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Lena Morell

Die Sklavin des
Höhlenmenschen

Erotischer Roman

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Lena Morell

Die Sklavin des Höhlenmenschen

Erotischer Roman

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Für unaufgefordert auf dem Postweg eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung.

Vorwort

Obwohl ich einige sehr interessante Sachbücher zu diesem Thema gelesen habe, erhebt diese Geschichte natürlich nicht den geringsten Anspruch auf Authentizität. Mögen mir unsere Vorfahren und die Fachleute unter Ihnen verzeihen. Die Wirklichkeit war für unsere Ahnen bestimmt viel spannender, furchtbarer, grausamer – aber auch weniger sexy.

Andererseits: Vielleicht ist diese Geschichte ja doch lehrreich? Nämlich für diejenigen, die wissen wollen, wer das Schwanzlutschen erfunden hat und wo – und weshalb – sich die Menschen das erste Mal küssten

Wie auch immer – ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Lena Morell

Kapitel 1

Siri hockte im Hintergrund der Höhle und sah scheu und zugleich neugierig zu wie Rama, das Leitmännchen, seine neue Frau begattete. Er hatte zuerst mit einem anderen um sie gekämpft. Es war ein Kampf auf Leben und Tod gewesen, aber Rama hatte – wie immer – gesiegt. Und nun hockte er, noch aus verschiedenen Wunden blutend, halb hinter, halb über Lela, die er auf alle viere gedrückt hatte, und stieß seinen dicken Schwanz in sie.

Tränen rannten über Lelas Wangen, sie hatte den Kopf ins Genick geworfen und schrie ihren Zorn, ihre Verzweiflung und ihre Lust zugleich heraus. Aber Rama nahm sich nur, was dem Sieger in diesen Machtkämpfen um die Führung der Sippe und dem Besitz der besten Weibchen zustand. Nur der Stärkste hatte das Recht, die schönsten und gebärfreudigsten Frauen zu begatten und seinen Samen an die Nachkommen weiterzugeben. Für die anderen waren die schwächeren weiblichen Sippenmitglieder da. Deren Kinder waren den anderen auch meist weit unterlegen, waren kränklich, starben schon früh. Manchmal sogar schon, wenn sie noch an der Brust der Mutter gesäugt wurden.

Es war nicht das erste Mal, dass Siri einem solchen Kampf und der nachfolgenden Inbesitznahme des eroberten Weibchens beiwohnte. Ramas Gruppe bestand aus fünf Frauen, Lela war die sechste. Siri hasste Rama und bemitleidete Lela. Rama hatte Lelas Gefährten mit einem Stein auf den Kopf geschlagen und ihm dann noch mit seinen kräftigen Händen das Rückgrat gebrochen. Lela hatte sich über den reglosen Körper ihres Mannes geworfen und vor Schmerz geschrien. Dann hatte Rama sie in die Höhle gezerrt.

Lela und ihr Mann waren noch nicht lange bei Ramas Sippe gewesen. Erst viermal war die leuchtende Scheibe, die Siri Mond nannte, über dem Berg gestanden, seit sie zu ihnen gekommen waren. Lelas Gruppe hatte nicht weit von hier gelebt, war aber dann von einer unheimlichen Krankheit weggerafft worden, und nur Lela und ihr Mann waren verschont geblieben. Da sie alleine nicht überleben konnten, hatten sie gebeten, sich anschließen zu dürfen. Rama hatte es ihnen gewährt, aber Siri hatte schon damals den gierigen Ausdruck in seinen Augen gesehen, als er Lela wahrnahm.

Siri war froh, dass sie zu hässlich war, um Ramas Begierde zu erregen. Auch sonst wollte keiner der anderen sie haben, und wenn es sie auch manchmal kränkte, von ihnen immer so achtlos behandelt zu werden, so war sie auch froh darüber. Vor vielen Monden, mehr als sie zu zählen vermochte, war sie zu diesem Rudel gekommen. Sie konnte sich nur noch dunkel erinnern, wie es gewesen war. Einer der Alten, der jetzt schon lange tot war, hatte sie mitgebracht. Die Sippe hatte sich um sie versammelt und sie angesehen. Sie hatten sie von allen Seiten betrachtet, ihre Arme gepresst, ihre Schenkel besehen, sie beklopft und ausgelacht. Siri hatte kein Wort von dem, was sie über sie sagten, verstanden, aber den Hohn hatte sie erkannt. Sie war ihnen zu mickrig, zu hellhäutig, zu wenig behaart und zu mager. Doch sie hatten sie bei sich gelassen, ihr Arbeit zugeteilt. Und seitdem war sie hier. Sie hatte begriffen, dass keiner von ihnen glaubte, sie würde lange überleben. Aber sie war zäh. Sie war damals noch vor der Reife gewesen, viel kleiner als die anderen jungen Sippenmitglieder, die sie geschlagen und getreten hatten, bis sie gelernt hatte, schneller zu laufen als sie, sie mit Tricks hereinzulegen – und so zu überleben.

Auch jetzt war sie zarter als die anderen Frauen. Ihre Brüste standen rundlich ab und hingen nicht herab, so wie es den Männern gefiel, die sich oft ihre Weiber holten, um an ihnen zu saugen, während diese mit ihren Schwänzen spielten, bis sie hart genug zur Begattung waren. Dann beugten sie ihre Weibchen nach vorn und rammelten sie von hinten, bis sie brüllten und keuchten, und der Samen tief in die Eingeweide ihrer Frauen schoss.

Lela dagegen war wirklich eine Schönheit, das musste Siri zugeben. Das Haar stand in wilden Locken vom Kopf, ihre Schultern waren breit wie die eines Mannes, ihr Becken kräftig und ihre Beine so stämmig wie die Baumstämme, die die Gruppe während der Nacht vor den Eingang der Höhle schob, um die Tiere abzuhalten. Kein Wunder, dass Rama sie hatte haben wollen. Als sie und ihr Mann jedoch zu Ramas Höhle gekommen waren, hatte Lela einen dicken Bauch gehabt. Und nach dem Gesetz der Sippe war es verboten, eine Frau zu besitzen, die von einem anderen ein Junges trug. Aber das Kind war bald nach der Geburt gestorben, und Rama hatte begonnen, Lela zu betasten, ihre Brüste mit den Händen zu drücken, ihre Beine zu streicheln, und hatte sich sogar in die Spalte zwischen ihren Schenkeln gewagt. Lelas Mann hatte dagegen protestiert, und der Streit endete schließlich in dem Kampf, der ihm das Leben gekostet hatte.

Dabei hatten Lela und ihr Mann Rama und dessen Sippe anfangs ausgelacht. Siri hatte verstanden, dass Lelas Gruppe sich ganz anders verhalten hatte als Ramas Familie. Sie hatten sich anders bekleidet und die Felle nicht nur des Schutzes und der Wärme wegen umgelegt. Sie waren geschickt im Umgang mit steinernen Werkzeugen und hatten den anderen viel gezeigt, was diese mit Staunen nachgemacht hatten, bis Rama ihnen die Werkzeuge weggenommen und fortgeworfen hatte. Siri erinnerte sich an ähnliche Szenen, als der Alte noch gelebt hatte. Er war klug gewesen, weise sogar. Hatte sich auf die Heilung von Verletzten verstanden, auf den Flug der Vögel, die Raubtiere oder Wild ankündigten oder Unwetter. Rama hatte es bei dem Sippenältesten geduldet, anderen aber verboten zu lernen und nachzumachen. Rama gefiel sein Leben, wie es war. Er hatte Macht durch seine Kraft, seine derben Hände und seinen Schwanz. Das genügte, und so sollte es auch bei den anderen sein.

Siri fand, dass Rama dumm war. Viel dümmer als andere aus der Sippe oder von anderen Gruppen, mit denen sie früher manchmal zusammengetroffen waren. Die hatten sie ebenso ausgelacht wie Lela und ihr Gatte, und hatten sie schließlich gemieden.

Rama stieß immer noch in Lela. Die hatte schon aufgehört zu weinen. Das taten sie alle früher oder später. Und alle waren sie dann stolz darauf, Rama zu gehören. Manches Mal gab es sogar ein Ringen um ihn. Da versuchte eine die andere wegzudrängen, bot ihm die hängenden Brüste zum Saugen an, hielt ihm ihr Hinterteil hin, um ihn daran riechen zu lassen, bis sein Schwanz sich in die Höhe reckte, und er sich eine griff und sie begattete. Siri hatte sich oft gefragt, was die Frauen daran fanden. Sie stöhnten, als hätten sie Schmerzen, und doch waren die Gesichter vor Lust verzerrt.

Nein, Siri war froh über ihre Hässlichkeit. Ihr Gesicht war ebenfalls nicht so, wie es diesen Männern gefiel. Sie hatte viel zu viel Abstand zwischen den Augen und dem Kopfhaar und besaß auch nicht jene behaarten Wülste, die über die Augen hinausragten und sie schützten. Ihre Nase war zu schmal, ihre Lippen zu klein. Aber sie mochte es, dass ihr Haar heller und dünner als das der anderen war, es die Farbe dunklen Blutes hatte, und bis zu den Hüften hinabhing. Ramas erstes Weibchen hatte es mit einem scharfen Stein abschneiden wollen, aber Siri hatte sich dagegen gewehrt. Das Fell, das sie ihr gegeben hatten, damit sie sich damit wärmen konnte, war zu klein. Es reichte gerade, um ihre Hüften und ihren Bauch warm zu halten. Ihr Haar war gut auf ihren Schultern und ihren nackten Brüsten.

Jetzt war es so weit. Rama stieß so fest zu, dass Lela nach vorne fiel. Mit seinen kräftigen Händen hielt er ihre Hüften jedoch hoch, schob sich noch tiefer, und dann kam sein typisches Brüllen, sodass jeder im Rudel wusste, dass sein neues Weib begattet worden war. Er stieß Lela von sich, als er fertig war. Sie fiel erschöpft zu Boden, blieb liegen, während er sich erhob und in Siegerpose nach draußen ging. Sein Schwanz, klebrig von den Säften der Frau und von seinen, hing lasch herunter. Er ging ganz knapp bei Siri vorbei, die wegsah und demütig den Kopf senkte, denn Rama war schnell im Austeilen von Schlägen und Hieben. Aber nun war er so zufrieden, dass er Siri gar nicht beachtete. Sein Geruch nach Kampf, Blut und Paarung hing noch in der Höhle, als er schon längst draußen im Tageslicht war.

Lelas toter Mann lag noch so dort, wie er von Rama besiegt worden war. Die anderen der Sippe hockten daneben. Sie hatten ihm schon den Fellumhang abgenommen, der dem Sieger ebenso gehörte wie das Weibchen. Die Kinder warfen kleine Steine nach der Leiche, schlichen hin, tupften den Leblosen an, um zu sehen, ob er sich nicht doch noch rührte, und rannten dann wieder davon.

Rama stieß ihn mit dem Fuß an, dann gab er einen Befehl an die anderen. Sie hoben den Toten an Armen und Beinen hoch und trugen ihn fort. Sie sollten ihn über einen Abgrund werfen, wo schon andere lagen, die von Rama besiegt worden waren. Siri war froh darüber. Wäre er keiner von ihnen gewesen, sondern ein Feind aus einem fremdem Rudel, so war es Sitte, dass man ihn mit den scharfen Steinen zerteilte und seine Stücke über dem Feuer briet.

Der Alte, der Siri damals gebracht hatte, war gut zu ihr gewesen. Er hatte sie immer freundlich behandelt, sie niemals begatten wollen, sondern hatte nur verlangt, dass sie für ihn arbeitete. Er war schon alt gewesen, hatte nicht mehr so schnell laufen können wie die anderen, und sie hatte für ihn Nahrung holen müssen. Er war es, der ihr damals, als sie voller Entsetzen zugesehen hatte, wie ein Feind gegessen wurde, erklärte, dass die Männer dies taten, um die Kraft des Feindes aufzunehmen. Es war ein machtvoller Mann gewesen, der Rama fast besiegt hatte, und seine Kraft sollte auch die Mitglieder der Sippe stärken.

Seitdem hatte sich Siri auch daran gewöhnt. Aber zum Glück gab es nicht mehr viele andere, mit denen sie im Kampf standen, die sie bei Anbruch des Tages überfielen, die Männer töteten und ihre Frauen und Kinder verschleppten. Es war schon lange nicht mehr der Fall gewesen, fiel Siri ein, als sie darüber nachdachte. Zuletzt vor vielen runden Monden. Sehr vielen. Der Zyklus von Kälte und Hitze lag einige Male dazwischen.

Der Alte, der sie damals mitgebracht und vor den anderen beschützt hatte, damit sie ihm diente, war ebenfalls schon vor vielen Monden gestorben. Aber ihn hatten sie nicht in den Abgrund geworfen und auch nicht seine Kraft an die Überlebenden verteilt. Ihn hatten sie begraben. Siri und zwei andere Frauen hatten mit Steinen und Hölzern ein Grab geschaufelt, möglichst tief, damit die Tiere ihn nicht ausgraben und zerfleischen konnten. Dann hatten sie den leblosen Alten hineingelegt, die Beine angezogen und die Arme darum geschlungen. Es war die Zeit gewesen, in der die Gräser und Sträucher in Blüte standen, kurz bevor sie Früchte ansetzten, und Siri hatte einen Kranz gewunden und ihn dem Alten auf die Brust gelegt. Einige Männer hatten gelacht, aber Rama hatte das erste und letzte Mal etwas getan, für das Siri ihm dankbar gewesen war: Er hatte das Lieblingswerkzeug des Alten, einen flachen, scharfen Stein genommen, und ihm ebenfalls auf die Brust gelegt. Und dann war eine der Frauen gekommen – seine Tochter, wie Siri wusste – und hatte noch ein Stück Holz in der Form eines Menschen dazugelegt, das der Alte immer bei sich getragen und oftmals angesehen hatte.

Sie hatten ihn mit großen Blättern bedeckt, damit die Erde nicht auf sein Gesicht fiel, als sie das Grab wieder zuschütteten. Siri hatte geweint, und auch andere hatten Laute der Trauer ausgestoßen.

Eine von Ramas Frauen holte dann Siri, damit sie ihr diente. Sie hatte das wohl schon deshalb gemacht, weil die hässliche Siri sie nicht beim Leitmännchen ausstechen konnte, und sie doch eine zähe Arbeiterin war. Sie hatte Siri mitgenommen, wenn sie Beeren und Früchte sammelte, hatte ihr auch vieles gelehrt und sie gut behandelt. Hatte ihr gezeigt, wo man graben musste, um zu genießbaren Wurzeln zu kommen. Welches Wasser trinkbar war und welches Krämpfe und sogar Tod verursachte. Sie hatte ihr gezeigt, wie man den erlegten Tieren das Fell abzog, es säuberte und mit geflochtenen Lederriemen um den Körper band, wie man es in schmale Streifen schnitt und mit einem spitzen, dünnen Stein Löcher in die großen Fellteile machte, damit man die Streifen durchziehen und die Fellstücke auf diese Art befestigen konnte. Siri hatte von ihr gelernt, große Früchte auszuhöhlen, um dann andere Dinge einfüllen zu können. Und Ramas Gefährtin hatte ihr sogar gezeigt, wie man das Feuer hütete. Das war etwas gewesen, das nur wenigen im Rudel erlaubt war. Feuer war etwas Heiliges. Es war ein Geschenk der Gottheiten, die in den Steinen und in den Pflanzen, in der Erde und in der Luft lebten. An manchen Tagen, wenn die Götter zornig waren, wenn starker Regen fiel, und die Erde von ihrer Wut erbebte, die leuchtende Gottheit Feuer herabschleuderte, dann konnte es vorkommen, dass einer von ihnen den Menschen ein bisschen von dem Feuer übrig ließ, das dann in einem Baum brannte. Dann mussten die Männer eilen, um es zu holen, mussten oft sogar gegen die wilden Tiere kämpfen, die sie besiegen wollten, weil sie ihnen das Feuer neideten.

Und dann wurde es gehütet. Im Eingang der Höhle, wo es die Tiere fern hielt, weil die kein Recht hatten, es zu besitzen, und es daher fürchteten. Wo es aber auch die Kälte abhielt, die an den dunklen Tagen in die Höhle kroch und alle krank machte.

Ja, Siri hatte in dieser Zeit viel Gutes gelernt. Ramas Frau hatte sie gestreichelt, wenn sie fleißig war, und geschlagen, wenn sie etwas falsch machte. Siri hatte sie gemocht. Aber auch sie war nun tot. Gestorben vor soviel Monden wie Siri Finger hatte. Sie war Ramas Lieblingsgefährtin gewesen, und er hatte sie öfter begattet als die anderen – auch als sie schon dick und schwer gewesen war. Dann war das Kind zu früh aus ihrem Körper gekrochen. Es war tot gewesen, und bald darauf war auch sie gestorben, hatte geschrien bis zum letzten Atemzug. Sie hatten sie, mit dem toten Kind in ihren Armen, neben dem Alten begraben. Es war die Zeit der Kälte gewesen, in der es keine Blüten gab. Also hatte Siri schöne Steine gesucht, die sie ihr neben den Kopf gelegt hatte. Ganz besondere waren es gewesen mit schönen Mustern, glänzende und matte. Rama hatte genickt. Und dann war er mit den Männern auf die Jagd gegangen.

Er hatte dann lange keine zusätzliche Frau genommen, war mit denen zufrieden gewesen, die schon zu ihm gehörten. Bis eben Lela mit ihrem Mann gekommen war.

Siri sah hoch, als Rama hereinstapfte. Er wies mit dem Finger auf sie, dann auf Lela, die immer noch am Boden lag und sich nicht rührte. Siri nickte. Sie verstand. Sie gehörte nun Lela.

Kapitel 2

Siri sollte recht behalten. Lela hatte sich schnell damit abgefunden, Ramas neue Gefährtin zu sein. Und Siri hörte auf, Mitleid für Lela zu empfinden. Diese quälte sie, hetzte sie herum, schlug sie. Aber nicht nur Siri musste darunter leiden, sondern auch die anderen Frauen der Gruppe, denn Lela durfte mehr als die anderen Weibchen, weil sie schöner war und es verstand, Rama immer wieder von Neuem zu reizen. Die anderen Männchen sahen neidisch zu, wenn er sie packte, und sie ihm ihren Hintern hinstreckte, der breit und fest war, mit einer dunkelroten Spalte, die immer feucht glänzte. Die anderen Frauen dagegen wurden gehässig, und da Siri Lela gehörte, bekam sie meist den Zorn der anderen ab.

Auch an diesem Tag war es wieder schlimm. Lela scheuchte sie herum, verhöhnte die anderen, und es wäre bestimmt bald zu einem Streit gekommen, bei dem die Frauen sich gegenseitig die Haare ausrissen und sich bissen, wären nicht die Männer von der Jagd heimgekehrt.

Statt einem großen Stück Wild brachten sie jedoch einen anderen Menschen mit. Sie stießen ihn mit den Stöcken, auf deren Spitze sie scharfe Steine gebunden hatten, vor sich her. Er blutete aus mehreren Wunden, stolperte einige Male, fiel jedoch nicht. Am Ende trieben sie ihn vor die Höhle, und die Sippenmitglieder umringten ihn. Auch Siri gesellte sich zu ihnen, hielt sich jedoch vorsichtig im Hintergrund.

Die Männer lachten, nickten sich gegenseitig zu, während sie um den Fremden herumgingen. Er sah ein wenig anders aus als die Männer des Rudels. Seine Haut war etwas heller, sein Haar länger und nicht so stark gelockt. Auch sein Bart war nicht so dicht, dass er fast das ganze Gesicht überwucherte. Er war zwar verletzt, stand jedoch vollkommen aufrecht und sah die Männer der Reihe nach furchtlos an. Als er den Mund aufmachte, kamen fremde Laute von seinen Lippen, die keiner verstand. Er blickte einen nach den anderen an, wiederholte die Laute. Als er den Kopf wandte, konnte Siri sein Gesicht sehen, und sie staunte.

Er war hässlich. Fast so hässlich wie sie. Seine Augen waren zu groß, waren der Helligkeit und den Zweigen, wenn sich die Jäger durch das Dickicht drängten, viel zu sehr preisgegeben. Die Stirn war zu hoch, und die Nase hatte nicht jene schöne Breite und Flachheit, die die Frauen an Rama so bewunderten. Auch sein Kiefer war nicht weit genug vorgeschoben, er hatte sicherlich nur schwache Zähne, mit denen er beim Essen kaum das Fleisch von den Knochen reißen konnte. Er sagte abermals etwas, doch als ihn keiner verstand, verzog er den Mund. Sein Gesichtsausdruck bekam etwas Abfälliges, so, als würde er sich über sie alle lustig machen.

Rama ärgerte das, er hob die Hand und schlug ihn auf den Kopf. Statt jedoch hinzufallen, wie Siri das erwartet hatte, fuhr der Fremde herum, ein wütendes Fauchen auf den Lippen wie ein Raubtier, sodass Rama einen Schritt zurücksprang. Der Fremde sprach abermals, und Rama hob wieder die Hand, als Lela vortrat. Sie schmeichelte Rama, dann ging sie um den Fremden herum, um ihn von allen Seiten zu betrachten. Der wandte den Kopf, um sie ebenfalls anzusehen. Die dünnen Haarlinien über den Augen, die viel zu wenig wulstig waren, um schön zu sein, waren hochgezogen, die Mundwinkel hatten etwas … Siri dachte über einen passenden Ausdruck nach … sie hatten etwas Belustigtes, als würde er gleich lachen wollen. Siri lächelte ebenfalls. Der Mann gefiel ihr. Sie war die Einzige im Rudel, die ein Lächeln kannte. Die anderen grinsten entweder nur, bleckten im Zorn oder beim Lachen die Zähne. Aber mit geschlossenem Mund zu lachen, darauf verstand sich hier keiner. Es war eine freundliche Geste, die Siri aus ihrer Kindheit kannte.

Aber das lag lange zurück.

Siri konnte nicht anders. Sie musste den Fremden die ganze Zeit über anstaunen und konnte kaum den Kopf wegdrehen, während Lela ihn immer noch begutachtete. Er war anders gekleidet als sie, war nicht in ein grobes Fell gehüllt, sondern seine Kleidung bestand aus mehreren, kurzhaarigen Fellen, die mit ganz schmalen Lederstreifen über den Schultern und an der Seite zusammengehalten wurden. Auch der Lendenschurz war so ähnlich gemacht, und die Lederkleidung darüber bedeckte zusätzlich seine Hüften und seine Genitalien. Da trat Lela vor, riss an dem Lendenschurz und hob die Lederkleidung an.

Die Männer grunzten vor Lachen, die Frauen schrien vor Vergnügen, als der Schwanz des Mannes sichtbar wurde. Er war heller als die der anderen Männer, vielleicht ein bisschen länger, aber dafür dünner. Lela wandte sich achselzuckend ab und ging.

Der Mann sah ihr mit einem seltsamen Hin- und Herschütteln des Kopfes nach, dann band er sich den Lendenschurz wieder um. Sein Blick suchte in der Runde und fiel auf Siri, die ihn immer noch neugierig anglotzte. Sie zuckte zurück, duckte sich und hastete davon.

***

Viele Male schon war das gelbe Feuer des Gottes am Himmel erschienen, seit der Fremde bei ihnen war. Zuerst hatten ihn alle misstrauisch beobachtet, aber dann nahmen sie ihn genauso wenig zur Kenntnis wie sie Siri beachteten. Diese fand, je näher sie ihn betrachtete, immer mehr Ähnlichkeit zwischen seinem und ihrem eigenen Aussehen. Und eben diese Hässlichkeit war es, die ihn vor der Eifersucht der Männer schützte, die in ihm keinen Rivalen sahen. Er war – wie Siri das erwartet hatte – Lela geschenkt worden, die er jetzt ähnlich bediente wie Siri dies tun musste. Man hatte ihm Frauenaufgaben zugeteilt, die er jedoch ohne Murren verrichtete. Vermutlich war er feige. Kein anderer Mann hätte sich so demütigen lassen. Siri beobachtete ihn immer von der Ferne, wich ihm aus, wenn er näher kam, und musterte ihn nur heimlich. Sie begann, sein Aussehen – so hässlich es auch war – zu mögen. Er hatte einmal zu ihr gesprochen, aber Siri war sofort weggelaufen. Sie hatte keine Angst vor ihm, aber die Worte, die er sagte, die Laute, die er von sich gab, beunruhigten sie. Sie rührten an Vertrautes und Verbotenes, das sie verängstigte.

Ramas Leute hatten sie für jedes Wort, das sie als Kind gesprochen hatte, geschlagen, bis sie verstummt war und gelernt hatte, die rauen Laute von Ramas Sippe zu verstehen. Aber nicht nur Ramas Rudel hatte sie am Sprechen gehindert, sondern auch die Frau, mit der sie durchs Land gezogen war, bevor sie zu Ramas Sippe kam. „Worte sind Macht“, hatte diese gesagt. „Worte sind Magie. Nicht zu sprechen ist besser.“

Und Rama hatte wirklich Grund gehabt, Siris Worte zu fürchten. Sie war einmal so zornig und hasserfüllt gewesen, dass sie versucht hatte, ihn mit Worten zu töten. Aber sie war zu schwach gewesen. Und seitdem hatte sie nie wieder gesprochen.

Lela hatte ihr befohlen, die Felle, die Rama ihr geschenkt hatte, ebenso mit Löchern zu versehen und Lederbänder durchzuziehen, sodass ein ähnliches Gewand entstand wie das des Fremden. Siri hatte sich bemüht, aber Lela hatte sie trotzdem gescholten, obwohl Siri fand, dass es ihr gut gelungen war. Der Fremde hatte sich dann zwischen Siri und Lela gestellt. Lela hatte sofort aufgehört, auf Siri einzuschlagen, und die hatte sich in Sicherheit gebracht. Der Fremde war dann um Lela herumgegangen, hatte genickt und ihr bedeutet, dass sie schön aussah. Lela war zufrieden gewesen, und als Siri sich wieder in ihre Nähe gewagt hatte, wurde sie nicht mehr beachtet.

Rama hatte gelacht, als er Lela in dem neuen Gewand sah, und hatte nach ihr gegriffen. Als er dann jedoch bemerkt hatte, dass er nicht sofort ihre Brüste in die Hand nehmen und pressen konnte, war er wütend geworden und hatte Lela das Gewand vom Körper gerissen. Nun trug sie wieder das Fell um die Hüften, und Rama zog sie, wann immer sie bei ihm vorbeikam, zu sich heran und schnappte spielerisch mit dem Mund nach ihrem Busen.

Lela hatte Siri das Gewand gegeben, und die trug es nun, zufrieden, dass ihre viel zu runden Brüste damit verdeckt wurden. Es gefiel ihr und schützte sie viel besser als der alte Lendenschurz.

Eines Tages kam Siri vom Beerensammeln zurück und sah, als sie die Höhle betrat, etwas, das sie erschreckte. Lela stand vor dem Fremden, hatte ihm das Ledergewand über die Hüften geschoben und betrachtete und betastete seinen Schwanz. Sie hielt ihn mit der einen Hand, strich mit der anderen neugierig darüber. Siri wollte schon hinauslaufen, aber dann schlich sie leise näher und kauerte sich hinter ein Bündel Felle, um die beiden zu beobachten. Der Fremde stand ganz ruhig, ließ Lela gewähren. Als sie jedoch an seinem Schwanz zu ziehen begann und dabei lachte, schüttelte er auf diese fremde, neue Art den Kopf und schob ihre Hände fort. Er wollte sich das Gewand wieder über die Hüften streifen, als Lela zu zetern begann und ihn an die Höhlenwand stoßen wollte. Lela war eine kräftige Frau, aber obwohl sie mit beiden Händen gegen seine Brust drückte, blieb er wie ein Fels stehen. Die dunklen Haarbögen über den Augen waren in der Mitte zusammengezogen, trafen sich über der Nase, die Lippen waren zusammengepresst, wirkten wie ein Strich. Noch nie hatte er so hässlich ausgesehen, und noch nie hatte er Siri so gut gefallen. Es störte sie, dass Lela ihn berührte, und doch wollte sie, dass er sie gewähren ließ, denn sie war neugierig auf ihn. Sie wollte wissen, ob sich sein Schwanz ebenfalls formte, größer wurde und sich aufrichtete wie der von Rama, wenn Lela darüberstrich.

Lela griff blitzschnell unter das Ledergewand und umklammerte seinen Schaft. Er sagte etwas, das zornig klang, aber sie ließ nicht los, und Siri starrte mit angehaltenem Atem hinüber, als Lela das Gewand wieder hochschob. Sie hockte sich nieder, roch an den Genitalien des Fremden, leckte neugierig mit der Zunge darüber. Der Fremde stieß sie weg. Lela drohte mit der Faust, kroch auf den Knien nach. Sie wollte ihn unbedingt haben, das erkannte Siri deutlich. Soeben wollte der Fremde sie wieder abweisen, als er über Lelas wilden Lockenkopf hinwegsah und Siri erkannte. Zuerst war er erstaunt, dann aber änderte sich sein Blick und bekam einen Ausdruck, den die Männer hier niemals hatten. Es lag wieder dieses Lachen darin und Neugier. Er hielt für einen langen Atemzug lang ihren Blick fest, dann trat er noch einen Schritt zurück und lehnte sich an die Höhlenwand. Als Lela abermals nach ihm griff, wehrte er sie nicht mehr ab, sondern hielt still, den Blick unverwandt auf Siri gerichtet. Sie duckte sich tiefer hinter die Felle, aber nur so weit, dass sie noch genau sehen konnte, was drüben vor sich ging.

Lela leckte und streichelte eifrig über den hellen, seltsam schlanken und langen Schwanz, nahm die Spitze in den Mund und begann wild zu saugen, so, als wollte sie seine Lebensflüssigkeit trinken. Siri verstand nicht, weshalb ihr soviel daran lag, aber sie sah deutlich, wie der Schwanz des Fremden wuchs, dicker wurde, sich zwischen Lelas wulstigen Lippen formte. Er schien noch länger zu werden, die Hodensäcke zwischen seinen Beinen schwollen ebenfalls an. Der Fremde lehnte ruhig an der Steinwand, hatte den Kopf zurückgelegt, ließ aber Siri nicht aus den Augen. Siris Körper wurde unter diesem Blick heiß, ihre Lippen zwischen den Beinen begannen sich zu regen, sie spürte, wie sie dicker wurden, wie Hitze hineinströmte, und ihr Herz, das hart in der Brust schlug, auch dort unten pochte.

Der Fremde war nicht der Einzige, mit dem Lela spielte. Siri hatte schon beobachtet, wie sie einmal ein ganz junges Männchen etwas abseits der Höhle – als die älteren Männer fort gewesen waren – festgehalten hatte. Sie hatte mit seinem Schwanz gespielt, sich gefreut, als der härter geworden war. Das Männchen hatte – das wusste Siri – noch keine Frau begatten dürfen, und sein Schwanz stand oft, wenn die anderen sich über ihre Weiber beugten, sehnsüchtig empor. Er hatte mit verzücktem Blick ganz still gehalten, als Lela begonnen hatte, an ihm zu saugen.

Auch der Fremde schien zu genießen, dass Lela an ihm lutschte, und Siri neugierig zusah. Aber plötzlich stemmte er sich von der Wand weg und riss Lela seinen nassen Schwanz aus dem Mund. Sie wollte ihn festhalten, aber da war vom Eingang der Höhle ein lautes Brüllen zu hören, und dann war Rama mit einem Satz bei den beiden.

Lela kreischte, der Fremde schüttelte den Kopf, sprach auf Rama ein, aber der hob die Keule, die er in der Hand hielt und schlug sie dem Fremden über den Rücken. Der Fremde taumelte, und Siri hätte beinahe laut aufgeschrien. Lela tobte, Rama schlug auf den Fremden ein, und die anderen Mitglieder des Rudels kamen herbeigerannt. Der Fremde hatte sich zu Siris Erleichterung beim nächsten Schlag weggeduckt, war zur Seite gesprungen. Er war, wie Siri bewundernd feststellte, viel wendiger als Rama. Aber der Raum dort hinten war zu eng, er konnte nicht an dem Sippenführer vorbei und ging deshalb zum Gegenangriff über. Siri sah mit aufgerissenen Augen, wie Rama zurücktaumelte, als der Fremde ihn mit der bloßen, geballten Faust gegen die Brust stieß. Er schlug nochmals zu, Rama knickte vorne zusammen, der Fremde hieb ihm ins Gesicht, schob ihn fort, wollte an ihm vorbei, aus der Höhle, aber da stürzten sich die anderen Männer auf ihn. Sie prügelten mit den Keulen auf ihn ein, bis er liegenblieb. Siri hatte einen Finger in den Mund gesteckt und biss darauf, um nicht zu schreien. Sie wäre so gerne zu ihm hingelaufen, um ihm zu helfen, aber sie wusste, wie dumm das gewesen wäre. So sah sie zu, wie man ihn fortschleppte, aus der Höhle schleifte, und draußen hinwarf.

Rama wollte aufstehen, aber er knickte abermals ein, und Lela kroch neben ihn, streichelte ihn. Siri sah voller Genugtuung, wie Rama hustete und Blut aus seinem Mund kam. Sie erwartete, dass er aufstehen und hinausgehen würde, um den Fremden zu töten, aber dann schoben sie nur die Hölzer vor den Höhleneingang und ließen den Mann draußen liegen. Siri wusste, dass sie ihn am nächsten Tag nicht mehr finden würden. Oder nur Teile von ihm. In den vergangenen Tagen hatten sich hier gefährliche Raubtiere herumgetrieben, die ihn bestimmt jagten und töteten.

Siri kauerte sich in eine Ecke, starrte traurig zum Höhleneingang und lauschte den Geräuschen von draußen, bis sie einschlief.

Kapitel 3