„Kannst du nicht anklopfen?“, fauchte er.

Ein bitterböser Unterton schwang in seiner Stimme mit und sie zuckte zusammen. Sonst verhielt er sich ihr gegenüber immer höflich und zuvorkommend. Doch schon in den letzten Tagen war ihr aufgefallen, dass sein Geduldsfaden zunehmend dünner wurde. Er wirkte irgendwie unruhig, nicht so gelassen und kühl wie sonst, sondern eher wie ein eingesperrtes Tier, das sich nach der Freiheit sehnte. Was war nur mit ihm los?

„Ich habe angeklopft, ich dachte, du hättest es gehört“, erklärte sie ganz ruhig, obwohl ihr das Herz bis zum Hals schlug.

„Wie du siehst, ist das nicht der Fall. Was willst du?“

Seine abweisende Antwort stimmte sie unendlich traurig, und er mied ihren Anblick. Dabei hatte sie sich heute besondere Mühe mit ihrem Aussehen gegeben und sich sogar ein wenig geschminkt. Der schwarze Lidstrich betonte ihre graublauen Augen, ein aparter Kontrast zu ihren dunkelbraunen Locken, die ihre samtene Haut gut zur Geltung brachten. Auch ihre üppigen Brüste und die schmale Taille waren nicht zu verachten. Wenn sie auf den Straßen Roms unterwegs war, erntete sie viele bewundernde Blicke von Männern und neidische von Frauen.

„Giulia, wieso bist du hier? Ich dachte, wir hätten gestern Abend alles geklärt.“

Du hast alles geklärt, dachte sie nur und fühlte sich unzulänglich und überflüssig. Alex konnte nicht verbergen, dass ihm ihre Anwesenheit in seinem Schlafzimmer unangenehm war.

Giulias Herz zog sich zusammen, es schmerzte. Was hatte sie nur verbrochen, dass er sie mit solcher Gleichgültigkeit behandelte?

Möglicherweise verachtete er ihre Nachgiebigkeit, sobald es um ihn ging. Eine devote Natur war nicht jedermanns Geschmack, und vielleicht reizten ihn eher selbstbewusste Frauen, nur konnte sie sich nicht dazu zwingen, sich so zu geben, denn es entsprach nicht ihrer Art. Wirklich wohl fühlte sie sich nur, wenn sie angeleitet und geführt wurde. Teilweise im Alltag, aber vor allem, wenn es um intimere Belange ging. Bevor Alessandro merken konnte, wie verloren und allein sie sich fühlte, blendete sie alles aus und schenkte ihm ein entschuldigendes Lächeln. „Wir haben nicht alles geklärt. Ich weiß immer noch nicht, wie lange du weg sein wirst.“

Alessandro seufzte und wandte sich ihr ganz zu. Jetzt erst bemerkte er ihren Aufzug und seine Augen weiteten sich kaum merklich. Giulia spürte, wie ihre Wangen heiß wurden, als sein Blick an ihr entlang nach oben glitt und dabei eine Spur länger als sonst auf ihren Brüsten verweilte, ehe er ihr wieder ins Gesicht sah. War das Anerkennung, die da in seiner Miene aufblitzte?

Da die Wettervorhersage einen ausgesprochen warmen Frühlingstag angekündigt hatte, trug sie heute ein aufregendes rotes Sommerkleid im Carmen-Stil. Normalerweise gab sie sich eher zurückhaltend, so ein aufreizendes Kleidungsstück wie dieses entsprach nicht ihrem üblichen Modegeschmack, doch wie es aussah, machte sich ihr Mut bezahlt. Alessandros Reaktion zeigte eindeutig männliches Interesse, und als sich ihre Augen über die Distanz hinweg trafen, entfaltete sich unter ihrer Haut ein wahrer Flächenbrand. Die Atmosphäre im Raum heizte sich auf, als wäre sie voller sexueller Hormone.

Wieder richtete er den Blick auf ihre Brüste, und sein Mund öffnete sich ein wenig. Keiner sagte mehr ein Wort. Giulia atmete schwer. Diese Stille und dieser lüsterne Blick, mit dem er sie geradezu aufspießte, weckten Erinnerungen an eine schon Monate zurückliegende Nacht, die der Alkohol völlig aus seinem Gedächtnis gelöscht hatte.

Nach einer Party hatte er sie im betrunkenen Zustand in ihr Schlafzimmer gedrängt, direkt aufs Bett zu, wo er sie ohne große Worte unter seinem Körper begrub. Das Gesicht zwischen ihrem Brüsten vergraben, hatte er ihr das Kleid mit einem Ruck von den Brüsten gezogen und ihr zugeraunt, sie seien perfekt zum Liebemachen geeignet. In ihrer Verwirrung über seine ungewohnte Leidenschaft verstand sie damals nicht sofort, worum es ihm ging, doch gleich darauf wurde ihr eindrucksvoll demonstriert, was er damit hatte ausdrücken wollen. Während sie atemlos unter ihm gelegen hatte, schwang er sich rittlings über ihren Brustkorb und befreite seinen erregten Schwanz. Wortlos schob er in jener Nacht den dicken Schaft zwischen ihre weichen Brüste, die sein pralles Geschlecht wie zwei feste Kissen einrahmten, und befriedigte sich an ihnen, bis er mit einem heiseren Stöhnen seinen Samen auf ihrem Dekolleté verspritzt hatte.

Obwohl er viel zu betrunken gewesen war, um sich am nächsten Tag daran zu erinnern, und sich etwas Derartiges auch nicht mehr wiederholte, empfand sie diesen Überfall als die erregendste sexuelle Erfahrung ihres gesamten Lebens. Alessandros Wildheit und Rücksichtslosigkeit hatten sie förmlich überwältigt und sie fühlte tief in ihrem Inneren, dass auch in ihm ein völlig anderer Mensch steckte. Hinter der Fassade des distanzierten Ehemannes verbarg sich ein leidenschaftlicher Fremder, der berauscht vom Wein alle Schranken fallen ließ und sie mit seiner animalischen Gewissenlosigkeit in den Wahnsinn getrieben hatte. So, wie sie es sich insgeheim schon immer gewünscht hatte!

Und nun, nachdem sie sich fast schon damit abgefunden hatte, dass sie von ihm niemals das bekommen konnte, wonach sie sich sehnte, entdeckte sie die gleiche ausdrucksstarke Gier in seinen Augen, die ihn damals angetrieben hatte, und sie zitterte wie Espenlaub vor lauter Angst, es wäre nur Einbildung. Alex löste sich als Erster aus dem Bann, unter dem sie beide standen, und beantwortete ihre Frage. „Ich kann dir noch nicht sagen, wie lange ich dieses Mal wegbleiben werde.“

Sie unterdrückte einen frustrierten Laut, weil er sich nie festlegte. Er kam und ging ganz nach Belieben, und sie wusste niemals, wie lange seine Geschäftsreisen andauerten.

„Vielleicht kannst du mir eine kurze Nachricht schicken, sobald du weißt, wann du wiederkommst. Schließlich muss auch ich planen.“

Sein amüsiertes Grinsen erwischte sie unvorbereitet, und sie fühlte sich gekränkt, weil ihn ihre Bitte offensichtlich belustigte. „Was könntest du schon für Pläne haben?“ Seine Mundwinkel kräuselten sich noch ein wenig mehr. Sein nachsichtiger Spott kränkte sie.

„Meine Arbeit bei Pater Anselmo erfordert auch Planungen, Alessandro. Sie ist vielleicht nicht so wichtig wie deine, aber das bedeutet nicht, dass ich keine Verpflichtungen habe.“

Sofort verzogen sich seine schönen Gesichtszüge vor Zerknirschung, weil ihm wohl bewusst wurde, wie herablassend und gemein seine Frage sich in ihren Ohren anhören musste.

„Verzeih mir, du hast natürlich recht. Ich verstehe aber nicht, warum meine Rückkehr deinen Zeitplan beeinflussen sollte. Arbeite doch, wie du willst.“

„Ich wäre einfach gerne zu Hause, wenn du zurückkommst, das ist alles.“

An der Art, wie sich seine Schulterpartie versteifte, erkannte Giulia, wie unwohl er sich bei ihrer Aussage fühlte. Offensichtlich wäre es ihm lieber, sie bei seiner Rückkehr nicht in der gemeinsamen Wohnung zu wissen. Dieses Mal setzte sie alles auf eine Karte und fragte ganz direkt: „Möchtest du nicht, dass ich hier bin, wenn du heimkommst?“

Für jemanden, der sonst keiner Konfrontation aus dem Weg ging, wich er einmal zu oft ihrem Blick aus. In seiner Stimme schwang ein spröder Unterton mit. „Vor Freitag werde ich sicher nicht zurückkommen, und auch dann wird es vermutlich sehr spät werden. Es ist völlig unnötig, auf mich zu warten.“

„Du wirst dann aber sicher hungrig sein“, beharrte sie stur und genoss es beinahe, wie er sich wand, um nicht auszusprechen, was sie eigentlich beide wussten: Er legte einfach keinen Wert auf ihre Gesellschaft.

„Wie gesagt, es wird sehr spät werden“, wiederholte er kühl. „Ich werde unterwegs etwas essen, du brauchst nicht für mich zu kochen. Es wäre verschwendete Zeit.“

Da hatte sie es. Für Alex war und blieb sie ein Klotz am Bein, den er nur zu gern wieder losgeworden wäre.

„War das alles? Oder willst du noch mehr wissen?“

Seine desinteressierte Stimme schnitt ihr tief ins Herz und sie fühlte, wie sie langsam, aber sicher an ihrem ständigen Schweigen erstickte. Ihre ganze Enttäuschung brach aus ihr heraus. „Wieso behandelst du mich so? Du hast mich gebeten, dich zu heiraten, nicht umgekehrt, und doch verhältst du dich, als wäre ich nichts weiter als eine Last für dich. Ich verstehe das nicht. Was stimmt denn nicht mit mir?“

Mit einem solchen Ausbruch hatte er nicht gerechnet. Sichtlich betroffen schluckte er und rang nach Worten, als er zögernd den Blick hob.

„Mit dir ist alles in Ordnung, Giulia“, flüsterte er leise, dann schüttelte er bedauernd den Kopf. „Es liegt an mir, an dir gibt es rein gar nichts auszusetzen. Ich fürchte nur, ich habe mich, was uns angeht, in etwas verrannt.“

Wovon sprach er nur? Noch nie hatte er etwas Derartiges gesagt, es klang fast so, als ob …

„Willst du die Scheidung?“, flüsterte sie entsetzt. Das würde sie innerlich zerstören. Nicht mehr bei ihm sein zu dürfen, erschien ihr unerträglich. Früher oder später würde sie an ihrer Sehnsucht nach ihm zugrunde gehen. Da bliebe sie lieber als ungeliebte Frau an seiner Seite, einen anderen Mann würde sie ohnehin niemals lieben können.

„Wieso antwortest du mir nicht auf meine Frage? Willst du die Scheidung, Alex?“, wiederholte sie, weil sie diese Ungewissheit einfach nicht mehr aushielt. Offenbar bereute er seine merkwürdige Äußerung von eben bereits, denn er reagierte ungehalten.

„Rede keinen Unsinn, Giulia. Natürlich nicht. Ich ersticke zur Zeit nur in Arbeit und bin nicht mehr ich selbst. Vergiss dieses Gespräch einfach.“

Er belog sie, doch sie hätte sich lieber die Hand abgehackt, als ihn noch weiter um die Wahrheit anzubetteln. Enttäuscht über diese wiederholte Zurückweisung starrte sie auf ihre Fußspitzen. Es wäre besser gewesen, jetzt zu gehen, doch etwas hielt sie davon ab, sich einfach umzudrehen und ihn allein zu lassen. Wie angewurzelt blieb sie, wo sie war, und fragte sich, woher sie den Mut dazu nahm, sich wahrscheinlich einer weiteren Kränkung auszusetzen.

„Wenn du mir nichts mehr zu sagen hast, dann werde ich jetzt duschen gehen.“

Wenigstens wirft er mich nicht aus dem Zimmer, dachte sie mit einem Anflug von Galgenhumor und sah, wie er im Bad verschwand. Ohne die Tür hinter sich zu schließen. Er ging wohl davon aus, dass sie ohne eine weitere Aufforderung gehen würde, und achtete gar nicht mehr darauf, was sich hinter ihm abspielte. Mit einer Hand löste er den Knoten des Handtuchs. Es fiel zu Boden und sie konnte seinen makellosen Körper endlich in seiner ganzen Schönheit bewundern – wenn auch nur von hinten.

Ihr wurde die Kehle eng. Selbst ein begnadeter Künstler wie einst Michelangelo hätte die Konturen eines Männerkörpers nicht vollendeter gestalten können. Nur dass Alessandro nicht aus Marmor bestand, sondern aus Fleisch und Blut. Mit angehaltenem Atem beobachtete sie, wie er die begehbare Dusche betrat und mit ausgestrecktem Arm das Wasser anstellte. Ein breit gefächerter Strahl prasselte auf ihn herunter und nun bekam sie ein Schauspiel zu sehen, das sie noch bis in ihre feuchten Träume verfolgen würde.

Mit beiden Händen fuhr er sich durchs Haar und strich sich die tropfnassen Strähnen aus seinem Gesicht. Sie keuchte leise beim Anblick seiner glänzenden Haut. Wie gern hätte sie ihn berührt, die Hände auf die zuckenden Muskeln gelegt, die sprunghaft unter seiner Haut arbeiteten, während er sich das Haar shampoonierte.

Sie musste gehen. Auf der Stelle! Doch sie konnte nicht und schnappte hörbar nach Luft, als er sich in den Schritt griff und seinen Schwanz einseifte. Er wusch ihn gründlich. Halb steif glitt er durch seine Finger und sie wurde so feucht im Schritt, dass sie wohl ein neues Höschen brauchen würde. Alex schien zu spüren, dass er beobachtet wurde, und sah auf, direkt in ihre Richtung. Seine Lider schlossen sich halb unter seinem brütenden Blick, die Erotik dieses Augenblicks konnte man nicht leugnen, und als wären seine hellgrünen Augen Magnete von unwiderstehlicher Anziehungskraft, bewegte sie sich auf ihn zu. Sie konnte gar nicht anders und Alex protestierte nicht, sondern lächelte ihr provozierend lässig entgegen, während er noch immer seinen Schwanz in der Hand hielt.

Giulias Körpertemperatur stieg an, und spätestens als er anfing, sich zu streicheln, anstatt sich weiter zu waschen, verlor sie jede Scheu und jedes Schamgefühl. Er onanierte direkt vor ihren Augen, in dem Bewusstsein, dass sie ihm dabei zusah! Ihre Pussy zog sich spasmisch zusammen beim Anblick seiner großen Hand, die in gemächlichem Tempo über seinen harten Ständer glitt. Kleine Schaumbläschen zerplatzten auf seiner Haut, ein Großteil davon floss als helles Rinnsal seine Erektion entlang und tropfte auf den Fliesenboden. Es reizte sie ungemein, dieser flockigen Spur mit der Zunge zu folgen, bis hinunter zu seiner glänzenden Spitze. Ob er ahnte, was für Gedanken ihr durch den Kopf gingen?

Seine Männlichkeit schien jedenfalls unter ihren Blicken weiter anzuwachsen, und als sie seine heisere Stimme hörte, fielen alle Schranken. „Komm zu mir Giulia, komm …“

Wohlig erschauernd folgte sie seiner verlockenden Bitte, blieb aber unschlüssig am Randbereich der Dusche stehen. Wasserspritzer prallten von seiner Haut ab und besprenkelten ihr Kleid, einzelne Tropfen landeten auf ihren Armen und auf ihrem Dekolleté. Als sie immer noch keine Anstalten machte, sich zu ihm unter den Wasserstrahl zu stellen, wurde sie ohne Vorwarnung am Handgelenk gepackt. Alex zog sie zu sich und sie wurde innerhalb von Sekundenbruchteilen völlig durchnässt. Der Stoff ihres hübschen Sommerkleides saugte sich mit warmem Wasser voll und klebte unangenehm auf ihrer Haut. Blinzelnd sah sie zu ihm auf, dabei leckte sie sich die Feuchtigkeit von den Lippen.

„Ich weiß, was du willst und was du brauchst.“ Seine grünen Augen blickten träge auf sie herunter, sie trübten sich zunehmend, als würde die Lust sie mit einem feinen Schleier überziehen. Giulias Herz klopfte wie verrückt. Er verhielt sich völlig anders als sonst, und wieder kam ihr jene Nacht vor vielen Monaten in den Sinn, wo er sich ähnlich dominant gegeben hatte. Welche Geheimnisse verbarg er vor ihr? Da stand nicht der Alex, den sie kannte, sondern ein Fremder, der sie bis ins Mark erregte.

„Geh auf die Knie, Giulia, zeig mir, wie geschickt du meinen Schwanz lutschen kannst.“

Noch nie, wirklich noch nie, hatte er so mit ihr geredet, geschweige denn das Wort Schwanz jemals in ihrer Gegenwart in den Mund genommen. Und nun sprach er es aus, in Kombination mit einem Befehl, der ihr die Schamesröte ins Gesicht trieb und sie gleichzeitig in höchste weibliche Verzückung versetzte. Doch noch zögerte sie.

„Alex, bitte, ich weiß nicht, ob ich das kann …“

„Du kannst und du wirst“, entgegnete er so unbarmherzig, dass ihr die Knie weich wurden. Dieser feine Hauch Grausamkeit in seiner Stimme setzte sich erregend in ihrem Kopf fest und brachte sie dazu, ihre anerzogene Prüderie abzulegen. Ergeben sank sie vor ihm auf die Knie, öffnete den Mund und suchte nach der feucht schimmernden Spitze seines Glieds. Dabei umfasste sie seinen pochenden und glühend heißen Schwanz, den sie dann langsam zwischen ihren Lippen einsaugte. Giulia stöhnte selig auf, als ihre Zungenspitze auf die unglaublich zarte Haut seiner Eichel traf. Was auch immer ihn heute dazu trieb, seine sexuelle Zurückhaltung ihr gegenüber aufzugeben, ließ sie hoffen, dass dieser Zustand noch lange anhalten würde, wenn sie es ihm nur gut genug besorgte. Kreisend umschmeichelte sie die feuchte Korona und wurde dabei immer mutiger.

„Ah ja … so ist es gut. Du machst das wunderbar.“ Alex fasste ihr ins feuchte Haar, zog sie näher zu sich und glitt dadurch noch ein Stückchen tiefer in sie hinein. Sein massives Glied beanspruchte eine Menge Platz und sie bekam kaum ausreichend Luft, also atmete sie so gut es ging durch die Nase. Ein Abbruch zugunsten einer ausgeglichenen Sauerstoffversorgung wäre ihr niemals in den Sinn gekommen, zu sehr genoss sie es, ihn auf diese Weise kennenzulernen. In der Anfangszeit ihrer Ehe war er zwar leidenschaftlich gewesen, aber ihre sexuelle Unerfahrenheit hatte ihn immer sehr rücksichtsvoll agieren lassen. Den Schwanz hatte sie ihm nie gelutscht, ihn höchstens ein wenig mit den Lippen gestreift. Zu mehr hatte sie nie den Mut gefunden, und Alex hatte es nie von ihr verlangt. Bis heute.

Sein dumpfes Stöhnen wurde eindringlicher, seine Stöße unkoordinierter, und sie ließ sich dazu hinreißen, ihr Saugen für einen Moment einzustellen und zu ihm aufzusehen. Oh lieber Gott, sie fiel fast in Ohnmacht unter seinem heißblütigen Blick. Gab es eine bessere Motivation für eine unsichere Frau als die Gewissheit, den geliebten Mann zur Ekstase zu treiben?

„Ich hab dir nicht erlaubt aufzuhören“, zischte er zwischen den Zähnen und packte eine Handvoll ihres nassen Haares, das an ihrem Hinterkopf klebte. „Mach weiter, du hörst erst auf, wenn ich es dir sage.“

Sein eisiger Blick schürte die unglaublichste Hitze im Mittelpunkt ihres Körpers. Das war es, was sie wollte. Sich ihm unterordnen, seinen Wünschen gehorchen, und so widmete sie sich wieder der Aufgabe, ihn weiter zu befriedigen. Er knurrte vor Lust, und dieser animalische Laut jagte einen Strom flüssiger Hitze direkt in ihre Pussy.

„Verflucht …Giulia.“ Seine Hüften schoben sich ruckartig vorwärts, sodass sie nun doch würgen musste. Er zog sich umgehend wieder zurück und achtete dann darauf, ihr nicht mehr die Luftzufuhr abzuschnüren. Nun konnte sie es richtig genießen, von ihm zu seiner Befriedigung benutzt zu werden. Voller Freude stürzte sie sich in das Gefühl, ihm endlich dienen zu dürfen.

Aus dem dringenden Bedürfnis heraus, ihn zu berühren, strich sie mit den Händen an seinen muskulösen Schenkeln entlang und tastete sich dann zu den Innenseiten vor. Alex brummte zufrieden und spreizte die Beine, damit sie an die üppigen Hodensäcke herankonnte, die seinen Schaft flankierten. Sein Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei, als sie ihn dort massierte und ihr Mund dabei unermüdlich an der samtigen Spitze saugte.

„Das machst du sehr gut.“ Während seines Lobes verzerrte sich sein Gesicht lustvoll, er genoss das hier tatsächlich, und sie stand kurz davor, vor Stolz zu platzen. Immer härter lutschte sie an seiner Eichel und leckte auch die empfindsame Haut an seinen Hoden. Die zogen sich krampfartig zusammen. Nicht mehr lange und die explosive Lust, die zwischen ihnen hin und her tanzte, würde sich in einem gewaltigen Orgasmus entladen. Doch gerade, als sie glaubte, er würde in ihrem Mund abspritzen, zog er sich aus ihr zurück.

Entsetzt über das abrupte Ende, stieß sie ein protestierendes Keuchen aus und streckte die Hände nach seinem hart aufgerichteten Glied aus, das nur wenige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt vor ihr auf und ab wippte. „Alex, bitte …“

„Steh auf.“ Dieser knappe Befehl verwirrte sie, doch sie gehorchte. Es blieb ihr auch nichts anderes übrig, denn seine Finger schlossen sich wie stählerne Klammern um ihre Schultern. Alex zog sie hoch, und bevor sie überhaupt kapieren konnte, was hier vor sich ging, stürzte er sich gierig auf ihren Mund. Seine Lippen pressten sich leidenschaftlich auf ihre, und während sie unter seinem feurigen Kuss vor Wonne zerfloss, drängte er sie rückwärts aus der Dusche. Zu ihrem Leidwesen zog er sich zurück und drehte sie um, sodass sie mit dem Rücken zu ihm stand. Seine Hand an ihrer Schulter drückte er sie abwärts. „Runter mit dir!“

Auf dem flauschigen Badezimmerteppich zwang er sie auf alle viere und platzierte sich dicht hinter ihr.

„Alessandro, was hast du vor?“

Statt ihr zu antworten, schob er mit einer ungeduldigen Bewegung ihr Kleid nach oben, sodass der tropfnasse Stoff über ihrem Steißbein liegen blieb.

„Halt still“, knurrte er kehlig und zerrte ihr den Slip die Schenkel herunter, seine große Hand tastete grob über ihr pralles Gesäß und zwängte sich anschließend zwischen ihre Beine. Zwei Finger glitten über ihre glitschigen Schamlippen, streichelten sie und ertasteten relativ schnell ihren Eingang. Mit grimmiger Entschlossenheit drang er in sie ein. Sie wand sich unter seiner zustoßenden Hand, kam dem Gipfel dabei immer näher, während er sie mit zwei Fingern fickte. Mit durchgebogenem Rücken hielt sie still und genoss schweigend seine erotische Attacke, bis sein nächster Befehl sie mit erschütternder Klarheit erreichte. Er klang so abgeklärt und ruhig, als hätte er erneut seine Persönlichkeit gewechselt.

„Spreiz die Beine, Giulia. Tu, was ich dir sage.“

Dunkel und machtvoll hüllte er sie mit seiner Stimme ein und ihre Schenkel glitten wie von selbst auseinander. Sie lud ihn ein, sich ihres Körpers zu bedienen, und schrie ekstatisch auf, als er sich mit einem brutalen Stoß in ihr versenkte. „So will ich dich haben, Giulia, genau so …“, keuchte er und fickte sie dabei so nachdrücklich, dass sie auf der weichen Unterlage Stück für Stück nach vorn geschoben wurde. Ihre Knie scheuerten auf dem Material des Teppichs, aber es war ihr gleich, sie spürte sowieso nichts außer seinem Schwanz, der sich gnadenlos tief in sie hineinbohrte.

„Deine Möse gehört mir, Giulia, nur mir …“, flüsterte er heiser und nahm sie noch härter. Wuchtige Stöße, unglaublich tief, während seine Finger ihre zarten Schultern umklammerten. Ihr Schoß glühte, brannte lichterloh.

„So eng …“, keuchte er und beschleunigte den barbarischen Rhythmus seiner Stöße.

Seine plötzliche Hemmungslosigkeit erregte sie wahnsinnig, und als er ein letztes Mal in sie eindrang, umklammerte sie seinen zuckenden Schwanz, als wäre es der letzte Halt, der sie vor dem Untergang bewahren konnte. Schreiend vor Ekstase warf sie den Kopf in den Nacken, während sein Erguss ihr Inneres flutete und ihren eigenen Orgasmus auslöste. Keuchend stützte sie sich auf die Unterarme und schaffte es kaum noch, sich aufrecht zu halten, so sehr zitterten ihr die Glieder vor lauter Wonne.

Dieser Zustand absoluten Glücks hielt jedoch nicht lange an. Nach der Hitze kommt immer die Kälte, dachte sie, nachdem er sich abrupt aus ihrem Körper zurückgezogen hatte. Einige Strähnen ihres nassen Haares klebten ihr auf den Wangen und am Hals und kitzelten ihre Haut, als sie sich langsam aufsetzte und sich halb zu ihm umdrehte. Nun wich auch der letzte Rest an Wärme aus ihrem Körper. Sein Blick oder vielmehr die tiefe Reue, die seine Züge preisgaben, zerstörte jedes Hochgefühl. Er wurde wieder zu ihrem Ehemann: kalt, unnahbar und desinteressiert.

„Verzeih mir, Giulia.“

Sie sollte ihm verzeihen? Wovon zum Teufel sprach er? Er war doch dabei gewesen, hatte selbst gesehen, gespürt und gehört, wie sehr sie den Sex genossen hatte, und nun bat er sie um Verzeihung? Sie verstand die Welt nicht mehr, rappelte sich auf und sah mit versteinerter Miene dabei zu, wie er sich rasch ein trockenes Handtuch um die Lenden schlang.

„Was genau tut dir leid?“

Giulia war sich nicht sicher, was sie nach diesen leidenschaftlichen Minuten mehr schmerzte, seine erneute Zurückweisung oder der Ausdruck tiefster Selbstverachtung, der sich auf seinem Gesicht abzeichnete. Dieser Anblick erschütterte sie bis in die Tiefen ihrer Seele, weil sie den Eindruck gewann, dass er sich für seine Zügellosigkeit schämte.

„Ich hätte dich nicht so nehmen dürfen“, erklärte er und verzog das Gesicht zu einer bedauernden Grimasse. „Du bist meine Ehefrau und ich habe dich wie eine Nutte auf allen vieren gevögelt. Du verdienst mehr Respekt und ich schwöre dir, so etwas wird nie wieder vorkommen. Ich weiß nicht, was mich da eben geritten hat, aber du wirst etwas Derartiges nie wieder ertragen müssen.“

Jetzt, Giulia! Sag ihm, dass du es geliebt hast und noch viel mehr davon willst. Sag ihm auch, dass er dir eben den heißesten und süßesten Orgasmus deines Lebens verschafft hat.

Sie sehnte sich nach seiner dunklen Seite, nach seiner Härte und nach seiner Strenge. Vorhin hatte er sie all das spüren lassen und jetzt zog er alles in den Schmutz und tat so, als hätte er sie zu irgendwas gezwungen. Sie schluckte ihre Enttäuschung herunter. „Du hast mich nicht beleidigt, ich fand es …“

„Nein!“ Gebieterisch unterbrach er ihren zarten Protest und schüttelte mit angewiderter Miene den Kopf. „Dass du mich verteidigst, macht es nur noch schlimmer. Ich weiß, was ich getan habe, schließlich war ich dabei, und dass ich dich so brutal überfallen habe, werde ich mir nie verzeihen.“

Offenbar hatten sie sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, was man seiner Ehefrau zumuten konnte und was nicht. Wie sie diese starren Regeln verabscheute. Sie lebten doch nicht mehr in einem früheren Jahrhundert, die Welt und auch die Beziehungen der Menschen untereinander hatten sich komplett gewandelt, nur Alex hielt noch an den konventionellen Ansichten fest. Eine Ehefrau stand auf einer Stufe mit einer Heiligen, die nicht mit fleischlichen Begierden belästigt werden sollte.

„Nichts, was eben passiert ist, geschah gegen meinen Willen, und das weißt du auch“, erwiderte sie fest. „Es gibt keinen Grund für eine Entschuldigung, wenn überhaupt, dann nur für deine Meinung, ich könnte nicht Nein sagen, wenn mir etwas zuwider ist. Glaub mir, ich bin durchaus dazu in der Lage, und hätte ich mich bedrängt gefühlt, hättest du das schon rechtzeitig mitbekommen.“

So … nun konnte er nicht weiter das Monster spielen und sich damit die perfekte Ausrede liefern, um sich von ihr fernzuhalten. Doch sie hatte seine Halsstarrigkeit unterschätzt.

„Du bist zu gut für diese Welt und vor allem für mich“, stellte er seufzend fest und rieb sich mit einer müden Geste übers Gesicht. Endlich sah er sie wieder direkt an. „Du bist meine Frau, ich habe dir geschworen, dich zu ehren und dich zu respektieren. Ich hätte dich nicht für mein Vergnügen benutzen dürfen.“

Wieder die alte Leier. Würde das denn niemals ein Ende nehmen? Bevor sie ihn deswegen zur Rede stellen konnte, wandte er sich von ihr ab und lief zurück zur Dusche, um das Wasser abzudrehen. Danach stand er reglos wie eine Statue da, seine angespannte Schulterpartie und die geballten Fäuste verrieten, wie aufgewühlt er war. Giulia vermutete, dass er am liebsten die teuren Badfliesen zertrümmert hätte.

„Du solltest jetzt gehen.“

Sie resignierte endgültig. Jedes weitere Wort wäre an dieser Stelle zu viel gewesen, er würde ihr ja doch nicht zuhören, und im schlimmsten Fall hielt er sie danach für eine perverse Schlampe, weil ihr der heftige Sex so sehr gefallen hatte. Mit seinem Verhalten verwandelte er diesen Rausch, in den er sie getrieben hatte, in etwas unsagbar Schmutziges. Vielleicht musste sie sich endlich mit dem Gedanken anfreunden, dass Alex gar keinen Wert auf eine vor Leidenschaft bebende Ehefrau legte, und sich die heißen Spielchen lieber für die Gespielinnen aufhob, die er mit Sicherheit irgendwo hatte.

Sie sparte sich jedes weitere Wort und flüchtete geradezu aus dem Bad und aus seinem Schlafzimmer. Schluchzend hastete sie durch den langen Flur ihrer großzügigen Altbauwohnung mit den hohen Decken und schloss sich dann in ihrem Zimmer ein.

Rasselnd sog sie die Luft in ihre Lungen, als sie sich gegen die Tür lehnte, und sosehr sie sich auch abmühte, die Tränen zu unterdrücken, sie quollen trotzdem heraus. Trotzig rieb sie sich wie ein kleines Kind die Augen mit den Fäusten trocken, und ihr erbittertes Flüstern verschaffte ihr beinahe so etwas wie Erleichterung. „Verdammt sollst du sein, Alessandro Bertani“, flüsterte sie heiser. „Ich wünschte, ich hätte dich niemals kennengelernt.“

Erschöpft glitt sie am harten Holz der Tür entlang zu Boden, die Augen starr auf einen unbestimmten Punkt im Raum gerichtet, und fragte sich, wie es nun weitergehen sollte …

 

Kapitel 2

 

Alessandro parkte seine Limousine im hinteren Teil der Villa Desideria. Er zog den Wagenschlüssel ab und starrte eine Weile durch die Windschutzscheibe auf das Gebäude aus dem frühen 17. Jahrhundert. Der Anblick versetzte sogar einen rational denkenden Mann wie ihn in ein längst vergangenes Italien zurück. Es lag eine Aura tiefer Ruhe über diesem prunkvollen Gemäuer, und jedes Mal, wenn er hierher kam, dämpfte der Anblick dieses Hauses die rasende Ungeduld, die durch seine Adern rauschte. Er lehnte den Kopf gegen die Nackenstütze und schloss für einen Moment die Augen. Schon in wenigen Stunden würde er wieder frei durchatmen können, ohne diesen inneren Druck, der ihn zu zerreißen drohte, wenn er – wieder mal – eine längst überfällige Session zu lange hinauszögert hatte.

Eigentlich hielt er es selbst für unverantwortlich, sich so lange zurückzuhalten, doch er ertrug es kaum noch, Giulia zu betrügen, nur um danach wieder nach Hause zu kommen, als wäre nichts gewesen, und in ihre hoffnungsvollen Augen zu schauen. Sie war so lieb, glaubte trotz ihrer Erfahrungen immer noch an das Gute im Menschen und daran, dass sie eines Tages doch noch eine glückliche Ehe führen konnten. Und er war zu feige, um ihr diese Illusion zu nehmen.

Also hielt er an dieser Ehe fest und verschwieg ihr die Wahrheit, weil er überzeugt davon war, dass die Realität für sie noch schmerzhafter und demütigender wäre als die gegenwärtige Situation.

Eine Zeit lang hatte er es ihr zuliebe sogar geschafft, seine wahre Natur zu unterdrücken, doch schon bald erlag er wieder seinen inneren Dämonen, die ihn in die Villa lockten, und der Kreislauf aus Lügen und Selbstverleugnung begann wieder von Neuem. Nur funktionierte diese Taktik nicht mehr so zuverlässig wie früher. Giulias verlockende Unschuld und ihre unerschütterliche Verehrung heizten ihm derart ein, dass er immer unberechenbarer wurde. So wie heute Morgen, als er sie in seinem Bad gevögelt und sie praktisch zu seiner Sklavin gemacht hatte, indem er ihr seinen Willen aufzwang. Giulia sanfter Charakter hinderte sie daran, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen, selbst unmittelbar danach hatte sie ihn noch in Schutz genommen und so getan, als wäre nichts Außergewöhnliches vorgefallen. Es lag in seiner Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sie durch seine speziellen Vorlieben nicht zu Schaden kam, und da er anscheinend nicht mehr in der Lage war, in ihrer Gegenwart klar zu denken, nahm er sich fest vor, die Villa Desideria zukünftig öfter aufzusuchen, damit sich eine Szene wie heute unter gar keinen Umständen wiederholte.

Die Villa lag relativ abgelegen außerhalb von Rom, inmitten eines wunderschön angelegten Gartens. Dieser erinnerte an die weltberühmten Anlagen von Versailles oder Schönbrunn. Herrin Silvana, die Besitzerin des elitären Clubs, war nicht unbedingt für ihre Naturverbundenheit bekannt, aber sie legte großen Wert auf ein passendes Ambiente. Dafür investierte sie Unmengen und verwandelte diesen Ort in einen sinnlichen Garten Eden. In regelmäßigen Abständen veranstaltete Silvana erotische Treibjagden auf dem Gelände, an denen auch er immer wieder teilnahm. Sein Schwanz wurde hart, wenn er an die süßen Sklavinnen dachte, die sich zuerst kichernd und schlussendlich kreischend seinem Zugriff entzogen, um dann für dieses Vergehen eine lustvolle Bestrafung zu erhalten. Er fickte sie gern, wenn ihnen noch der Geruch erwartungsvoller Angst anhaftete. Das Gefühl der Macht, wenn er eine Sklavin zähmte, war mit nichts zu vergleichen. Leider hielt diese Befriedigung nur für eine kurze Zeit an, und es dauerte meistens nicht lange, bis er sich wieder wie ein mieser Betrüger fühlte, weil er das wundervollste Wesen hinterging, das die Welt jemals hervorgebracht hatte: Giulia.

Er verweigerte sich jeden weiteren Gedanken an sie und stieg aus dem Wagen. Anschließend öffnete er den Kofferraum und holte seine Reisetasche heraus. Seine Augen kletterten über die breite geschwungene Steintreppe aufwärts zur großzügig ausgebauten Loggia. Bei den regelmäßig stattfindenden Partys wurde der überdachte Bereich mit einer fahrbaren Bar und gemütlichen Sitzgruppen ausgestattet. Alex bewegte sich zügig auf die Villa zu, trat unter die Loggia und sah, wie sich die Vorhänge der offenen Terrassentüren leicht im Wind blähten. Mit dem nächsten Windhauch trat die Herrin des Hauses heraus und Alex verzog den Mund zu einem Lächeln.

Silvana Bernini. Mit ihren fünfunddreißig Jahren war sie genau fünf Jahre älter als er. Mit Anfang zwanzig war er unsterblich in diese komplizierte und beherrschende Frau verliebt gewesen, doch aufgrund ihrer gleichgearteten Neigungen wäre es ihnen niemals möglich gewesen, eine erfüllende Beziehung zu führen. Als Freunde funktionierten sie jedoch perfekt. Außerdem sorgte ihr Club dafür, dass er in angenehmer und geschützter Umgebung seinen Gelüsten nachgehen konnte, weitab von Roms neugierigen Spürnasen. „Silvana, du siehst wie immer atemberaubend aus.“

Das tat sie wirklich. Das Haar trug sie streng aus dem Gesicht genommen, was ihre edlen Züge mit der schmalen, etwas zu spitzen Nase betonte. Ihr schlanker Körper mit den herrlichen Brüsten steckte von Kopf bis Fuß in schwarzem Leder. Sie hätte gut und gerne als Catwoman durchgehen können. Der Reißverschluss des Anzugs stand halb offen und zeigte ihre makellose, helle Haut. Und bei jedem Schritt, den sie machte, blitzte die eingearbeitete Öffnung im Anzug zwischen ihren Schenkeln auf und gestattete kurze Einblicke auf ihren rasierten Venushügel.

Sie merkte natürlich, dass er ihr auf die hübsche Möse starrte, und grinste verstohlen. „Alessandro, wie schön, dich zu sehen.“

Einladend breitete sie die Arme aus und hielt ihm auffordernd die Wange hin. Alex drückte sie kurz an sich und streifte mit den Lippen über die zart duftende, feine Haut, ehe er sich wieder zurückzog. Den nackten Mann, der an einem Halsband geführt neben ihr her kroch, ignorierte er geflissentlich, auch wenn er genau wusste, welcher Kopf sich unter der ledernen Maske verbarg. Alex erkannte das Muttermal am Hals des Sklaven und unterdrückte ein belustigtes Lächeln. Mario Puccini. Seit einigen Monaten durfte er sich als Silvanas Favorit unter ihren Lustsklaven bezeichnen, im realen Leben arbeitete er als Lehrer an einem Gymnasium. Was seine Schützlinge wohl denken würden, wenn sie wüssten, dass er in seiner Freizeit Silvanas Stiefel leckte, damit ihm einer abging?

Er fühlte Silvanas Blick auf sich. Eindringlich, neugierig, sehr direkt, und doch lag auch ein sorgenvoller Schimmer in ihren hellblauen Iriden. Er ahnte, was sie so beunruhigte, und konnte es sogar nachvollziehen. Ein Sadist, der sich wochenlang nicht auslebte, wurde zu einer tickenden Zeitbombe, und der heutige Morgen war nichts anderes als ein Warnschuss gewesen, der ihn daran erinnern sollte, seine Bedürfnisse nicht zu lange zu unterdrücken. Auch darüber wusste Silvana Bescheid, ein Grund, warum sie seine Ehe mit Giulia so sehr missbilligte und ihn immer wieder dazu anhielt, einen Schlussstrich zu ziehen. Nicht aus Eifersucht, aber sie machte seine Frau für seine innere Zerrissenheit verantwortlich und redete jedes Mal mit Engelszungen auf ihn ein, diese unglückselige Verbindung doch endlich zu beenden, bevor er sich selbst und auch Giulia ins Unglück stürzte. Doch er konnte sie nicht gehen lassen. Im Grunde seines Herzens war er ein Egoist und nicht bereit, Giulia aus seinem Leben zu lassen, obwohl es für sie sicher das Beste gewesen wäre.

„Du warst schon viel zu lange nicht mehr hier“, tadelte Silvana und trat einen Schritt zurück.

Wären sie allein gewesen, hätte er ihr über die Wange gestrichen, um ihr für ihre Sorge zu danken, doch in Anwesenheit eines Sklaven leistete er sich keine Vertraulichkeiten.

„Ich hatte viel zu tun. Du weißt doch: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Das leichte Anheben ihrer Braue verriet ihre Skepsis, doch sie kommentierte seine Aussage nicht weiter, sondern wies lächelnd ins Hausinnere. „Dann lass uns hineingehen und ein wenig plaudern. Das Dienstmädchen macht gerade dein Zimmer fertig. Bis du es beziehen kannst, werden wir uns die Wartezeit mit Tee und Gebäck vertreiben.“

Er lächelte leicht und ließ ihr den Vortritt. „Nach dir, meine dunkle Königin“, antwortete er galant. Wäre es nicht völlig gegen seine Natur gewesen, hätte er sich eventuell sogar zu einer Verbeugung herabgelassen, doch der Dominus in ihm war einfach zu stark. Alessandro Bertani verbeugte sich nicht, das widersprach all seinen Grundsätzen.

Gemeinsam traten sie von der überdachten Loggia in das Zimmer. Silvana ging voraus und er betrachtete versonnen ihre beeindruckende Erscheinung. Sie besaß im Gegensatz zu Giulias lieblichen Zügen eine eher herbe Schönheit, die einen Mann aber dennoch fesseln konnte. Diese Mischung aus Strenge und Unnachgiebigkeit wirkte auf devot veranlagte Menschen nahezu unwiderstehlich. Optisch verkörperte sie voll und ganz die strenge Herrin. Pechschwarzes Haar und eisblaue Augen, die aus ihrem blass geschminkten Gesicht herausstachen. Die schwungvoll gezeichneten Augenbrauen bildeten dazu den passenden Rahmen und verliehen ihr eine hoheitsvolle Ausstrahlung. Mozarts Königin der Nacht in der Gestalt einer erhabenen Domina.

Sie war Herrin aus Leidenschaft und Überzeugung, selbst er erstarrte in manchen Momenten vor Ehrfurcht, wenn sie ihn mit ihren hellen Augen fixierte, als wollte sie ihm die Seele aus dem Leib saugen. Von ihren Sklaven wurde sie hinter vorgehaltener Hand auch die Unerbittliche genannt. Keiner ahnte, dass diese Frau durchaus ein Herz besaß, dass sie ebenfalls Wünsche und Träume hegte und Tränen vergoss, wie jeder andere Mensch auch. Silvana ließ nur wenige hinter ihre Fassade blicken. Sie blieb lieber geheimnisvoll, schwer durchschaubar.

„Nimm doch Platz, Alex.“

Sie deutete auf das barocke Sofa. Er setzte sich auf das hochwertige und gut ausgepolsterte Fauteuil und lehnte den Kopf gegen den vergoldeten Rahmen aus massivem Buchenholz. Auf dem Tisch vor ihnen stand filigranes Teegeschirr aus Silber. Der Duft von frisch aufgebrühtem schwarzen Tee und Mandelgebäck stieg ihm in die Nase. Silvana lebte wahrhaftig wie eine Königin und umgab sich mit jedem Luxus, den man sich für Geld kaufen konnte. Sich schöne Dinge zu leisten, war ihre Art, sich über den Kummer einer verlorenen Liebe hinwegzutrösten, auch wenn er nicht glaubte, dass silbernes Geschirr und schöne Kleider ihren Verlust kompensieren konnten.

Schweigsam beobachtete er, wie sie den Tee einschenkte, um sich dann mit der Tasse in der Hand gegen die hohe geschwungene Stütze des Sofas zu lehnen. Ihr Sklave kauerte auf allen vieren zu ihren Füßen. Wie ein Hündchen, das darauf wartete, hinter den Ohren gekrault zu werden. Silvana trank einen Schluck von der dampfenden Flüssigkeit, ehe sie mit der Spitze ihrer Gerte nachlässig Puccinis Schulter antippte. „Auf die Knie mit dir!“, befahl sie scharf.

Selbst Alex, an ihren gebieterischen Tonfall gewöhnt, zuckte kurz zusammen. Der Sklave richtete sich umgehend auf, die dunklen Augen anbetend auf das Gesicht seiner Herrin gerichtet. Silvana lächelte, doch es war nicht das freundschaftliche Grinsen, das sie Alex immer zuteilwerden ließ, wenn sie unter sich waren. Etwas Lauerndes und Sadistisches blitzte in ihrem Gesicht auf, und Alex spürte sofort, wie auch er von diesem Fieber gepackt wurde, das nur durch eine ausgiebige Session gelindert werden konnte.

„Komm näher und dann mach brav Männchen für deine Herrin“, lockte Silvana den Untergebenen. Sie schnurrte beinahe, es klang lasziv, und der Schwanz des nackten Sklaven richtete sich langsam auf, während er bereitwillig heranrutschte. „Näher …“, hauchte sie und wieder robbte der Sklave ein kleines Stück auf sie zu.

Alex beobachtete die Szene mit gleichgültiger Miene, doch sein Desinteresse war nur gespielt. Seine Sinne erwachten zum Leben und seine Fantasie sprudelte geradezu über, die Gesichter von Silvana und ihrem Sklaven verschwammen vor seinen Augen, und er sah stattdessen sich selbst mit seiner Frau. Er stellte sich vor, wie Giulia demütig vor ihm kniete, wie sie anbetend zu ihm aufsah. Sie zu unterwerfen, käme dem Gipfel der Glückseligkeit gleich, und doch würde es immer nur ein wunderschöner erotischer Traum bleiben. Giulia liebte Sex, doch solche Spiele durfte er ihr nicht zumuten.

Silvanas Blick traf seinen, sie schüttelte kaum merklich den Kopf, als wollte sie ihm sagen: Vergeude deine Zeit nicht mit Träumen, alter Freund. Danach wandte sie sich wieder ihrem Sklaven zu und fuhr mit der Gerte zwischen seinen leicht gespreizten Schenkeln entlang. Sie berührte die Unterseite seiner Hoden und versetzte ihm gleich darauf einen kurzen, aber nichtsdestotrotz schmerzhaften Schlag.

„Bist du taub? Bist du der Meinung, du bist so nah, wie ich dich haben will?“

Eine müßige Frage, da sie ja keine genauen Angaben gemacht hatte, dennoch schüttelte Puccini artig den Kopf und kroch so dicht wie möglich an sie heran.
„Bitte, geht doch“, meinte sie selbstgefällig und zog an einer der Brustklemmen des Sklaven. Ein dumpfes Stöhnen erklang unter der Maske, sie zog erneut, und wie ein Echo entfuhr ihm ein weiterer Laut, diesmal eindeutig lüstern. Der Schwanz des Sklaven zuckte, aus der Spitze quoll ein glasklarer Tropfen und landete auf dem Teppich.

„Wie kommst du dazu, meinen wertvollen Teppich zu versauen?“