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Lena Morell

In der Gewalt des Jadedrachen

Erotischer Roman

© 2007 Plaisir d’Amour Verlag, Lautertal

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden und verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Vorwort

Die Personen in dieser Geschichte sind natürlich alle frei erfunden, jede Ähnlichkeit ist rein zufällig und unbeabsichtigt.

Eigentlich schade.

Gewissen Leuten darin, wie zum Beispiel Mark Forrester, würde ich ganz gerne einmal im richtigen Leben begegnen. Und zwar nicht nur auf der Straße oder bei einer Party …

Aber immerhin hat er ja doch eine gewisse Ähnlichkeit mit einem bestimmten anderen, den ich sehr wohl kenne – auch wenn dieser nicht in Hongkong lebt, sondern ganz woanders.

Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen und gute Unterhaltung!

Lena Morell

April 2007

Kapitel 1

Lana drückte den Kopf ihres Liebhabers zwischen ihre Beine. Ihre Finger krallten sich in die blonden Haare und führten ihn unmissverständlich genau dorthin, wohin sie ihn haben wollte. In diesem Moment schob sie ihn etwas tiefer, sodass seine Zunge wie von selbst zwischen ihre kleinen Schamlippen rutschte und tiefer hineinbohrte, seine Nase sich auf ihre Klitoris presste und diese – sowohl mechanisch als auch durch seinen raschen Atem – stimulierte. Sie stieß ein kehliges Seufzen aus und drückte sein Gesicht noch enger an sich. Genau so war es gut. Er mochte so seine Schwächen haben, aber wie man mit weiblichen Genitalien umging, wusste er – fast – perfekt.

Sie kraulte gedankenverloren seine kurzen Locken, während sie sich dem Genuss hingab, korrigierte von Zeit zu Zeit die Stellung seiner Nase und seiner Lippen und schloss dann wieder genießerisch die Augen. Im Hintergrund lief der Fernsehapparat, und das eintönige Stimmengewirr und die Musik nahmen beide kaum wahr. Diese Zunge war wirklich Gold wert, mal spitz, mal breit labbernd, dann wieder heftig und schmerzlich bohrend. Vor allem, wenn er damit ihre Klit bearbeitete. Sie warf den Kopf hin und her, schlang die Beine um seine Schultern und versuchte, ihn noch näher zu ziehen. Die Spannung hatte sich sehr langsam aufgebaut. Aber jetzt war sie endlich von ihrer Scham auf ihre Schenkel übergegangen, hatte sich hinaufgearbeitet, ihren Nabel erreicht. Ihre Nippel standen empor, immer noch feucht von seinen Bemühungen, bevor sie ihn an sich hinuntergeschoben hatte. Dieses Mal war es wirklich gut. Noch ein bisschen mehr, und ihr Körper würde endlich wieder einmal glühen, ihre Haut prickeln, bis sie an nichts mehr dachte, nichts anderes mehr fühlte, im Orgasmus verloren ging.

Es war höchste Zeit, wieder einmal in einem Mega-Höhepunkt aufzugehen. Sie hatte schon viel zu lange darauf verzichten müssen. Oder verzichtet – wie man’s nahm. Aber jetzt nicht nachdenken, das machte den Körper wieder kälter. Nur genießen … fühlen … spüren, wie das erste Ziehen von ihrer Scham ausging, sich ausbreitete und ihren ganzen Körper erfasste.

Plötzlich hörte ihr Liebhaber jedoch auf zu lecken und tauchte zwischen ihren Beinen hervor.

Lana wollte seinen Kopf nicht loslassen. „Was ist denn? So mach doch weiter.“

„Gleich.“ Er entzog seine Locken ihrem Griff, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und wandte sich zum Fernsehapparat um.

„Bist du … Charles! Was fällt dir ein, jetzt dorthin zu sehen! Du bist hier noch nicht fertig!“

„Warte, gleich.“ Er warf ihr ein vielversprechendes Lächeln zu. „Du wirst die Unterbrechung nicht bereuen, glaub mir. Auf dich wartet danach etwas ganz Besonderes.“ Ohne auf ihren empörten Blick zu achten, griff er nach der Fernbedienung. Die Stimme des Sprechers wurde deutlicher, und was er zu sagen hatte, oder besser, was kurz darauf auf dem Schirm zu sehen war, ließ Lana vergessen, dass sie nur noch ein Zungenlecken von einem Orgasmus entfernt gewesen war.

„Heute Mittag kam es mitten in New York zu einem Anschlag auf einen Wagen des FBI. Explodierende Geschosse wurden auf das Fahrzeug abgefeuert, in dem sich nicht nur mehrere FBI Agenten befanden, sondern auch ein wichtiger Zeuge, der in einem Prozess aussagen sollte. Der Wagen befand sich unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen auf dem Weg zum Gericht …“

Das Gesicht des Sprechers wurde durch einen Film ersetzt. „Was Sie hier sehen, stammt aus einer privaten Videoaufzeichnung, die uns freundlicherweise von einem Touristen zur Verfügung gestellt wurde.“

Eine dicht befahrene Straße. Menschen auf den Gehsteigen, dahinter Geschäftslokale. Im Vordergrund eine Autokolonne. Ein großer, schwerer Wagen kam ins Blickfeld, hielt an.

Lana zuckte zusammen, als die Motorhaube des Wagens zerbarst. Stichflammen schossen heraus. Panik auf der Straße. Leute liefen schreiend fort, andere blieben wie angewurzelt stehen. Die Wagentür wurde aufgestoßen, ein Mann taumelte heraus, mehr durch einen anderen gestoßen, der hinter ihm aus dem Wagen drängte. Sein Gesicht war blutig, er stürzte, aber der zweite zerrte ihn hoch und schleppte ihn aus der Nähe des brennenden Wagens. Der zweite Mann war deutlich zu sehen, der Tourist konnte mit seiner Kamera gut umgehen, und er zoomte den Mann ganz heran. Ein hartes Gesicht, dunkle Augen, schwarzes Haar, das ihm in die Stirn fiel. Er bewegte sich rasch und entschlossen.

Lana sah, wie er wieder auf den Wagen zulief, die Fahrertür aufriss und einen bewusstlosen Mann herausziehen wollte. Er klemmte fest.

Sie fühlte, wie sich auch der letzte Rest sexueller Erregung in ihr auflöste. Sekunden davor hatte sie noch explodieren wollen wie dieser Wagen, aber nun krallte sie nicht aus Leidenschaft, sondern aus ängstlicher Spannung die Finger in die weiche Decke. Sie konnte sich die blutrünstigsten Filme mit ruhiger Gleichmut ansehen, aber das, was sich hier abspielte – oder vor einigen Stunden abgespielt hatte – war echt. Gleich konnte das verdammte Auto in die Luft fliegen, und dieser Verrückte hielt sich mit einem Mann auf, der vermutlich schon längst tot war. Sie hätte ihm am liebsten zugerufen, sich endlich in Sicherheit zu bringen, aber da war schon ein Polizist da und half ihm, den Verletzten zu bergen.

Ein weiterer Tumult. Kleine Explosionen. Splitter wirbelten durch die Luft. Sie stöhnte verhalten auf, als der Polizist zu Boden sank. Großaufnahme. Seine rechte Schulter war blutüberströmt.

Aufschreie im Video. Der dunkelhaarige Mann duckte sich, als würde auf ihn geschossen werden. Die Wagentür verformte sich. Einschläge. Sein dunkelgrauer Anzug war schwarz angesengt, aber er schaffte es, den Fahrer aus der Gefahrenzone zu schleppen. Und dann waren noch weitere Polizisten da. Sie kümmerten sich um den angeschossenen Kollegen. Das Dach des Wagens wurde aufgerissen, als wäre eine Rakete darauf abgefeuert worden. Und dann stand plötzlich das ganze Gefährt in Flammen.

Hier brach das Videoband ab.

Lana setzte sich auf, konnte keinen Blick vom Bildschirm lassen, auf dem jetzt wieder das ausdruckslose Gesicht des Sprechers erschien. Was war mit den Leuten? Mit dem Verrückten, der noch den verletzten Fahrer aus dem Wagen gezerrt hatte, obwohl er genau gewusst haben musste, dass er sich damit in Lebensgefahr brachte? Man hatte ihn auf dem Band nicht mehr gesehen. War er verletzt? Tot?

Die ruhige Stimme des Sprechers fuhr fort: „Wie sich herausstellte, wurde bei dem Anschlag niemand getötet, auch wenn zwei der Verwundeten in Lebensgefahr schweben. Angeblich befand sich einer der Kronzeugen, der im morgigen Prozess gegen führende Mitglieder des Syndikats aussagen sollte, im Wagen. Mark Forrester, der Leiter der Einsatzabteilung, wurde ebenso wie mehrere seiner Leute verletzt, befindet sich jedoch, wie wir erfahren haben, auf dem Weg der Besserung.“

Charles, der mit dem Rücken an der Couch und dem Kopf zwischen ihren offenen Schenkeln gelehnt hatte, drehte sich zu ihr um. Er verzog spöttisch den Mund.

Sie wandte nur mit Mühe den Blick vom Fernsehschirm ab. Der Nachrichtensprecher war bereits zur nächsten Meldung übergegangen und berichtete von einer Unwetterkatastrophe in Südindien. Sie sah ihren Liebhaber fragend an.

Seine Finger strichen spielerisch über die Innenseite ihres Schenkels. „Da wird jemand ziemlich sauer sein, nachdem er sich so viel Mühe gegeben hat, den Kerl endlich zu erwischen.“

„Was meinst du? Wen wollten sie erwischen?“ Sie hatte einige Mal tief durchgeatmet, um wieder normal zu klingen und sich nicht ihr tiefes Unbehagen anmerken zu lassen.

Der Zusammenhang, in dem dieser Anschlag stattgefunden hatte, machte ihr Angst. Der Sprecher hatte einen Zeugen gegen das Syndikat genannt, der sich im Wagen befunden haben sollte. Dieses Syndikat hatte in den letzten Monaten Schlagzeilen gemacht. Zuerst war es nur gelegentlich in den Medien aufgetaucht, aber seit einiger Zeit war es fast täglich präsent. Kein noch so kleines oder großes Verbrechen, in das es nicht verwickelt war. Sie hatte diese Berichte aber nicht sonderlich interessiert verfolgt. Als Lehrerin an einer Schule, die weit von der Ostküste und ihrem Tagesgeschehen entfernt war, beschäftigte sie sich ausschließlich mit Schülern und den kleinen Alltäglichkeiten einer Schulstadt. Zumindest in den letzten beiden Jahren. Sie wäre auch jetzt dort, hätte Charles sie nicht so sehr gedrängt, ihn in New York zu besuchen, wo er einen kleinen Antiquitätenhandel betrieb.

Sie hatte Charles Pratt vor einigen Monaten in Philadelphia kennengelernt, als er einen Händler aufsuchte. Er hatte sie in einer kleinen Bar getroffen und sich sofort für sie interessiert. Hatte sich um sie bemüht, war ihr sogar nach Hause nachgereist. Und nach drei Wochen, in denen er seinen Aufenthalt immer wieder verlängert hatte, hatte sie nachgegeben. Seitdem hatten sie ein Verhältnis. Manchmal besuchte er sie, dann besuchte sie ihn. So wie jetzt.

„Forrester“, beantwortete Charles ihre Frage. „Das ist nicht der erste Anschlag auf ihn, wenn man die Berichte verfolgt. Irgendjemand scheint ihn auf dem Kieker zu haben. Jemand, dem er zu oft auf den Schlips getreten hat.“

„Forrester?“

„Sagt dir der Name nichts? Man hört ihn in letzter Zeit öfter. Immer im Zusammenhang mit dem Syndikat. Er ist der Chef einer Spezialeinheit des FBI, die man ins Leben gerufen hat, um dem Syndikat das Handwerk zu legen. Er scheint sich da gut auszukennen.“ Der gut aussehende blonde Mann lächelte amüsiert. „Da ist wohl jemand ganz wild darauf, ihn auszuschalten. Wenn du mich fragst, ging es allein um ihn und nicht um irgendwelche Zeugen.“

„Wie kommst du darauf?“

Charles zögerte ein wenig, bevor er antwortete: „Im Antiquitätenhandel habe ich viele Kontakte. Vor allem nach Asien – du weißt ja, dass ich mich auf asiatische Kunstgegenstände spezialisiert habe. Einer meiner Händler hat mir unlängst erzählt, dass einer der obersten Schmugglerbosse in Hongkong sitzt. Der Typ ist in letzter Zeit ziemlich wütend geworden, weil Forrester ihm viele Geschäfte versaut hat. Forrester hat nämlich seine Zwischenmänner erwischt und Zeugen gefunden, die helfen sollen, ihn zu identifizieren. Das FBI braucht Beweise, wenn es die chinesische Polizei zur Kooperation bringen will. Handfeste Beweise. Es geht um groß angelegten Schmuggel. Weltweit organisiert.“

„Du meinst, das FBI befasst sich mit Antiquitätenschmuggel?“

Charles lächelte nachsichtig. „Das ist nur ein kleiner Teil der Aktivitäten. Jener, über den ich Bescheid weiß. Den weitaus größeren Batzen machen zweifellos lukrativere Geschäfte aus – wie Drogen und Waffenhandel.“

Lana setzte sich auf. „Charles, wie kommt es, dass du mit solchen Leuten Kontakt hast?“

„Habe ich doch nicht, meine Süße. Jedenfalls nicht direkt. Aber gewisse Beziehungen muss man in meinem Geschäft schon pflegen.“ Er lachte, als er ihr Gesicht sah. „Woher glaubst du, kommt ein Großteil meiner Waren? Wenn ich die alle legal gekauft hätte, wäre mir entweder das Doppelte dafür abgeknöpft worden, oder ich hätte sie erst gar nicht gefunden. Da sind Sachen dabei, die aus chinesischen Gräbern, zum Teil aus Museen, gestohlen wurden.“

„Aber wenn man dir dahinterkommt!“

„Da ist wenig Gefahr. Vielen Sammlern geht es nur darum, die Sachen zu besitzen. So“, seine Stimme vertiefte sich, nahm jenen erotischen Touch an, der ihr gleich zu Beginn ihrer Bekanntschaft an ihm aufgefallen war, „wie ich dich besitzen will. Und zwar jetzt und hier.“ Er küsste sie aufs Knie, leckte darüber. Lana atmete schneller. Was von dem eben Gehörten kommen konnte, aber auch von seiner Hand, die ihren Oberschenkel massierte, die Hüfte.

„Gut so?“ Er zog seine Lippen mit Bedacht ganz hinauf über die Innenseite ihres Schenkels.

„Sehr gut.“ Lanas Lächeln war mühsam. „Und dieser Forrester war jetzt dabei? Auf diesem Video, das wir gesehen haben?“

„Der Typ, der die anderen weggezerrt hat.“ Charles lachte leise. „Jeder andere wäre dabei entweder mit dem Wagen verkocht oder von den Kugeln getroffen worden, die die Scharfschützen auf ihn abgefeuert haben. Aber der Kerl ist ja offenbar zäh wie eine Katze.“

„Das klingt, als wäre er dir ebenfalls im Weg.“

„Nun, wenn er mir meine Handelspartner vergrault …“ Charles lachte in ihre Scham hinein. Sein Atem kühlte die Feuchtigkeit.

Sie schloss die Augen und lehnte sich zurück. In ihrem Kopf tauchten immer wieder die Bilder von dem explodierenden Wagen auf. Der Mann, der sich in Lebensgefahr begeben hatte, um die anderen zu retten. Ein Idiot. Jeder vernünftige andere Mensch hätte sich sofort in Sicherheit gebracht. Aber Typen wie der kamen sich noch heldenhaft vor. Sie spürte einen starken Widerwillen in sich aufsteigen. Und ihr war kalt. Die erwartungsvolle Hitze in ihrem Körper war vergangen, ausgelöscht worden durch das, was sie im Fernsehen gesehen hatte, und noch mehr durch die Tatsache, dass Charles – wenn auch indirekt – mit diesem Syndikat Geschäfte machte. Mit einer Organisation, die über Leichen ging.

Sie griff hinunter und zog ihn zu sich aufs Bett. „Ich muss sagen, dass ich jetzt ein wenig Angst vor deinen Geschäftsfreunden habe.“ Sie bettete Charles’ Kopf auf ihren Busen und zog mit ihren Fingerspitzen kleine Kreise über seine Brust, seinen Bauch, bis sie seinen Penis erreicht hatte. Er war erregt, während ihre eigene Lust sich beträchtlich abgekühlt hatte. Genug, um jetzt keinen Bedarf mehr daran zu haben, Charles’ Zunge in ihrer Möse zu spüren und sich in einen Orgasmus fallen zu lassen.

„Angst?“ Er begann an ihrem linken Nippel zu knabbern.

„Dieses Syndikat ist gefährlich.“

„Nicht, wenn dieser Forrester einmal eliminiert ist.“

Lana, die ihre Finger um seinen Schwanz gelegt hatte, griff unwillkürlich fester zu.

„He, du willst es mir heute wohl auf die spezielle Art machen, was?“ Charles grinste, aber sein Schwanz hatte an Dicke und Härte zugenommen.

„Wenn dir das gefällt?“ Sie küsste ihn. „Ich möchte dich auf jede Art verwöhnen, die du magst. Aber trotzdem, die Sache ist mir unheimlich.“

„Das muss es nicht. Du stehst unter meinem Schutz. Was immer auch meine Geschäfte sind, und mit welchen Leuten ich mich auch abgebe, auf dich werde ich aufpassen.“ Charles klang ungewohnt ernst, als er das sagte.

„Wirst du das wirklich?“

„Natürlich, weil ich nämlich vorhabe, unsere Beziehung zu vertiefen, meine Süße.“ Er zog sie näher an sich, ließ seine Lippen auf ihrem Mund spielen, berührte sie sachte mit seiner Zunge. „Immerhin kennen wir uns schon etliche Monate, und mir gefällt es nicht, von dir getrennt zu leben. Ich möchte dich ganz bei mir haben.“

„Du meinst …“

„Ich möchte, dass du zu mir nach New York ziehst. Du musst dich nicht gleich entscheiden. Denk darüber nach. Du hast einige Wochen Zeit. Wie du weißt, reise ich morgen nach Hongkong, um dort neue Antiquitäten zu kaufen. Wenn ich dann zurückkomme, reden wir weiter. Es sei denn“, fügte er schmeichelnd hinzu, „du kommst doch noch mit.“

„Darüber haben wir doch schon gesprochen. Das geht jetzt nicht.“

„Schade. Das heißt aber dann“, sein Finger kreiste um ihre Brustwarze, „dass wir auf Vorrat vögeln müssen.“

Als er über sie glitt und seinen Schwanz in ihre Pussy schob, begann Lana sich zu winden, zu stöhnen. Aber innerlich war ihr kalt. Und sie hatte Angst.

***

Mark Forrester lag in seinem breiten Doppelbett und schwelgte in der Behandlung, die Sabrina Webster, die Ärztin des Militärspitals, ihm angedeihen ließ. Sabrina war eine von jenen Schönheiten, die in jedem Mann das Verlangen weckte, sie von ihrem weißen Arztkittel zu befreien und den darunterliegenden Körper einer näheren Untersuchung zu unterziehen. Allerdings prallten die meisten dieser Versuche an einer kühlen, professionellen Mauer ab. Forrester konnte jedoch für sich in Anspruch nehmen, die Wand durchbrochen – und nicht nur das darunterliegende Ziel erreicht zu haben, sondern auch in den Genuss von Hausbesuchen zu kommen. Sie hatten nun schon seit einigen Monaten ein Verhältnis, was, wie Forrester gelegentlich mit einem Anflug von Galgenhumor feststellte, jemandem in seinem Job sehr gelegen kam.

Nicht, dass er in seiner Position nicht ohnehin Anspruch auf eine Sonderbehandlung gehabt hätte, aber diese Art von Heilmethode hatte einiges für sich: Sich wiegende Hüften, die fest auf seinen aufsaßen, nackte, gespreizte Schenkel, eine volle Brust, schlanke Hände, die über ihn strichen, während er dalag, den rechten Arm bequem unter dem Kopf, den linken, mit der fast schon verheilten Brandwunde, vorsichtig auf ein Kissen gebettet, und genoss, was ihm hier geboten wurde.

Es tat ihm gut, lenkte ihn ab. Linderte den Frust, der seit dem Anschlag an ihm nagte. Er war in die Falle gelaufen wie ein Anfänger. Und das, obwohl er Vorkehrungen getroffen hatte. Einer seiner Leute war tot, am Vortag seinen Schussverletzungen erlegen. Ein anderer war schwer verletzt, ein Polizist ebenfalls. Aber diese beiden würden durchkommen.

Der warme Körper der Ärztin fühlte sich gut an auf seiner Haut. Ihre Lippen waren weich und geschickt, als sie sich nach vorn beugte, um ihn zu küssen. Sie war in den ersten Tagen, nachdem man ihn nach dem Anschlag ins Krankenhaus gebracht hatte, kaum von seiner Seite gewichen. Und jetzt kam sie täglich vorbei – für Nachbehandlungen. Er hatte hintergründig ein schlechtes Gewissen, weil er genau wusste, dass sie ihm weitaus mehr Zuneigung entgegenbrachte als er ihr. Er mochte sie, war aber auch nicht gerade verrückt nach ihr. Sie war jedoch eine intelligente, schätzenswerte Frau, deren Talente und Fähigkeiten weit über jene Art von Behandlung hinausgingen, die sie ihm jetzt zukommen ließ.

Er war kein Kostverächter, niemals gewesen, aber sein Verhältnis zu Frauen war üblicherweise nicht das eines zärtlichen Liebhabers. Er nahm sich, was er brauchte, und vermied seit einiger Zeit jede engere Beziehung. Wobei die Frauen ohnehin nicht danach drängten, die Distanz, die ihn umgab, mit mehr als ihren Körpern zu durchdringen. Einige hatten sogar Scheu vor ihm. Und nicht zu Unrecht. Das brachte schon sein Beruf mit sich. Er war, bevor er die Leitung des Einsatzteams gegen das Syndikat erhalten hatte, seit vielen Jahren beim Geheimdienst gewesen und war dabei in seinen Methoden nicht immer sanft vorgegangen.

Während sein Körper auf Sabrina reagierte, glitten seine Gedanken wieder zu dem Anschlag ab, dem er nur durch Glück entkommen war.

Sie hatten durchsickern lassen, dass einer der Zeugen gegen das Syndikat im Wagen sitzen würde, und damit gerechnet, dass das Syndikat die Herausforderung nicht unbeantwortet ließ. Einer seiner Leute hatte den Zeugen gespielt. Überall waren Schützen postiert gewesen. Unter die Passanten hatten sich Agenten und Polizisten gemischt.

Und dann war alles schiefgegangen. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass das Syndikat im Besitz von ferngesteuerten Waffen war. Oder zumindest nicht, dass es diese auch gegen einen einfachen Zeugen einsetzte.

Was verdammt einfältig gewesen war.

Die Aktivitäten des Syndikats hatten schon vor etlichen Jahren, nämlich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Beendigung des Kalten Krieges begonnen. Einige der damals für die verschiedensten Länder agierenden Spione hatten es als grandiose Idee angesehen, sich zusammenzuschließen und eben diese Organisation zu gründen. Sie hatten die besten Voraussetzungen dafür: eine hervorragende Ausbildung, die nötigen Beziehungen, jede Menge Geheiminformationen. Und inzwischen mussten sie schon weitaus besser organisiert sein, als er bisher gedacht hatte.

Sie hatten einige davon geschnappt. Drei davon waren ehemalige Kollegen von ihm. Einer hatte Selbstmord begangen, bevor sie ihn hatten verhören können. Der zweite, ein beinharter Kerl, schwieg wie das Grab – und sie waren in ihren Verhörmethoden nicht gerade liebenswürdig. Der dritte war bei der Festnahme erschossen worden.

Seine Aufmerksamkeit kehrte zu Sabrina, ihrer Möse und seinem darin gepressten Schwanz zurück. Gleich war es so weit. Er fühlte schon das bekannte Ziehen, den Krampf in seinen Hoden, der sich auf seinen Unterleib ausbreitete und nur darauf wartete, endlich durch einen Abschuss die Spannung zu lösen. Dieser Augenblick war immer der Beste. Derjenige kurz vorm Durchbruch – und dann jener, bei dem alles andere aussetzte, bis er wieder zur Gegenwart zurückfand. Sekunden meist nur, aber die waren großartig. Es hatte einmal eine Zeit – und eine Frau – gegeben, da waren ihm diese Sekunden wie Minuten erschienen. Manchmal eine ganze Ewigkeit. Aber diese Frau war aus seinem Leben verschwunden.

„Oh … ich störe wohl …“

Sabrina erstarrte auf seinem Schwanz, und Forresters Kopf ruckte zur Seite. Ein Blick auf eine Pistole, ein verdutztes Gesicht, dann hatte Joe sich auch schon umgedreht und schleunigst wieder den Raum verlassen. „Die Tür war nicht ganz geschlossen“, hörte er ihn von draußen sagen. „Ich wäre sonst nicht so reingeplatzt, aber ich war besorgt. Vor allem nach den Anschlägen der letzten Zeit.“

Sabrina war die Letzte gewesen, die die Wohnung betreten hatte. Er war sonst nicht so großzügig bei der Verteilung seiner Schlüssel, aber Sabrina hatte er einen gegeben. Um es jetzt zu bereuen. Wäre er aufgestanden, um sie reinzulassen, hätte er niemals die Tür offen gelassen, gleichgültig, wie geil er schon auf sie war. Unfassbar. Eine intelligente und fähige Frau, aber blöd genug, ihn bei offener Tür zu vögeln.

Sabrina und er sahen sich sekundenlang an. Sabrina mit schlechtem Gewissen, er unterdrückt vorwurfsvoll, und beide sichtlich überlegend, ob sie weitermachen sollten oder aufhören angesichts Joes Anwesenheit im Nebenzimmer.

Sein Assistent entschied die Sache. Seine Hand erschien in der Tür und wedelte mit einer Akte herum. „Der Bericht über die Geschosse, Sir. Sie wollten ihn sofort haben, deshalb bin ich extra noch heute Nacht reingekommen.“

Zwei Minuten später wäre auch noch früh genug gewesen, dachte Forrester frustriert. Der Orgasmus hätte ihm gut getan. Ihnen beiden. Sabrina war so besorgt um ihn gewesen, und er so versessen darauf, kurzzeitig alles hinter sich zu lassen.

Die Ärztin rutschte von ihm herab, griff nach seinem Bademantel und warf die Decke über ihn. Die Ausbuchtung zwischen seinen Beinen war trotzdem mehr als verräterisch. Er setzte sich also auf und zog die Knie an. Sabrina klaubte ihre Sachen vom Boden auf und verschwand ins Bad.

„Na, kommen Sie schon rein, Joe.“ Forrester warf seinem Assistenten einen halb grinsenden, halb angewiderten Blick zu. Normalerweise schätzte er den Mann vor sich. Er war noch jung, aber sehr verlässlich, und war ihm schon während seiner Ausbildung aufgefallen. Er hatte es nicht bereut, ihm diese verantwortungsvolle Vertrauensstellung einzuräumen, aber in diesem Moment wünschte er ihn dahin, wo der Pfeffer wuchs. Und noch etliche Meilen weiter.

Joes Grinsen war schuldbewusst. „Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, Sir. Und …“

Forrester winkte ab. „Schon gut.“ Er griff nach der Mappe, die Joe ihm hinhielt.

Sein Assistent hockte sich etwas abseits auf einen Sessel und starrte auf seine Schuhspitzen. Vom Bad her hörte man Sabrina rumoren. Forrester studierte die Berichte. Sein Schwanz stand zwar noch immer zwischen seinen aufgestellten Knien empor, aber im Moment interessierte ihn das Ergebnis der Ballistiker mehr.

„Dann will ich nicht mehr stören.“ Sabrina kam mit einem säuerlichen Gesichtsausdruck wieder ins Zimmer. Sie hatte nur wenige Minuten gebraucht, um sich frisch zu machen und anzuziehen. Man merkte, dass sie als Ärztin gewohnt war, im Notfall schnell fertig zu sein. „Wir sehen uns morgen früh wieder.“

„Willst du nicht hierbleiben? Es dauert nicht lang, ich habe den Bericht gleich durch.“

„Geht nicht, ich habe heute Nachtdienst. Ich war ja nur gekommen, um zu sehen, ob bei dir alles in Ordnung ist.“

Forrester warf ihr einen um Verzeihung bittenden Blick zu. „Bis morgen also.“

Joe lächelte verkrampft. „Auf Wiedersehen, Doktor.“

Sabrina schenkte ihm nur einen kühlen Blick, dann war sie schon draußen, und ein wenig später hörten sie die Tür mit einem Knall ins Schloss fallen. Forrester hatte sich schon längst wieder in den Report vertieft. Eine Weile war es still, bis auf gelegentliche Bemerkungen Forresters und Joes Antworten, der seinen Fauxpas durch besonderen Eifer wieder gutmachen wollte.

Die Stille wurde durch das Läuten des Mobiltelefons unterbrochen.

Forrester angelte danach, ohne aufzusehen. „Forrester?“

„Ich bin es, Mark – Piet.“

Forresters Gesicht erhellte sich für einen Moment, um dann sofort wieder ernst zu werden. Der Mann am anderen Ende der Satellitenleitung klang außer Atem, gehetzt.

„Alles okay, Piet?“

„Ich kann nicht lange reden. Sie sind hinter mir her.“ Das Keuchen wurde lauter, Schritte hallten im Hintergrund. Der Anrufer lief vermutlich gerade durch eine enge Gasse. Man hörte das Scheppern von Metalleimern. „Ich muss dich treffen. Mac hat mich kontaktiert, ich soll dich warnen: Das Syndikat ist hinter dir her, nicht hinter den Zeugen. Sie werden es wieder versuchen, du bist gewissen Leuten im Weg.“ Ein metallisches Schleifen, eine Türangel quietschte. „Ich habe aber noch mehr als das rausgefunden.“

„Wo bist du jetzt?“

„In einer Seitengasse, nahe vom Madison Square Park, in einem Hauseingang.“ Er flüsterte: „Sie sind verdammt knapp hinter mir, aber vielleicht habe ich sie jetzt abgehängt. Ich versuche zur Manhattan Mall zu kommen, da sind mehr Leute, und ich kann leichter untertauchen. Komm so schnell wie möglich in die Nähe des Eingangs zur Dreiunddreißigsten Straße. Ich muss dich persönlich sprechen. Aber vorher hör zu.“ Die Leitung rauschte, seine Stimme wurde undeutlich. „Hör zu, es geht auch um Mac …“ Das Leerzeichen ertönte. Die Verbindung war unterbrochen.

„Verflucht!“ Forrester warf die Decke weg und sprang auf. Jetzt erst merkte er, dass sein Schwanz immer noch in Sabrinas fürsorglich darüber gezogenem Präservativ steckte.

„Das war Piet Manson.“ Forrester war schon in seiner ganzen Nacktheit an dem verblüfften Joe zum Schrank vorbeigestürmt und zerrte eine Hose raus. Vom Schrank ins Bad. Das Präservativ wurde entsorgt, er sprang in seine Hose, schlüpfte ohne Socken in seine Schuhe, zog sich beim Reden ein Hemd über.

„Piet hat etwas über das Syndikat herausgefunden. Los, verständigen Sie sofort unsere Abteilung. Ein Team soll in die Manhattan Mall kommen und dort nach Verdächtigen Ausschau halten. Auch bei den Eingängen, sowohl Dreiunddreißigste Straße, als auch Sixth Avenue und auf den Zugangsstraßen. Vor allem sollen sie auf Piet achten. Er ist fünfundsechzig Jahre alt, graues Haar, einsachzig groß, schlank, braune Augen. Er wird vermutlich verfolgt.“ Er hatte schon die Anzugjacke übergezogen, und bei der heftigen Bewegung tat der verbrannte Arm weh, aber darauf konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen. „Steht Ihr Wagen unten?“

„Ja.“ Joe lief hinter im her, aus der Wohnung auf den Gang, sein Handy in der Hand und gab die Anweisungen durch.

Forrester knöpfte im Gehen das Hemd zu. „Piet Manson ist ein ehemaliger Kollege. Zuverlässig. Schon in Pension“, erklärte er Joe im Telegrammstil die Situation. „Und sie sind hinter ihm her.“

„Wer?“

„Vermutlich Leute des Syndikats.“

Sie waren beim Aufzug angelangt. Forrester stopfte sein Hemd in den Hosenbund, wich einer älteren Frau aus, die soeben ausstieg, und schob seinen Fuß zwischen die sich schließenden Schiebetüren. Joe sprang hinter ihm in die Kabine.

***

Sie fanden Piet auf der Herrentoilette. Er lehnte unterhalb eines Waschbeckens mit dem Rücken an der Wand. Sein Gesicht war bleich, seine Jacke vorne aufgerissen und blutdurchtränkt. Auch neben ihm am Boden eine Blutlache. Blut auch auf dem Becken. Er musste noch im Fallen versucht haben, sich festzuhalten.

Mit beiden Händen hielt er zitternd eine Waffe auf die Tür gerichtet. Er senkte sie erst, als er Forrester erkannte. Der kniete neben dem grauhaarigen Mann nieder, während Joe und ein Polizeibeamter mit erhobener Waffe alle Türen zu den Kabinen aufstießen und hineinsahen. Als sie sich überzeugt hatten, dass sie allein waren, nahm der Polizist an der Eingangstür Aufstellung, sodass niemand plötzlich hereinkommen und sie überraschen konnte. Joe hatte sofort einen Krankenwagen gerufen, aber Forrester befürchtete, dass es zu spät war. Zu viel Blut. Vermutlich sogar eine verletzte Arterie. Und die Lunge hatte ebenfalls etwas abbekommen. Er wollte vorsichtig die Wunden untersuchen, aber Piet stieß ihn weg und krallte seine Hand in Forresters Jacke.

„Nicht … hab’ keine Zeit mehr. Mac warnt dich … das Syndikat ist hinter dir her. Gedungene Auftragsmörder aus Asien. Vermutlich Hongkong, Triaden …“ Er hustete, spuckte Blut auf Forrester, ein schmales, dunkelrotes Rinnsal führte von seinem Mundwinkel über sein Kinn und tropfte herab. Seine Kräfte schwanden zusehends.

Forrester hörte von draußen Schritte, Stimmen, mehrere Männer kamen heran, Sanitäter.

Piet schüttelte den Kopf. „Nein … keine Zeit mehr“, wiederholte er, „… muss reden.“

Joe unterrichtete die Sanitäter kurz und in leisem Tonfall und hockte sich dann neben Piet und Forrester. Forrester beugte sich tief zu Piet hinab, stützte ihn mit seinem Arm, um ihm das Sprechen zu erleichtern. Der Sterbende suchte mit seiner Rechten in der Jackentasche. Er brachte ein halbzerknülltes Stück Papier hervor, das ihm Forrester aus der Hand nahm. Es war ein Foto, blutig von Piets Hand, aber er konnte einen Mann und eine Frau darauf erkennen, die eng umschlungen über einen Platz gingen. Dahinter war die Metropolitan Opera zu sehen. Forrester strich mit der Hand über das Foto, wischte vorsichtig das Blut weg, um die beiden Gesichter besser erkennen zu können.

„Der Mann auf dem Bild …“, keuchte Piet, „… Charles Pratt. Steckt vermutlich hinter Anschlägen. Hat Kontakte nach Hongkong. Arbeitet für Jadedrachen.“ Er nickte leicht, als er sah, dass Forrester zusammenzuckte.

„Mac … ist auch … in Gefahr, weiß von den Triaden, weiß aber nicht, dass der Jadedrache dahinter … er ist wieder da … hinter euch beiden her … es ist eine Falle … will sich rächen …“ Schwere Atemzüge unterbrachen seine Sätze.

„Unmöglich. Er ist tot.“

„Nein. Hab ihn gesehen … stark verändert … Aber bin sicher, er war es.“ Er hustete, ein Blutschwall kam aus seinem Mund, und ein schmerzvolles Beben ging durch seinen Körper, als er die Hand auf seine Brust legte. „Die hier … war … von ihm.“

Er zerrte Forrester mit erstaunlicher Kraft näher. „Gib acht auf … Mac …“

Forrester ergriff seine Hand und drückte sie sanft. „Das werde ich. Ganz bestimmt sogar.“

Der Sterbende brachte ein Lächeln zustande. „Sag Mac …“ Dann schloss er die Augen und sein Kopf fiel zurück.

***

Forrester stand am Fenster in seinem Büro im zwanzigsten Stockwerk und sah hinaus auf die Straßenflucht. Aber er sah weder die zu kleinen Figuren geschrumpften Menschen auf der Straße, noch die Autos, die sich jetzt zur Stoßzeit dicht hintereinander drängten. Er nahm von alldem nichts wahr. Der Tod von Piet, einem alten Kollegen, war ein Schock.

Er war bei ihm geblieben, als die Spurensicherung kam, und die Tatortfotos gemacht wurden. Beantwortete Fragen und wartete, bis die Männer den toten Freund auf die Bahre legten – sie gingen unter seinem beobachtenden Blick sehr behutsam mit ihm um. Weitaus vorsichtiger als sonst üblich.

Und dann hatte er ihn noch bis zum Wagen begleitet, zugesehen, wie sie die Bahre hineinschoben, hatte gewartet, bis die Türen geschlossen wurden, und der Wagen davonfuhr.

Erst dann war er zu Joe in seinen eigenen Wagen gestiegen. Sein Assistent hatte geduldig auf ihn gewartet, hatte auf der Fahrt geschwiegen und dann ohne langes Reden seinen knappen Anweisungen Folge geleistet und erste Recherchen durchgeführt.

Ein Teil von ihm war noch benommen vor Trauer. Er hatte nie viele Freunde gehabt, aber die wenigen waren ihm wichtig. Und jetzt war einer der besten und ältesten von ihnen tot, und er musste darüber nachdenken, was geschehen war, die wenigen Informationen verarbeiten, die er von Piet erhalten hatte, und überlegen, wie er weiter vorgehen sollte.

Piet hatte von einem Jadedrachen gesprochen. Wenn er richtig verstanden hatte, dann stand dieser Jadedrache hinter dem Anschlag vor einigen Tagen. Ein Name, der unangenehme Erinnerungen weckte. Erinnerungen an einen Toten, einen Verbrecher, der vor drei Jahren ein Chemiewerk in die Luft gesprengt hatte und dabei selbst getötet worden war. Zumindest hatten sie das angenommen. Er war nicht als Einziger dabei ums Leben gekommen, auch andere, gute Leute waren draufgegangen, und beinahe hätte es damals auch Mac und ihn erwischt.

Und genau dieser Verbrecher sollte jetzt wieder auftauchen? War er damals doch entkommen? Wenn Piet das mit solcher Bestimmtheit sagte, dann musste Forrester diese Warnung verdammt ernst nehmen. Immerhin hätte der Jadedrache auch Grund genug, hinter Forrester und Mac her zu sein. Und er tat gut dran, den Mann zu finden, bevor er sie beide in die Finger bekam.

Forrester blickte wieder auf das Bild, das er die ganze Zeit über in der Hand hielt. Es war bisher die einzige Verbindung zu diesem geheimnisvollen Drachen und Drahtzieher des Anschlags. Er hatte es kaum weggelegt, hatte nur veranlasst, dass Joe Kopien davon machen ließ. Dunkle Flecken von eingetrocknetem Blut erinnerten ihn daran, dass Piet dieses Bild wahrscheinlich mit dem Leben bezahlt hatte.

Der Name des Mannes auf dem Foto war laut Piet ‚Charles Pratt’. Er sagte ihm so wenig wie das Gesicht, aber das hatte nichts zu bedeuten. Profis wie ihm gelang es meist – zumindest eine Zeit lang – unerkannt im Hintergrund zu bleiben.

Forrester wandte sich um als Joe eintrat, und sah ihm fragend entgegen.

Joe schüttelte den Kopf. „Nicht viel Neues, Sir. Dieser Charles Pratt ist spurlos verschwunden. Ich habe alles kontrollieren lassen. Flughäfen, Bahnhöfe, Grey Hounds, Autobahnmautstellen. Niemand hat ihn gesehen. Er hat kein Flugticket gekauft. Wagen hat er keinen.“ Er schüttelte den Kopf. „Der Mann existiert erst seit einem halben Jahr, davor gibt es keine Informationen über ihn. Nach den Unterlagen kommt er aus Shanghai, aber eine Anfrage bei den Behörden dort hat nichts ergeben. Er hat sich als Antiquitätenhändler etabliert und sich in diesen sechs Monaten völlig unauffällig verhalten. Nicht mal ein Ticket für falsches Parken. Wir haben auch bei der Steuerbehörde recherchiert. Da weiß man ebenfalls nichts Negatives über ihn. Solange er pünktlich seine Steuern zahlt, ist für die alles in Ordnung.“

Er reichte Forrester eine Mappe mit Papieren, die dieser durchblätterte. „Ich habe auch bei den Geheimdiensten nachgefragt. Unbekannt. Der Mann dürfte ein Außenseiter im Syndikat sein. Ein akquirierter Auftragsmörder.“ Er beobachtete Forresters Mienenspiel, aber das war ausdruckslos. „Meinen Sie, er hat tatsächlich etwas mit dem Anschlag auf Sie zu tun, Sir?“

„Wenn nicht direkt, dann hat er offenbar Kontakt zu Leuten, die es getan haben. Das ging aus Piets Worten klar hervor. Auch dass das Syndikat offenbar seine Finger jetzt schon in Asien hat. Piet hat die Triaden erwähnt.“

„Die Hongkonger Mafia?“

„Zumindest eine der Gruppen. Haben Sie schon unsere Leute dort verständigt?“

„Bereits geschehen, Sir. Unsere Vertretung wird sich darum kümmern, außerdem habe ich Kontakt mit der Hongkonger Polizei aufgenommen. Ich habe auch das Foto hingeschickt und alle Daten, die wir über Charles Pratt hatten. Über den Jadedrachen habe ich allerdings nichts gesagt, wie Sie es gewünscht haben.“ Er trat einen Schritt näher auf Forrester zu, der in den Akten blätterte. „Wissen Sie, weshalb Piet Charles Pratt observiert hat?“

Forrester schüttelte den Kopf. „Er war gar nicht mehr aktiv. Er hat sich vor Jahren auf eine kleine Farm in Wyoming zurückgezogen, die er von seinen Eltern geerbt hatte … und ausgerechnet jetzt muss es ihn erwischen.“ Forresters Herz wurde schwer bei dem Gedanken. Er schob ihn weg. Später. Jetzt musste er einen klaren Kopf behalten, um Piets Mörder zu finden. Das war er ihm schuldig.

„Wer ist dieser Mac, von dem er sprach?“

Forrester sah flüchtig von den Unterlagen hoch. „Ein ehemaliger Kollege und … guter Freund von Piet und mir. Offenbar hat er etwas herausgefunden und mit Piet Kontakt aufgenommen.“

„Vielleicht sollten Sie ihn aufsuchen. Kann er mehr wissen?“

„Durchaus möglich. Ich werde das in Betracht ziehen.“ Forrester war schon wieder in die Unterlagen vertieft. „Was haben Sie über die Frau auf dem Foto finden können?“

„Die war relativ leicht zu identifizieren. Aber hier auch nicht Weltbewegendes. Ihr Lebenslauf ist vollständig und einwandfrei.“ Joe las von einem Computerausdruck ab. „Ihr Name ist Lana McKenzie. Sie unterrichtet seit zwei Jahren Sozialgeschichte an einer Schule im Midwest. Davor war sie etwa ein Jahr in New York, vorher in Europa, hat dort ihr Studium beendet und eine Assistentenstelle an der Universität Berlin angenommen. War dann in London und hat dazwischen Gastvorlesungen in Moskau gegeben. Sie spricht fließend Deutsch und Französisch.“

Er blätterte um. „Die Dame ist 36 Jahre alt. Es gibt nicht viel über sie zu sagen; hat sich ebenfalls nie etwas zu Schulden kommen lassen. Für mich seltsam, dass sie sich mit dem Mitglied eines Verbrechersyndikats eingelassen haben soll. Aber vielleicht wusste sie ja nicht einmal etwas davon. Hier ist ein besseres Foto von ihr aus den Schulunterlagen.“ Er hielt Forrester eine Fotokopie hin.

Der nahm das Blatt langsam entgegen und drehte sich zum Fenster, um das Bild besser im Licht betrachten zu können. Dann verglich er es mit dem fleckigen Foto. Joe sah, dass sein Gesicht finster wurde.

„Glauben Sie, dass sie mit Charles unter einer Decke steckt, Sir?“

„Mit diesem Charles bestimmt. Und das im wahrsten Sinn des Wortes, wenn ich dieses Foto, das sie beide zeigt, richtig deute.“ Forresters Stimme klang spöttisch. „Sie ist der Hebel, an dem wir ansetzen werden, wenn wir diesen Pratt ausfindig machen wollen – oder diesen Jadedrachen. Veranlassen Sie, dass sie rund um die Uhr beschattet wird.“ Er sah nicht auf, während er sprach.

„Das ist leider nicht so einfach, Sir.“

„Was soll das heißen?“

„Sie ist gestern abgereist.“

Forresters Kopf ruckte hoch. „Wohin?“

„Nach Hongkong. Die Sekretärin der Schule, an der sie unterrichtet sagte, dass sie eine Studienreise durch China plant.“ Joe stellte unbehaglich fest, dass Forresters Augen schmal geworden waren.

„Mit welcher Maschine?“

„Mit der kurz vor fünfzehn Uhr.“

Forrester rechnete nach. „Dann kommt sie erst in drei Stunden in Hongkong an. Zeit genug, um sie abfangen zu lassen.“ Er steckte das Foto in die Jackentasche und marschierte zur Tür. „Packen Sie Ihre Sachen.“

„Sir?“

„Wir fliegen ebenfalls nach Hongkong.“

„Sir?!“

„Das ist ja wohl nicht schwierig zu begreifen, oder? Hongkong, Triaden und Jadedrache. Und jetzt noch diese Studienreise der Freundin von Pratt. Das passt alles zusammen. Wenn wir also etwas über diesen Charles Pratt und den Jadedrachen herausfinden wollen, dann müssen wir dort mit unserer Suche ansetzen – und vor allem die Frau in die Hand bekommen.“

Er war schon auf dem Gang, als er weitersprach: „Während ich nach Hause fahre, um meine Sachen zu packen, werden Sie dafür sorgen, dass diese Lana McKenzie in Hongkong festgenommen wird. Und zwar gleich am Flughafen. Irgendein Problem mit dem Visum, dem Pass, der Haarfarbe, was immer. Niemand darf Gelegenheit bekommen, mit ihr in Kontakt zu treten. Sie muss unter ständiger Bewachung stehen und darf das Hotel nicht verlassen, bevor wir nicht dort sind. Sorgen Sie auch dafür, dass ihr Telefon abgehört wird. Allerdings“, fügte er für sich selbst hinzu, „ist das vielleicht nicht genug …“

„Sir?“

„Nichts weiter.“ Er sah auf die Uhr. In Hongkong war es zwölf Stunden später. Forrester zog sein Mobiltelefon aus der Tasche und tippte eine Nummer ein.

„Sir, wollen Sie nicht doch zuvor noch Kontakt mit Ihrem Freund aufnehmen?“

„Mit wem?“

„Diesem Mac, der laut Piet Manson ebenfalls in Gefahr sein soll.“

„Bin gerade dabei.“ Er lauschte in sein Telefon. Als sich der Teilnehmer auf der anderen Seite der Satellitenverbindung meldete, begann er zu sprechen. Schnelle, unverständliche Worte, die Joes Mund offen stehen ließen.

Kein Wunder, immerhin sprach sein Boss fließend Chinesisch.

Kapitel 2

Der Mann, der den luxuriös eingerichteten Raum betrat, verbeugte sich tief. Er hatte ein breites, derbes Gesicht, das durch eine tiefe Narbe auf der Wange und am Kinn entstellt war.

„Sie sind angekommen, Boss. Beide. Sowohl die Frau als auch der Mann.“

„Wo sind sie jetzt?“ Sein Boss sah vom Wandschirm auf, auf dem die neuesten Aktienkurse zu sehen waren. Neben ihm, auf der Lehne des breiten Sessels, hatte es sich eine hübsche junge Chinesin bequem gemacht. Sie war nackt und hatte sich beim Eintritt des Mannes nur ein Tuch vor den Körper gezogen. Dennoch lugte noch ihre linke gerötete Brustwarze hervor, und überall auf der hellen Haut sah man dunkelrote Male. Auf dem Rücken befand sich eine kunstvolle Bambusblättertätowierung, über die der Mann neben ihr unruhig seine Finger gleiten ließ.

„Die Frau wurde gleich nach ihrer Ankunft von einigen Polizeibeamten, die in Begleitung von Angehörigen der amerikanischen Botschaft waren, festgenommen. Sie befindet sich nun in einem Hotel auf Hongkong Island und darf das Zimmer nicht verlassen. Der Mann ist vor zwei Stunden eingetroffen. Er ist jetzt im Polizeipräsidium. Offenbar hat er von seiner Regierung spezielle Vollmachten erhalten, denn die Polizei kooperiert, und auch von Peking aus wurde noch kein Einspruch erhoben.“

„Das klingt nicht gut. Das würde unseren Plänen zuwiderlaufen. Forrester ist ein schlauer Fuchs mit guten Beziehungen.“ Er nickte seinem Mann zu. „Halte beide weiter unter Beobachtung. Ich will über jeden ihrer Schritte informiert werden. Um Peking kümmere ich mich selbst.“

Als er mit der Chinesin allein war, griff er nach einem Telefon. Eine Handbewegung ließ sie von der Lehne rutschen. Sie kannte seine Wünsche schon gut, ließ das Tuch fallen und stellte sich breitbeinig vor ihm hin, das Gesicht ihm zugewandt. Er streckte seine Beine zwischen ihren aus und befahl sie näher, bis sie knapp vor ihm stand, und er sie bequem mit der Hand erreichen konnte.

Als der andere Teilnehmer sich meldete, legte er ein freundliches Lächeln in seine Stimme. „Wie schön, Sie zu hören, lieber Freund. Wie lange ist es her, dass wir uns nicht gesprochen haben?“ Er lauschte hinein, während er seine Hand ausstreckte und auf die Hüfte der Frau legte. Dann lachte er. „Ja, viel zu lange. Ich dachte mir, vielleicht würde es Ihnen Freude machen, mich wieder einmal zu besuchen? Ein angenehmer Aufenthalt, gutes Essen, reizende Gesellschaft …“ Er lauschte wieder, seine Hand fuhr tiefer, massierte die Innenseiten ihrer weichen Schenkel und glitt weiter hinauf. Sie spreizte die Beine noch etwas mehr, griff hinunter und zog mit beiden Händen ihre rasierten Schamlippen auseinander. Seine Finger fuhren prüfend dazwischen, zogen sich feucht wieder zurück. Er grinste und hielt ihr die Hand hin. Sie beugte sich vor, leckte die Finger ab.

„Wunderbar! Wann können Sie sich freimachen?“ Seine Finger waren wieder in ihrer Scham, sie zuckte zusammen, als er ihre Klitoris berührte, sie zwischen Daumen und Zeigefinger erfasste und rieb. „Nächste Woche? Ach, sagen wir doch in zwei Tagen. Wann geht ein Flug?“ Er griff nach einem Kugelschreiber und sah sich suchend um. Ein Wink zu der Frau, sie drehte sich um und streckte ihm ihren Hintern entgegen. Er setzte den Kugelschreiber auf der glatten, prallen Haut an und machte sich Notizen, fuhr, während der andere weitersprach, spielerisch mit dem Kugelschreiber über ihre Haut, malte kleine geometrische Muster.

„Gut. Abgemacht. Ich schicke Ihnen einen Wagen zum Flughafen, der Sie abholen soll.“

Die Frau zuckte zusammen, als sich die Spitze an ihrer Spalte entlang bewegte und die Rosette berührte, dann entspannte sie sich, beugte sich etwas weiter vor. Die Spitze verschwand in ihrem After, dann, mit leichtem Druck, der größte Teil des Kugelschreibers.

„Empfehlen Sie mich Ihrer Familie, lieber Freund, und bis in zwei Tagen.“ Ihr Liebhaber unterbrach die Verbindung, legte das Telefon weg und betrachtete sein Werk. „Nicht schlecht, du solltest dir überlegen, ob du die Tätowierungen nicht über den ganzen Rücken haben willst.“ Er drehte spielerisch den Kugelschreiber, dann gab er ihr einen Klaps auf die Hüfte. „Dreh dich wieder um. Du bist noch nicht fertig.“

Er zog sie mit gespreizten Beinen auf seine Schenkel. Sie hockte sich auf ihn, legte die Beine auf die Armlehnen und öffnete seine Hose. Er rieb ihre Brustwarze, während sie seinen Schwanz streichelte, massierte, die Haut auf dem härter werdenden Kern auf und ab schob.

„Wer ist dieser Mann, an dem du so großes Interesse hast?“, fragte sie leise.

„Eine Figur aus meiner Vergangenheit. Ein dunkler Punkt, der ausradiert werden muss.“

„Und die Frau?“ Sie sah nicht hoch, als sie das fragte.

Seine andere Hand griff nach hinten, spielte mit dem Kugelschreiber, zog ihn heraus und stieß ihn plötzlich so heftig wieder hinein, dass sie aufschrie.

„Du fragst zu viel, meine Bambusblüte. Tu, wofür ich dich in meiner Nähe habe, und versuche nicht, mich auszuhorchen.“

„Das wollte ich nicht“, kam es eingeschüchtert zurück. „Ich wollte nur …

„Neugier, meine Schöne, ist eine gefährliche Eigenschaft.“ Er stieß sie von seinen Schenkeln. Sie kam auf den Knien auf, er packte ihren Kopf und drückte ihn gegen seinen Penis. „Denke immer dran, was Frauen passiert, die zu viel fragen.“ Er beugte sich über sie und flüsterte: „Sie bekommen ihren Mund gestopft. Tag und Nacht. Es könnte mir durchaus gefallen, dich von einem meiner Männer zum anderen zu schicken und ihre Schwänze zu schlucken, bis du halb daran erstickst, und dich diese Runde mehrmals machen zu lassen. Die Männer würden sich freuen, meinst du nicht?“

Sie nickte leicht, ihr Gesicht gegen seine Schamhaare gepresst.

„Besonders Feng wäre begeistert. Hast du seinen Schwanz gesehen, als er jetzt im Zimmer war? Er ist überdimensional. Er würde dir damit, wenn ich es ihm erlaube, zuerst den Mund und dann den Arsch aufreißen. Vielleicht auch umgekehrt. Ich werde dich, wenn die Runde fertig ist, an ihn weitergeben. Er ist schon längst scharf auf dich.“ Er packte ihr Haar fester und schüttelte sie. „Hast du verstanden?“

Nur ein Nicken antwortete ihm.

„Dann nimm ihn jetzt tief hinein, Bambusblüte. Ganz tief. Ich will hinten deinen Rachen spüren. Und sauge so fest du kannst.“ Er senkte seine Stimme noch mehr. „Und gib dir Mühe. Sehr viel Mühe.“

***

Forrester blickte durch eine Glasscheibe. Dahinter befand sich der Verhörraum. Eine Frau saß auf einem harten Stuhl, hatte die Hände vor sich auf dem Tisch übereinandergelegt und klopfte ungeduldig und gereizt mit allen zehn Fingern gleichzeitig, während sie dem einige Schritte entfernt stehenden Polizisten immer wieder böse Blicke zuwarf. Wenn sie herübersah, konnte sie zwar nur ihr eigenes Spiegelbild betrachten, aber dennoch hatte Forrester das Gefühl, als würden ihre Blicke den Spiegel durchdringen. Ihr Anblick löste ein kleines Ziehen in seinem Magen aus. Dieser Charles Pratt hatte zumindest einen guten Geschmack.

„Sie war ziemlich aufgeregt, als wir sie hierher gebracht haben, Sir.“ Joe flüsterte, obwohl das Glas nicht nur einseitig verspiegelt war, sondern auch schalldicht. Was Forrester einiges über Joes bisherige Erfahrungen mit Lana McKenzie sagte.

„Sie wollte wissen, warum wir sie festhalten“, flüsterte Joe weiter. „Ich habe ihr erklärt, dass wir zur Polizei gehören, sie also nichts zu befürchten hat, habe aber keine Fragen beantwortet. Ich denke, ich konnte sie etwas beruhigen, Sir.“