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Thomas Herzberg

Tödliche Gier: Wegners schwerste Fälle (8. Teil)

Hamburg Krimi





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Titel

Tödliche Gier

Wegners schwerste Fälle (8. Teil)

von Thomas Herzberg

 

Text Copyright © 2015

Alle Rechte vorbehalten

Fassung: 1.2

 

Die Geschichte ist frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und/oder realen Handlungen sind rein zufällig. Sämtliche Äußerungen, insbesondere in Teilen der wörtlichen Rede, dienen lediglich der glaubhaften und realistischen Darstellung des Geschehens. Ich verurteile jegliche Art von politischem oder sonstigem Extremismus, der Gewalt verherrlicht, zu selbiger auffordert oder auch nur dazu ermuntert!

 

Ein großes Dankeschön geht an diesen Mann:

Lektorat, Korrektorat: worttaten.de – Michael Lohmann

 

Inhalt:

In den Hamburger Braun-Kliniken sterben Patienten unter mysteriösen Umständen. Was auf den ersten Blick wie eine verhängnisvolle Panne aussieht, entpuppt sich schnell als tödliche Sabotage. Während die Chefetage der Kliniken die Fälle zu vertuschen versucht, liegt es in erster Linie an den Kommissaren Detlef Busch und Frank Schilling, die Verantwortlichen dingfest zu machen. Wegner hat derweil mit einer Fülle anderer Probleme zu kämpfen. Die Jagd auf Stefan Hausers Mörder lässt ihm keine Ruhe. Aber auch privat ziehen Gewitterwolken auf …

(Jeder Wegner-Fall ist eine in sich abgeschlossene Geschichte. Aber natürlich kann es nicht schaden, wenn man auch die vorangegangenen Fälle kennt ...;)

Lektorat/Korrektorat: Michael Lohmann - worttaten.de

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Unter meinem Pseudonym "Thore Holmberg":

Ansonsten:

 

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Prolog

 

»Das können Sie nicht machen, Cheffe!« Detlef Busch stand mit hängenden Schultern neben Wegner und schüttelte unaufhörlich den Kopf. »Das können Sie nicht …«, flüsterte er ein weiteres Mal, bis seine Stimme völlig erstarb.

»Warum kann ich nicht?«, polterte Wegner zurück. Er keuchte, Schweiß tropfte von seiner Stirn. Kein Wunder! Seine Hände umklammerten zwei Waden, an denen rund achtzig Kilo baumelten.

Detlef Busch lehnte sich ein Stück aus dem Fenster. »Das sind acht Stockwerke. Die Sache endet auf jeden Fall übel.«

»Was heißt übel?«

»Tödlich.«

»Dann passt es!« Wegner ließ die Beine ein paar weitere Zentimeter durch seine Hände gleiten und hatte Mühe, sie wieder zu packen.

»Sag du doch auch mal was!« Detlef Busch hat sich umgedreht und funkelte Frank Schilling an, der direkt an der Tür stand, um die zu blockieren. »Hilf mir, verdammt!«

Schilling zuckte nur mit den Schultern. Sein Gesicht wollte nicht verraten, was er von diesem Wahnsinn hielt.

»Sie sollten mir schnell einen guten Grund nennen, Busch.« Wegners Arme zitterten. Sein Keuchen musste in diesem Moment einem Hustenanfall Platz machen. »Ich kann gleich nicht mehr«, stieß er heraus, nachdem sein Atem wieder etwas regelmäßiger ging.

»Wir sind Polizisten, keine Richter und erst recht keine … Henker.« Detlef Busch legte seinem Chef vorsichtig eine Hand auf die Schulter. »Ich helfe Ihnen beim Hochziehen und danach klicken die Handschellen. Den Rest überlassen wir der Justiz.«

»Der Kerl hat unzählige Menschen auf dem Gewissen«, protestierte Wegner mit erstickter Stimme. »Einige der Überlebenden haben kaum mehr Chancen. Vermutlich wären sie lieber tot …«

»Aber das hier macht auch niemanden wieder lebendig«, gab Busch energisch zurück.

»Sie sollten mir schnell einen besseren Grund liefern, ich spür meine Arme kaum mehr.«

»Vielleicht darf ich Sie an Vera und an Ihre Tochter erinnern.« Detlef Busch wagte einen letzten Vorstoß. »Wie soll ich Stöpsel erklären, dass ihr Vater im Knast sitzt und …«

»Das reicht mir nicht!«, stieß Wegner keuchend hervor. »Ich lass los …«

 

 

1

 

Etwa zwei Wochen zuvor

 

»Heute Mittag hast du alles hinter dir und lachst darüber.« Manuela Timmermann hatte wahrscheinlich sogar noch mehr Angst als ihr Mann. Aber es war schließlich ihre Aufgabe, ihm Mut zuzusprechen und seine Sorgen nicht noch zu schüren. »Der Professor hat mir erklärt, dass sie hier solche Eingriffe zehn Mal an einem Vormittag machen. Routine, verstehst du, Dirk?«

»Du hast leicht Reden, Ela«, protestierte ihr Mann mit dünner Stimme. »Du musst dich ja auch nicht unters Messer legen.«

»Wenn du’s hinter dir hast, Schatz, dann können wir auch mal wieder an der Alster spazieren gehen, ohne dass du dich alle fünf Minuten irgendwohin setzen musst. Denk daran, wie’s danach ist!«

Dirk Timmermann nickte müde. Er zwang sich sogar zu einem Lächeln. »Vielleicht war das mit der Vollnarkose doch ein Fehler …«

»Ich hab’s dir gesagt!«, unterbrach seine Frau ihn. »Ne örtliche Betäubung und du hättest am Nachmittag schon wieder in der Cafeteria sitzen und Kuchen futtern können.«

»Jetzt ist es, wie es ist. Außerdem bekomme ich so wenigstens nichts von dem ganzen Zauber mit.«

Die Tür schwang auf. Eine Krankenschwester betrat das halbdunkle Zimmer. »Guten Morgen, ich bin Schwester Elke.« Sie schaute auf Dirk Timmermann, der aussah, als hätte er sich in diesem Moment am liebsten aus dem Staub gemacht. »Keine Angst, junger Mann, in zwei Stunden haben Sie’s doch schon hinter sich.«

 

***

 

»Wo ist Schilling? Repariert der wieder irgendwo einen Wasserhahn?«

»Cheffe!« Detlef Busch eilte Wegner mit einem Becher Kaffee und einem Muffin entgegen. »Frank reißt seine Stunden ab und über seine Freizeit ist er uns wohl kaum Rechenschaft schuldig.«

»Reißt seine Stunden ab, reißt seine Stunden ab. Haben Sie ’nen Vogel, Busch? Wir sind hier die Mordkommission und nicht an der Theaterkasse, in der man seine Stunden abreißt und nebenbei als Hausmeister ackert.«

Detlef Busch stöhnte genervt und setzte sich auf Wegners Schreibtisch. »Wenn erst mal seine Scheidung durch ist und das Haus endlich verkauft ist, dann will er seinen Nebenjob auch wieder aufgeben.«

»Die Immobilienpreise schießen durch die Decke und Kollege Schilling schafft es nicht mal, seine Bude an den Mann zu bringen. Da haben Sie uns ’ne schöne Lusche eingebrockt.«

»Ich?«

»Klar! Wer sonst?«

Busch stemmte sich hoch und schlurfte zum Faxgerät, in dessen Auswurf-Schacht gerade die dritte Seite landete.

»Was ist das?«, erkundigte sich Wegner eher beiläufig.

Busch faltete die Seiten und ließ sie in seinem Sakko verschwinden. »Nichts!«

»Wollen Sie mich verarschen? Her damit … los!«

»Geht nicht.«

Wegner hielt seinem jungen Kollegen unverändert die offene Hand entgegen. »Her damit!«

»Wenn Sie mich zwingen, Cheffe, dann hat sich die Sache erledigt«, gab Busch trotzig zurück. »Dann mache ich gar nichts und Sie können ...«

»Ich hab Sie doch gewarnt! Wenn es bei dem Scheiß um meinen Geburtstag geht, dann können Sie sich gleich nach ’ner neuen Dienststelle umsehen.«

»Man wird nur einmal sechzig, Cheffe!«

»Und Sie werden diesen Tag nie erleben, Busch. Geben Sie mir sofort die Seiten!«

»Nein!«

 

***

 

»Mein Gott … ich hab langsam echt die Schnauze voll!« Die Krankenschwester warf den Dienstplan mit verzerrtem Gesicht auf den Tisch vor sich. »Nächste Woche hab ich sechs Tage Dienst am Stück. Mein freier Tag ist der Mittwoch. Klasse!«

»Da kommt einer aus dem OP«, sagte ihre Kollegin in nüchternem Ton. »Ich schieb ihn dir direkt zwischen die beiden anderen. Dann hast du alle im Blick, falls einer aufwacht.«

Die Krankenschwester nickte und erhob sich stöhnend. Am Bett des neuen Patienten angekommen, blieb sie kopfschüttelnd stehen. »Gleich beide Beine auf einmal.« Sie klopfte mit der flachen Hand auf das dünne Laken. »Vielleicht geht es uns doch nicht so schlecht«, fuhr sie grinsend fort, während sie einige Klemmen und Schläuche an dem frisch Operierten befestigte.

 

***

 

»Herr Schilling! Welch seltener Glanz in unserer bescheidenen Hütte.« Wegner und Busch hatten sich noch eine Weile gestritten und erst aufgehört, als ihr Kollege das Büro der Mordkommission betrat. »Was machen Wasserhähne, Scheißhäuser und Glühlampen?«

»Sehr witzig!« Frank Schilling hatte sich einen Becher Kaffee geholt und begrüßte zuerst Busch. Jetzt marschierte er auf Wegner zu und hielt dem ebenfalls die Hand entgegen.

»Lieber nicht!«, presste der Hauptkommissar mit angewidertem Gesicht heraus. »Man weiß ja nie, was da noch so dranhängt. Ich habe Familie, da muss man aufpassen, was man mit nach Hause bringt.«

Frank Schilling ließ sich kopfschüttelnd in seinen Stuhl fallen und schaute zu Busch hinüber, der sich lachend hinter seinem Monitor verschanzt hatte. »Wenn ich mir einen kleinen Bulli kaufe und vielleicht einen Anhänger dazu, könnte ich eventuell den Dienst quittieren und jedes Wochenende Umzüge fahren«, philosophierte der Oberkommissar leise vor sich hin.

»Da hat endlich einer seine wahre Berufung erkannt«, stellte Wegner nüchtern fest. »Wenn Sie sich tatsächlich so einen Bulli kaufen, dann spendiere ich Ihnen die erste Tankfüllung. Ehrenwort!«

»Nimm’s nicht persönlich!«, begann Busch, noch immer lachend, »Mich hat er heute auch auf dem Kieker.«

Ein Klopfen unterbrach diese fröhliche Zusammenkunft. Kurz darauf stapfte Gundula Fräse, die Chefin der Personalabteilung, mit gewohnt versteinerter Miene herein. Intern nannte man sie schon seit Jahrzehnten Die Hexe, was nicht nur an ihrer übergroßen Nase lag. Ohne lange Erklärungen warf sie einen ganzen Stapel Ausdrucke auf Frank Schillings Schreibtisch und musterte den Oberkommissar mit geringschätzendem Blick. »Da stimmt was nicht!«, krähte sie und deutete dabei auf ein separates Blatt mit einer am Rande rotumrandeten Zahl. »Vierzehn Minusstunden … allein im letzten Monat, Herr Schilling. Können Sie mir das vielleicht mal erklären?«

»Pluster dich hier nicht so auf, Gunda!«, bölkte Wegner durch den Raum. »Du hast wohl lange nicht mehr …« Den Rest verschluckte er grinsend.

»Für Sie immer noch Frau Fräse – das hab ich Ihnen schon oft genug gesagt.«

Wegner hatte sich erhoben und wanderte bereits um die Schreibtische herum. Mit spitzen Fingern griff er nach der Liste und beäugte sie eine Weile. »Das kann nicht sein«, gab er das Ergebnis seiner Prüfung in gelangweiltem Ton zum Besten. »Da fehlen ja sämtliche Observierungen.«

»Welche Observierungen?«, erkundigte sich Gundula Fräse in giftigem Ton. »Davon weiß ich nichts!«

»Alle!« Wegner grinste und schaute zu Busch hinüber, um sich den Lohn für seine Taten sofort abzuholen.

»Das waren etwa …« Er zögerte ganz bewusst einen Moment lang und zog danach die Mundwinkel noch ein Stück höher. »Ja … das waren gute fünfzehn Stunden, vielleicht sogar mehr.«

»Wenn mir das mal jemand zum richtigen Zeitpunkt mitteilt, dann kann ich mir den Weg in Ihren Sauhaufen hier auch sparen.« Gundula Fräse hielt Wegner eine weitere Liste entgegen und forderte ihn wortlos, dafür aber umso gestenreicher zu einer Unterschrift.

»Sauhaufen?« Wegner tat empört und starrte seine Kollegin geschockt an. »Das ist nicht nett, Gunda, nicht nett!«

 

»Sie sind gar nicht so ein Arsch«, begann Frank Schilling, nachdem sich die Hexe wutschnaubend davongemacht hatte. Er hielt Wegner ein weiteres Mal die Hand entgegen. »Danke!«

»Erzählen Sie’s bloß nicht weiter, ich hab hier schließlich einen Ruf zu verlieren.«

 

 

2

 

Manuela Timmermann hechtete die Treppen zur Chirurgie hinauf. Es war fast Mittag, ihr Mann sollte sich also schon lange wieder auf der Station befinden. Eilig umrundete sie eine Handvoll Schwestern, die mit zwei Ärzten auf dem Flur herumalberten. Vor Zimmer 12 angekommen, klopfte sie leise und schob sich durch die halboffene Tür.

Das Zimmer lag noch immer im Halbdunkel. Die Vorhänge waren zugezogen, das Bett neben dem ihres Mannes war unverändert leer. Einzelzimmer ohne Zuschlag, dachte sie und kicherte in sich hinein. Unter diesen Voraussetzungen könnten sie das abendliche Fernsehprogramm selbst bestimmen und mussten nicht ständig flüstern. Perfekt!

Manuela Timmermann zog die Vorhänge beiseite und öffnete eines der Fenster, um Licht und Luft hineinzulassen. Ein gutes Gefühl. Erneut dachte sie an die Spaziergänge, rund um die Alster und daran, wie sie diese Wanderungen in Zukunft wieder gemeinsam genießen könnten. Als sie sich kurz darauf umdrehte, dauerte es eine ganze Weile, bis ihr Verstand die visuellen Informationen zusammengesetzt und ansatzweise verarbeitet hatte. Danach vergingen nur wenige Sekunden, bis ihr schwarz vor Augen wurde und sie neben dem leeren Bett ohnmächtig zusammensackte.

 

***

 

»Wo bleibt Schilling eigentlich mit unserem Mittagessen! Wenn der nicht bald kommt, dann gehe ich in die Kantine und hol mir ’ne Bockwurst.«

»Ruhig bleiben, Cheffe!« Detlef Busch hielt Wegner einen Müsliriegel entgegen. In der anderen Hand wartete die Alternative in Form eines Apfels. »Was soll es für den Vorhunger sein, mein großer Wohltäter?«

»Wenn Sie das mit Schillings Stunden irgendwo an die große Glocke hängen, gibt’s was auf die Fresse!«

»Warum sollte ich?«

»Weil Sie ein Dummkopf sind und Ihren Mund oft genug nicht halten können.«

»Ich?« Busch deutete mit empörter Miene auf sich selbst. »Ich kann meinen Mund nicht halten?«, wiederholte er kopfschüttelnd. »Denken Sie an Ihren Sechzigsten, Cheffe! Wenn’s sein muss, dann schweige ich wie ein Grab.«

»Mahlzeit!« Schwer beladen betrat Frank Schilling in diesem Moment das Büro der Mordkommission. »Kann mir vielleicht mal jemand was abnehmen?«

»Ist das meine Pasta?« Wegner stand vor seinem Kollegen und beäugte mit skeptischem Blick den Turm aus Alu-Schalen, dessen Spitze sich bedrohlich zur Seite neigte. »Hoffentlich ist es diesmal die richtige Soße, sonst können Sie gleich nochmal umdrehen.«

Gefräßiges Schweigen füllte die nächsten Minuten. Erst als der Letzte aufgegessen hatte, war es Busch, der als Erster seine Sprache wiederfand: »Verdammt … bin ich satt! Wie soll ich jetzt noch arbeiten?«

»Sie arbeiten hier?«, erkundigte sich Wegner mit skeptischer Miene. »Na, wenn ich das gewusst hätte …«

»Es gibt übrigens Neuigkeiten«, unterbrach Frank Schilling das erwartbare Gemetzel. »Er macht es!« Der Oberkommissar suchte Wegners Blick und lächelte vielsagend. »Ich hab heut Morgen eine Mail von ihm bekommen.«

»Wer macht was?«, fragte Busch neugierig und schaute seine Kollegen abwechselnd an. »Lasst mich nicht dumm sterben.«

»Wir tun alles, um das zu verhindern, aber ehrlich gesagt, habe ich die Hoffnung fast aufgegeben«, erwiderte Wegner nüchtern. »Vielleicht schauen wir mal, ob Sie für irgendeine Fortbildung infrage kommen.«

Busch sprang auf und es sah fast so aus, als wollte er seinen Chef am liebsten die Reste seiner Pasta ins Gesicht schleudern. Stattdessen sammelte er jetzt die Alu-Schalen ein, entsorgte sie, und füllte danach drei Becher mit Kaffee. »Raus mit der Sprache, sonst werde ich ungemütlich«, begann er aufs Neue, nachdem er wieder an seinem Schreibtisch saß.

»Er landet schon heute Abend in Hamburg. Wir treffen ihn in seinem Hotel …« Frank Schilling machte eine kurze Pause und schaute dabei Busch an. »Dann erwartet er übrigens auf die Hälfte der Kohle und ’nen hübschen Spesenvorschuss.«

Buschs Miene erhellte sich. Ihm schien ein Licht aufgegangen zu sein. »Wie viel?«, wollte er jetzt wissen.

»Ich denke, unter fünfundsiebzig brauchen wir nicht aufzulaufen. Sonst lacht uns der Kerl am Ende nur aus.« Schilling lächelte gequält. »Solche Typen reagieren nur auf Bares, alles andere hilft nicht.«

Wegner hatte noch kein Wort gesagt. Seine finstere Miene reichte aus, um seine Gedanken erraten zu können.

»Was ist, Cheffe?« Detlef Busch schien die genannte Zahl überhaupt nicht zu beeindrucken. »Ich habe doch gesagt, dass ich es mache.«

Wegner nickte unverändert wortlos, erhob sich und schlurfte mit kleinen Schritten zu seinen Kollegen hinüber. Er ging zwischen ihnen in die Knie und packte beide am Unterarm. Obwohl sich sein Mund öffnete, wollte kein Ton herauskommen. Stattdessen schüttelte er ganz langsam den Kopf und atmete hörbar. Seine Augen hatten wieder diesen feuchten Schimmer angenommen. Wie immer, wenn es um seinen toten Kollegen und besten Freund Stefan Hauser ging.

»Wir kriegen das Schwein, Cheffe!« Busch hatte seinen Arm aus der Umklammerung befreit und war aufgesprungen. »Ich gebe Ihnen mein Wort … wir kriegen das Schwein!«

»Kein Wort … zu niemandem!«, mahnte Wegner nicht zum ersten Mal. »Kein Sterbenswörtchen.«

Busch klopfte grinsend auf seine Sakkotasche, in der sich vermutlich Einzelheiten zu Wegners bevorstehender Geburtstagsfeier befanden. »Ich kann schweigen, Cheffe, wie ein Grab.«

»Und ich mache wohl kaum mit, um mich hinterher um Kopf und Kragen zu reden«, steuerte Schilling kopfschüttelnd dazu. »Mein Maul ist zugenäht.«

 

***

 

Nach und nach kehrten Manuela Timmermanns Sinne zurück. Zwei Krankenpfleger hatten sie auf das leere Bett gehievt und standen mit besorgten Mienen um sie herum, genauso wie die herbeigeeilte Schwester Elke. Als einer der Männer einen Schritt zur Seite machte, gelang es Manuela Timmermann sich zu drehen, um einen weiteren Blick auf ihren Mann werfen zu können. Unterbewusst hoffte sie darauf, dass sie nur einem üblen Scherz aufgesessen war, den ihr Verstand ihr gespielt hatte.

Kein Scherz!

Realität!

»Was ist passiert?«, erkundigte sich die Krankenschwester, während sie die Blutdruckbandage entfernte. »Sie sind anscheinend umgefallen, einfach so.«

Manuela Timmermann deutete zu ihrem Mann hinüber. Ihr Finger fuhr von seinem Kopf bis zur Mitte des Betts hinab, blieb dann stehen und begann zu zittern.

»Das kann doch nicht sein!« Schwester Elke marschierte mit energischen Schritten zum anderen Bett und griff sofort nach der Krankenakte, die am Fußende baumelte. Jegliche Farbe hatte sich aus ihrem Gesicht verabschiedet. »Das kann nicht sein«, stammelte sie ein weiteres Mal. »Das ist unmöglich!«