12 Regeln für den Gebrauchtwagenkauf

Regel 1: Fachmann mitnehmen

Nehmen Sie einen Fachmann oder einen Bekannten mit – denn: Vier Augen sehen mehr als zwei und vier Ohren hören mehr als zwei. Diese Regeln gelten sowohl für den Kauf beim Händler als auch für den Privatkauf.

Regel 2: Fahrzeugpapiere prüfen und Verkäufer identifizieren

Lassen Sie sich die Zulassungsbescheinigung Teil I und II sowie die Service-Mappe mit Bedienungsanleitung, Radio-Codekarte und das Kundendienstscheckheft und alle alten Rechnungen vorlegen. Der eingetragene Halter sollte mit dem Verkäufer identisch sein (Ausnahme: Kauf beim Händler) und möglichst mit einem Gebrauchtwagen-Check einverstanden sein. Die Prüfberichte für die Haupt (HU)- und Abgas-Untersuchung (AU) müssen mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr, in Ausnahmefällen einem halben Jahr vorliegen.

Prüfen Sie außerdem:

Regel 3: Kilometerstand prüfen

Die Service-Intervalle für das Auto sollten regelmäßig eingehalten worden sein. Viele Fahrzeuge haben Warnleuchten bei Fälligkeit des nächsten Kundendienstes im Armaturenbrett. Bei Fahrzeugen ab 80.000 km lassen Besitzer oft die teuren Inspektionen wegfallen. Das ist nachvollziehbar. Wichtig ist aber, dass weiterhin die Intervalle zum Ölservice und zumZahnriemenwechsel eingehalten und mit Stempel in das Heft eingetragen wurden. Zum Zahnriemenwechsel findet sich ein Aufkleber im Motorraum. Beim Blick in den Motorraum oder in den Türrahmen (Fahrertüre) finden Sie Anhänger oder Aufkleber, die den letzten (Öl-)Service unter Angabe des Kilometerstandes dokumentieren. Die Angaben im Serviceheft müssen mit Aufklebern oder Anhängern sowie dem Kilometerzähler übereinstimmen.

Regel 4: Nie ohne Kaufvertrag

Kaufen Sie nie ein Auto ohne Kaufvertrag. Entsprechende Formulare können Sie beispielsweise beim ADAC, beim Automobilclub Deutschland oder unter kfz-auskunft.de herunterladen.

Regel 5: Die TÜV-Plakette

Die Plakette für die Hauptuntersuchung, die auch von anderen Prüfdiensten durchgeführt wird, umgangssprachlich einfach TÜV genannt, sollte noch für mindestens ein Jahr gültig sein. Da die Prüfer nichts über den Zustand von Motor, Getriebe, Kupplung, Klimaanlage oder auch Kühlsystem sagen, empfiehlt es sich, einen Gebrauchtwagen-Check durchzuführen, um ein Prüfsiegel oder ein Zertifikat zu erhalten.

Regel 6: Die Umweltplakette

Wenn Sie in einer größeren Stadt wohnen, sollte Ihr zukünftiger Wagen eine grüne Plakette haben, um in den Umweltzonen der Städte fahren zu können. Ältere Benziner haben in der Regel die grüne Plakette, gebrauchte Diesel mit grüner Plakette sind in dieser Preisklasse eher selten zu finden. Wenn Sie auf dem Land wohnen und nicht in die Umweltzonen fahren müssen, brauchen Sie diese Plakette nicht. Die Preise für Gebrauchtwagen ohne, mit roter oder mit gelber Plakette sind unter Druck geraten sind. Deshalb können Sie ein Schnäppchen machen, wenn Sie die Plakette nicht unbedingt benötigen. Es gibt aber auch bezuschusste Möglichkeiten zum Nachrüsten von Umweltplaketten. Unter plakette24.de können Sie sich darüber informieren.

Regel 7: Sitze ich gut?

Achten Sie darauf, dass Sie und Ihr Beifahrer bequem sitzen können und sich nicht mit den Schultern berühren. Die Oberschenkel dürfen nicht angewinkelt sein, die Arme schon, Außen- und Innenspielgel müssen sich optimal einstellen lassen. Sollten Sie sich beengt fühlen und keine vernünftige Sitzposition finden, ist der Wagen zu klein für Sie.

Regel 8: Die Probefahrt

Jetzt ist eine Probefahrt fällig. Lassen Sie sich das auf keinen Fall ausreden. Vor der Probefahrt ziehen Sie den Ölstab und kontrollieren den Ölstand. Sehen Sie außerdem nach, ob sich die Kühlflüssigkeit innerhalb der vorgegebenen Markierungen des meist durchsichtigen Behälters befindet. Der Motor sollte zum Start kalt sein, damit Sie sein Anspringverhalten prüfen können. Vorsicht bei älteren Dieselfahrzeugen! Diese springen perfekt an, wenn es warm ist, und gar nicht mehr, wenn es kalt ist. In diesem Fall: Finger weg! Wenn der Motor angesprungen ist, müssen am Armaturenbrett sämtliche Lämpchen erlöschen. Sollte das nicht der Fall sein, können Sie in der Bedienungsanleitung nachsehen, welcher Fehler auftritt. Nehmen Sie Kontakt zu einer Werkstatt auf und erkundigen Sie sich nach den möglichen Kosten. Diese Kosten sind in jedem Fall vom Kaufpreis abzuziehen. Haben Sie oder der Verkäufer vorher einen Gebrauchtwagen-Check machen lassen, sollte auch bei der Probefahrt alles glatt gehen. Vor der Probefahrt prüfen Sie noch die Funktion der Lichtanlage und der Hupe, stellen die Spiegel ein und dann kann’s losgehen.

Sie sollten nichts dagegen haben, wenn der Besitzer mitfahren will. In den meisten Fällen können Sie die Probefahrt alleine machen. Es gibt auch Halter, die sie gar nicht ans Steuer lassen wollen. Da Sie aber bei einer Probefahrt sehen wollen, ob Sie mit dem Wagen gut klar kommen und sich damit wohl fühlen, verabschieden Sie sich jetzt. Dieser Halter hat vermutlich etwas zu verbergen. Während der Probefahrt sollte der Wagen geradeaus laufen und auch beim Bremsen nicht einseitig ziehen. Wenn Sie Ihre Mitfahrer vorwarnen und auf den Hintermann achten, können Sie zwar mehrmals scharf bremsen, aber eine aussagekräftige Bremsenprüfung kann nur auf einem Bremsenprüfstand vorgenommen werden. Achten Sie auf auffällige Geräusche, deren Ursache meist nur eine Werkstatt abklären kann.

Fahren Sie den Motor warm, damit Sie die Funktion von Heizung und Klimaanlage testen und das Kühlsystem auf Dichtheit prüfen können. Eine stark erhöhte Temperaturanzeige könnte ein Anzeichen für einen schwerwiegenden Mangel sein.

Achtung: Jetzt auf keinen Fall den Deckel des Kühlflüssigkeitsbehälters öffnen und nach der Kühlflüssigkeit schauen. Das System steht unter hohem Druck. Es besteht Verbrühungsgefahr! Ohne Werkstattabklärung kommt das Fahrzeug für Sie nicht in Frage!

Prüfen Sie auch die Lenkung und das Fahrwerk während der Probefahrt. Flattert oder vibriert das Lenkrad bei einer gewissen Geschwindigkeit, können Sie von einer Unwucht der Vorderräder ausgehen oder von Flugrost auf den Bremsscheiben, wenn der Wagen länger gestanden ist. Der Flugrost verschwindet beim Bremsen nach einiger Zeit. Das kann bis zu 600 km dauern. Die Vorderräder müssen eventuell ausgewuchtet werden. Zieht der Wagen während der Fahrt einseitig nach links oder rechts, ist eine Vermessung fällig. Schwingt der Wagen nach Überfahren einer Bodenwelle nach, sollten die Stoßdämpfer überprüft und gegebenenfalls paarweise erneuert werden. Die Bereifung sollte mindestens 4 mm Profiltiefe aufweisen und ein Reserverad vorhanden sein. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm.