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Isabell Alberti

Palazzo der Lüste

Erotischer Roman

© 2008 Plaisir d’Amour Verlag, Lautertal

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Nachwort

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden und verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Liste der im Text vorkommenden fremdsprachlichen Wörter und Begriffe

Amantissima

Allerliebste

Amante

Geliebte

Arkadien

Name für das Paradies (in mittelalterlicher Literatur)

Assistente

Assistent

Aventura di una notte

Abenteuer für eine Nacht

Bellissima

Schönste

Buon Giorno!

Guten Morgen!

Buona Notte!

Gute Nacht!

Camera Nascondita

Versteckte Kamera

Cara

Liebe (Anrede)

Carissima

Teuerste

Casa (pl. Case)

Haus

Cinquecento

15. Jahrhundert

Conte

Graf

Criniera

Mähne (Spitzname)

Donna

Frau, Dame

Duca

Herzog

Enorme

ungeheuer

Et voilà

Und siehe da …; Da ist …; Und fertig …

Exitus

Tod (lat.)

Incredìbile

Unglaublich

Ispettore

Inspektor

Libertin

Person ohne Bindung an sexuelle Normen (historisches Beispiel: Marquis de Sade)

Libertinage

Ausschweifung

Madonna Santa!

Heilige Mutter Gottes!

Maestro

Meister

Marchese

Markgraf

Nobilhomo di Venezia

Edler aus Venedig

Osterìa

Wirtshaus

Palazzo

Palast

Panier

Reifrock (franz.)

Piano Nobile

Hausflur, herrschaftlich

Piccolina

Kleine

Preme!

Es eilt!

Scuola

Schule

Scusi!

Entschuldigung!

Serenissimia

Hellste, Klarste; Bezeichnung für die Stadt Venedig

Sestiere

Sechstel, gemeint sind die sechs Stadtteile Venedigs

Si

ja

Signora

Frau (Anrede)

Signore

Herr (Anrede)

Sonnolento fagiano

schläfriger Fasan

Sporgente

hervorragend

Termine!

Schluss!

Trattoria

Gasthaus

Tres orizzontes

drei Horizonte

Vicomte

Vicomte (franz. Adelstitel)

Kapitel 1

Es ist eines jener Restaurants, wie sie überall auf alten Bauernhöfen aus dem Boden schießen, um den Gästen eine Illusion vom fröhlichen Landleben und gesundem Essen vorzugaukeln, dachte Cecilia, als sie auf der Straße das hell erleuchtete Schild entdeckte. In altertümlicher Schrift stand dort »Da Riva«. Um den rustikalen Charakter noch zu unterstreichen, befand sich über dem Schild ein kleines Strohdach. Sie setzte den Blinker und bog auf den Parkplatz des Restaurants ein.

Immer häufiger wurden Bauernhöfe zu Nobelrestaurants umgestaltet, und ihr Bruder verdiente gut daran. Antonio war Architekt und hatte sich auf den Umbau aufgegebener Bauernhöfe in Wellnessoasen, Nobelrestaurants und Freizeitanlagen spezialisiert. Das »Da Riva« war wahrscheinlich auch einer seiner Streiche, wenn auch nicht sein letzter, sondern das war der Umbau einer Burg zu einem Mittelaltererlebnispark.

Das »Da Riva« hielt in Punkto Rustikalität, was das Schild versprochen hatte. Ein Geviert lang gezogener Gebäude aus Feldsteinen unter Schieferdächern bildete den Komplex. Das Restaurant war im ehemaligen Wohnhaus untergebracht. Es war höher als die Scheunen und Ställe, dort gab es Läden für landwirtschaftliche Produkte und Kunstgewerbe, die aber am Abend geschlossen hatten. Der Hof war zum Parkplatz geworden, überall standen protzige Limousinen, viele mit Genueser Kennzeichen. Cecilia kam sich fehl am Platz vor mit ihrem kleinen Fiat. Sie zwängte ihn in die letzte freie Lücke zwischen einem BMW und einem Alfa Romeo und stieg aus.

Die Gedanken über das Restaurant, Antonio, seine Arbeit und was sie davon hielt, sollten sie nur von dem ablenken, was sie gleich erwartete. Ihr Bruder würde dort sein und ein Freund, hatte er am Telefon gesagt, ein Künstler, den er bei seiner Arbeit kennengelernt hatte. Er mache fantastische Arbeiten in Stein.

Wenn ein Mann fantastische Arbeiten in Stein machte, musste sie ihn interessant finden, so dachte Antonio. Er wollte seine Schwester unbedingt an den Mann bringen. Der Letzte, den er ihr vorgestellt hatte, arbeitete mit Holz und war eine einzige Katastrophe gewesen. Für ihn hatte es nur ein Thema gegeben – nein, eigentlich zwei: er und seine Arbeiten in Holz. Stein war gewichtiger, Cecilia war auf das Schlimmste gefasst. Im Rückspiegel kontrollierte sie ihr dezentes Make-up, strich ihre Augenbrauen glatt und lächelte sich zu.

»Einen Abend wirst du überstehen«, sagte sie zu ihrem Spiegelbild. »Antonio macht sich eben Sorgen, weil du mit 26 Jahren noch nicht unter der Haube bist, und ein Essen im »Da Riva« könntest du dir ohne seine Einladung nicht leisten.«

Im Haus schlug ihr Wärme, der Geruch nach gutem Essen und Wein entgegen. Der Geruch wurde intensiver, als sie vom breiten Flur in das Restaurant trat. Alle Tische waren besetzt, und die Gespräche der Gäste drangen wie das Summen eines Bienenschwarms an ihr Ohr.

Cecilia blieb in der Tür stehen. Sie mochte es nicht, in einem Raum voller Menschen nach jemandem Ausschau zu halten. Die Leute kamen ihr dann immer so gesichtslos vor, und sie hatte stets Sorge, den Gesuchten nicht zu finden.

»Cecilia.« Aus dem Gemurmel hörte sie deutlich ihren Namen heraus. »Hier sind wir.«

Sie atmete auf.

An einem der hinteren Tische winkte Antonio. Erleichtert schlängelte sie sich zwischen den Tischen hindurch.

Antonio und sein Freund erhoben sich. Er war einen Kopf größer als ihr Bruder, ganz in Schwarz gekleidet, auch schwarzhaarig, braun gebrannt, hatte ein männliches, markantes Kinn und bemerkenswerte graue Augen. Ein so durchdringender Blick, den er ihr schenkte, war ihr noch nie begegnet. Er schien bis in das Innerste ihrer Seele vorzudringen und sie auszuziehen, ohne dabei obszön zu wirken. Sie fühlte sich vielmehr gestreichelt.

Sie umarmte ihren Bruder und küsste ihn auf beide Wangen.

»Cecilia, das ist Stefano d´Inzeo«, stellte er seinen Freund vor.

»Wie die römische Springreiterfamilie.« Seine Stimme klang dunkel und geheimnisvoll – passte zu seinen Augen. Es kam ihr vor, als glitte ein Seidenschal über ihre Haut. »Soweit ich weiß, bin ich allerdings nicht mit ihnen verwandt.«

»Raimondo und Piero d´Inzeo.« Cecilia schenkte ihm ein Lächeln, von dem sie hoffte, dass es bezaubernd und unwiderstehlich war. Dieser Mann, ob er nun in Stein oder Holz arbeitete, war ... war ... Ihre Knie drohten unter ihr nachzugeben, und sie war froh, dass Antonio ihr einen Stuhl zurechtrückte.

»Wir wollen doch nicht so förmlich sein. Nennt euch Cecilia und Stefano.« Antonios Stimme durchbrach den Zauber zwischen ihnen.

Ein Ober brachte die Speisenkarten, und eine Weile waren sie nur damit beschäftigt, das Essen und den Wein auszuwählen. Cecilia entschied sich für Schinken auf Melone, als zweiten Gang Tagliatelle mit Muscheln, danach Entenbrust und zum Schluss ein Tiramisu. An die damit einhergehenden Kalorien dachte sie nur einen kurzen Augenblick. Sie war schlank und sportlich, und es wäre eine Sünde gewesen, angesichts all der Köstlichkeiten auf der Speisekarte nur einen Salat aus Rücksicht auf die Figur zu essen. Morgen konnte sie sich von Salat ernähren und alles wiedergutmachen.

»Eine kluge Wahl. Ich nehme dasselbe«, entschied Stefano. »Dein Bruder sagte mir, du warst auf der Polizeischule.«

»Ganz recht. Ich habe zunächst Kunstgeschichte studiert und mich dann bei der Polizei beworben, nachdem ich als Kunsthistorikerin keine Arbeit fand. Sie haben mich angenommen, und in drei Monaten werde ich meine erste Stelle als Kriminalassistentin in Livorno antreten.«

»Meine Schwester hat vielseitige Talente.«

Wenn Antonio es doch lassen würde, sie anzupreisen wie eine Kuh auf dem Markt. Sie warf ihm einen ärgerlichen Blick zu.

»Er erzählte mir auch von dir«, flötete sie zu Stefano gewandt.

»Oh je, und du bist trotzdem gekommen. Mutige Cecilia, mit Leib und Seele Polizistin.«

Sie lachte.

»Das wird sich erst noch herausstellen. Aber du bist Künstler und arbeitest in Stein. Über deine Skulpturen hast du meinen Bruder kennengelernt«, wiederholte sie das Wenige, was sie über ihn wusste.

»Ich male auch. Die Kunst ist eine meiner Leidenschaften.«

»Was hast du noch für Leidenschaften?«

Seine Antwort blieb zunächst aus, denn die Vorspeisen wurden serviert. Der Schinken ringelte sich verführerisch um Melonenbällchen. Cecilia merkte, wie hungrig sie war.

»Was ist nun mit deinen Leidenschaften?«, fragte sie, während sie ihre Gabel füllte.

»Pferde.«

»Du reitest?«

»Auch. Ich bin der Verwalter des Gestüts Tres Orizzontes.«

Drei Horizonte – was für ein poetischer Name. Und wenn man dann noch d´Inzeo hieß konnte man gar nichts anderes sein als der Verwalter eines Gestüts. Sie sagte etwas in der Art zu Stefano. Das ließ ihn auflachen.

»Mein älterer Bruder ist Investmentbanker, verheiratet, hat vier Kinder und hat Pferde bisher nur von Weitem gesehen.«

Cecilia ritt als Kind und hatte auch ein eigenes Pony, nachdem sie ihre Eltern so lange mit ihrem Wunsch gequält hatte, bis diese gar nicht mehr anders konnten, als ihr das Reiten zu erlauben. Wenn sie jetzt ein Pferd sah, musste sie ihm die Hand hinstrecken und sein weiches Maul berühren.

»Die Kinder deines Bruders hätten sicher auch lieber einen Gestütsverwalter als Vater?«

»Sie hätten am liebsten Signore Agnelli von Fiat zum Vater, so viel Geld wie sie für ihre Wünsche brauchen. Pferde gehören nicht dazu.«

»Bei mir war es genau andersherum: Pferde gingen mir über alles.«

Beim Essen redeten sie über Pferde. Stefano hatte seine ganze Kindheit und Jugend mit ihnen verbracht, aber nicht in Tres Orizzontes, sondern in Umbrien. Wenn er sich nicht in den Ställen oder der Reitbahn herumtieb, hatte er sie gezeichnet, aus Ton geformt, aus Holz geschnitzt, in Blei gegossen. So hatte sich seine Leidenschaft für Kunst entwickelt.

Sie waren beim Kaffee angekommen, als Stefano von einer Scheune erzählte, in der er arbeitete und seine Werke ausstellte.

»Ich habe inzwischen nicht mehr nur Pferde als Motive – eigentlich überhaupt nicht mehr.« Er stützte das Kinn in die Rechte. Eine schlanke Künstlerhand.

»Was denn dann?«

»Rothaarige, neugierige Frauen.«

Es war, als wäre Antonio nicht da. Ohne dass Cecilia es merkte, schob sich ihre Hand über den Tisch auf seine zu.

»Du malst sie?« Beinahe atemlos sagte sie das.

»Lasziv auf einer Bank liegend. Die Scheune ist nicht weit von hier. Wir können hinfahren, und du kannst es dir ansehen.«

Ihr Herz machte einen Sprung. Der tollste Mann, den sie seit langem kennengelernt hatte, lud sie ein. Ohne Zögern sagte sie zu und konnte gar nicht schnell genug ihren heißen Kaffee hinunterstürzen. Ihm schien es ähnlich zu ergehen, er winkte einen Kellner, zahlte und gab ein großzügiges Trinkgeld.

Als sie vor dem Restaurant standen, verabschiedete sich Antonio mit einem Händedruck von Stefano und von ihr mit einem Augenzwinkern.

»Mein Wagen steht dort drüben«, sagte Stefano und zeigte quer über den Platz.

»Ich habe gleich neben der Einfahrt geparkt.« Cecilia ärgerte sich, dass sie mit dem Auto gekommen war. Sie hätte ein Taxi nehmen sollen, dann könnte sie jetzt mit ihm zusammen fahren. Stattdessen musste sie ihm mit ihrem Wagen folgen.

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Die Scheune lag auf einer Anhöhe und ragte groß und dunkel in den Nachthimmel. Cecilia parkte ihren Wagen hinter Stefanos. Er wartete auf sie, hatte ihr eine Hand entgegengestreckt, aber bevor sie danach greifen konnte, zog er sie wieder zurück. Es war vielleicht zu viel Intimität, Hand in Hand zu gehen. Die Scheune hatte ein großes Tor, vor dem sie geparkt hatten, aber Stefano führte sie zu einem Seiteneingang. Er schloss auf und machte Licht.

Cecilia erblickte das Durcheinander einer Künstlerwerkstatt. In der Mitte stand auf einem Holzsockel eine Skulptur, zugedeckt mit einem Bettlaken – es war nicht zu erraten, was sie einmal werden sollte. Auf einem Klapptisch daneben lag eine Kollektion Hämmer und Meißel. Ein großer Tisch an der einen Wand war übersät mit Farbtuben, Pinseln, Malerpaletten, Terpentin und mit Farbe verschmierter Lappen. Auf einer Staffelei stand ein Bild, bedeckt mit einem Bettlaken, auf einer anderen eine weiße Leinwand. Das Durcheinander erinnerte sie an den Inbegriff eines Künstlerateliers, wie es Michelangelo nachgesagt wurde. Während ihres Studiums hatte sie sich viel mit ihm befasst und sich immer gewünscht, einmal die Arbeitsstätte des großen Meisters zu sehen. Gierig saugte sie alle Eindrücke in sich auf und ließ sich von Stefano weiter in den Raum schieben.

»Hier verbringst du also deine freie Zeit.« Sie nahm eine blaue Farbtube in die Hand, einen Pinsel, den sie unentschlossen zwischen den Fingern drehte.

Die eine Wand ließ einen schmalen Durchgang frei, dahinter lag wohl der Ausstellungsraum. Cecilia war verlegen. Sie hatte unbedingt herkommen wollen, und jetzt wusste sie nicht, was sie sagen sollte. Dabei wollte sie alles über Stefano wissen. Ihm erging es offenbar ebenso, denn auch er schwieg – sie schauten sich nur an. Bevor das verlegene Schweigen drückend werden konnte, fragte er: »Möchtest du sehen, woran ich gerade arbeite?«

»Darf ich das? Ich meine, die meisten Künstler mögen es nicht, wenn jemand ihre Werke sieht, bevor sie vollendet sind.«

»Mir macht das nichts aus – nicht, wenn du es bist.« Er zog das Bettlaken von der Staffelei. Auf dem Bild waren nicht mehr als ein paar Striche auf cremefarbenem Hintergrund zu sehen.

»Da ist ja kaum etwas.«

»Ja, nicht wahr?«

Sie prusteten beide los. Stefano hatte sich einen Spaß mit ihr erlaubt. Immer noch lachend zog Cecilia das Tuch von einer Skulptur. Dort war auch kaum etwas zu sehen – nur ein paar grobe Formen waren in den Stein gemeißelt.

»Ich habe mit beiden gerade erst angefangen.«

»Was soll es werden?« Cecilia legte eine Hand auf den Stein, strich über die raue Oberfläche und wünschte sich, es wäre Stefanos Körper. Gleichzeitig fragte sie sich, woher er wusste, welche Figur in einem Stein verborgen war.

»Ein Waldmann, so hat der Stein zu mir gesprochen«, beantwortete er auch ihre unausgesprochene Frage. »Du musst mit dem Stein reden, ihn fühlen und ihm zuhören.«

Er nahm ihre beiden Hände und legte sie auf die raue Oberfläche, fuhr damit an den Seiten entlang, half ihr, ihn zu umarmen. Cecilia war berauschter von seiner Nähe als vom Stein.

Der Duft seines Rasierwassers stieg ihr in die Nase, sein Atem streichelte ihren Hals, als er sagte: »Spürst du es?«

Sie spürte den Stein vor sich und hinter sich die Verführung pur. Stefanos Gemächt drückte sich in ihren Hintern und verriet sein Interesse an ihr.

»Ich verstehe, was du meinst.« Die Worte brachte sie nur mühsam heraus. Durch ihre Gedanken wirbelten wilde Bilder menschlicher Leiber, schwarzes Haar mischte sich mit ihrem roten, Haut an Haut, ihre Münder fanden sich. In der Wirklichkeit löste sich Stefano leider von ihr, nahm aber immerhin ihre Hand.

»Komm, ich zeige dir den Rest.«

Er führte sie um die Wand herum in den Ausstellungsraum. Das Licht war gedämpfter, einige ausgewählte Stücke wurden von Strahlern beleuchtet. In der Mitte des Raumes stand eine an die zwei Meter große Frau in der klassischen Pose einer Venus, sehr schlank, die weiblichen Formen nur angedeutet. Im Gegensatz zur Venus, die von einem seidigen Tuch umschmeichelt wurde, trug diese Skulptur aber nur einen formlosen Kittel. Ihr Gesichtsausdruck war auch nicht süß und unschuldig, sondern sah aus, als hätte sie in die tiefsten Abgründe der Hölle geblickt. Sie war von einem der Spots angestrahlt. In unmittelbarer Nähe der Skulptur stand eine Steinbank und kreisförmig um sie herum eine Reihe kleinerer Skulpturen.

An den Wänden hingen und lehnten Bilder in verschiedenen Größen. Viele davon zeigten mystische Waldlandschaften, und mehr als einmal entdeckte Cecilia einen Baummenschen, so wie offenbar der Stein im Atelier einer werden sollte. Ein Gesicht schaute aus der Rinde heraus, die Haare wurden zu Ästen. Die runzelige Rindenhaut verlieh den Geschöpfen etwas besonders Zerbrechliches. Daneben gab es aber auch Bilder in düsteren Grau-, Braun- und Rottönen, sie sahen aus wie offene Wunden, die niemals heilten, und aus denen das Blut sickerte.

Cecilia zuckte bei ihrem Anblick zusammen. Stefano bemerkte ihr Erschrecken und legte ihr die Hände auf die Schultern.

Seine Lippen streiften ihr Ohr, als er flüsterte: »Keine Angst. Sie gehören zu meinen dunklen Phasen, aber im Moment besteht keine Gefahr – dein Licht strahlt heller als die Sterne am Himmel.«

»Düstere Seiten muss ein Künstler wohl haben.« Sie strich ihm über das Haar, um ihm zu zeigen, dass sie ihn verstand. Sein Haar fühlte sich an wie ein schwarzes, gelocktes Fell, und sie hätte ewig darin herumwühlen mögen.

Hand in Hand setzten sie den Rundgang durch den Ausstellungsraum fort. Cecilia konnte kaum einen klaren Gedanken fassen.

»Gefällt es dir?« Er drückte einen Kuss auf ihre Schläfe.

Der Blick aus seinen grauen Augen war so intensiv, dass sie erkannte, wie viel für ihn von ihrer Antwort abhing.

»Und wie. Verkaufst du auch was davon?«

»Hin und wieder kommt zufällig jemand vorbei und erwärmt sich für ein Bild. Dein Bruder und seine Auftraggeber sind die einzigen Kunden, die mehr als einmal gekommen sind«, antwortete er selbstironisch.

»Das glaube ich nicht.«

Statt einer Antwort fuhr Stefano mit dem Finger ihren Hals entlang, verharrte in der Halsgrube. Seine Lippen waren nur Zentimeter von ihren entfernt. Er konnte nicht widerstehen. Als ihre Münder sich fanden, wurden ihre Knie schwach, und sie musste sich an ihn lehnen. Ihre Münder waren wie füreinander gemacht. Er schmeckte süß nach Kaffee, Wein und Mann. Sie öffnete ihre Lippen und lechzte nach dem Spiel ihrer Zungen, sie schlang die Arme um seinen Nacken und versank in diesem Kuss wie eine Erdbeere in der Sahne.

Nachdem sich ihre Münder wieder voneinander gelöst hatten, drehte sich Cecilia in Stefanos Armen und betrachtete wieder die Bilder. Seine Nähe ließ sie immer noch schwindeln.

»Ich meine es ernst, Stefano.« Sie rieb ihre Wange an seiner Schulter. »Du musst bekannter werden, dann werden dir die Leute deine Bilder und Skulpturen aus den Händen reißen. Du musst eine Ausstellung organisieren – hier in der Scheune, der Ort ist perfekt – und du musst die Presse auf dich aufmerksam machen. Sprich mit Antonio darüber. Er kennt sich aus und hilft dir sicher.«

»Wenn du meinst.«

»Stefano, es ist mir ernst. Ich sage das nicht einfach nur so.«

»Mir ist das hier auch ernst.« Seine Finger schoben sich in den Ausschnitt ihrer Bluse.

Das Licht flackerte einmal, zweimal und erlosch – auch der Arbeitsbereich wurde dunkel. Die Bilder und Skulpturen waren nur noch als Schatten zu erkennen. Cecilia schmiegte sich fest in Stefanos Arme.

»Auch das noch!«, fluchte er. »Warte. Die Bank muss hier irgendwo stehen. Sei vorsichtig und setze dich.«

Er zog sie ein paar Schritte bedrohlich nahe zu der großen Statue.

»Nebenan habe ich Kerzen.«

Stefano ließ sie allein, und sie fühlte sich verloren wie in einem Meer ohne Rettungsboot.

»Beeile dich.« Cecilia konnte das Zittern in ihrer Stimme nicht verhindern. Sie schlang die Arme um ihre Schultern.

»Ich bin gleich wieder bei dir.«

Sie tastete umher auf der Suche nach der Bank. Ihr Knie stieß an etwas. Es schien eine der kleineren Skulpturen zu sein. Sie wandte sich nach links – da war nichts. Hastig machte Cecilia einen Schritt. Ihre Zehen stießen an etwas anderes, und sie stolperte. Im letzten Moment konnte sie einen Sturz verhindern, aber ihr Schienbein schlug sie sich schmerzhaft an einer Kante an – ihr entfuhr ein Schrei.

»Cecilia, was ist?«, rief Stefano von nebenan.

»Nichts – ich habe mich gestoßen.«

»Ich bin gleich wieder bei dir.« Dann leiser: »Sie müssen hier irgendwo sein, diese verdammten Kerzen.«

Cecilia tastete umher. Woran sie sich gestoßen hatte, war wirklich die Bank – mit einem Seufzer ließ sie sich darauf nieder und umarmte sich selbst. Ihr linkes Schienbein schmerzte, als hätte es jemand mit einem der Hämmer aus dem Atelier bearbeitet. Bestimmt hatte sie es sich aufgeschlagen.

»Es sind nicht die Sicherungen, das habe ich kontrolliert.« Stefano kam zurück. In jeder Hand trug er eine brennende Kerze auf einer mit Farbe beklecksten Untertasse.

Wie eine Lichtinsel kam er auf sie zu, und nicht zum ersten Mal wunderte sich Cecilia, wie viel Licht zwei kleine Kerzen in einem großen Raum spendeten. Alles war schemenhaft zu erkennen. Die große Statue wirkte im flackernden Licht nicht mehr ganz so bedrohlich.

»Was ist mit dir?«, fragte er besorgt.

Er stellte die eine Kerze auf dem Sockel der Statue ab und die andere auf dem Boden neben der Bank und kniete vor ihr nieder, als er sie wie ein Häufchen Unglück dort hocken sah. Ihr linkes Bein zitterte, sie konnte es nicht ruhig halten.

»Ich ...«

Sanft umfasste er ihren Unterschenkel und schaute zu ihr auf. Durch seine fürsorgliche Geste fühlte sie sich beinahe getröstet.

»Ich habe mir das Schienbein gestoßen. Dumm von mir, aber es geht schon wieder.« Sie beugte sich ein bisschen vor und beäugte ihr Bein. Es war nichts zu sehen, nicht einmal die Haut war gerötet, dabei hatte es sich angefühlt, als würde Blut ihr Bein hinunterlaufen.

Stefano pustete auf die schmerzende Stelle. Wie Seide strich sein Atem über ihre Haut. Seine Hände fuhren ihre Schenkel entlang, schoben sich unter ihren Rock. Das Zittern vor Schmerz wurde abgelöst von einem solchen der Sehnsucht nach seinem Körper.

»Wird es besser?«, murmelte er, während seine Finger ihren Oberschenkel liebkosten.

»Oh ja.«

Sie wühlte in seinem Haar, mit der anderen Hand drückte sie seine Lippen auf ihre Haut. Er tupfte eine Reihe federleichter Küsse auf ihr Schienbein, ihr Knie. Der Rock war ihr bis zu den Hüften hochgerutscht. Cecilia spreizte die Beine. Köstliche Schauer rieselten durch ihren Leib, der den ganzen Abend auf Stefanos Zärtlichkeiten gewartet hatte. Ein Stöhnen entfuhr ihr. Ihre Hände glitten unter den Kragen seines Hemds, umfassten seine muskulösen Schultern, glitten seinen Rücken hinab.

Worte waren zwischen ihnen nicht mehr nötig, und beide hatten die ganze Zeit über gewusst, dass es geschehen würde. Stefano küsste die zarte Haut auf ihrem Bauch zwischen Slip und Rockbund. Cecilia fühlte sich, als hätte sie ihr ganzes Leben auf einen Mann wie ihn gewartet. Sie lechzte danach, dass er sie auszog und zu ihr kam. Stefano war von ihr genauso berauscht wie sie von ihm. Die aufregenden Kurven ihres Körpers brachten sein Blut zum Kochen.

»Stefano«, keuchte sie.

»Willst du es?« Er richtete sich auf und schaute ihr in den die Augen – Fragen und Verlangen standen in seinem Blick.

Statt einer Antwort zog sie ihm das Hemd aus der Hose, er half ihr, es über seinen Kopf zu ziehen. Anschließend öffnete er den Verschluss ihres Rockes und streifte ihn ihr ab.

»Du bist wunderschön.« Er zeichnete mit den Fingern ihre aufregenden Formen nach und wandte sich den Knöpfen ihrer Bluse zu, öffnete einen nach dem anderen. Den entstehenden Schlitz fuhr er zunächst mit den Fingern, dann mit den Lippen nach.

Zum Vorschein kam Cecilias cremefarbenes Spitzenunterhemd. Stefano zog ihr die Bluse so vorsichtig von den Schultern, als wäre sie aus kostbarem Porzellan. Als sie in Unterwäsche vor ihm auf der Bank lag, schaute er sie eine Weile nur an. Sein Blick streichelte sie, und ihr Blut kreiste in stürmischen Wogen durch ihren Körper. Sie las das Verlangen in seinen Augen und rekelte sich. Wenn sie gewusst hätte, welchen Sturm der Leidenschaft das in ihm entfesselte, hätte sie vielleicht Angst bekommen, so jedoch bewegte sie sich in einer Unschuld, die sie noch begehrenswerter machte.

Er sah nur noch sie, und wie fantastisch sie in ihrer Spitzenunterwäsche aussah. Er wollte sich ihr mit Haut und Haar ausliefern und sie gleichzeitig völlig beherrschen.

Cecilia hatte ihrerseits Muße, ihn zu betrachten. Er war muskulös, in seinen Armen wäre sie gut beschützt und würde eine nie gekannte Leidenschaft erfahren. Sie sehnte sich nach seinen Berührungen, seinen Lippen, seinem Körper. Cecilia warf den Kopf zurück und schüttelte ihr rotes Haar. Auf Stefanos Oberkörper zeichneten sich die Muskeln ab, es gab kein Gramm Fett an ihm. Sie verschlang ihn mit den Augen. Die sinnlichen Lippen, die stolze Nase. Jede Pore seines Körpers atmete Sinnlichkeit aus.

Sie konnte es nicht mehr länger aushalten, ohne ihn zu berühren, hob die Rechte und streichelte probeweise seinen Arm, fuhr seine Schulter entlang und zeichnete die Muskeln auf seinem Oberkörper nach. Die Haut war glatt und haarlos. Ein Zittern antwortete auf ihre Berührung.

»Komm zu mir«, hauchte sie. »Ich kann es nicht mehr aushalten ohne dich.«

»Ich bin bei dir.«

Langsam senkte er den Kopf, und wieder fanden sich ihre Lippen. Gierig war Cecilia ihm entgegengekommen und hatte die ihren geöffnet. Der Kuss durchfuhr sie wie ein Feuerstrahl. Ihre Zungen spielten miteinander, und sie versank in einem Strudel der Gefühle. Es hatte sein Gutes, dass der Strom ausgefallen war, und sie sich das Bein angeschlagen hatte, sonst wäre sie Stefano vielleicht nicht so nahe gekommen. Sie schob eine Hand in den Bund seiner Hose. Sein Hintern fühlte sich genauso straff an wie der Rest seines Körpers. Sie zog ihn näher zu sich heran.

Stefano schob die dünnen Träger ihres Hemds beiseite und streichelte den Ansatz ihrer Brüste, während sie am Verschluss seiner Hose nestelte.

»Ich will dich«, flüsterte sie in seinen Mund. Unter ihren tastenden Händen öffnete sich der Knopf, und mit einem Ratsch zog sie den Reißverschluss nach unten.

Stefano hielt danach ihre Hände fest und zog einen Träger ihres Hemds mit den Lippen weiter nach unten. Ihre Brüste quollen aus dem Hemd. Sie reckte sich ihm entgegen, und seine Hände schlossen sich um die prallen Halbkugeln. Die harten Warzen drückten gegen seine Handflächen. Er massierte ihren Busen, und dann tat er etwas, das ihr beinahe die Sinne raubte – er berührte mit den Handinnenflächen nur gerade ihre Brustwarzen und rieb sie.

Cecilias Oberkörper bebte, und Wellen der Lust flossen durch ihren Leib. Sie biss sich auf die Lippe, brauchte den Schmerz, um nicht vollends ihrer Sinne beraubt zu werden. Sie wollte ihn an sich ziehen, ihn umarmen, ihn zwischen ihren Beinen spüren, aber sie saß nur auf der Bank und genoss die Berührung.

Kurz bevor ihr Körper zu bersten drohte, beendete Stefano seine süße Qual. Er setzte sich rittlings hinter sie auf die Bank, sie spürte sein hartes Glied in ihrem Rücken. Er schob ihr Haar beiseite, küsste ihre Schläfe, ihr Ohr, ihren Hals, streichelte ihre Brüste, ihren Bauch und schob die Finger in den Bund ihres Slips.

»Du bringst mich richtig auf Touren.« Ihre Stimme klang belegt, ihr Mund war trocken, sie fühlte sich köstlich heiß und lehnte sich an ihn.

»Kleine Wilde.«

Sie lachte dunkel auf. Das wollte sie sein, seine wilde Geliebte, und alles tun, was ihm gefiel. Sie warf den Kopf zurück und hoffte, er würde seine Hände tiefer in ihren Slip schieben.

»Sag mir, was ich machen soll. Sage mir irgendetwas, und ich mache es. Ich gehöre nur dir«, raunte sie ihm ins Ohr.

»Du willst wirklich alles für mich tun?«, flüsterte er zurück und schob seine Hände tiefer in ihren Slip, seine Finger berührten ihr Schamhaar. Ihr entfuhr ein Keuchen.

»Alles.« Cecilia lehnte sich auf der Bank zurück, sie wölbte den Oberkörper und brachte ihren Busen zur Geltung. »Du könntest mich fesseln und schlagen, und ich würde es genießen.«

Sie wusste gar nicht so genau, was sie da gesagt hatte, um ihm ihre Hingabe zu beweisen, aber Stefano hatte es genau gehört, und seine Augen leuchteten auf.

»Dein Schmerz ist meine Lust«, flüsterte er. Seine Lippen strichen über die erhitze Haut an ihrem Hals. Er nahm sie zwischen die Lippen, spielte damit, und auf einmal fühlte sie seine Zähne an ihrer Haut.

Ein kleiner Strahl aus Schmerz wand sich in ihren Körper, vermischte sich mit der Lust, die seine Hand an ihrer Scham hervorrief.

»Mein Schmerz ist deine Lust«, kam ihr Echo auf seine Worte.

Stefanos Zähne bohrten sich tiefer in ihre Haut. Die Hand krallte sich zwischen ihre Beine. Sie spreizte die Schenkel, damit er noch näher kommen konnte. Ein Finger schlüpfte in ihre Spalte, erkundete ihre warme Feuchtigkeit.

Cecilia wand sich unter seinen Berührungen, genoss deren Härte an ihrem Hals und den sanften Finger in ihrer Scheide. Mit einem Ruck brachte er sie dazu, sich auf die Bank zu legen und beugte sich über sie. Der harte Stein drückte in ihren Rücken. Stefano schaute auf sie herunter. Der Blick aus seinen grauen Augen war unergründlich, drang bis in ihr Innerstes vor und erkannte, wie sehr sie es genoss, sich ihm zu unterwerfen.

Er presste ihre Schultern auf den Stein, die Finger bohrten sich in ihre Haut. Cecilia keuchte. Sie bekam eine Ahnung davon, wie es sich anfühlte, einen Herrn zu haben.

»Zieh mich aus!«, befahl er ihr und ließ ihre Schultern los, blieb aber weiter über ihr knien.

Sein Slip war zum Bersten gespannt. Sie rutschte nach unten, bis sein Penis dicht vor ihrem Gesicht war. Sie müsste sich nur ein bisschen recken, dann könnte sie ihn mit den Lippen erreichen. Zart küsste sie die Haut seiner Oberschenkel, wagte sich bis zum dünnen Stoff des Slips vor.

»Mach schon«, knurrte Stefano.

Tief sog sie seinen erregenden männlichen Duft ein, bevor sie mit beiden Händen zupackte und ihn von dem störenden Stoff befreite. Wie ein gieriges Tier sprang ihr sein Schwanz entgegen. Stefano belohnte ihr Tun mit einem tief aus seiner Kehle kommenden Stöhnen.

Mit einer kurzen Handbewegung befahl er ihr, sich auf den Bauch zu drehen. Sie gehorchte. Ihre Arme hingen von der Bank herab, sie konnte nichts sehen außer ihrem Haar und einem Stück der Angst einjagenden Skulptur.

Stefano strich ihr die Haare beiseite, bevor er damit begann, ihr den Rücken zu massieren. Er rieb über ihre Wirbelsäule, und es fühlte sich an, als glitte ein Reibeisen über ihre Knochen. Sie spürte, wie ihre Haut zu brennen begann. Zuerst war es nur ein Prickeln, das sich allmählich immer tiefer fraß. Es entlockte ihr ein Brummen.

»Das gefällt dir, mia gatta?« Er beugte sich dicht über sie. Seine Fingernägel schnitten in ihre Haut, und sein harter Schwanz drängte sich zwischen ihre Oberschenkel.

Cecilia fühlte eine Hitze in sich aufsteigen, als wäre ihr Körper ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Sie konnte es kaum erwarten, dass er zu ihr kam. Nie hätte sie gedacht, dass es so wäre, sich einem Mann vollständig zu unterwerfen, dass er mit ein paar Berührungen eine derartig intensive Lust in ihr hervorrufen könnte. Sie konnte ihm nicht antworten, nur unverständliches Gemurmel, das »und wie« heißen sollte, tropfte von ihren Lippen, vermischte sich mit den Tränen, die über ihre Wangen liefen und zu Boden tropften.

Stefano schien ihre Not zu ahnen. Er griff ihr von hinten zwischen die Beine, tauchte wieder ein in ihre Feuchtigkeit, erkundete zärtlich jeden Winkel, während er sich mit der anderen auf ihrem Rücken abstützte und sie auf die Bank presste. Sie lag dort wie festgenagelt. Er spielte mit ihrer Scheide, kitzelte ihre Klitoris, und sie wollte schreien vor Lust, aber ihr fehlte die Luft in den Lungen. Sie nickte stumm. Seine geschickten Finger brachten ihre Scheide zum Glühen.

Endlich hatte er ein Einsehen und lockerte seinen Griff auf ihrem Rücken. Sie wollte sich umdrehen und ihm in die Augen sehen.

»Bleib so«, sagte er zischend.

Er spreizte ihre Beine, die Kanten der Bank drückten sich schmerzhaft in ihre Oberschenkel, und kam zu ihr, hob ihr Becken an und drang mit einem tiefen, harten Stoß in sie ein, bewegte sich dann aber in einem aufreizend langsamen Rhythmus.

»Du machst mich verrückt. Ich will dich ganz besitzen.«

»Si, Signore.« Ihre Stimme bebte, aber die Worte kamen ihr so natürlich über die Lippen, als wäre sie schon seit Jahren seine demütige Geliebte.

Als Belohnung für ihren Gehorsam beschleunigte er seine Stöße und sorgte dafür, dass die Wogen der Leidenschaft in ihrem Leib immer mehr anschwollen. Als sie kurz vor der Explosion stand, zog sich Stefano auf einmal aus ihr zurück und forderte: »Reite mich.«

Der Verwalter von Tres Orizzontes wollte eingeritten werden. Das konnte er haben. Sie wechselten die Stellung. Stefano lag nun auf der Bank, Arme und Beine hingen seitlich schlaff hinunter, sein Schwanz stand steil in die Höhe.

Ich werde Dir zeigen, wie eine Frau einen wilden Hengst einreitet, dachte Cecilia und ließ sich auf ihn niedersinken.

Sein Schwanz glitt wieder in ihre Spalte, und sie umschloss diesen willkommenen Gast. Stefano wartete mit geschlossenen Augen und halb geöffneten Mund auf den Beginn des Ritts.

»Du wilder Hengst.« Sie bewegte sich langsam auf und nieder. Ihr Haar hing auf seine Brust hinab, und mit den Händen stützte sie sich rechts und links neben seinem Kopf auf der Bank ab. Sie spürte die Spannung in seinem Körper und genoss es, ihn unter sich zu haben.

»Du bist eine wunderbare Reiterin.« Immer noch hielt er die Augen geschlossen. Er legte seine Hände auf ihre Oberschenkel und ertastete die Kerben, die die Kanten der Bank hinterlassen hatten. Ihre Haut war dort besonders empfindlich, und seine leichten Berührungen rauschten wie Feuer durch ihren Leib.

»Schneller, härter«, keuchte er.

Cecilia tat, was er verlangte. Sie bewegte sich in einem wahren Stakkato. Ihr Rücken schmerzte von seiner Massage und erinnerte sie daran, wie sie unter ihm gelegen hatte und ihm ausgeliefert gewesen war. Und dass Schmerz Lust war.

»Stefano, sieh mich an«, bat sie.

Er gehorchte. Seine Augen waren tiefe Seen. Jeder Künstler hat eine dunkle Seite, hörte sie ihre eigenen Worte, und jetzt gerade sah sie seine.

Die dunklen Seiten der Lust. Auch sie trug eine dunkle Seite in sich. Stefano hatte sie hervorgelockt. Ein Beben lief durch ihren Körper. Beruhigend drückte er seine Hände an ihre Hüften.

»Du bist wunderbar, Piccolina

»Ich werde dich reiten, dass du deinen und meinen Namen vergisst.«

»Reite.«

Sie tat sogleich, was sie angekündigt hatte. Stefano konnte die Hände nicht mehr länger ruhig auf ihrer Hüfte liegen lassen. Wie von selbst fanden sie den Weg zu ihren Brüsten und schlossen sich fest um die Halbkugeln. Sie kneteten und zwirbelten ihre harten Warzen. Auf diese Weise peitschten sie ihre Lust vorwärts. Wilde Geilheit pulsierte durch ihren Körper. Cecilia ließ alle Hemmungen fallen, und der Orgasmus kam in einer wahren Explosion. Sie schrie ihre Lust heraus, und im selben Moment kam auch für Stefano die Erlösung.

Hinterher saß sie zwischen seinen Beinen, und er fuhr mit den Fingern die Spuren seiner Zähne und Nägel auf ihrer Haut nach. Die Male waren deutlich gerötet. Seine Berührungen hinterließen einen wohligen Schmerz.

»Verachtest du mich dafür?«

Stefano musste die Frage wiederholen, ehe sie begriff, was er meinte.

»Nein, natürlich nicht.«

Wie sollte sie ihn verachten, nachdem er ihr so viel Lust bereitet hatte?

»Dafür, was ich dir angetan habe?«

Sie schüttelte den Kopf, ihr rotes Haar strich über seinen Hals. »Ich habe es genossen.«

»Habe keine Angst vor dem, was in dir ist.« Stefano richtete sich auf und umarmte sie. »Es ist alles gut.«

Wenn er das sagte. Cecilia lehnte den Kopf an seine Schulter. Die Leidenschaft war von einem warmen Gefühl der Zärtlichkeit abgelöst worden. Sie trug immer noch das Spitzenunterhemd, das sich zu einem Wulst um den Bauch gewickelt hatte. Sie zog es glatt und schlüpfte mit den Armen durch die Spaghettiträger – Stefano half ihr, dabei legte er noch einmal die Hand auf ihren Busen. Er stützte sich mit einem Arm auf der Bank ab und beobachtete sie. Seine freie Hand lag warm auf ihrer Hüfte.

Sie waren beide unsicher über das, was ihnen widerfahren war und wussten nicht so recht, wie sie miteinander umgehen sollten.

Bei früheren Eroberungen hätte sie sich in dieser Situation angezogen und sich mit einem langen Kuss verabschiedet. Einige Männer hatte sie danach noch einmal wiedergetroffen und mit zweien hatte sich eine längere Beziehung entwickelt – bei Stefano wäre das nicht richtig. Sie wollte sich nicht aus seinen Armen lösen, sich anziehen und in ihre einsame Wohnung fahren – viel lieber wollte sie bei ihm bleiben und seine warmen Hände auf ihrer Haut spüren, ihm dabei aber nicht das Gefühl geben, wie eine Klette an ihm zu hängen. Dabei hatte sie ihn gerade einmal vor ein paar Stunden kennengelernt und ... Die Situation war vertrackt – alles hatte angefangen wie eine aventura di una notte, aber dabei wollte sie es nicht belassen. Schon gar nicht auf einer Steinbank in einem ungeheizten Atelier ohne Strom, sie wollte Stefano ergründen, den Künstler in ihm, den Liebhaber und Pferdenarren.

Also blieb sie und schwieg.

Bevor die Stille zwischen ihnen allzu schwer wurde, fragte er: »Welches meiner Bilder hat dir am besten gefallen?«

Da brauchte sie nicht lange zu überlegen. »Das kleine verträumte mit der Jungfrau an der Quelle.«

»Verträumt?«

»Ich zeige es dir.« Cecilia stand auf, nahm eine der Kerzen und lief nur mit dem Hemd bekleidet in eine Ecke des Ateliers. Dort stand das Bild an die Wand gelehnt. Auf den ersten Blick hatte es sie tief berührt, denn es zeigte ihr seine helle und seine dunkle Seite. Auf einer nebeligen Waldlichtung kniete über einer Quelle eine von seinen Baumfrauen mit einem hässlichen, runzeligen Gesicht. Ein Sonnenstrahl war durch den Nebel gedrungen und beleuchtet das Wasser, in dem sich ihr Gesicht spiegelte, und es war so rein und lieblich wie das der allerschönsten Jungfrau. Für Cecilia war das Bild ein Zeichen für Hoffnung, und dass auf dunkle Zeiten auch immer wieder strahlende Abschnitte folgten.

Stefano war ihr gefolgt, und als sie vor dem Bild stehen blieb, legte er ihr eine Hand auf die Schulter. Genauso wenig wie sie konnte er auf die Berührung ihrer Haut verzichten.

Cecilia beleuchtete mit der Kerze das Bild, Stefano schaute ihr über die Schulter. Sein wieder erwachendes Glied drückte sich in die Spalte zwischen ihren Pobacken.

»Das meine ich.«

»Ich schenke es dir.«

»Das kann ich nicht annehmen, Stefano. Es ist viel zu wertvoll.«

»Ich möchte es dir schenken«, sagte er mit Nachdruck. »Bitte.«

Seinen eindringlichen Worten konnte sie sich nicht entziehen.

»Es wird mich immer an den Stromausfall in deinem Atelier erinnern.« Liebevoll strich sie über den oberen Rand. »Ich danke dir.«

Immer noch mit der Kerze in der Hand drehte sie sich zu ihm um und schlang eine Hand um seinen Nacken. Sie bot ihm ihre Lippen zum Kuss – ein Angebot, dem er nicht widerstehen konnte.

Sie versanken in einem nicht enden wollenden Kuss. Warme Wellen begannen wieder durch ihre Leiber zu fluten. Sie registrierte Stefanos wachsende Erregung – sein Schwanz drückte hart gegen ihren Unterleib. Er war immer noch nackt, sie trug nur das kurze Hemd. Das Licht der Kerze umgab seinen Kopf wie eine Gloriole.

Sie überkam wieder die Lust auf diesen Mann. Cecilia schmiegte sich an ihn. Seine Zunge eroberte ihren Mund und begann ihr erregendes Spiel. Sie war Wachs in seinen Händen, er brauchte nur vor ihr zu stehen – da wurden ihre Knie schwach. Sie wollte ihm richtig danken – nicht nur mit Worten.

»Die Kerze«, murmelte sie.

Stefano nahm sie ihr aus der Hand und stellte sie irgendwo ab, sie achtete nicht weiter darauf. Dann drückte er sie gegen die Wand. Sie winkelte ein Bein an und schlang es um seinen Leib, während sie ihn wieder küsste.

Die Wand war hart und kratzig – es störte sie nicht weiter, wichtig waren allein seine Hände, die ihre Haut liebkosten. Seine Finger schlüpften in ihre Spalte. Sie war wieder feucht und bereit für ihn. Er spürte es und drang langsam in sie ein. Mit seinen starken Armen hielt er ihre Hüften und begann sich in einem aufreizend langsamen Rhythmus in ihr zu bewegen. Cecilia schlang auch das zweite Bein um seinen Leib und gab sich ganz seinen Bewegungen hin. Sie hatte das Gefühl, als würde sie schweben.

Stefano hatte die Augen geschlossen und stieß heftiger in sie, dabei blieb er aber zärtlich, als wäre sie aus kostbarem Glas. Er lechzte diesmal nicht nach Schmerz.

Ihr Höhepunkt kam langsam, sanft und zugleich mit seinem. Sie spürte seinen Samen in ihren Leib fließen. Er hielt sie danach noch weiter auf seiner Hüfte und genoss es, in ihr zu sein.

»Was musst du nur von mir denken?«, murmelte er. Seine Lippen spielten mit einer Strähne ihres Haares. Die Spitzen strichen über ihren Busen. Es kitzelte ein wenig.

»Ich denke, dass du ein wunderbarer Liebhaber bist – so stark – und dass ich dir gar nicht genug für das Bild danken kann.«

»Du hast mir mehr gedankt, als ich erwartet habe.« Er stellte sie sanft auf den Boden und zeichnete mit dem Finger die Konturen ihrer Brüste nach.

»Du wirst noch berühmt werden, und dann ist das Bild sehr wertvoll.«

»Eine richtige Geldanlage. Aber erst, wenn ich tot bin.«

Er lachte über ihr Erschrecken ob seiner Worte und küsste ihre Augenlider. »So schnell will ich nicht sterben, keine Angst, Kleines.«

Sie gingen zurück zu der Bank und schlüpften wieder in ihre Sachen.

»Ich sollte dann wohl gehen«, sagte Cecilia ein wenig verlegen und strich sich mit den Händen durch die Haare.

»Ich bringe dich zum Wagen.«

Die Scheune verließen sie durch die Werkstatt und die kleine Seitentür. Stefano trug das Bild und verstaute es auf dem Rücksitz ihres Fiats.

Sie wollte ihn wiedersehen, wollte ihn fragen »Wann«, aber das tat eine Frau nicht. Es würde so aussehen, als würde sie sich ihm an den Hals werfen. Verdammt, genau das wollte sie.

»Ich will dich wiedersehen.« Stefano umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen. »Gibst du mir deine Telefonnummer?«

Ihr Herz machte einen Sprung.

Kapitel 2

Stefano hatte Wort gehalten. Er hatte bis zu seinem Anruf genau die richtige Zeit verstreichen lassen, um sie in einen fiebrigen Zustand der Sehnsucht zu versetzten. Sie hatte drei Tage unaufhörlich an ihn gedacht, stundenlang sein Bild betrachtet, das einen Ehrenplatz in ihrem Wohnzimmer erhalten hatte, als das Klingeln des Telefons ihre Wohnung in einen sonnendurchfluteten Palast verwandelte. Sie hatte gerade geduscht und trug nur einen Bademantel und ein zu einem Turban gedrehtes Handtuch auf ihrem feuchten Haar, als das sehnlich erwartete Geräusch ertönte.

Seine Stimme versetzte sie in einen Freudentaumel. Während des Gespräches hatte sie nicht stillstehen können, sondern war zwischen Wohn- und Schlafzimmer hin- und hergelaufen – die Sehnsucht nach ihm empfand sie wie ein Ziehen in ihrem Unterleib. Stefano wollte sie wiedersehen – heute, jetzt. Er hatte sich mit ihr in der Stadt treffen wollen, in einem Café, aber sie wollte nach Tres Orizzontes kommen, um ihn und das Gestüt zu sehen. In zwei Stunden wäre sie da.

Die Zeit verrann, während sie nackt vor dem Kleiderschrank stand und nicht wusste, was sie anziehen sollte. Es sollte sexy sein, praktisch für den Besuch auf einem Gestüt, luftig und leicht auszuziehen – die Quadratur des Kreises. Es sollte auch nicht zu knapp sein, Stefano sollte sie nicht für ein Flittchen halten.

Jede Minute, die sie hier herumstand, würde sie später zu ihm kommen. Schließlich zog sie einen weißen BH an, der ihre Brust nach oben drückte und ein schönes Dekolleté formte, einen weißen Tanga, eine ebenfalls weiße Bluse und eine an den Rändern ausgefranste Bermudajeans, dazu flache Sandalen. Das frisch gewaschene Haar steckte sie hinter den Ohren fest, ansonsten ließ sie es offen. Üppig fielen ihr die Locken auf die Schultern. Nachdem sie noch ein wenig Kajal aufgetragen hatte, war sie mit ihrem Aussehen zufrieden und lächelte ihrem Spiegelbild zu. Ich sehe aus wie eine Frau auf dem Weg zu einem Rendezvous, dachte sie.

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Der Hof von Tres Orizzontes lag im gleißenden Sonnenlicht und war völlig ausgestorben bis auf Stefano, der unter dem Vordach des Stalls an einem Pfosten lehnte. Es sah aus wie in einem Western von Sergio Leone. Stefano trug eine verwaschene Jeans, ein schwarzes T-Shirt und tatsächlich Cowboystiefel, nur der Hut fehlte, und er kaute auch nicht auf einem Grashalm, erkannte Cecilia, als sie aus dem Wagen stieg, und er ihr entgegenkam.

»Cecilia.« Er schlang die Arme um sie und küsste sie, als wären sie seit Jahren ein Paar.

Sie schmiegte sich an ihn. All ihre Bedenken, was er von ihr halten mochte, zerstoben in der Sommerhitze. Willig öffnete sie die Lippen, ihre Zunge schlängelte sich vorwitzig in seinen Mund, tastete nach seiner und begann mit ihr zu spielen. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, bis sie sich voneinander lösten. Stefano nahm eine Strähne ihres frisch gewaschenen Haares in die Hand, roch daran.

»Ich hätte nicht gedacht, dass es so rot ist. Am Abend sah es eher rotblond aus.«

Sie fuhr sich mit der Hand durch die Locken. »Gar nichts gefärbt.«

»Als Pferd wärst du ein Fuchs. Rotfüchschen!«

»Oh, du.« Sie boxte ihm spielerisch in die Rippen. »Zeige mir das ganze Gestüt. Ich will alles sehen.«

Mit weit ausgebreiteten Armen drehte sie sich um sich selbst.

Lachend fing Stefano sie auf. »Du willst bestimmt die Pferde sehen. Die meisten sind auf den Weiden, die Stuten mit den Fohlen, die Ein- und Zweijährigen. Die Hengste stehen hier. Du bist an ihnen vorbeigefahren, als du gekommen bist.«

Auf Pferde hatte sie nicht geachtet, ihre Sinne waren viel zu sehr auf den Mann fixiert gewesen, den sie gleich treffen wollte. Stefano ging mit ihr Hand in Hand die von alten Bäumen gesäumte Auffahrt entlang.

»Ich habe auch mit deinem Bruder telefoniert wegen der Ausstellung. Er fand die Idee prima und wird mich unterstützen und seine Kontakte nutzen«, plauderte er dabei.

»Siehst du. Antonio weiß, was zu tun ist, damit die Ausstellung ein Erfolg wird.« Cecilia freute sich so sehr für ihn, dass sie kaum vernünftig gehen konnte, sondern herumtänzelte wie ein übermütiges Fohlen.

Hinter den Bäumen lagen rechts und links Koppeln. Auf jeder stand ein einzelnes Pferd.

Auf der ersten war es ein hochgewachsener Brauner, der an den Zaun getrabt kam, als Stefano mit der Zunge schnalzte. Neugierig suchte seine Nase in den Taschen und Händen seiner Besucher nach Leckerbissen. Stefano zog eine verschrumpelte Möhre hervor. Der Hengst hieß Chandor i Orizzonte, und Cecilia wünschte sich, einmal auf so einem prachtvollen Tier zu reiten, aber es war Jahre her, dass sie zuletzt auf einem Pferderücken gesessen hatte, und sie würde wahrscheinlich nicht zurechtkommen. Besser versuchte sie es zuerst mit einem sanften Wallach, und wenn sie länger mit Stefano … Unmerklich stahl sich ein Lächeln in ihr Gesicht, sie dachte an ihn schon wie an einen Partner und sah ihn doch erst zum zweiten Mal.

»Woran denkst du?« Er hatte ihr Lächeln bemerkt, schob eine Hand unter ihr Haar und streichelte ihren Nacken.

»Ach, nichts.«

»Nun sag schon.«

»Nur daran, wie prachtvoll Chandor ist, und wie schön es sein muss, der Verwalter von Tres Orizzontes zu sein«, rettete sie sich in eine Notlüge.

»Es ist vor allen Dingen harte Arbeit.«

»Ja, genau. Du siehst aus wie ein hart arbeitender Mann, der von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang schuftet.«

»Und sich heute ein wenig Zeit gestohlen hat, um einer schönen Frau sein Leben zu Füßen zu legen.«

Stefano verabschiedete Chandor mit einem Klaps auf den Hals.

Es gab noch zwei weitere Hengste auf ihren Koppeln, einen Fuchs und einen Dunkelbraunen, alle genauso prachtvoll wie der erste. Danach besichtigten sie die Reithalle, die Außenreitplätze und die weitläufigen Stallungen. Wie Stefano gesagt hatte, standen zurzeit in den Boxen nur wenige Pferde, die zugeritten und verkauft werden sollten. Ihm gehörte ein Schimmelwallach, der in einem Pferch hinter dem Stall stand und leise wiehernd herankam, als er seinen Herrn erkannte. Er war kaum weniger prächtig als die Hengste, und Stefano erzählte von dessen Abstammung, die sich mehr als 250 Jahre zurückverfolgen lasse zu einem berühmten Rennpferd. Cecilia hing gebannt an seinen Lippen, aber sie reagierte mehr auf seine körperliche Gegenwart als auf die Worte. Sie stand dicht neben ihm und fragte sich, ob er sie zu einem gemeinsamen Ausritt einladen würde. Erst würden sie über die Wiesen und Felder galoppieren zu einem verschwiegenen Platz und dort …

Schließlich standen sie vor dem Gutshaus, in dessen Seitenflügel Stefanos Wohnung lag. Der Rest des Hauses war nur bewohnt, wenn der Besitzer von Tres Orizzontes sich auf dem Land aufhielt. Das war hauptsächlich im Herbst der Fall, wenn die Jagdsaison begann, die übrige Zeit lebte er in Rom und ging dort seinen Geschäften nach. Wie man einen so schönen Besitz haben und nicht dort leben konnte, verstand Cecilia nicht. Stefano schien darüber froh zu sein, ließ es ihm doch freie Hand bei seiner Arbeit.

Es wäre jetzt die rechte Zeit für die Frage nach einem Ausritt.

Sie sahen sich tief in die Augen, und es wurde klar, dass sie beide etwas ganz anderes wollten als einen Ausritt. Wortlos führte Stefano sie in seine Wohnung. Die war großzügig geschnitten und trotz der sommerlichen Hitze angenehm kühl.