Für meine Mom und ihren Rotstift.

Das Ende meines alten Ichs

Ich saß hoch oben in der Eiche, einen Ast zwischen den Knien, und beobachtete den tätowierten Mann, der im Schnee herumstapfte. Er hatte lauter Bilder im Gesicht, so viele, dass keine Haut mehr zu sehen war, nur noch Tinte und Blut. Und er suchte nach mir. Er war ständig auf der Suche nach mir. Von seinem Fischmesser fielen rote Tropfen in den Schnee. Aber das war kein Fischblut. Es war Menschenblut. Jungenblut. Ein Bursche aus Tucket hat seinen Skalp an dieses Messer verloren. Haarbüschel, an denen noch Haut klebte, hingen am Gürtel des Mannes. Auch sie tropften, das Blut war noch heiß und frisch. Er hatte die Leiche für die Wölfe im Gebüsch liegen lassen.

Ich pustete mir mit dampfendem Atem in die Hände.

»Du bist weit weg von zu Hause, Kreagar«, rief ich nach unten.

Die Bäume ließen meine Stimme abgehackt klingen. Im tiefsten Winter bestand der Wald aus Skeletten, sodass man nur schwer unauffällig bleiben konnte, wenn man nicht wusste, was man tat, doch ich war sehr gut darin. Er würde keine Spuren oder Fußabdrücke im Wald finden, nur seine eigenen, denn solche Fehler passierten mir nicht. Kreagar schaute sich um, sah nach oben und in die Büsche, aber ich war schon immer gut darin gewesen, mich zu verstecken.

»Wer spricht mich da aus den Bäumen an?«, rief er. Seine Stimme klang, als würde man mit einem Knochen über Borke reiben. Sie war rau, wenn er wütend war; sprach er sanft, erinnerte sie eher an ein leises Grollen in einer kühlen Nacht. Ich wollte nicht mehr daran denken, dass er sanft sein konnte. Seine Freundlichkeit war falsch und verlogen.

»Ich hab gesehen, was du mit dem Jungen gemacht hast«, sagte ich. »Ich weiß, wo er liegt. Du hast sein lockiges Haar an deinem Gürtel hängen.«

Kreagar schniefte laut. Wegen der Kälte lief seine Nase, und der Rotz tropfte ihm in den Bart. Er bleckte die Zähne wie ein Bär aus den Bergen. Wie immer, wenn er tötete, trug er nicht mal ein Hemd. Seine Brust war mit Blutspritzern übersät, die sich mit den Tattoos und dem drahtigen schwarzen Haar vermischten.

»Bist du das, Elka-Kleine? Ist das meine Elka, die da in den Bäumen Eichhörnchen spielt?«, rief er.

»Ich bin nicht deine Elka«, protestierte ich. »Das war ich nie und werd ich nie sein.«

Ich zückte mein Messer mit der langen Klinge, den gezackten Sägezähnen und dem Hirschhorngriff.

Kreagar stampfte im Wald herum, ließ die ganzen Viecher wissen, wo er war, und hinterließ eine Blutspur, die wie eine verdammte Einladung aussah.

»Komm runter und nimm den alten Kreag in die Arme. Du hast mir gefehlt.«

»Das glaub ich dir nicht. Ich bleib lieber, wo ich bin.«

Er blickte hinauf zu den Bäumen. Seine Augen waren pechschwarz, schwarz wie eine Seuche, das Chaos, der Hass und die Lüge. Als er grinste, blitzten seine Zähne wie Grabsteine auf, und er wirbelte sein kleines Fischmesser zwischen den Fingern herum, dass das Blut durch die Gegend spritzte, als wollte er einen roten Teppich ausrollen.

»Du weißt doch, dass ich dir nie was tun würde, Elka.« Seine Stimme wurde immer freundlicher. »Ich würde meiner Elka nie wehtun.«

Er lief herum wie ein Blinder, trottete durch den Schnee, und von seinem Körper stieg Dampf auf. Wenn er getötet hatte, war ihm immer warm. Er war schlank, aus gutem Holz geschnitzt, wie einige sagen würden, und abgesehen von den Tattoos hatte er ein Gesicht, mit dem man ihn auch seiner Mutter vorstellen konnte. Inzwischen schien er das Versteckspiel leid zu sein. Er lehnte sich an eine Pappel und keuchte, um sich nicht zu verkühlen.

»Ich hätte dich schon hundert Mal umbringen können, Kleine«, sagte er bedächtig. »Ich hätte dir im Schlaf mit meinem Saufänger die Kehle bis runter zum Bauchnabel aufschlitzen und dir wie einer gekochten Forelle die Haut abziehen können.«

Mir schoss durch den Kopf, dass ich ihn all die Jahre Daddy genannt hatte, und mir wurde übel.

»Ich hätte mir aus deiner Haut Winterstiefel machen können«, fuhr er fort. Er wurde immer lauter und lachte breiter; fast wirkte er so, als würde er die Speisekarte eines Festmahls herunterbeten. »Und einen neuen Gürtel aus deinen Armen. Ich hätte meine Matratze mit deinem seidigen braunen Haar stopfen können.«

Er lachte, und mir drehte sich der Magen um. Dann hob er das Messer und deutete damit in die Baumwipfel – genau auf mich, auch wenn er das gar nicht ahnte.

»Du würdest ein schönes Paar Stiefel abgeben, Elka.«

Auch wenn ich das alles schon einmal gehört hatte, lief es mir eiskalt den Rücken herunter, und das lag nicht etwa am Schnee. Weder Eis noch Winter waren der Grund für diese Kälte. Er hatte in meiner Gegenwart schon schlimmere Dinge gesagt, aber niemals zu mir. Ich hatte noch immer Angst vor ihm, vor den Dingen, die er getan, und vor jenen, zu denen er mich gezwungen hatte. Aber, verdammt noch mal, wie immer versuchte ich auch jetzt, das Gute in ihm zu sehen.

»All die Monate hast du mich gesucht, Kreagar, und jetzt hab ich dich doch eher gefunden.«

Ich hob mein Messer. Es hatte ein gutes Gewicht zum Werfen. Innerlich wies ich ihn an, genau da zu bleiben, wo er war, und keinen Muskel zu rühren.

»Ich hab mir große Sorgen um dich gemacht, Elka. In dieser Welt sollte ein Kind wie du nicht auf eigene Faust losziehen. Es gibt schlimmere Dinge als Wölfe, die im Dunkeln lauern. Schlimmere Dinge als mich.«

Abgesehen von dem ganzen Blut hätte er ein stinknormaler Kerl sein können, der einen Spaziergang machte. Wäre da nicht der Skalp des Jungen gewesen, der an seinem Gürtel baumelte, hätte er ein ganz gewöhnlicher Mann sein können. Aber das war er nicht. Er war Kreagar Hallet. Der blutrünstige Kindermörder und Bastard Kreagar Hallet. Ich hatte viel zu lange gebraucht, um das herauszufinden, und jetzt konnten auch keine schönen Worte mehr was daran ändern.

Ich stand auf dem Ast, ohne dass auch nur eine einzige Schneeflocke herunterfiel, und hob den Arm. Atmete aus. Stellte mir vor, er wäre ein Hirsch. Dann warf ich das Messer mit aller Kraft, sodass es schnurgerade flog und ihn an der weichen Stelle unter dem Schlüsselbein traf. Das Metall drang durch seine Schulter direkt in den Baum, heftete ihn dort fest, und ich hörte dieses dumpfe, hölzerne Geräusch, das ich von meinen Zielübungen kannte. Und ich hatte wirklich viele Zielübungen gemacht. Daher konnte ich mich jetzt mit Fug und Recht als perfekte Messerwerferin bezeichnen.

Er jaulte und schrie, allerdings eher vor Schreck als vor Schmerz. Bestimmt hätte er nicht geglaubt, dass seine kleine Elka so fest werfen konnte. Kreagar brüllte ein paar Worte, die ich nicht zu wiederholen wage, und Drohungen, die besser ungesagt geblieben wären. Sein Blut vermischte sich mit dem des Jungen. Die dicken schwarzen Linien auf seiner Brust wurden vom Rot überdeckt, das heiß genug war, um in der Kälte zu dampfen.

Natürlich versuchte er, das Messer rauszuziehen, aber ich hatte die Widerhaken sauber rausgefeilt. So schrie er wie ein kleines Mädchen, als er sich dabei nur noch mehr verletzte.

»Komm her, Kleine, dann reiß ich dich in Stücke!«

Noch immer sah er sich nach mir um und gab Gemeinheiten von sich. Er brüllte mich so laut an, dass seine Stimme durch den Wald hallte, die Vögel aus ihren Nestern flohen und die Hasen in ihren Bau, doch er entdeckte mich nicht. In diesen Wäldern war ich ein Geist. Das hatte er mir beigebracht.

»Ich werde dich finden! Du wirst einen langsamen Tod sterben, Elka!«

Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Jetzt hatte ich ihn. Endlich. Die Falle war zugeschnappt, und ich hatte einen tollwütigen Bären gefangen.

»Magistratin Lyon wird dich vorher in die Finger kriegen«, erwiderte ich. »Ich hab ihr gesagt, wo du bist und wo sie ihren Jungen finden kann. Sie wird dafür sorgen, dass du dasselbe erleidest wie er. Immerhin ist sie schon lange hinter dir her und hat auf der Suche nach dir die Berge überquert.«

Das brachte ihn zum Schweigen. Auf einmal wurde er kreidebleich. Niemand wollte Lyon und ihre Sechsschüssige im Nacken haben, und sie war Kreagar schon seit Monaten auf der Spur. Mir allerdings auch.

Er fing an zu betteln und mich zu besänftigen, aber ich hörte ihm gar nicht mehr zu. Mit jedem Atemzug hingen mehr Spuckefäden von seinem Bart herunter. Ich behielt ihn im Auge, bis ich das Klappern von Pferdehufen hörte, die Schnee und Erde aufwirbelten. Dampf stieg von den Flanken der strapazierten Tiere auf. Ein Lächeln umspielte meine Lippen. Magistratin Lyon und ihre Leutnants kamen, um den Schurken festzunehmen. In einem anderen Leben wäre ich vielleicht an seiner Stelle gewesen.

Selbstverständlich gab es keine Belohnung, aber Gold bedeutete mir auch nichts mehr. Für mich zählte nur noch das nackte Leben.

Ich sah sie zwischen den Bäumen hindurch näher kommen. Kreagar steckte weiterhin fest, jammerte und zerrte panisch am Messergriff, und zu seinen Füßen hatte sich bereits eine Blutlache gebildet.

Lyon ist klüger als Kreagar und hat Adleraugen, daher hätte sie mich sofort entdeckt und dafür, was ich getan hatte, ebenfalls mitgenommen. Sie hätte Fragen gestellt, viele Fragen, die ich nicht beantworten wollte.

Kreagar hörte die Hufe ebenfalls, ebenso wie das Wiehern der Gäule. Er riss die Augen auf wie ein Bock, der wusste, dass er gleich geschossen werden würde, und mir wurde klar, dass ich den Rest dem Gesetz überlassen musste. Es war schade um das Messer, mit dem ich schon unzählige Kaninchen und Marder gehäutet und das mir schon mehr als ein Mal das Leben gerettet hatte. Ein gutes Messer ist nur schwer zu finden, genau wie ein guter Mensch in diesem verdammten Land. Wenn das eigene Leben die einzige Währung ist, mit der man bezahlen kann, und man Schulden hat, dann kann ein gutes Messer schon einen Unterschied machen. Ich hatte zwar meine Waffe verloren, aber eine Schuld beglichen. Lyon dürfte jetzt nicht länger nach mir suchen – es sei denn, Kreagar sagte ihr die Wahrheit.

Der Anfang – oder jedenfalls beinahe

Wenn die Gewitterwolke aufzieht und es donnert, dann sucht man sich Deckung, verschließt die Türen und betet, denn wenn sie einen heimsucht, gibt es kein Zurück mehr. Als die Gewitterwolke nach Ridgeway, in meine Schindelstadt, kam, konnte ich mich nirgendwo verstecken. Ich war sieben Jahre alt und schrie gerade meine Nana an. Sie wollte, dass ich Kiefernharz für die Lampen sammeln ging, damit sie beim Brennen hübsch dufteten. Ich erwiderte, dass »hübsch« nur was für Blödmänner wäre und dass mein Haus nicht nach Kiefern riechen sollte.

»Es ist mein Haus, Mädchen«, sagte sie. »Du bist hier nur zu Gast, bis deine Eltern zurückkommen, und du solltest beten, dass das bald passiert.«

Ich glaube, ich hatte damals einen anderen Namen, jedenfalls erinnere ich mich nicht daran, dass mich Nana jemals Elka genannt hätte.

Wütend spie ich ihr eine Beleidigung ins Gesicht und fing an zu heulen.

»Dein Mundwerk ist so schmutzig wie das des Teufels«, schrie sie mich an, und ihr Tonfall verriet, dass mir eine Tracht Prügel drohte. Sie griff bereits nach ihrem Gehstock. Ich hatte noch frische Schwielen davon auf dem Rücken.

»Mein Mundwerk geht dich gar nichts an. Du bist nicht meine Mutter und hast mir gar nichts zu sagen.« Meine Stimme wurde immer schriller, und ich versuchte verzweifelt, den Esstisch umzuwerfen, damit alle Teller und drei Sorten Gabeln durch die Luft segelten. Das wird ihr eine Lehre sein, dachte ich mir. Ich werde es ihr zeigen.

Nana stieß einen Stoßseufzer aus. Ich hatte schon andere alte Leute in Ridgeway so seufzen hören, als wären sie nicht nur die Person leid, über die sie sich gerade ärgerten, sondern die ganze Welt, die voll von ihnen war. Im Laufe der Jahre musste Nana es schon mehrere Hundert Mal getan haben, denn ihr ganzes Gesicht war voller Sorgenfalten und die ganze Last der Jahre sprach aus diesem Seufzen: lang, keuchend und hundemüde.

»Deine Mutter«, entgegnete Nana, »meine dumme Tochter, ist mit diesem Mann durchgebrannt.« Sie sah mich kurz gütig an, als wäre ich Momma, doch dann schien sie Daddys Hälfte in mir entdeckt zu haben und wurde wieder wütend. Sie biss so fest die Zähne zusammen, dass ich mich schon fragte, ob sie gleich zersplittern und ihr aus dem Mund fallen würden.

»Sie werden mich bald abholen«, sagte ich mit tränenerstickter Stimme. »Und dann wird dir Daddy ordentlich eine verpassen, weil du mich geschlagen hast.«

Nana lachte so schrill und trällernd, dass sie wie einer dieser Würgervögel klang. »Dein Daddy ist zu sehr damit beschäftigt, da oben im Norden nach Gold zu suchen, und deine Momma hat mehr als genug damit zu tun, ihm die Stiefel zu wienern, als dass sie an dich denken würden, Kind. Du wirst mit mir vorliebnehmen müssen und ich mit dir, daher solltest du jetzt besser losgehen und das Harz holen, wenn du nicht willst, dass ich dich grün und blau prügele.«

Nana hatte die Fäuste geballt und zitterte am ganzen Körper. Sie war zwar dürr, aber eben auch eine der Frauen aus dem Mussa Valley, die sich durch Härte und Dickköpfigkeit auszeichneten. Sie besaß eine Kraft, die man unter ihrer papiernen Haut gar nicht vermutet hätte. Einmal hat sie mir sogar den Arm gebrochen, und das mit bloßen Händen.

Ich verschränkte die Arme vor der Brust, schnaufte und fauchte, dass ich kein Harz wolle und das Zeug ebenso wenig ausstehen könne wie sie.

Da warf sie die Arme in die Luft und sagte, dass sie mich vorerst nicht mehr sehen wolle und dass sie jetzt spazieren gehe.

»Wage es nicht, mir zu folgen«, warnte sie mich. »Ich will meine Ruhe vor dir haben!«

Sie war keine halbe Stunde weg, als der Himmel schwarz wurde und die Sonne verschwand. Es donnerte so laut, dass es klang, als würde ein Berg splittern. Seitdem bekomme ich es immer mit der Angst zu tun, wenn ich dieses Geräusch höre; es läuft mir eiskalt den Rücken herunter, ich fange an zu zittern und schwitze wie ein Schneefuchs im Sommer. Und all das nur wegen jenes Tages. Weil mich meine Nana allein gelassen hat, als das Gewitter kam.

Unsere kleine Zweiraumhütte weit draußen im Wald war bei diesem Wetter kein großer Schutz. Nana hatte gesagt, sie und Grandpa, der vor gut zwanzig Jahren im Zweiten Krieg gestorben war, hätten die Hütte schon Hundert Mal wiederaufgebaut und sie würde es auch bestimmt noch weitere Hundert Mal tun müssen. Sie und ich, wir waren meist wie die Streithammel, aber ich hatte nicht nur schlechte Erinnerungen an diese Hütte. Als das Gewitter losbrach, sehnte ich mich wie verrückt nach dieser Frau und wünschte mir nichts mehr, als ihre stählernen Arme um mich zu spüren.

Ich sah die Gewitterwolke aus dem Norden kommen, wo sie sich zwischen den Hügeln vor unserem Dorf aufbaute. Unser blödes Dorf. Es wirkte wie eine Wagenburg und es schob diesen tobenden Sturm direkt auf unseren Wald, unsere Haustür und Ridgeway, das einige Kilometer weiter lag, zu. Steine und abgebrochene Äste wirbelten durch die Luft und verschmolzen mit dem Eis und dem Regen. Ich schaute aus dem Fenster und sah, dass alles den Berg heruntersauste wie ein läufiger Grizzly.

Der Boden bebte. Ich bekam kalte Füße. Das Dach wurde runtergerissen und gegen die Zedern geschmettert. Ich erinnere mich nicht mehr daran, ob ich geschrien habe, aber es muss so gewesen sein. Es fühlte sich für mein siebenjähriges Ich so an, als würde die Hölle über mich hereinbrechen. Der Donner war ohrenbetäubend laut. Hagel und eiskalter Regen ließen die Kälte bis in meine Knochen dringen. Ich versteckte mich unter dem Esstisch, klammerte mich mit Armen und Beinen an einem Tischbein fest und brüllte, dass der Sturm weggehen und mich in Ruhe lassen sollte. Ich rief nach meiner Nana und verfluchte sie mehr als nur ein Mal, weil sie weggegangen war.

Dann war ich in der Luft. Der Tisch wurde hochgewirbelt, als wäre er nur ein trockenes Blatt, und bevor mir klar wurde, was passierte, war ich schon zu hoch oben, als dass ich noch hätte loslassen können. Ich bohrte die Fingernägel ins Holz und kniff die Augen zu. Steine und Äste flogen umher, schnitten mir in Arme und Beine und rissen mir das Haar gleich büschelweise aus. Winzige Eissplitter trafen mein Gesicht und fühlten sich wie heiße Metallspäne an. Der Wind schleuderte mich und den Tisch hin und her, als würden wir nicht das Geringste wiegen. Als würden wir nur zu seiner Belustigung dienen. Der Tisch wurde zertrümmert, oder ich hab losgelassen, ich weiß es nicht mehr. Ich wurde herumgewirbelt und kreischte wie eine Verrückte. Wo oben und unten war, wusste ich längst nicht mehr, oder ob ich nicht schon längst gestorben war.

Ich weiß auch nicht genau, was danach passiert ist. Der Sturm musste mich freigegeben haben, vielleicht war ihm die Lust am Spielen vergangen. Das Nächste, woran ich mich erinnere, ist der Sturz. Die Luft zerrte an mir, während der Sturm gen Osten weiterwanderte. Ich fiel mit dem Kopf voran in den dichten Wald. Dabei stürzte ich durch unzählige Äste und hatte den Geruch von Zedern, Erlen und Zypressen in der Nase. Ich wurde langsamer, da die Zweige meinen Fall abfingen, bis mich einer gar nicht mehr loslassen wollte. Meine Weste zerriss, und ich baumelte drei Meter über dem Boden an einem Ast. Ich spürte, dass ich an mehreren Stellen blutete und Schnittwunden hatte, und meine Lunge tat vom Schreien höllisch weh. Dann gab der Stoff meiner Weste ganz nach, und ich fiel herunter. Als ich mit einem dumpfen Schlag auf dem Moos landete, jagte mir der Schmerz den Rücken rauf.

Benommen starrte ich zum Himmel, das weiß ich noch ganz genau. Das Gewitter zog weiter und verschwand hinter dem Bergkamm. Es hatte wie immer nicht lange gedauert, aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich saß im dichten Wald, schwankte hin und her und versuchte, mit meinem kindlichen Verstand zu begreifen, was gerade geschehen war. Doch es ergab keinen Sinn. Ich weiß nicht, ob ich zehn Minuten oder einen halben Tag dort gesessen habe, aber erst, als ich Hunger bekam, konnte ich die Erstarrung abschütteln.

Um mich herum war alles grün und braun. Die Äste verdeckten den Großteil des Himmels und alles vor und hinter mir. Glücklicherweise war ich klein und konnte mich zwischen den Baumstämmen hindurchquetschen.

»Nana«, brüllte ich. »Nana, wo bist du?«

Aber der Wald antwortete nicht. Es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde, dass Nana nicht kommen würde.

Sie hatte gesagt, wir würden im Süden des Tals leben. Die Stadt Ridgeway lag noch weiter südlich. Einmal hatte sie es mir sogar auf einer Karte gezeigt. Ich glaubte, das Gewitter wäre aus dem Norden gekommen und hätte mich daher auch dorthin verschleppt. Die kindliche Logik riet mir, Richtung Süden zu laufen. Da Süden auf der Karte unten lag, ging ich eben jeden Hügel hinunter, den ich finden konnte.

Schon bald hatte ich mich verirrt.

Ich versuchte, mich an all die Orte zu erinnern, die ich auf der Karte von BeeCee gesehen hatte. So nennen wir unser Land jetzt; der Name besteht nur noch aus den Anfangsbuchstaben der einstigen Bezeichnung, die die meisten Leute entweder vergessen oder verdrängt haben. Auf der Karte hatte dieser alte Name hinter all den neuen Beschriftungen gestanden, all den neuen Grenzen und Territorien, die meine Nana eingezeichnet hatte, aber damals hatte ich nur einzelne Buchstaben und noch keine ganzen Wörter lesen können. Ich weiß nur, dass alle Karten eines Tages nutzlos geworden waren und wir neue zeichnen mussten. Die Alten nannten jenen Tag den »Untergang« oder die »Reformation«. Nana sagte, weiter im Süden würden einige von der »Verzückung« reden. Nana war noch ein Baby, als das passierte, und sie sagte, ihre Momma hätte es als die »Riesendummheit« bezeichnet. Damals wurde alles auf Anfang zurückgesetzt. Ich hab nie gefragt, warum, und es hat mich auch nie interessiert. Das Leben ist so, wie es ist, und man muss im Hier und Jetzt leben und nicht in der Vergangenheit. Das Hier und Jetzt bestand für mich in diesem Augenblick aus dem dichten Wald und der nahenden Dämmerung.

Meine kleinen Stiefel waren zwar niedlich und aus Marderfell, doch obwohl sie weich und warm waren, eigneten sie sich nicht für lange Strecken. Schon nach wenigen Stunden waren sie völlig zerfetzt. Im Gewitter war meine Jeans an einem Knie aufgerissen, und die Äste hatten meine Weste derart verschlissen, dass sie mich nicht mehr wirklich schützte. Mein siebenjähriges Ich marschierte, bis es dunkel wurde. Das Knurren meines Magens war lauter als der Sturm. Dann fing ich an zu weinen. Dicke Tränen liefen mir die Wangen herunter, und ich jammerte und schluchzte. Ich zwängte mich in einen hohlen Baumstamm, als die Dunkelheit zwischen den Bäumen undurchdringlich wurde. Dabei zitterte ich so stark, dass der Staub aus dem verrottenden Holz auf meine Haare fiel.

Ich war noch nie zuvor allein gewesen. Sonst war Nana immer in meiner Nähe gewesen, und früher meine Momma und mein Dad, auch wenn ich mich kaum noch an sie erinnern kann. Nana sagte, sie wären in den Norden gegangen, weit, weit weg, um ihr Glück zu suchen und es mit zu mir nach Hause zu bringen. Das war einige Jahre her. Etwa ein Jahr, nachdem sie losgezogen waren, kam ein Brief von ihnen, den ein Reisender in den Laden in Ridgeway mitgebracht hatte. Ich konnte ihn natürlich nicht lesen, aber ich drängte Nana, ihn mir so oft vorzulesen, bis ich ihn auswendig konnte. Darin standen Wörter wie Gold und Waschrinne und viele weitere, die fremdartig und aufregend klangen: Halveston, Großer YK, Carmacks, Martinsville. Die Namen meiner Momma und meines Daddys. Nana musste mir den Brief immer wieder vorlesen. Dadurch schienen mir diese Welt und meine Eltern näher zu sein, gleichzeitig aber auch unendlich weit weg. Ich bewahrte den Brief unter meinem Kopfkissen auf, und die Tinte verblasste im Laufe der Jahre und mit dem vielen Lesen. Es schnürte mir den Brustkorb zu bei dem Gedanken, dass er im Gewitter zerstört worden war.

Laut schniefend ignorierte ich meine Angst und versuchte zu schlafen. Es war die schlimmste Nacht meines Lebens. Keine der Nächte danach war schlimmer. Trotz all jener kalten, finsteren Dinge, die passierten. Diese Nacht war die allerschlimmste. Zum ersten Mal begriff ich, dass ich in dieser Welt nichts hatte außer mir selbst. Selbst wenn man in einem Augenblick noch zu Hause war, am brennenden Feuer saß mit seinen Lieben, konnte man im nächsten schon ganz auf sich allein gestellt sein. Man wurde vom Gewitter mitgerissen und im Nirgendwo abgesetzt. Daher war es völlig sinnlos, sich auf all diese anderen Dinge zu konzentrieren. Meine Nana war nicht da, ebenso wenig wie dieser Brief. Und meine Eltern waren erst recht nicht bei mir. Ich hatte nur mich und diesen Baumstamm, und auch wenn ich mich nach einer heißen Suppe sehnte, durfte ich mich eigentlich nicht beschweren. Nachdem ich eine halbwegs bequeme Position gefunden hatte, schloss ich die Augen.

Etwas kratzte seitlich am Baumstamm. Klauen schabten über Borke. Ich riss die Augen auf.

Mir blieb beinahe das Herz stehen. Es war Nacht geworden, ich musste also eingeschlafen sein. Mondlicht schimmerte durch die Äste. Nach einem Sturm ist der Himmel immer klar, manchmal des Nachts sogar heller als am Tage. Doch dieser Wald war alt und dicht, und ich konnte nicht weiter sehen als bis zu den Spitzen des Farns, der eine Armlänge vom Baumstamm entfernt stand.

Der Farn wackelte. Mein Herz raste.

Die Geräusche wurden lauter. Kamen näher.

Ich hielt den Atem an und hoffte, dass das, was immer es war, mich nicht entdecken würde. Meine Fantasie gaukelte mir vor, ich würde Bärenklauen sehen und das Schnüffeln eines großen Grizzlys hören. Der Wald spielte sein Spiel mit mir. Rascher als ein Hase aus seinem Bau flitzte ich aus dem Baumstamm und lief los. Ich rannte und rannte und rannte. Dabei schaute ich mich nicht ein Mal um. Ich weiß nicht, wie lange oder wie weit ich gelaufen bin. Irgendwann roch ich Rauch und sah Licht vor mir schimmern.

»Nana«, schrie ich. »Nana! Ich hab dich gefunden!«

Die Hütte stand mitten auf einer kleinen Lichtung. Es war nicht Nanas Haus. Dieses hier war kleiner. Aus einem Rohr, das aus dem Dach herausragte, stieg Rauch auf, und das Licht, das durch das Fenster schien, verriet mir, dass im Inneren ein Feuer brannte. Rechts und links neben der Tür ragten dicke Baumstämme auf und stützten ein Vordach, und in der Nähe der Tür trockneten Felle auf zwei Bockleitern. Etwa ein Dutzend miteinander verbundene Metallfallen hingen über einem Ast und klapperten. Drahtschlingen, zerbrochene ebenso wie heile, lagen auf dem Boden herum oder hingen an den Bäumen. Dünne Streifen aus rotem Fleisch trockneten auf Gestellen. Bei ihrem Anblick knurrte mein Magen noch lauter, und mir lief das Wasser im Mund zusammen. Nana hatte mich immer ermahnt, dass ich gute Menschen nicht bestehlen dürfe, aber ich dachte, das sind so viele, dass der Trapper bestimmt nicht merkt, wenn ein Streifen fehlt. Außerdem wusste ich auch gar nicht, ob er zu den guten Menschen gehörte, und über das Bestehlen schlechter Menschen hatte Nana nie was gesagt.

Leise wie ein Wolf auf der Jagd schlich ich näher und lauschte, ob von irgendwoher Ärger drohte. Das Fleisch hing direkt unter dem Vordach, und ich musste an einem Fenster vorbei. Ich sagte mir, dass ich ein Schatten und im Dunkeln unsichtbar wäre und dass ich viel schneller rennen könnte als ein alter Trapper. Der Geruch des Fleisches wirkte wie eine Droge auf mich. Diese metallische Note und das Aroma von Salz und Rauch. Ich bildete mir ein, Wacholder darin zu riechen, vielleicht sogar Apfelbaumholz. Es duftete süß und salzig und war zum Greifen nah. Ich zerrte einen breiten Streifen des Dörrfleischs herunter, aber sofort erklang eine schrille Glocke an der Tür. Kluger Trapper. Er hatte sein Essen gesichert, damit ihn weder Bären noch hungrige kleine Mädchen berauben konnten.

Füße in schweren Stiefeln näherten sich der Tür. Ich stopfte mir das Dörrfleisch in den Mund und rannte los. Auch wenn ich nicht herausfinden konnte, ob es Hirsch-, Elch- oder das Fleisch eines anderen Tieres war, schmeckte es so gut, wie es duftete. Die Hüttentür wurde aufgerissen. Der Trapper rief mir nicht hinterher, aber ich drehte mich dennoch um. Mit seinem Hut auf dem Kopf war er nur ein schwarzer Umriss, und er hielt eine Schrotflinte in der Hand. Das war in dieser Gegend nicht gegen das Gesetz, vielmehr hatte er jedes Recht, einen Dieb auf seinem Land zu erschießen. Ich zwang meine müden Beine, weiterzulaufen.

Dann hörte ich, wie er hinter mir herkam.

Ich war wie ein Hase, der schnell und lautlos über dem Boden rannte. Er glich einem schwerfälligen Ochsen, der hinter mir herpolterte.

Mein Herz raste. Ich wollte nicht in diesem Wald sterben, nicht wegen eines Fleischhappens, den ich nicht einmal genießen konnte, erschossen werden. Innerlich verfluchte ich dieses Gewitter, das mich hier abgesetzt hatte. Ich heulte und schluchzte. Vermutlich hab ich geschrien. Der Trapper war mir dicht auf den Fersen. Er rief nicht, dass ich stehen bleiben sollte, aber man schreit ja auch keinem Bock etwas hinterher, wenn man kurz davor ist, ihn zu erschießen.

Er wird mich umbringen, schoss es mir durch den Kopf. Er wird mich abknallen.

Ein lockerer Fellfetzen an meinem Stiefel blieb an einem Ast hängen und brachte mich zu Fall. Keine Ahnung, wie es mir gelungen ist, das Dörrfleisch nicht wieder auszuspucken, aber ich behielt es im Mund, selbst als ich in ein trockenes Flussbett stürzte. Ich landete mit dem Gesicht voran im Dreck, und auf einmal war um mich herum alles ruhig. Der Ochse war nicht mehr zu hören. Keine Schritte.

Ich hatte ihn abgeschüttelt. Ich hatte diesen Trapper überlistet. Ich war mit seinem Dörrfleisch entkommen. Rasch setzte ich mich auf, riss ein Stück vom Fleischfetzen ab und schluckte ihn ganz herunter.

Aus irgendeinem Grund sah ich über die Schulter. Da war dieses Gefühl in meinen Knochen, als würde mich jemand beobachten. Ein Schatten ragte über mir auf.

Groß, schwarz und laut atmend. Ich sah nicht einmal mehr den Kolben der Schrotflinte.

Ich erwachte in der Hütte des Trappers mit schmerzendem, verbundenem Schädel. Er saß auf einem Stuhl neben der Tür und starrte mich mit Augen an, die man nur teuflisch nennen konnte. Die Schrotflinte lehnte an seinem Bein, sein Hut lag auf einem Knie. Er musste auch gestürzt sein, da er Dreck im Gesicht hatte.

»Wo kommst du her?«, wollte er wissen. Seine Stimme hörte sich nicht mal unfreundlich an.

Nana hatte mir verboten, mit Fremden zu sprechen, und dieser Mann, der allein und weit draußen im Wald lebte, war mir fremder als jeder andere Mensch, dem ich je begegnet war.

»Wo willst du hin?«, bohrte er weiter. Es schien ihn nicht zu überraschen, dass ich keinen Ton sagte. »Hast du eine Momma und einen Daddy? Wo sind sie jetzt?«

Da blinzelte ich und schüttelte den Kopf. »Nur meine Nana.«

Er lächelte, und seine weißen Zähne blitzten auf.

»Sie hat ja doch eine Stimme«, meinte er. »Wo wohnst du mit deiner Nana? In Dalston? Ridgeway?«

Etwas in meinem Gesicht musste mich verraten haben.

»Also in Ridgeway«, stellte er fest. Er rieb sich die Wange, aber der Dreck ging dennoch nicht ab. »Du bist ganz schön weit weg von zu Hause, Kleine.«

Er legte eine Hand auf den Lauf seiner Schrotflinte und schien sich ein wenig zu entspannen.

»Du könntest mir einfach die Richtung zeigen«, erwiderte ich, »dann bin ich auch schon wieder weg.«

»Es gibt in diesen Wäldern Bestien, die dich schneller verschlingen würden, als du losschreien kannst. Das kann ich doch nicht zulassen.«

Ich rutschte ein bisschen auf dem Bett herum und spürte, wie ich ganz heiße rote Wangen bekam. Über den Trapper wusste ich nicht viel, außer dass er ebenso wie ich eine alte Jeans und ein zerrissenes Hemd trug. Neben der Tür hing ein Mantel aus Fellen und Tierhäuten, und darunter stand ein Paar Schneeschuhe. Sein Hemd, das früher mal weiß gewesen sein musste, war mit dunkelbraunen Flecken und Schlieren bedeckt, bei denen es sich um getrocknetes Tierblut handeln mochte. Er starrte mich sehr lange Zeit mit hartem Blick an, und mein Magen knurrte erneut.

»Ich weiß beim besten Willen nicht, ob du die Wahrheit sagst«, erklärte er dann. »Du könntest eine Rumtreiberin sein, auf der Flucht vor dem Gesetz. Vielleicht bist du auch eine Diebin und hast Schlimmeres als ein Stück Dörrfleisch gestohlen. Was weiß denn ich, wer du wirklich bist.«

Meine Nana hätte zwar bestätigt, dass ich eine Rumtreiberin war, aber das musste ich ihm ja nicht auf die Nase binden.

»Ich will morgen sowieso nach Ridgeway, um einige Felle zu verkaufen. Das wird allerdings eine zweitägige Reise, hin und zurück.« Er stockte, rieb sich erneut das Gesicht, ohne dass der Matsch sich löste, und inzwischen war ich mir gar nicht mehr sicher, dass es wirklich Schmutz war.

»Deine Angelegenheiten gehen mich nichts an, Kleine, aber ich werde ein bisschen herumfragen, vielleicht finde ich ja deine Nana. Wenn sie sich meldet und dich zurückhaben will, dann bringe ich dich zu ihr.«

»Wenn ich dir helfe, findest du sie schneller«, rief ich und rutschte von der Bettkante. Sofort wurde mir schwindlig, und ich sackte in mir zusammen, bis ich auf allen vieren auf dem Boden kauerte.

Der Trapper rührte keinen Finger, um mir zu helfen. »In deinem Zustand kannst du nicht mal eine Meile weit laufen. Du bist noch ein Baby und hast gerade mal ein paar Winter auf dem Buckel. Solange du kein Gewehr tragen kannst, bist du nur eine Last.«

»Geh schlafen«, fuhr er nach einer Weile fort und setzte sich seine Mütze auf. »Ich werde schon weg sein, wenn du aufwachst. Sorge dafür, dass das Feuer nicht ausgeht, und rühr ansonsten nichts an.«

Er zog seine Mütze ins Gesicht und lehnte den Hinterkopf an die Tür.

Ich stieg wieder ins Bett und legte mich unter die Decke. »Hast du einen Namen?«, wollte ich wissen.

»Ich hab so einige«, antwortete er, ohne mich anzusehen.

Etwas in der Art, wie er das sagte, ließ Angst in mir aufkeimen. Ich zog die Decke bis zum Kinn und machte mich ganz klein. In dieser Nacht fand ich keinen Schlaf. Ich konnte den Blick nicht von ihm abwenden. Er gab die ganze Nacht keinen Laut von sich. Schnarchte oder schnaufte nicht einmal. Er rührte sich nicht und ließ auch die Schrotflinte nicht los. Selbst meine Nana machte im Schlaf mehr Geräusche. Er war wie eine dieser Statuen aus Stein. Nana war den Sommer zuvor mit mir in Couver City gewesen und hatte sie mir gezeigt. Sie sagte, ich bräuchte ein wenig Kultur, was immer das zu bedeuten hatte. Couver wurde während der »Riesendummheit« schwer getroffen, berichtete sie mir, und in den Ruinen sind nur noch wenige Statuen stehen geblieben. Es war ein Dreitagesritt hin und wieder zurück. Nachdem ich sechs Tage lang unbequem zwischen Nana und dem Pferdehals im Sattel gehockt hatte, teilte ich ihr mit, dass mein Interesse an Kultur damit endgültig befriedigt wäre.

Ich musste eingeschlafen sein, denn soeben hatte ich den Trapper noch im Auge, dann dämmerte es auf einmal und der Stuhl war leer. Die Schrotflinte und der Trapper waren verschwunden. Er hatte gesagt, ich solle mich um das Feuer kümmern und nichts anrühren, aber ich war noch nie gut darin, die Worte eines Erwachsenen zu beherzigen, selbst jetzt nicht, wo ich längst selbst erwachsen bin.

Als Erstes nahm ich mir noch einen Streifen Dörrfleisch vom Gestell vor der Tür. Dann schürte ich das Feuer, röstete das Fleisch, bis es knusprig war und sich an den Rändern braun färbte, und genoss mein köstliches Frühstück. Danach stöberte ich in den Sachen des Trappers herum. Ich entdeckte ein paar Münzen, die niemand mehr verwendet, Schalen aus Kirschholz, eine kleine Holzkiste, die fest verschlossen war, und ein so scharfes Messer, dass man damit einen Eber in drei Sekunden hätte häuten können. Es hatte einen langen Knochengriff, vermutlich aus dem Bein eines Hirschs oder Elchs geschnitzt, und die Klinge war länger als mein Unterarm. Wunderschön, hab ich gedacht und mein Dörrfleisch damit zerschnitten, um herauszufinden, wie gut es in der Hand lag. Da beschloss ich, dass ich auch so ein Messer haben musste. Vielleicht konnte ich den Trapper ja dazu bringen, mir eins anzufertigen.

Doch schon bald wurde mir langweilig. Eine Zweitagesreise nach Ridgeway und zurück, hatte er gesagt. Das bedeutete, dass ich weiter von Nana entfernt war als jemals zuvor, und ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wo Norden oder Süden war oder welcher Weg mich zu ihr zurückführen würde. Verdammt, inzwischen wusste ich nicht einmal mehr, ob ich das überhaupt noch wollte, wo ich mit diesem Messer in den Händen dastand und mir kein Erwachsener sagte, was ich zu tun oder zu lassen hatte.

Der Trapper besaß nicht gerade viel, und als ich erst einmal gesättigt war, gab es nichts mehr zu tun. Ich ging nach draußen, wirbelte mit den Füßen Staub auf, kletterte auf Bäume und sah mit an, wie die Sonne den Zenit überschritt und es langsam dunkel wurde. Ich fragte mich, ob er Ridgeway wohl schon erreicht hatte. Ob er sich dort meinetwegen umhören würde. Seltsam, er hatte mich gar nicht nach meinem Namen gefragt oder wo genau in Ridgeway ich wohnte. Denn genau genommen lebte ich ja gar nicht in der Stadt. Nanas Hütte lag im Tal. Aber es wussten genug Menschen in der Stadt von uns, sodass er keine Probleme haben sollte, sie zu finden.

Ich sorgte dafür, dass das Feuer brannte, und drehte das Messer mit dem Knochengriff in meinen kleinen Händen. Währenddessen überlegte ich, was ich damit tun könnte. Wie dünn sich Dörrfleisch damit schneiden ließe, wie sauber und schnell ich damit einen Hasen töten könnte. Die Nacht brach rasch an, während ich über all das nachdachte, und ich schlief auf dem Boden vor dem Feuer ein.

Als ich aufwachte, schien die Frühlingssonne bereits durch die Bäume, und ich verbrachte den Tag ähnlich wie den zuvor, erkundete das Land und entdeckte Kaninchenlöcher. Ich stellte sogar eine seiner Eichhörnchenfallen wieder auf, die der Sturm heruntergeweht haben musste.

Die Sonne ging bereits unter, und ich knabberte an einem Stück Fleisch, als der Trapper zurückkehrte. Er trat mit einem Sack über der Schulter durch die Tür, starrte mich an, wie ich mit dem Fleisch im Mund und dem Messer in den Händen dastand, und sagte keinen Ton. In seinem Kopf schien es zu rattern, und er hielt inne, bevor er den Sack mit einem Geräusch, das klang, als würden mehrere Baumstämme von einem Haufen poltern, auf den Boden fallen ließ.

»Ich hab deine Nana gefunden«, teilte er mir mit und hängte seinen Mantel auf.

Das war wie ein scharfer Stich, und ich fühlte mich, als wäre der Spaß jetzt vorbei und als würden morgen die Prügel und die Schule wieder losgehen. Daher legte ich das Messer auf den Boden und starrte die Klinge an, als müsste ich mein Lieblingsspielzeug abgeben.

»Bringst du mich morgen zurück?«, wollte ich wissen. Einerseits wollte ich meine Nana wiedersehen, andererseits wusste ich aber auch, dass sie mich dazu zwingen würde, Bretter zu schleppen und die Hütte zu reparieren oder auf ihrer Tafel Buchstaben zu üben.

Doch seine Antwort verblüffte mich. »Deine Nana wurde vom Gewitter überrascht und von einem Baum erschlagen.«

»Ist sie tot?«

Er nickte und behielt mich dabei im Auge.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mein erster Gedanke war: Hurra, ich muss nicht mehr lernen. Ebenso beschämend war, dass ich als Zweites dachte: Das hat sie nun davon, dass sie mich so schlecht behandelt hat. Aber dann kam der Schmerz. Es fühlte sich an, als wäre mein Innerstes ein schlammiger Fluss, der mich immer tiefer zog an einen Ort des Leids, mit dem ich nichts zu tun haben wollte. Ich war mir nicht sicher, was ich in diesem Augenblick empfinden sollte. Sollte ich weinen? Aber mir war nicht nach Weinen zumute. Sollte ich Freudensprünge machen? Auch danach war mir nicht. Ich starrte das Messer an, kaute auf dem Dörrfleisch herum und sagte eine gefühlte Ewigkeit gar nichts. Der Trapper schwieg auch; er sah mich einfach nur an und schien abzuwarten, was ich tun würde, um herauszufinden, was für ein Mensch ich war.

Als er das Gewicht verlagerte, knarrte die Bodendiele. Mein Blick war weiterhin auf die Klinge gerichtet, und mein Herz und mein Verstand wussten mit einem Mal, was ich fühlen sollte. Ich griff nach dem Messer.

Sobald ich den weißen Knochengriff berührte, war mir klar, dass ich richtig entschieden hatte. Ich wollte nicht zurück zu Nanas Hütte gehen. Sie hatte mich nie Dörrfleisch essen und mit Messern spielen lassen. Bei ihr musste ich Buchstaben und Rechnen lernen, auf saubere Hände und saubere Kleidung achten. Doch das alles war nicht mein Ding, auch wenn sie noch so in mich drang, würde es das nie sein.

Der Trapper deutete auf das Fleisch zwischen meinen Zähnen.

»Schmeckt es dir?«, wollte er wissen.

Ich nickte.

»Weißt du, wie man dieses Messer benutzt?«

Auch wenn ich mir nicht sicher war, was genau er meinte, nickte ich erneut.

»Hast du schon mal einen Hasen gehäutet?«

Ich zuckte zusammen. Das hatte ich ein oder zwei Jahre zuvor tatsächlich getan, aber als Nana es herausfand, hatte sie mich geschlagen, bis mein Rücken blutig war. Beim zweiten Mal brach sie mir den Arm.

»Hast du schon mal einen Hasen gehäutet, Kleine?«, wiederholte er seine Frage, wobei seine Stimme jetzt etwas heiserer klang.

»Ja, Sir, das hab ich.«

»Wenn du einen Hasen häuten kannst, dann kannst du so gut wie jeder Kreatur die Haut abziehen«, erwiderte er und deutete auf den Sack. »Ich habe meine Felle gegen ein Schwein eingetauscht. Es ist bereits zerlegt, damit ich es besser tragen konnte. Zieh die Haut und das Fett ab, nimm das Fleisch und schneid es in dünne Scheiben, damit wir es räuchern können. Verstanden?«

Ich nickte und trat einen Schritt vor. Der Trapper öffnete den Sack und holte die Schweineteile heraus. Die rosafarbene Haut und das blasse Fleisch würden durch das Räuchern mit Apfelbaumholz perfekt werden, dachte ich und konnte es schon beinahe schmecken. Trotz meiner gerade erst sieben Jahre wusste ich, dass es meine Bestimmung war, mit dem Messer zu arbeiten. Es dauerte fast die ganze Nacht, bis ich damit fertig war, aber ich hatte es geschafft, und die ganze Zeit über beobachtete mich der Trapper und nippte an einer Flasche. Er sagte mir nicht ein Mal, dass ich aufpassen sollte. Eigentlich sagte er überhaupt nichts außer »andersrum«, als ich mich daranmachte, die Knöchel auszulösen.

Im Morgengrauen hängten wir die Fleischstreifen in der winzigen Räucherei hinter der Hütte auf Gestelle.

Danach legte er mir eine Hand auf die Schulter. »Du bist sehr begabt mit der Klinge, Kleine. Ich werde dir beibringen, wie man sie richtig benutzt. Namen bedeuten in diesen Wäldern nichts, aber ich muss dich irgendwie nennen.«

Er schaute mich an und zupfte an meinem verfilzten Haar.

»Fester als Elchfell«, murmelte er.

Und so nannte er mich Elka, weil Elche in der Landessprache »Elk« hießen, er aber nicht fand, dass das zu einem Mädchen passte. Nach einigen Wochen hörte ich auf, ihn nach seinem Namen zu fragen, und von da an hieß er in meinem Kopf einfach Trapper. Er lehrte mich, wie man eine Schlinge band, eine Totfalle aufstellte und ein Eichhörnchen aus fünfzig Metern Entfernung schoss. Alles, was ich zu tun hatte, war, seine Beute zu verarbeiten, die Fallen vorzubereiten, die Felle zu spannen und abzuschaben und mich um die Hütte zu kümmern. Ich schlief vor dem Feuer auf dem Boden und er in seinem Bett. Rückblickend bezweifle ich allerdings, dass er sehr viel geschlafen hat. Meist hat er nachts gejagt, weil er sagte, die Wölfe wären dann unterwegs, aber er hat nie ein Wolfsfell mit nach Hause gebracht.

So war damals mein Leben, und ich muss zugeben, dass es mir großen Spaß gemacht hat. Ich war ein neuer Mensch. Rasch hatte ich meinen alten Namen vergessen und war von jetzt an Elka. Ich konnte aus Stöcken einen Bogen und Pfeile herstellen und Marder schießen. Nach und nach vergaß ich das Rechnen und die Buchstaben. Ich vergaß auch meine Nana und beinahe auch meine Eltern, doch die Worte aus ihrem Brief blieben mir immer im Gedächtnis. An alles, was mir Trapper beigebracht hat, erinnere ich mich bis zum heutigen Tag, aber wenn ich an all die Jahre zurückdenke, gibt es da riesige Löcher, schwarz und verschwommen, ganze Monate im Winter, die im Handumdrehen vorbei zu sein schienen. Obwohl ich mir große Mühe gab, konnte ich diese Lücken niemals schließen.

Aber ich war damals auch nichts weiter als ein unwissendes Kind. Trapper war meine Familie, auch wenn ich rein gar nichts über ihn wusste, doch mir wurde bald bewusst, dass ich über meine Eltern auch nicht viel mehr erzählen konnte. Trapper war die Art von Familie, die man sich aussucht und die einem näher ist als Blutsverwandte. Von da an war er mein Daddy, und ich musste mir nur noch eine Momma suchen.

Momma im Wald

Ich verbrachte drei Winter bei Trapper, bis ich sie gefunden hatte. Meine dürren Arme und mein Rücken waren dank der harten Arbeit für eine Zehnjährige sehr kräftig. Trapper war zwar nicht gerade der freundlichste Mensch, aber wir beide fanden rasch einen gemeinsamen Rhythmus. Himmel, ich glaube fast, er fing sogar an, mich zu mögen.

Wir hatten Regeln für unser Zusammenleben, auch wenn ich rückblickend feststellen muss, dass sie vor allem für mich galten. Stell keine Fragen. Entferne dich nicht aus der Sichtweite. Rede mit niemandem über ihn. Die letzte Regel stellte kein Problem dar, weil ich in den drei Jahren bei Trapper niemanden sonst zu Gesicht bekam. Der Zorn, der in mir gelodert hatte, solange ich bei meiner Nana lebte, der mich ständig dazu zwang, zu schreien, zu toben und einen Aufstand zu machen, war verschwunden. Trapper erkannte das Wilde in mir und versuchte nicht wie meine Nana, es zu zähmen oder gar einzusperren. Es gab keine Gitterstäbe mehr, gegen die ich ankämpfen musste. Fängt man einen Wolf ein, wird er knurren und beißen, bis er seine Freiheit zurückerlangt hat, aber sobald er draußen ist und seinen eigenen Pfad im Schnee findet, hat man nur noch etwas von ihm zu befürchten, wenn man ihn provoziert. Trapper wusste das, und ich bemerkte dieselbe Wildheit auch in ihm.

Es ging auf den Winter zu, und wir wussten, dass bereits in wenigen Wochen eine weiße Schneedecke auf dem Land liegen würde. Winter bedeutete acht harte Monate. Schnee bis zur Nasenspitze, so heftiger Wind, dass er einem die Haut von den Knochen fetzte, Bäume, die sich unter der Schneelast durchbogen wie bucklige Greise in einer Whiskeykaschemme. Trapper sagte, die Winter wären seit der »Riesendummheit« kälter geworden, der Schnee wäre tiefer und das Eis dicker, und die Sommer wären anschließend so heiß wie in den tropischen Gefilden weiter südlich. Alle Tiere und Menschen, die die Kälteperiode überstanden, wären anschließend robuster und noch schwerer kleinzukriegen. Ein langes Leben wurde aus diesem Grund noch unwahrscheinlicher. Heutzutage sind die Menschen in einem Alter bereits runzlig und verschrumpelt, in dem sie vor der »Riesendummheit« noch frisch und knackig gewesen wären. Die Leute hier kommen durch Hagelstürme und Dürre um und nicht etwa durch unsichtbare Krankheiten oder Bomben. Die Natur ist nicht mehr freundlich, aber wenigstens versucht sie gar nicht erst, das zu verbergen.

Trapper ließ mich im Regen Holz hacken, damit wir für die kalte Zeit genug auf Vorrat hatten. Das machte mir nicht den geringsten Spaß, und unsere Axt war so stumpf wie ein Kieselstein.

»Mist«, schimpfte ich, als meine Hände vom nassen Griff abrutschten und die Axt tief in das Holz eindrang. Dann warf ich den Ast mitsamt der Axt auf den Holzstapel. »Ich könnte genauso gut eine Eiche mit einem toten Hasen fällen.«

Trapper saß unter dem Vordach, reinigte sein Gewehr und bereitete sich auf die Jagd vor.

»Warum darf ich nie mitkommen?«, brüllte ich, damit er mich trotz des Regens verstehen konnte. »Ich könnte dir dabei helfen, das Wild zu zerlegen, und das Fleisch nach Hause schleppen.«

Er blickte nicht einmal vom Lauf auf. »Willst du nachts etwa erfrieren?«

Ich wischte mir das nasse Haar aus dem Gesicht, aber der Regen nahm sogar noch weiter zu. Der Boden unter meinen Füßen verwandelte sich schnell in eine schlammige Pfütze. Trapper hatte mir diese Stiefel im Frühling gegeben und gesagt, sie stammten aus dem Grab eines Jungen, der im Winter in Dalston gestorben war. Als ich mich erkundigte, warum Blut daran klebte, antwortete er, der Junge hätte eine Lungenkrankheit gehabt und Blut gespuckt. Ich wusch die Stiefel im Fluss, bis meine Hände ganz taub und wund waren. Trapper sagte, der Junge hätte sich verkühlt und der Teufel hätte ihn sich geholt.

»Nein«, erwiderte ich, da ich nicht so enden wollte wie dieser Junge. »Ich will ganz bestimmt nicht erfrieren.«

Er schraubte den Sucher wieder an sein Gewehr. »Wir haben alle unsere Aufgabe, Elka. Sogar dieses Gewehr.«

Ich hatte dieses Gewehr schon immer gemocht. Es war schwarz und schlank, und der Lauf war länger als mein Arm. Es gelang mir gerade so, es richtig zu halten, aber Trapper ließ mich nie damit schießen. Er sagte, der Rückstoß würde mir die Schulter auskugeln.

Danach schob er den Bolzen wieder in den Schaft und testete ihn mehrmals, um zufrieden festzustellen, dass er butterweich hindurchglitt.

»Wo hast du die Waffe her?«, wollte ich wissen. Ich zuckte zusammen, kaum dass mir die Worte über die Lippen gekommen waren. Keine Fragen, das war eine unserer Regeln.

Aber Trapper knurrte mich nicht an, wie er es sonst immer tat. Stattdessen stellte er das Gewehr hin und befüllte eines der Magazine mit Patronen. Natürlich mit selbst hergestellten.

»Ich habe es während des Zweiten Kriegs einem Russki abgenommen«, berichtete er und widmete der Waffe dabei deutlich mehr Aufmerksamkeit als mir. »Als Bezahlung dafür hat er mein schäbiges M16 bekommen. Die Waffe, mit der ich ihn kurz zuvor erschossen hatte. Das hier ist ein Dragunow. Man muss immer das Beste nehmen, was sich einem bietet, Kleine.«

Ich griff nach der Axt, die noch immer in dem Ast steckte, und versuchte, sie herauszuziehen. Das war die beste Axt, die wir hatten, und immer noch besser, als mit einem Messer und einem Hammer Holz zu hacken.

»Du hast damals gekämpft?«, fragte ich. »Meine Nana sagt, mein Großvater wäre auch Soldat gewesen.«

»Damals hat jeder gekämpft«, entgegnete er, »auch wenn nicht alle eine Uniform getragen haben.«

Er sah mir zu, wie ich mich mit dem Ast abmühte, machte jedoch keine Anstalten, mir zu helfen. Vielmehr steckte er die letzte Patrone ins Magazin und lud die Waffe. Dann holte er seinen Hut und seine Wachsjacke aus der Hütte.